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Das Fernsehblog

Johannes B. Kerner sucht den "Mini-Mini-Mini-Sinn" im Tod von Robert Enke

12. November 2009, 01:30 Uhr

Es ging auf Mitternacht zu, die Medien hatten schon über 24 Stunden lang aus der Sprachlosigkeit über Robert Enkes Tod ein dröhnendes, nicht enden wollendes Geplapper gemacht, als Johannes B. Kerner es schaffte, diese Sprachlosigkeit doch noch einmal kurz wieder herzustellen. Er ließ eine Karte zeigen und sagte zu Jörg Sievers, dem Torwarttrainer von Enke:

"Wir können hier anhand einer Grafik noch einmal darlegen, wie nah [Enkes] Todesort dem Ort ist, wo seine Tochter begraben ist. Das ganze ist ein paar Kilometer nordwestlich von Hannover, Neustadt am Rübenberge, da ist der Friedhof, und ungefähr zwei Kilometer, 2200 Meter entfernt, in Eilvese hat Robert Enke gestern sein Leben beendet. Jörg, glauben Sie, dass es irgendwas miteinander zu tun hat, dass er diesen Ort in der Nähe der Grabstätte seiner vor drei Jahren gestorbenen kleinen Tochter gewählt hat, um sein Leben zu beenden?"

Jörg Sievers, der Torwarttrainer, schnappte einen stillen Moment lang nach Luft, bevor er sich fasste und antwortete:

"Das wäre reine Spekulation, was ich jetzt sage. Wir spekulieren eh sehr, sehr viel. Deswegen möchte ich auf diese Frage nicht antworten."

Es wäre ein Augenblick gewesen, innezuhalten und kurz zu reflektieren, in welchem Maß sich alle in einen Rausch spekuliert hatten, auf der Suche nach Erklärungen für das Unerklärliche und rationalen Gründen für die Irrationalität einer Krankheit, zu deren Komplikationen der Suizid gehört. Aber Kerner zuckte nicht mit der Wimper, sondern hatte schon ein neues Spekulations-Angebot für Jörg Sievers: Ob nicht vielleicht hinter der rätselhaften Darmerkrankung Enkes vor ein paar Monaten in Wahrheit auch nur die Depression gesteckt habe...

Ein "Fraeulein Tessa" hatte schon am Dienstagabend, nachdem bekannt wurde, dass Robert Enke sich das Leben genommen hat, getwittert: "Könnte man nun bitte präventiv Kerner und Beckmann absetzen? Danke." Es half nichts. Sat.1 kündigte prompt ein "Kerner Spezial" und wies darauf hin, dass der Fernsehmann den Toten ja von seinen Länderspielen-Moderationen her kenne. Er kam dann aber nicht so schlimm, wie es hätte kommen können.

Dank Kerner hat Sat.1 nun erstmals seit längerer Zeit die Möglichkeit, aktuelle Themen aufmerksamkeitsstark im Programm zu behandeln - und muss die heillosen Spekulationen, das übertriebene Pathos, die pseudojournalistische Aufarbeitung (und vielleicht: die Quote) nicht mehr den Konkurrenten überlassen.

Kerners Gäste Jörg Sievers und Martin Kind, der Präsident von Hannover 96, waren vom NDR herübergekommen, wo sie kurz zuvor in der Sendung "Menschen & Schlagzeilen" schon von Susanne Stichler zum Spekulieren aufgefordert worden waren. Bei Kerner musste das Drama des Dramas natürlich noch größer werden. Nicht nur von einem trauernden, sondern gleich einem "traumatisierten Land" sprach er zur Begrüßung, rühmte die Pressekonferenz von Enkes Witwe als "beeindruckenden Auftritt einer wirklich starken Frau" und stellte dem Vereinspräsidenten zum Einstieg die programmatische Frage: "Herr Kind, wie haben Sie diese Stärke empfunden?"

Nach einem Tag, an dem auf allen Kanälen viel mehr zu dem Thema gesagt wurde, als es zu sagen gab, der Nachrichtensender n-tv selbst die Bilder der Pressekonferenz noch mit dramatisch-kitschiger Musik unterlegte und sich im DSF Sportreporter über Stunden als Experten für das Krankheitsbild Depression versuchten, war dieses "Kerner Spezial" ein fast unauffälliger Abschluss.

Kerner bemühte sich rührend, das Gespräch vom unbegreiflichen Thema Depression zum viel handlicheren Thema Überforderung und Druck zu lenken, worunter ja nicht nur Profi-Fußballer leiden würden, sondern zum Beispiel auch Geschäftsleute. Und er versuchte, der Tat etwas Gutes abzugewinnen und fragte in seiner unnachahmlichen Art, "ob wir möglicherweise damit rechnen müssen, dass wir in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten vermehrt Fälle hören, wo Fußballprofis den Mut finden zu sagen: Auch ich war einmal in der Situation, wo ich, ganz ehrlich, das Gefühl hatte, ich kann nicht mehr." Und wenn nun eine offene Diskussion entstehe über die Notwendigkeit, auch Schwächen zeigen zu können: Ob das "möglicherweise einen Mini-Mini-Mini-Sinn des Freitodes von Robert Enke gewesen sein könnte"? Dabei legte er den Kopf ganz treuherzig schief, bevor jemand auf die Idee kommen konnte, dass auch die Medien mit ihrer Gnadenlosigkeit gerade im Sport zu dem unmenschlichen Druck beitragen könnten.

Und dann schaffte er es, dass Sievers und Kind ganz am Schluss noch die Tränen in die Augen stiegen, als sie den großen Robert Enke auf Kerners Bitte hin noch einmal rühmten, und so gesehen muss man es wohl als eine gelungene Sendung bezeichnen.

Veröffentlicht 12. November 2009, 01:30 von Stefan Niggemeier
Kommentare

Wolfgang

12. November 2009, 03:56

http://fastvoice.net

Hoffentlich hat Kerner mit diesem Betroffenheits-Stück wieder eine Mini-mini-mini-Quote eingefahren und so gesehen könnte man es dann wohl als gelungen bezeichnen.

Lukas

12. November 2009, 08:09

Und warum kommen Herr Kind und Herr Sievers in diese Sendung? Warum sagen die nicht zum Kerner, mach deinen Mist alleine?

Winter

12. November 2009, 08:28

http://franzwinter1774@t-onlline.de

Ich kann dieses tagelange dumme Gequatsche nicht mehr ertragen.

Merkt denn eigentlich niemand wie zum Beispiel die Witwe equält wird?

Nur um der Sensation und der Quote willen machen Sie einfach weiter.Pfui Pfui.

Dunbar

12. November 2009, 08:31

Man möchte sagen: die Medienlandschaft von heute ist in weiten Teilen grenzenlos geschmacklos. Allein man läge falsch damit. Sie ist mitnichten geschmacklos. Sie hat sogar einen sehr starken, sehr lang andauernden und sehr unappetitlichen Nachgeschmack.  

lokalreporter

12. November 2009, 08:34

http://nahportrait.blogspot.com

wie gut, dass mir kerner nach seinem wechsel zu sat1 erspart bleibt, ihm dahin zu folgen, käme mir vor wie fan-tum.

alles bleibt auch nach enke, was es ist, zumindest im segement berichterstattung.

gestern die [zu erwartende] these gehört: durch ehnkes tat/tun würde das thema depression offensiver, allgemeinverständlicher diskutiert werden. ja, für die nächsten zwei wochen vielleicht. leistungsdruck generell und das streben nach gewinnenwollen im besonderen werden weiter zunehmen, wie alles zunimmt, betrachtet man das leben ausschließlich aus der konsum-perspektive.

dass extrem fokussierte/fixierte menschen nicht aus ihrer haut können, es nicht vermögen, sich beizeiten von ihren eigenen gedanken zu distanzieren, lebt kerner in tatsächlich unnachahmlichen art vor - und alle anderen auch, die im rampenlicht stehen. behandeln könnte man das mit neuen therapieformen, oder mit guten pharmakologischen drogen..  

Stefan Lachnit

12. November 2009, 08:36

Inzwischen sollte jeder Leser ihres Blattes Ihre Haltung gegenüber dem Informationsmedium "Fernsehen" - insbesondere gegenüber den Herren Kerner und Beckmann - registriert haben. Ich denke ihre Kritiken zu diesen Formaten dürfen wieder etwas neutraler ausfallen - ganz ohne Gefahr zu laufen als deren Sympathisant verstanden zu werden.

Peter Schmidt

12. November 2009, 08:40

Johannes B. Kerner ging es in Wahrheit noch nie darum, sich in seiner Mitmenschen hinversetzen zu wollen oder wirklich investigativen Journalismus zu zeigen.

Ihm geht es um sich und um seine Quote.

Und wer sich an seine durch und durch hölzern gespielten Versuche erinnert, Eva Herman in irgendeiner Weise zu diskreditieren ("Sind sie bei Bischof Mixa in die Lehre gegangen?"), was die Medienwelt leider viel zu leicht aufgenommen hat, der braucht sich über die gestrige Sendung nun gar nicht zu wundern.

Es war traurig mti anzusehen, wie Kerner mit immer weiteren Superlativen ("traumatisiertes Land") versuchte, die Geschichte noch reißerischer zu machen.

Dies war wohl der Inbegriff der Pietätlosigkeit.

Schämen Sie sich, Herr Kerner!

TZ

12. November 2009, 08:43

Ein Mensch ist gestorben, jung und Frau und Kind hinterlassend- ein tragisches Ereigniss. Jodoch eines was ständig passiert und leider nichts unnormales in unserer modernen Gesellschaft ist. Somit ist es völlig übertrieben so eine Katastrophe daraus zu machen die ganz Deutschland bewegt- tut sie nämlich nicht.

Wäre Enke kein Fussballer und Fussball kein Mediensport- keiner würde sich darum kümmern. Man möge bitte mit der Sonderbehandlung von Sportlern oder Prominenten in den Medien aufhören. Das Gegenteil wäre mal etwas neues.

Sportler sind bewunderndswert aber keine durchaus keine Helden, schon gar nicht für ein ganzes Land..

Steffen Baum

12. November 2009, 08:53

http://11freunde.de

11freunde.de/.../worueber_man_nicht_reden_kann

Sollte auch die FAZ langsam verstehen. Es ist beschämend wie sich die Medien verhalten.

Rune

12. November 2009, 09:04

Ihr habt auch immer was zu mosern. Wer sich über Kerner nicht aufregen will darf ihn nicht schauen.

Angelika

12. November 2009, 09:07

Herr Kerner hat wohl wieder mal bewiesen,wie geschmacklos er sein kann.

Ich selbst habe mir noch nur einen kleinen Teil  seiner neuen Sendung ( letzte Woche)bei Sat 1 angesehen,da hat gereicht,schlimmer gehts nicht. Sensationsgeil,besserwisserisch,so kennt man ihn.Er läßt Leute nicht aussprechen,i st pietätlos.Nichts anderes habe ich erwartet als das,was nun hier zu lesen ist.Diese Mann sollte " in die Wüste " geschickt werden oder sich  mit Frau Poth zusammen auf den Mond schießen lassen.Dort können sie sich gegenseitig zuquatschen.

Furchtbar

12. November 2009, 09:10

ist dieser möchtegern Weltversteher Kerner, der mit seiner Art doch bei vielen Menschen immer auf Ablehnung stoßen müsste. Eine Sendung mit J.B.Kerner kann man nie als gelungen bezeichnen.

Reinhold Kerner

12. November 2009, 09:10

Die Tatsache, dass selbst die Tagesschau Sebastian Deissler dazu befragen wollte, zeigt beispielhaft, wie oberflächlich die mediale Betroffenheit über Enkes Tod ist. Noch maximal eine Woche und alles läuft weiter wie gehabt.

Paul W. Thiemann

12. November 2009, 09:25

http://www.twitter.com/DerAscheberger

Kritik an der Sendung ist völlig überflüssig. Die Zuschauer müssen sich fragen lassen:  "Was sucht ihr bei Kerner, wenn ihr Euch so etwas anschaut?" -  Nach Harald Schmidt zählt dieser Sender und damit auch diese Sendung zum "Unterschichten-Fernsehen". -  Einzig positiv: Das Thema DEPRESSION wird auf diese Weise wahrscheinlich für kurze Zeit mal in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gespült wird, wie heute bereits im Morgenmagazin der ARD geschehen.

Kai Christoph

12. November 2009, 09:29

Natürlich ist es erschütternd, wenn ein Mensch sich das leben nimmt und Frau und Kind hinterlässt. Aber denkt den auch mal jemand an zum Beispiel den Zugführer, der wahrscheinlich thraumatisiert mit diesem Erlebnis weiterleben muss? an die Belastungen, die jetzt dessen Umfeld zu ertragen haben, weil ein Mensch keinen "anonymeren" Freitod wählen konnte- Mich machen solche "Suizid-Methoden" immer wütend. Immer wieder werden damit völlig unbeteiligte Menschen involviert.  

EGO-first

12. November 2009, 09:29

Kerner ist genau das, was er immer schon war: Ikone des intellektuellen Prekariats. Aber sich über ihn aufzuregen erscheint mir doch recht heuchlerisch: niemand ist gezwungen, sich seine Sendungen anzusehen. Das Problem ist nicht der Rattenfänger; es sind die Ratten.

eltonno06

12. November 2009, 09:38

Schließe mich TZ an. Was in dem Artikel nur kurz angerissen wurde: Sind es nicht zuletzt die Medien, welche gezielt Menschen diffamieren, um Quoten zu gewinnen? Und letztendlich diese Menschen unter Druck setzen und durch gezielte Dramaturgisierung eventuell diese Leute gar zu Depressionen treiben? Nun heucheln alle Medien Mitleid, sind aber indes bemüht ihre Auflage / Quote zu erhöhen, indem man wiederum alles dramtisiert wird - zum Leidwesen der Angehörigen und Hinterbliebenen. Das gerade Herr Kerner dem Wahnsinn die Krone aufsetzen musste, war zu erwarten.

R.I.P.

Pietätlos

12. November 2009, 09:38

Der Eventcharakter der Fernsehberichterstattung zu diesem Todesfall ist ekelerregend. Nach dem Trauergottesdienst fragte eine Reporterin des NDR doch glatt einige Teilnehmer, wie ihnen der Gottesdienst "gefallen" habe!

Rebekah

12. November 2009, 09:49

Was ist eigentlich aus dem journalistischen Grundsatz geworden, über Selbstmord nicht detailiert zu berichten, um niemanden zur Nachahmung zu animieren? (Rhetorische Frage)

Gernot Wendlandt

12. November 2009, 09:50

http://www.wendlandt-bct.de

Ich habe mir die Sendung nicht angeschaut, dennoch danke ich Ihnen für diesen Artikel und die darin ausgesprochene Kritik an Kerners journalistischem oder pseudo-journalistischem Stil und die unsensible Art mit diesem Thema umzugehen.

Pumuckel42

12. November 2009, 09:51

http://42wolf@web.de

Wie krank muss man sein um in einem von Menschenhand verursachten Tod einen Sinn sehen zu wollen? Selbstmord ist unendlich tragisch und eine Katastrophe mit schwer traumatisierenden Leid für die Angehörigen ... und über den Sinn von Tötung durch Dritte (Krieg, Mord, religiöse Opfer, Holocaust, Todesstafe) will hier hoffentlich nicht wirklich irgendjemand ernsthaft diskutieren?!

Peter Ranft

12. November 2009, 10:04

Die Tatsache, dass sich ein junger Mensch das Leben nimmt, weil er keine Möglichkeit sieht, mit seinen Ängsten und Gefühlen weiterzuleben, ist schon schllimm genug. Vor allem für die Familie und enge Freunde bleiben Fragen offen, die schwer oder nur unzureichend zu beantworten sein werden.

Weitaus schlimmer ist jedoch, dass sich losgelöst von dieser speziellen Tragödie die Fernsehwelt - insbesondere vertreten durch die Betrofffenheitsspezialisten Kerner, Beckmann Jauch und andere - daran üben dürfen, Fragen zu beantworten, auf die selbst die Betroffenen keine Antwort finden, obwohl sie dem Geschehen viel näher waren.

Die Sender selbst werden es kaum schaffen, sich von diesen vordergründig auf sich selbst und ihre persönliche Werbewirksamkeit konzentrierten Quotenkönigen zu trennen, was bedeutet, dass das Programmangebot gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise nur noch schlechter werden kann.

Die einzige Alternative: Keine Privatsender mehr schauen, die sich mittlerweile nur noch mit verdummendem, hohlen und zudem noch preiswert produzierten Fernsehmüll profilieren wollen.

Dirk

12. November 2009, 10:06

Entschuldigung, aber das ist doch Rotz. Jedes Jahr bringen sich in Deutschland 10000 Leute um, die meisten wegen Depressionen. Aber weil dieses Mal unser Nationaltorwart derjenige war, soll gleich die ganze Nation traumatisiert sein? In Deutschland leiden geschätze 4 Millionen Menschen an Depressionen. Wie viele davon kennen Sie? Wie wär's, wenn Sie sich um die sorgen, statt um die sicher schwer trauernde Witwe eines Mannes, den Sie nur aus dem Fernsehen kennen?

RonSchaffer

12. November 2009, 10:12

Nachdem zu erwartenden Fehlstart von Kerner war klar, dass dieser in die allgemeine Betroffenheitsschiene mit einer Sondersendung einsteigt. Denn dann ist eine Grundquote erstmal sicher und darum geht es heute: bis zum nächsten Mal zu überleben.

RP

12. November 2009, 10:29

Einige Leute verkennen, dass nicht Kerner der "Bösewicht" ist, sondern die Medienwelt in der er tätig ist. Hinter solchen Sendungen stehen Redaktionen, in denen NICHT NUR Herr Kerner alleine sitzt. Und hinter der ganzen Kerner Kulisse steht ein Sender, der nichts sehen will als Quote. Menschlichtkeit zählt bei den Privaten nicht mehr viel. Und noch etwas: Hinter der Medienwelt steht ein ungebildetes, sensationsgeiles Publikum.

AW78

12. November 2009, 10:31

http://11freunde.de

Vielleicht könnte sich die deutsche Medienlandschaft am Fachmagazin "11 freunde" ein Beispiel nehmen und endlich mit diesen sensationsgeilen und pseudopathetischen Berichterstattungen aufhören.

Aus Respekt vor dem Toten und den Hinterbliebenen wäre STILLE Anteilnahme mehr als angemessen.

Moritz

12. November 2009, 10:35

Dunbar hat so recht, dieser widerliche Nachgeschmack ist es, der mir wirklich Sorgen bereitet. Ich freue mich immer, wenn ich mitbekomme, dass es anderen Menschen auch so ergeht, dass sie diesen (zum Teil rundfunkgebührenrefinanzierten) Dreck nicht mehr ertragen. Heute morgen hat jemand im Doofkopp-TV behauptet, es gäbe zur Zeit kein ähnlich wichtiges Thema (das werden unsere Soldaten in Afghanistan vielleicht anders sehen), aber wen schert das? Diese Pseudobetroffenheit, unterlegt mit der immer gleichen Klaviermusik, ist nicht auszuhalten.

Findet ihr auch Markus Lanz noch schlimmer als Kerner und Beckmann? Oder bilden die 3 quasi das Triumvirat des intellektuellen Prekariats?

@Rebekah: wichtiger Einwurf, was ist denn ergänzend zu den Angehörigen, die leiden, mit dem Lokführer, lawblog.de hat auf einen Artikel verlinkt, der sich mit eben diesem Thema auseinandersetzt.

Lomexx

12. November 2009, 10:42

Tja, was soll man sagen? Vielleicht dies: Dieses Stochern im Nebel, dieses Spekulieren und Interpretieren ist tatsächlich ziemlich schwer erträglich – auch unabhängig von der Sendung gestern, es machen ja alle. Dieses laienpsychologische Geschwurbel - der Druck war's, der Tod der Tochter - ist am Ende nur monokausaler und vor allem banalisierender Käse für Leute, die immer eine einfache Erklärung für alles brauchen. Die gibt es aber ausgerechnet in so einem Fall nun mal nicht: Ich wette, der Typ hat hundertmal zu Hause gesessen und sich gesagt: Mir geht's doch prima, ich hab doch alles - warum fühlt es sich trotzdem so scheiße an? Und sein Arzt hat geantwortet: Das ist eine Krankheit, dein Serotoninspiegel sinkt unter ein gewisses Level und du fühlst dich kacke – weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen. Und solange das niemand schreibt oder sagt, gilt Depression immer noch allen als persönliches Versagen - und der Tod Henkes macht es für die anderen nicht besser, sondern schlimmer. Die lesen jetzt nämlich überall: Er war sensibel. Er ist am Druck zerbrochen. Was wahrscheinlich Unsinn ist – man lese nur mal Interviews mit Sebastian Deisler. Mit druck hat das nichts zu tun, das ist allenfalls ein Auslöser unter vielen...

Das alles wird dem armen Schwein jedenfalls garantiert nicht gerecht. Und Überschriften wie die zu den Berichten über die Fanaufmärsche schon gar nicht: "You'll never walk alone". Wenn der Mann irgendwas vor seinem Ende an der bahnstrecke war, dann ja wohl allein! Trotzdem nett, das sich jetzt alle an den Händen halten und ein bisschen weinen - ist ja so ein schönes Gefühl. Hat nur mit dem Typen rein gar nichts zu tun.

Wenn schon interpretierende Berichterstattung über Selbstmord, dann mit etwas Abstand, nachzulesen hier:

wortpong.wordpress.com/.../100-gute-grunde-aus-dem-leben-zu-scheiden

Wales-Rhondda

12. November 2009, 10:57

Der Selbstmord oder der Freitod kommt nicht von ungefahr. Ein wichtiger Politiker sagte, das auch ein Teil bei dem "mund-tot-machendem" System DFB/Loew gaebe, in denen Profis nur den Mund halten muessen und nur das dumme Folgen von purer Diziplin und ein unverhaelnismaessigges Leistungsprinzip zaehlt. Ausgenommen seinen "Seine" Schosshuendchen ... So, wie sich der DFB den Spielern gibt, ist es nur natuerlich, das es zwischenmenschliche Probleme gibt. Der Verlust von Mr Enke ist offentlich ein Weckruf, das Profisport von "fuehlenden" Menschen gemacht wird ...

Der Gerechte

12. November 2009, 11:15

In keinster Weise möchte ich pietätlos und Frau Enke gegenüber respektlos sein, aber der Tod eines Fußballers scheint die Menschen mehr zu treffen, als das Dahinscheiden von Menschen, die auch viel für dieses Land getan haben. Wenn der Gladiator stirbt, so scheint es mir, kümmert sich niemand mehr um die "Dichter und Denker". Keine Schuld weise ich der Familie Enke zu, aber die mediale Ausschlachtung dieses Themas ist einfach nur erschreckend und sehr widerlich.

Konrad Wilms

12. November 2009, 11:15

Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit hat jetzt der Zugführer, vor dessen Wagen sich Robert Enke warf, einen Leidensweg vor sich, den der letztlich ja von ihm getötete Enke, trotz offenbar angebotener professioneller Hilfe, nicht zu gehen bereit war. Da muss die Sinnfrage unter ganz anderen Vorzeichen gestellt werden.

lucca1

12. November 2009, 11:20

Wann versteht es die Masse der Leute endlich, dass es keinen "SelbstMORD" gibt???

Mord ist definiert als Tötung aus niedrigen Motiven (Rache, Habgier, Haß etc.) und einem unter Depressionen leidenden Menschen auch noch niedrige Motive zu unterstellen ist wohl das pietätloseste überhaupt. Auch "FREItod" gibt es nicht; es geht ja eben nicht um Freiwilligkeit, wenn man unter einer solch quälenden Erkrankung leidet. SUIZID ist hier das einzig richtige Wort. Und eigentlich ist das auch bekannt.

Und das Herumhacken auf Herrn Kerner ist ja immer mehr zum politisch korrekten Reflex derer geworden, die die Meinungsführerschaft für sich behaupten. Ich persönlich finde, dass Kerner zu den besten Interviewern in dieser Fernsehlandschaft zählt, was er auch durch unzählige unvergessliche Sendungen bewiesen hat.

alice

12. November 2009, 11:28

@ Kai Christoph

Ich will mir nicht ausmalen, was ein "anonymerer Freitod" ist. Eine Gesellschaft, die es nicht schafft, Menschen mit Depressionen aufzufangen, Ihnen zu signalisieren, daß sie nicht allein sind, daß es Hilfe geben kann, hat nicht das Recht, sich über die mit dem Freitod für die Allgemeinheit verbundenen "Belästigungen" zu beschweren. Sie muß damit leben. Ich verstehe das Mitleid und die Anteilnahme mit den Betroffenen, jedoch demjenigen, der sein Leben beendet hat, das Leid des Lokführers vorzuwerfen, halte ich für zynisch und nicht hilfreich. Wer in einem heranrollenden Zug noch den Lokführer sehen kann, bringt sich nicht um. Dies ist keine fachlich qualifizierte Aussage, sondern meine persönliche Spekulation.

Mick

12. November 2009, 11:36

Also an Ihrer Stelle würde ich vielmehr das Thema Volkskrankheit Depression in das Zentrum der Berichterstattung rücken. Stattdessen auch hier nur Voyeurismus und oberflächliches Geplänkel statt offenem Umgang mit dieser Krankheit - genau die Stimmung, die dazu führt, dass Menschen mit ihren Depressionen allein sind und Menschen wie Robert Enke diesen Ausweg wählen

schrauber

12. November 2009, 11:38

Schön, daß so manch eine(r) wieder seine individuelle Eitelkeit pflegen konnte, sich mit (gespielter) Trauer, Betroffenheit und ähnlichem in Szene zu setzen.

.

Wer aber denkt an den Lokführer, der für den Rest seines Lebens mit dieser Situation alleine fertig werden muß?

Krischi28

12. November 2009, 11:47

So traurig der Tod von Robert Enke für sein Umfeld und auch seine Fans sein mag - hier ist ein Mensch freiwillig aus dem Leben geschieden.

Fast zeitgleich (am gestrigen Tag) wurde ein junger Kurde (politischer Gefangener)  im Iran gehängt, ohne eine Chance auf einen fairen Prozess - geschweige denn, auf ein selbstbestimmtes Leben - gehabt zu haben. Dies kümmert in Deutschland tatsächlich niemanden.

Gerade wenn man internationale Medien, wie bspw. BBC, verfolgt und mit der deutschen Berichterstattung vergleicht, ist es immer wieder faszinierend zu beobachten, wie sehr Deutschland (die deutschen Medien!) um sich selbst kreist. Und weil sich im friedlichen Deutschland so wenig Katastrophen ereignen, freut man sich über jedes Einzelschicksal, das für Quote sorgen kann. Dass sich irgendwo anders auf der Welt wahre Tragödien ereignen, gegen die man die Stimme erheben müsste, wird hier gar nicht erst reflektiert. Ganz schön bitter.

viewer

12. November 2009, 12:07

Hurra! Die Quoten sind abgrundtief schlecht!! :-)

www.dwdl.de/.../kaum_interesse_an_kerners_enkespecial

Leonhard

12. November 2009, 12:22

Ich bin der Meinung, die Kommentar-Funktion, die Tageszeitungen in ihrem Online-Angebot anbieten, sollte bei solchen Ereignissen wie dem Freitod von Robert Enke abgeschaltet werden. Was soll man sagen, was soll man schreiben? Liest man die Einträge, so lauten sie von "Mein Beileid" bis hin zu "Es sterben jeden Tag Tausende die nicht so prominent sind und niemand berichtet darüber. Aber bei Promis..." Das braucht niemand, schon gar nicht die Betroffenen, die Angehörigen. @Kerner im TV: Wer sich das widerliche Geschleime antut, ist selber schuld.

ab

12. November 2009, 12:33

zu Konrad Wilms: so pervers wie es klingen mag,wahrscheinlich stand schon RTL,Sat 1 , Stern TV oder wer auch immer schon vor der Tür des Zugführers,um für viel Kohle ein Exlusiv Interview zu bekommen.Das ist unsere Mediengesellschaft- hier geht es um Auflagen,Quoten und nichts anderes.

Andrea K.

12. November 2009, 15:03

Es sollte vielmehr darüber gesprochen werden, daß Depressionen in der Geselllschaft kein Tabuthema mehr sein sollte. Es gilt heute immer noch als Makel an einer psychischen Erkrankung zu leiden. Hätte Herr Enke eine andere Erkrankung gehabt, z. B. Diabetes, wären seine Ängste um eine Veröffentlichung

vermutlich gar nicht erst entstanden.

besides

12. November 2009, 15:04

ich möcht einfach nur zum Thema Depression sagen, dass ich es absolut verstehen kann, dass Enke damit nicht an die Öffentlichkeit wollte, ich glaube jeder kriegt das am eigenen Leibe mit, wie das Leben läuft, das Schwächen aus Teufel komm raus ausgenutzt werden und jede Möglichkeit genutzt wird um den anderen auszustechen, am Erfolg zu hindern bzw. sich selber den Vorteil zu verschaffen oder auch nur sich daran zu ergötzen, wenn der andere Probleme hat, ich bin auch der Meinung, dass man sich damit komplett ausliefert und keine Besserung der Situation verschafft, natürlich sollte Suizid auch nicht der Weg sein, nur zu Depression in der Öffentlichkeit zu stehen kann ich keinem Depressiven empfhehlen, ich finde es absolut erstaunlich, dass man Depressionen anscheinend so gut vertuschen kann, da man gerade als Fußballer ja ständig fit sein muß, dass man mit Depressionen so einen Erfolg haben kann und dann noch als Sportler finde ich sehr erstaunlich, ich habe den Eindruck diese Krankheit fällt sehr unterschiedlich aus, Vorwürfe von wegen der Art und Weise des Suizids, andere damit zu belasten, halte ich auch für sehr fragwürdig und ein wenig pietätlos, ich denke in dem Moment ist man nicht zurechnungsfähig, jedenfalls klingen solche Aussagen sehr zynisch, (''kann der nicht woanders aus dem Fenster springen, ausgerechnet vor meine Füße'', sorry),  ''wie kann man sowas seiner Familie antun'', das ist sowas von zynisch, den Medienrummel finde ich verständlich bei einem Mensch der Öffentlichkeit, das ist natürlich eine enorme Belastung für die Angehörigen, mich hat diese Nachricht auch sehr getroffen, obwohl ich keinen großartigen Bezug zu Robert Enke hatte, natürlich fragt man sich nach den Gründen eines Suizids, nach dem ersten Schock und etwas Nachdenken, meine ich, dass seine 'gequälte Seele' nun Ruhe hat,  natürlich geht das Leben so weiter wie vorher, nur einen kurzen Moment meint man, bleibt die Zeit stehen, the Show must go on (son dummer Spruch), und jeder muß selbst entscheiden, wie er mit seinen mehr oder weniger starken bzw. krankhaften Depressionen umgeht, denn sein wir mal ehrlich, den Hauch einer Depression hatten wir doch alle schon mal, oder?

H.J. Schneiders

12. November 2009, 15:15

unsensibel - ein typischer Kerner eben. Nach 5 Minuten habe ich den Möchte-gern-Ferneh-Medien-Meister abgeschaltet.

Tessa

12. November 2009, 15:54

http://flannelapparel.blogspot.com/

Dankeschön für das Aufgreifen des Tweets. Und ich wollte schon sagen, man hätte einen Kommentar zu Kerners Sondersendung auch schreiben können ohne sie zu sehen, aber alleine die erste beschriebe Situation hätte ich mir kaum gruseliger ausmalen können.

Dent42

12. November 2009, 19:39

" Man möge bitte mit der Sonderbehandlung von Sportlern oder Prominenten in den Medien aufhören. Das Gegenteil wäre mal etwas neues.

Sportler sind bewunderndswert aber keine durchaus keine Helden, schon gar nicht für ein ganzes Land.."

Ist doch Blödsinn, ganz ehrlich, es gibt nunmal Leute die eine gewisse Stellung erarbeitet haben und deshalb prominente sind, ich rede nicht von der selbsternannten B - Z-Prominenz, sondern von Leuten die wirklich aufgrund ihres Talents un/oder ihres Ehrgeizes aus der Masse herausragen, solche Leute sind für andere Interessant, das lässt sich soziologisch und genetisch auch begründen.

Ansonsten finde ich es echt albern den egalsten aller TV-Leute in diesem Land stellvertretend für die Berichterstattung ans virtuelle Kreuz zu Nageln, ganz Ehrlich: wtf is Kerner und was unterscheidet ihm von anderen.  

Ist echt nen bisschen einfach sich an J.B.K. abzuarbeiten, quasi wie Fische aus dem Medialen Moloch angeln, verdient hat ers natürlich, wenn auch nicht so sehr wie die Flachwi*er von Pro7/Sat.1, die in Niggemeiers Blogi hr Fett wegkriegen.

Ansonsten ist "ein Hauch von Depressionen" genauso Blödsinn wie "ein Hauch Schwanger" oder "ein Hauch vom Zug überfahren", entweder man ist depressiv oder nicht, natürlich gibt es verschieden schwere Ausführungen dieser Krankheit, aber nur weil man mal nen paar Tage schlecht drauf ist ist man nicht depressiv.

Das Besondere an dieser Geschichte ist die Kombination der Faktoren Sportler, der ja Gesundheit ausstrahlt,  finanziellem und persönlichem Erfolg und im Kontrast dazu eine vorhergehende Familientragödie, eine Krankheit die - Natur der Sache - etwas diffus ist  und der Tatsache das der Mann diese so vollständig verbergen konnte, sogar vor Trainern, Ärzten und Psychologen. Man darf ja nicht vergessen das Fussballer unter sehr umfangreicher ärztlicher Kontrolle stehen. Das spricht einen doch auf einem anderen Level an als, sagen wir ein Pillensüchtiger Sänger der Hackenstramm aus dem Badezimmerfenster springt.

H

13. November 2009, 18:52

Also ich bin eig kein fußballfan. Aber ich glaube jeden hat es geschockt das robert enke sich in eilvese vor einen zug geschmissen hat. Ich weiß nich ob es an seinem Todesort liegt aber ich wohne ganz in der Nähe.Vielleicht liegt es aber auch einfach daran das sich jeder mit diesem Spieler identifizieren konnte/kann? Einfach schrecklich finde ich wie dieses Thema in den Medien zerfetzt wird…Spekulationen über Spekulationen und die Wahrheit ich meine die ganze Wahrheit kennt wahrscheinlich noch nicht einmal seine Witwe. Also nun zu ihr ich finde es bewundernswert was für eine Stärke diese Frau hat (wenn es überhaupt ihr eigener Wunsch war) einen Tag danach gibt sie eine Pressekonferenz im Blitzlichtgewitter Sie beantwortet jede Frage. Und das is doch stark oder? Teresa Enke tut mir dennoch verdammt leid ich glaube kiner von uns kann diesen Schmerz bachvollziehen auch die größten Fans nicht. Erst verliert sie ihre Tochter dann ihren Mann und dann noch durch Suizid. Ich wünsche ihr die größte Kraft. Genauso wie ich dem Zugfahrer Kraft wünsche wie schrecklich es sein muss einen Menschen egal wen vor dem Zug zu sehen und zu wissen diesen Menschengleich zu töten… Und zawr auf grausamste Weise. Der Angehörign alles Gute. FDanke für ihr Lesen.

Ali

14. November 2009, 08:57

@Rune: Erklär uns doch mal dein Verständnis von Medienkritik. Nur beachten, was toll ist???

jesus hätte gesagt

16. November 2009, 11:37

"Komm zu mir Ehnke, ich heile Dich. Du kannst Deine Krankheit würdevoll auskurieren." Warum hat die kein Therapeut und kein Arzt in diesem menschenrechtsorientierten und medizinisch aufgeklärten Land Deutschland getan? Ehnke wird nach seinem Tod als eine "großartige Persönlichkeit" geehrt, aber warum kann ihm lebend keiner helfen?

Viele Ärzte und Therapeuten wissen nicht, wie diese lebensbedrohliche Krankheit zu heilen ist. Schon bei der Erkennung der Krankheit versagen leider viele. Dabei ist die Therapie für Depression meist einfach: 2 Jahre medikamentöse Behandlung mit dem richtig dosierten Medikament und die Krankheit ist auskuriert - auch ohne Klinikaufenthalt

Stattdessen wird mit Psychotherapie herumgedoktert und das ganze wächst sich zu einer chronischen Krankheit aus. Aber Die Depression ist keine PSYCHISCHE Krankheit sondern eine lebensbedrochlich PHYSISCHE Krankheit!!! Wenn dieser Fakt allgemein unter den Ärzten akzeptiert wäre und entsprechend therapiert würde, dann hätte Robert Ehnke sicher überlebt.

In einer Gesellschaft in der die Depression als PSYCHISCHE Krankheit stigmatisiert  wird, sind die Kranken gezwungen ihre Krankheit zu verheimlichen, damit sie Ihre Menschenwürde aufrechterhalten können.

Dabei ist diese Krankheit eine der qualvollsten und niederträchtigsten Krankheiten, die jeden Tag zur Hölle machen. Wenn keine Besserung eintritt, dann hilft und heilt doch nur der Tod.

Vielleicht wachen Ärzte und Therapeuten endlich auf nach Robert Ehnke Tod und Teresa Ehnkes mutiges Geständnis der Todesursache Depression.

Flüge

17. November 2009, 11:38

http://www.ticketpoint.de

Ich empfinde die Situation um Robert enke bestimmt genauso schlimm, wie ganz Deutschland. Allerdings darf man nicht vergessen, dass sich jedes Jahr ca. 9.000 Menschen aufgrund von Depressionen das Leben nehmen. Wer trauert um die? Genau, das sind die Familien und die Freunde. Dass deren Leben daraufhin "verpfuscht" ist, das sehen nur die Wenigsten. Die werden am Anfang mit Fürsorge und Mitleid überschüttet. Aber nach ein paar Monaten heißt's dann "so langsam kannst du dich mal wieder fangen. Du bist ja nicht gestorben...." Allerdings fühlen sich viele ganz genauso!

Es ist im Endeffekt nichts anderes wie die Medien agieren. Am Anfang stürzen sich alle auf die Angehörigen und wollen am liebsten jedes Detail über den Selbstmord wissen. Nach einer gewissen Zeit ist das aber nicht mehr interessant. Zum Schluss kann man sich noch böse Gerüchte anhören, warum man nicht auf irgendwelchen Festivilitäten o.ä. erscheint.

Wir sind einfach eine heuchlerische und sensationsgierige Gesellschaft.

torbolski

18. November 2009, 12:04

Aaaah - es ist wieder Zeit für das allgemein beliebte Medien-Bashing. Das ist schon toll: die eigene Sensationsgier ist durch das Angebot des Boulevard befriedigt und anschließend kann man sich mit seinem Voyeurismus-Kater vor den Rechner pflanzen und seine Empörung kundtun. Es ist aber leider so: das einzige unschlagbare Kriterium für die Berichterstattung über ein bestimmtes Thema sind - vor allem im Privat-TV - die Einschaltquoten. Würden die Zuschauer bei der Berichterstattung über den Selbstmord von Robert Enke angeekelt zur Fernbedienung greifen und scharenweise zu 3sat wechseln, wäre am nächsten Tag der Spuk zu Ende. Jedes Publikum bekommt das Programm, das es verdient. Machen wir uns nichts vor: bleibt es beim Prinzip "Kill the Messenger" - heimlich spannen und öffentlich spammen, ändert sich an der Themenauswahl rein gar nichts, warum auch? Kerner ist es herzlich egal, was für Lippenbekenntnisse seine Zuschauerschaft am nächsten Tag ins Web spuckt - wenns der Quote dient und er weiter Geflügelwurst und Mineralwasser verkaufen kann, geht ihr alle ihm - sorry für die Wortwahl - ganz gepflegt am Arsch vorbei.

Stefan Niggemeier

19. November 2009, 20:39

@torbolski: Abgesehen davon, dass ich Ihnen auch sonst widersprechen würde: Kerners Quote war miserabel. Q.e.d.?

Trackbacks

??? Todesgeplapper | reine medienkritik

12. November 2009, 08:56

Schattenweber » Freitod

12. November 2009, 13:57

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