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Heulsusenverein VPRT: Immer sind die anderen schuld

19. November 2009, 16:08 Uhr

In Berlin trafen sich gerade die Mitglieder des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), um zu bejammern, wie schlecht es ihnen geht und wie ungerecht es ist, dass ARD und ZDF von der Politik so arg bevorzugt werden. VPRT-Präsident Jürgen Doetz nutzte die Gelegenheit, noch mal über den neuen Digitalkanal ZDFneo zu schimpfen und (laut dpa) sogar dessen Stopp zu fordern, weil sich das ZDF erdreistet, damit – Achtung! – junge Zuschauer erreichen zu wollen. Ja, das ist natürlich eine Unverschämtheit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, endlich ein Programmangebot für alle Gebührenzahler machen zu wollen, und nicht nur für solche, die gerne "Bergdoktor" gucken.

Nicht nur das ZDF hat sein Fett weggekriegt, am Abend kritisierte Doetz beim "Get-together" in Berlin auch die Medienwächter dafür, dass sie ihre Arbeit machen. Die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) hatte gestern ein Bußgeld in Höhe von 95.000 Euro gegen Sat.1, Kabel 1 und DSF verhängt, weil die in ihren Call-in-Shows gegen die Gewinnspielsatzung verstoßen hatten. Das sehe man nun auch dem Buffet an, scherzte Doetz:

"Der Hummer ist nicht da, der Kaviar gestrichen, der Champagner durch Prosecco ersetzt."

Nun gehört Jürgen Doetz durchaus zu den respektablen Persönlichkeiten im deutschen Medienlobbyismus, aber das Geheule, das sein Verband in den vergangenen Wochen veranstaltet, ist schlicht unerträglich, weil man sich angewöhnt hat, gegen alles anzustänkern, was den Privatsendern nicht in den Kram passt – wie ein beleidigtes Kind, das nicht mit Fußballspielen darf und bei Mama petzt, dass die anderen längst hätten zuhause sein müssen.

Gar nicht zur Sprache kommt dabei, wie sehr die Privatsender selbst wesentliche Trends verpennt haben, wie sie ihr Publikum aus reiner Profitgier mit Anrufshows abzocken und in einer Tour gegen Werberichtlinien verstoßen. Der VPRT kann froh sein, dass die Landesmedienanstalten noch immer überfordert damit sind, sämtliche Verstöße zu ahnden. Dass hinsichtlich der Call-in-Shows in letzter Zeit härter durchgegriffen wird, ist richtig und wichtig. Und hoffentlich nur der Anfang einer besseren Kontrolle im Interesse des Publikums.

"Der private Rundfunk hat hinreichend bewiesen, dass er sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist – er muss diese Verantwortung nur auch finanzieren können",

sagte Doetz am Mittwochabend. Was genau er damit wohl gemeint hat? Dass RTL und Pro Sieben ihren Nachmittag mit schlimmstmöglichen "Geschichten aus dem Leben" zukleistern, die neuerdings auch noch erfunden sind, um drastischere Fälle schildern zu können? Dass RTL Quotenrekorde mit Sendungen wie "DSDS", "Das Supertalent", "Bauer sucht Frau" und "Schwiegertochter gesucht" feiert, in denen Menschen bloßgestellt, verspottet und als Freaks inszeniert werden? Oder dass viele Sender sich einen Dreck darum scheren, was ihnen die Medienkontrolle vorgibt – zumindest so lange bis es jemand merkt?

Das Privatfernsehen in Deutschland gibt gerade über weite Strecken ein erbärmliches Bild ab. Anders als der VPRT annimmt, liegt das aber nicht bloß an den anderen.

Archiv-Foto: dpa

Veröffentlicht 19. November 2009, 16:08 von Peer Schader
Kommentare

Sven

19. November 2009, 16:48

http://inselblog.com

Das Herr Doetz so arg über ZDFneo schimpft, zeigt nur dass das ZDF damit alles richtig gemacht hat.

Balduin

19. November 2009, 17:03

Peer, ich muss dich loben. Dein Beitrag trifft den Nagel pontiert auf den Kopf.

Einschränkend muss  ih allerdings auch die Privaten in Schutz nehmen: Dass die in Zeiten sinkender Werbeeinnahmen neidisch auf den  ÖR schauen , da sie selber kein Patentrezept in der Hand haben, die zurückgegangenen Werbeeinnahmen auszugleichen, ist in meinen Augen nicht unverständlich. Unverständlich ist dagegen,  dass man deshalb versucht, sich auf Kosten der Zuschauer zu bereichern (siehe Call-In-shows). Über das Programm reden wir besser gar nicht ...

Dent42

19. November 2009, 18:38

Privat gg. ÖR ist doch Not gegen Elend, die einen sparen sich in Zeiten der Werbekrise. Die anderen haben eine dubiose, quasi-mafiöse Geldeintreibeinstitutuion im Nacken die sie mit Milliarden überschüttet und schaffen es das ihr Programm trotzdem ebenso mies ist und meisstens noch beschissener aussieht, abgesehen davon kann man Neo höchstens enormes Potential bescheinigen, ob die geistig frühvergreisten Gerontokraten des ZDF es tatsächlich schaffen eine Jugendliche Zielgruppe anzusprechen darf mit ihrem bisher äusserst harmlosen und unmutigem Programm noch bezweifelt werden, aber vielleicht ist das auch nur ein mißverständnis und Jugendlich heists bei den Schnarchnasen unter 50

Stefan

19. November 2009, 18:44

http://www.fernsehkritik.tv

Zum Thema Medienkontrolle passt das Video, das Marc Doehler gestern veröffentlich hat, wie die Faust aufs Auge. Eine perfekte Vorlage für Herrn Doetz und Konsorten. Hier der Link, vielleicht ließe der sich oben einbinden:

de.sevenload.com/.../LqOhle0-9LIVE-UND-DIE-GEWINNSPIELSATZUNG-CALL-IN-TV-NET

Thomas

19. November 2009, 21:39

Auch ich bin der Ansicht, dass obige Kritik richtig und überfällig ist, es ist zwar durchaus nicht zu verurteilen, wenn eine Interessengemeinschaft (Der VPRT und die Privatsender) ihre Interessen vertreten, allerdings wird dies in den letzten Jahren nicht nur von Doetz, sondern auch von Schmid und Schäferkordt von der RTL-Group zunehmend auf extrem plumpe, platte und deshalb auch durchsichtige Art und Weise betrieben.

Dabei frage ich mich ernsthaft, ob dies nur ein Schaukampf ist, oder ob sich die Vertreter der jeweiligen öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsender bei Veranstaltungen wie den Deutschen Fernsehpreis, der gemeinsam ausgerichtet wird am liebsten gegenseitig an die Gurgel gehen möchten, oder ob und wie hier überhaupt noch ein normales Arbeitsverhältnis möglich ist.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat sicherlich viele Fehler, was aber für den privaten ebenso gilt. Nicht zu unrecht weist man dort auf die Tatsache hin, dass die Privaten trotz Werbekrise und politischer Ungleichbehandlung (?) sehr gut verdienen, während weiter unablässig und gnadenlos an der Kostenschraube gedreht, dafür aber kaum mehr ins Programm investiert wird.

Und insbesondere bei RTL gehen die Quoten ja jetzt wo der Nachmittag wieder läuft wieder explosionsartig in die Höhe, und auch bei ProSiebenSat.1 sieht es da nicht schlecht aus, das man sich dort an unternehmerischen Fehleinschätzungen wie dem SBS-Kauf verhoben hat, maßlose Eigentümer hatte und hat, Strafzahlung wegen Rabatten und Werbekrise jetzt durchschlagen kann man wohl kaum den öffentlich-rechtlichen Rundfunk anlasten, das sind alles hausgemachte Probleme.

Paule

19. November 2009, 22:34

@Thomas Ziel einer Lobbyvereinigung ist es nunmal, ohne Rücksicht auf Verluste für sich selbst zu kämpfen. Und genau das machen die.

Da kommt es dann dazu, dass man keinen ör Nachrichtensender zulässt, der als Alibi genannte "funktionierende Markt" aber dafür sorgt, dass n-tv und N24 so sind wie sie sind. Alles aber keine Nachrichtensender.

Oder: Die ÖR haben bei der jüngeren Hälfte der Gebührenzahler einen Marktanteil von gerade mal ~20%.  Ein schlechtes, aber dem Angebot angemessenes Ergebnis. Das sieht für mich nicht nach allesfressender Übermacht aus. Obwohl man den Eindruck erweckt.

Oder: Die Privaten haben sehr lasche Regionalmagazinregeln und null Behindertenfürsorge (UT, AD). Dennoch will man nicht, dass die ÖR junge Zuschauer mit Untertiteln versorgen?

Wenn der VPRT vor einiger Zeit ein Neo-Verbot foderte und hinweist, dass das doch auch im ZDF laufen könnte, dann gibt es zuerst mal den Widerspruch, dass die angeblich kritischen Inhalte dennoch vorhanden wären und es ergibt sich noch eine Sache, die auch Peer nicht durchschaut hat: Junge suchen und finden im ZDF nicht viel. Wenn man das Programm ändert, bleibt dieser Zustand erstmal erhalten, aber die Alten wenden sich ab. Damit hat der geschundene VPRT sein Ziel erreicht. Weniger Zuschauer fürs ZDF, ohne selbst etwas tun zu müssen.

Würde man - was immer nötiger wird - mit Sinn und Verstand an den ÖR ansetzen, bestünde die offene Gefahr, dass diese Sender erfolgreicher werden (vgl BBC und ITV) . Kann der VPRT das wollen? Ich denke, dass man mit der aktuellen Situation ganz gut leben kann. Man hat einen prima Sündenbock, auf den alle gern einprügeln, bei gleichzeitig immer weniger kreativen Aufwand. Und das ganze bezeichnet man dann als wahrgenommene Verantwortung.

J. S.

19. November 2009, 23:01

Ich habe nur eine Frage:

Hat dieser Herr Doetz überhaupt jemals eine Call-In-Show gesehen?

Jürgen Doetz

20. November 2009, 00:21

Schon vergessen, wie für die Verleger Hubert Burda gerade bei den Münchner Medientagen als zentralen Kritikpunkt das Angebot von Kochrezepten aus dem Fundus von Markus Lanz geißelte?Und jetzt der VPRT mit seiner Kritik an ZDFneo! Armes ZDF - umzingelt von Heulsusen!Bisher gehörte allerdings auch die FAZ dazu, denn auch sie kritisierte oft genug und dankenswerter Weise gebührenfinanzierte Angebote, für die es rundfunkrechtlich keine Legitimation gab bzw. immer noch nicht gibt ! Und darum geht es eben auch bei ZDFneo: Addressat unserer Kritik war doch zum jetzigen Zeitpunkt  nicht Markus Schächter mit seinen ständigen verzweifelten Versuchen, dem Lerchenberg einen frischen Anstrich zu verpassen, sondern sind die Länder, die dem ZDF im 12.Rundfunkänderungsstaatsvertrag etwas anderes genehmigten als das Programm, das jetzt das Laufen lernen soll.Ist da die Frage wirklich nicht erlaubt, ob sich die Länder es - auch im Interesse der Gebührenzahler - gefallen lassen wollen, dass wichtige programmliche Vorgaben schlicht missachtet werden ?Und wann, wenn nicht jetzt sollen wir uns dagegen wehren ? Dann schon lieber Heulsuse statt Schnarchnase!

Ihre schräge Kommentierung, lieber Peer Schader, hätten Sie vielleicht anders formuliert, wenn Sie z.B. bei unserer Pressekonferenz in Berlin dabei gewesen wären - oder mal telefoniert hätten - aber sorry, verstehe, Recherche gefährdet Polemik!

Auch am Abend waren Sie leider nicht dabei, bestätige Ihnen dennoch gerne die Richtigkeit der Zitate. Das mit dem Buffet - geschenkt, da haben die Vertreter der Landesmedienanstalten fröhlich mitgelacht, was vielleicht aus Sie angesteckt hätte. Aber so richtig danebengegriffen haben Sie aus der Ferne nochmal  bei dem Versuch, eine Antwort darauf zu finden, was ich wohl mit dem Satz gemeint haben könnte: Der private Rundfunk hat hinreichend bewiesen, dass er sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist - er muß diese Verantwortung nur auch finanzieren können (mußte mich einfach noch mal selbst zitieren, extra für Sie, weil Sie doch nicht da waren und deshalb auch den Bezug nicht kennen können...): Der Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann , hatte sich gerade beim VPRT und seinen Mitgliedern für ihr vorbildliches Engagement bei der Filmförderung und beim Jugendmedienschutz bedankt...Passt natürlich nicht zu dem "erbämlichen Bild"  - in der Print-Ausgabe von morgen einem "traurigen Bild" des Privatfernsehens in Deutschland.Natürlich gibt es bei uns Licht und Schatten - und für die Schatten nur "andere"verantwortlich zu machen, wäre wirklich "erbärmlich " oder "traurig". Da dies aber niemand beim VPRT macht, stellt sich vielleicht doch abschließend die Frage, ob nicht so eine polemische Ferndiagnose wie die von Peer Schader viel mehr traurig stimmen muß - auf das Prädikat "erbärmlich" verzichte ich   gern - traurig also darüber, dass man sich nach diesem Kommentar die Frage stellen muß, ob sich damit die FAZ von denen  verabschieden will, die sich - Print und Rundfunk - für einen fairen und gerechten Wettbewerb zwischen gebührenfinanzierten Anstalten und privatwirtschaftlichen Medienunternehmen engagieren !

Peer Schader

20. November 2009, 08:33

@Paule: Du übersiehst da auch einen wesentlichen Punkt: Dass die Jungen heute kein junges programm im ZDF mehr fänden, liegt daran, dass das ZDF es über Jahre (inzwischen: Jahrzehnte) soweit hat kommen lassen. Das ist kein gottgegebener Zustand, sondern Schuld der Programmverantwortlichen, für die es leichter war, sich auf die Älteren zu konzentrieren, um damit einen ordentlichen Gesamtmarktanteil rauszuhauen.

Peer Schader

20. November 2009, 08:40

@Jürgen Doetz: Werter Herr Doetz, dass Sie meine "polemische Ferndiagnose" geißeln, ehrt mich, zumal diese Kritik von Ihnen kommt, der sich mit Polemiken nun ja bestens auskennt, was ich sehr schätze.

In einer Kleinigkeit muss ich Sie korrigieren: Von Ihrer Pressekonferenz wusste mir aus erster Hand mein dort anwesender Bürokollege zu berichten, am Abend war ich höchstpersönlich bei Ihnen und durfte Ihren Worten lauschen, auch der Rede von Herrn Neumann, mit dem Sie sich ja so gut verstehen, dass er ein flammendes Porträt für den privaten Rundfunk gehalten hat, mit einer winzig kleinen Einschränkung zum Schluss: "Sie müssen nicht alles machen, was gerade noch erlaubt ist und Quote bringt", lautete seine Bitte glaube ich. Herr Doetz, wollen wir zusammen fernsehen und mal überprüfen, was er gemeint haben könnte?

Das Engagement der Privaten bei der Filmförderung in allen Ehren - an der Erbärmlichkeit großer Teile des Programms ändert das nichts. Auch wenn das polemisch formuliert sein mag. Ich verstehe durchaus, dass es Ihr Job ist, das zu verteidigen. Aber meiner ist es, das anzuschauen.

Taskaf - The Artist still known as Frank

20. November 2009, 09:44

@Peer: Ich glaube nicht, dass Herr Doetz freiwillig die Privaten guckt. Sonst wäre er nicht ein so (g)eifernder Verfechter derselben ...

Jürgen Doetz

20. November 2009, 10:09

@Peer Schader:Sorry, dass ich Sie an dem Abend nicht wahrgenommen habe - hätte mir nicht passieren dürfen- hoffe aber dennoch, dass Sie sich trotzdem beim VPRT wohl gefühlt haben. Von ZDFneo  jetzt also zur Qualitätsdebatte - einverstanden, wann immer Sie wünschen.Wie wäre es mit folgendem Einstieg:"Mangel an Qualität (im Fernsehen)wird konstatiert, ohne den Begriff zu definieren.Das macht es Fernsehleuten leicht, den Vorwurf zurückzuweisen.Und die Kritiker gehen offensichtlich fest davon aus, dass es nur eine Qualität gibt, die für jeden gelten muss"(Philipp Weinges, , Produzent, Drehbuchautor und Mitglied des Verwaltungsrates der Filmförderanstalt in der SZ vom 18.11.09).So frisch wie der Artikel ist diese Erkenntnis nun allerdings auch nicht...Vielleicht genießen wir doch einfach die Vielfalt, die es jedem ermöglicht, im deutschen Fernsehen die Programme zu finden, für die er sich interessiert - natürlich nur die, die erlaubt sind :-)...

Peer Schader

20. November 2009, 10:51

@Jürgen Doetz: Qualität mag schwer zu definieren sein, und ich gebe gerne zu, dass Kritiker immer subjektiv (manchmal auch vorschnell) urteilen, davon mag ich mich gar nicht ausnehmen - aber anders wird es wohl schwer gehen. Nur durch diesen Austausch kommen wir zu einer angemessenen Qualitätsdefinition. Dass das (auf beiden Seiten) furchtbar schiefgehen kann, hat die Diskussion um "Erwachsen auf Probe" gezeigt, die übrigens in diesem Blog durchaus differenziert kommentiert wurde, wie ich finde. Die Beiträge sind leicht über die Suchfunktion zu finden.

Die zahlreichen Qualitäten der privaten Sender sind auch immer wieder Thema dieses Blogs, ebenso in zahlreichen Texten der FAZ. Sie müssen sich also nicht sorgen, dass sich die Zeitung darum bemüht, ARD und ZDF zu bevorteilen. (Vor allem nicht nach dem gestern auf der Medienseite erschienenen Text von Herrn Wickert.)

Stefan

20. November 2009, 11:17

http://www.fernsehkritik.tv

Lieber Herr Doetz,

es gibt durchaus Meinungen über Qualität bzw. Nichtqualität im Privatfernsehen. Wo (wie oben schon erwähnt) Menschen vorgeführt werden (ob nun real oder nicht). Beispiel: Die Familie, die im Frauentausch gegen ihren Willen als asoziale Dreckschweine vorgeführt wird, wo der Vater in unserem Forum seine Geschichte erzählt hat. Sie wurden danach aus ihrer Stadt gemobbt. Die gesamte Call-in-Branche, wo Sie sich gerne einmal das oben verlinkte Video anschauen können. Ganze Sendungen werden zu Schleichwerbung umgewidmet, so hat z.B. "Galileo" seinen Ruf ruiniert. Solche Kleinigkeiten, dass Sendungen fälschlicherweise als "live" deklariert werden und so z.B. JBK erwähnt, er habe während der Sendung einen "Stapel Emails" bekommen.

Ich formuliere ihren Satz gern mal so um, dass er der Wirklichkeit entspricht: "Der private Rundfunk hat hinreichend bewiesen, dass er die Grenze des Erlaubten immer weiter herunterschrauben kann, weil er (z.B. durch private Darlehen an Verantwortliche, siehe BLM) genug Einfluss bei den Medienanstalten gewonnen hat, so dass diese ihre Aufsichtspflicht nur noch in Ausnahmefällen wahrnehmen."

Torsten

20. November 2009, 13:59

@Stefan: "Galileo" hat seinen Ruf allerdings nicht alleine durch Schleichwerbung ruiniert, sondern mindestens genauso sehr durch den Stilwechsel vom ernsthaften Wissenschaftsmagazin zum boulevardesken Verbraucher-Journal, was hier sehr gut auf den Punkt gebracht wird:

www.stefan-niggemeier.de/.../galileo

Tobias Schmid

20. November 2009, 14:58

Guten Tag Allerseits,

also das ist ja alles sehr lesenswert und ich will auch gar nicht unnötig mit einer kleinen sachlichen Anmerkung langweilen und die schöne Emotionalität aus dem Ganzen nehmen, aber vielleicht kann ja mit Blick auf den Ausgangsartikel ein wenig Sachverhaltsaufklärung helfen. Der VPRT hat - jedenfalls bei dem Pressegespräch bei dem ich war - nicht den Stopp von ZDFneo oder sonst einem öffentlich-rechtlichen Sender gefordert, sondern lediglich die Politik aufgefordert, zu überprüfen und ggf. zu diskutieren, ob sich das Programmschema des Senders ZDFneo noch innerhalb des gesetzlichen Rahmens des Staatsvertrages bewegt. (Für die, die dieses Wunderwerk wider Erwarten nicht gelesen haben, der Staatsvertrag hat einen Anhang, in dem das generelle Programmschema des Senders dem Grunde nach verbindlich festgelegt worden ist.) Das ist weder eine Geschmacks- noch eine Qualitätsfrage sondern eine ganz einfache juristische Bewertung. Diese Frage zu stellen halte ich allerdings für einen vollkommen unspektakulären Vorgang. Bemerkenswert finde ich bestenfalls die Aufregung, die diese Frage hervorruft.

Peer Schader

20. November 2009, 16:17

@Tobias Schmid: Fein, aber haben Sie das auch den Kollegen von der dpa erzählt, auf die ich mich oben im Text mit der Kennzeichnung "(laut dpa)" beziehe? Die Meldung vom 19.11. lautete:

"Die Privatsender haben ein Stopp des digitalen Spartenkanals ZDFneo in seiner jetzigen Form gefordert. Es sei unerträglich, wenn die Politik wegschaue, wie ein mit Gebühren finanziertes Programm den Privaten gezielt das Wasser abgrabe, sagte der Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), Jürgen Doetz, am Donnerstag in Berlin. Anders als vom Mainzer Sender dargestellt, sei ZDFneo kein Familienprogramm, sondern darauf ausgerichtet, eine junge Zielgruppe zu erreichen. 'Das ist Vox light.'"

Ich habe das Konzept im Anhang des Staatsvertrags auch gelesen - und abgesehen davon, dass da an vielen Stellen ein völlig übetriebener Anspruch formuliert wird (der Kanal solle "ganz besonders für die Vermittlung komplexer Zusammenhänge oder vorbildhafter Wertesysteme" eintreten sowie seine Zuschauer "zu einer positiven Gestaltung der eigenen wie der gesellschaftlichen Lebenswirklichkeit befähigen"), wüsste ich jetzt schon gerne, was - außer dem Punkt mit den Nachrichten - Ihrer Meinung zufolge noch explizit vom jetzigen ZDFneo-Konzept abweicht.

Man muss auch bedenken: Der Kanal ist gerade gestartet und wird sich in nächster Zeit wohl noch verändern.

 

Viel lustiger finde ich, dass der VPRT gegen die schwammigen Formulierungen des ARD-Konzepts für Einsfestival keine Einwände zu haben scheint. Vielleicht hab ich's auch nicht mitgekriegt, aber: Dass dort die "Tagesschau in 100 Sekunden" läuft, ist für Sie ok? Oder wird Einsfestival den Privaten einfach nicht gefährlich genug?

Paule

20. November 2009, 17:14

@Peer "Paule: Du übersiehst da auch einen wesentlichen Punkt: ..."

Das habe ich durchaus im Hinterkopf. Die ÖR haben sich aus gutem Grund zunächst geweigert, auf den Zielgruppenzug aufzuspringen. Da ist es erstmal egal, wo genau die Zielgruppe eines Senders liegt. Aber: Der Zuschauer hat sich daran gewöhnt, nicht mehr wirklich selektieren zu müssen. ARD und ZDF sind irgenwann passiv gefolgt, nur mit anderer Zielgruppe. Der Zuschauer bekommt sein Zielgruppenangebot heute gereicht. Die Jungen bei den Privaten, die Alten bei den ÖR. Das ist nicht gottgegeben, aber ein Fels, den man nicht einfach umstoßen kann, weil schnelle Änderungen nur Verlierer kennen. Siehe RTL. Die schweben gerade auf Wolke 7, ohne dass man dem Abend neue Formate gegeben hätte. Alles im letzten Jahr schon gelaufen. Und im Jahr davor. Was man den ÖR um die Ohren haute - immer gleiche Programm und keine Innovationen - hat RTL erfasst und zum Erfolg geführt.

Deswegen ist neo als Ansatz wichtig und richtig, wenn man der Aufgabe nachkommen will, allen Gebührenzahlern ein Angebot zu machen.

Das ZDF begründet neo inhaltlich, während der VPRT neo allein aus Prinzip verdammt (siehe Verweise auf Verträge, Länder und Staatsminister). Diesen Unterschied sollte man sich als Gebührenzahler auch mal vors Auge führen. Was wollen wir? Ein zeitgemäßes Angebot oder blinde Prinzipienreiterei? Damit stehen wir gegen die Privaten.

Und mal sollte nicht vergessen, dass der Zuschauer für einen Privatsender die Handelware ist.

kinddersiebziger

20. November 2009, 22:10

Das ist etwas, das ich noch nie verstanden habe: Wenn wir als Gesellschaft neben unserem öffentlichen Rundfunk Privatanbietern trotz der Gefahren (siehe Berlusconi) Privatfernsehen gestattet haben, wieso sich diese dann erdreisten können, dem öffentlichen Rundfunk irgendwas vorschreiben oder verbieten zu wollen, wenns mal nicht so läuft. Hallo? Seid mal froh, dass es euch überhaupt gibt (letztlich wegen H. Kohl). Für unsere Sender zahlen wir nämlich bewusst Gebühren, euch sponsort Mr. Proper und Zewa wisch-undweg. Und seit es euch gibt, macht ihr nur durch "Softerotik", reißerische Berichterstattung und verdummendes Fernsehen (sog. "Unterschichtenfernsehen") auf euch aufmerksam. Los gings mit Tutti-Frutti und Horror-B-Movies, dann die Hans-Meiser-Talkshows, dann Big Brother, etc., etc. Das einzig positive waren mal interessante eingekaufte US-Serien. Alles andere - fürchterlich. Und nicht nur das, die Qualität der Öffentlichen, die damit konkurrieren mussten, rauschte dann auch ziemlich in den Keller, indem sie sich dem anpasste. Wenn man heute die alten Kinderserien-Re-Releases auf DVD anschaut... und jeden Abend liefen da auch mehrere gute Spielfilme. Ohne Werbung. Eigentlich war es schön so. Also, liebe "Private" - ihr wolltet doch den Öffentlichen Beine machen und Zuschauer abspenstig. Dann macht das doch, mit guten Ideen und attraktiven klugen Sachen, die man gerne anschaut. Aber hört auf, uns Downloads öffentlicher Sendungen im Internet zu beschränken, gute Serien, Filme etc. zu untersagen, jede Innovation UNSERES Tvs zu unterbinden, nur weil eure seichten Produkte nicht mehr so laufen und stattdessen eher die Werbekunden weglaufen: Das ist nämlich nicht unser Problem.

Ben

21. November 2009, 06:39

> Der Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann , hatte sich gerade

> beim VPRT und seinen Mitgliedern für ihr vorbildliches Engagement bei der

> Filmförderung und beim Jugendmedienschutz bedankt.

Nanü, da scheint der Minister wohl auf der falschen Party gewesen zu sein.

Vielleicht schreien die Privaten morgen nach einem Steuergelder-Fond, zusammen

mit den Zeitungen sollte sich da doch was machen lassen. Go Jürgen!

Alexander Svensson

21. November 2009, 06:55

http://www.wortfeld.de

@Peer  Eine kurze Nachfrage: Was ist mit dem "Punkt mit den Nachrichten" genau gemeint? Neo hat, wenn ich das richtig sehe, keine regelmäßigen Nachrichtensendungen - und so steht das doch auch im Konzept im Staatsvertrag?

Peer Schader

22. November 2009, 14:10

@Alexander Svensson: Im Konzept, das dem 12. RfÄStV anhängt, steht, das ZDF wolle "bei der Nachrichtenberichterstattung neue Wege gehen", in dem man die "logo"-Nachrichten "für junge Familien" adaptieren wolle. Der VPRT argumentiert, ZDFneo fehle es an ö.r. Profil, da "nicht mal" Nachrichten gezeigt würden. Beim ZDF heißt es, man habe ja Nachrichten zeigen wollen, aber das (und im Konkreten: die "logo"-Adaption) sein in den Gesprächen mit Fernsehrat und Staatskanzlei untersagt worden. Vermutlich, und das ist nun Interpretation, weil ZDFneo sonst als Vollprogramm durchgehen könnte, was dem VPRT sicher gar nicht gefallen würde. Albern, ich weiß.

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