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Freitag, 10. Februar 2012
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Das Fernsehblog

Premieren-Wochenende (2): Halle ist auch draußen schön

11. April 2010, 08:44 Uhr

Es ist nicht ganz klar, wie das Gerücht in die Welt gekommen ist, Guido Cantz könne moderieren. Eigentlich gibt es genügend Videodokumente, die das Gegenteil belegen. Cantz mag hervorragend darin sein, ganze Horden stark alkoholisierter Verkleideter bei Stimmung zu halten. Oder unaufällig durch Shows zu führen, in denen man nur fragen muss: "Wollen Sie noch einen Koffer öffnen?" Aber womöglich reicht das inzwischen, um Samstagabendshow-Kompetenz auszustrahlen.

Seit diesem Wochenende gehört Guido Cantz also "Verstehen Sie Spaß?" und im Vorab-Interview mit dem eigenen Arbeitgeber erklärte der Neue bereits, was es für eine Ehre sei, einen solchen Klassiker anvertraut zu bekommen. Andererseits: Was heißt das schon, wenn der zuständige Sender (in diesem Fall der SWR) es auch schon mal für eine gute Idee hielt, dieselbe Sendung von Cherno Jobatey moderieren zu lassen. Beim SWR darf eben jeder Mal ein bisschen was vom eigenen Mythos ruinieren. Am Samstag hat Cantz seine Chance genutzt.

Schon die Begrüßung des Publikums in Halle an der Saale fiel merkwürdig spröde aus: Cantz lobte den Gastgeber ironiefrei als "meine absolute Lieblingsstadt", sagte leise, fast schon bedächtig: "So hab ich mir das vorgestellt: ein gut gelauntes Publikum." Und: "Heute darf ich mal moderieren. Das ist wirklich großartig. Vielen Dank." Dem "Verstehen Sie Spaß?"-Moderator a.D., Kurt Felix, wünschte Cantz "auf diesem Weg gute Besserung" (was wohl bedeutet, dass es ihm nicht so gut geht), und seinem direkten Vorgänger Frank Elstner sagte er in die Kamera: "Frank, alles Gute, und vielen Dank, dass du mir diese Sendung übergeben hast." Denn: Das ist "ein wirklich toller Tag für mich".

Besonders souverän wirkte das alles nicht, eher so als habe Cantz sich vor der Sendung runterregeln lassen, um das Publikum keinesfalls zu überfordern. Vom Versprechen, "locker und launig" zu moderieren, war jedenfalls nichts zu merken.

Vielleicht hat er damit aber auch die Witze gemeint, die ihm seine Redaktion extra per kostspieligem Zeitmaschinentransport aus der Vergangenheit geholt hat. Zum Hochzeitstag von Charles und Camilla fiel Cantz ein: "Ist das schon so lange her, das Charles Camilla den Ring an den Huf gesteckt hat?" Nachdem die Höhner, Stefan Gwildis und Dietmar Bär ihren Titel "Männer in den besten Jahren" gesungen hatten, fragte der Moderator: "Ist Johannes Heesters noch drin oder schon raus?" Und vor dem Beitrag, in dem Cantz durch die Gastgeberstadt streifte, um ein paar Wahrzeichen vorzustellen, sagte er mit spitzbübischem Grinsen: "Nicht nur in der Halle – Halle ist auch draußen schön!"

Anschließend sah man ihn auf der Brücke zwischen den beiden Türmen der Marktkirche stehen und erzählen, diese Brücke sei zu DDR-Zeiten besonders beliebt gewesen, denn da habe man problemlos von Ost nach West laufen können. Gut, dass Georg Friedrich Händel, ein Sohn der Stadt, nicht auf Mallorca geboren sei, hörte man ihn sagen – denn dann hieße sein "Halleluja" wahrscheinlich "Malleluja".

Vor einem Marktstand, an dem Wurst verkauft wurde, stellte Cantz sich an ein Werbeschild, auf dem "Polnische Knacker" beworben wurden und meinte (wenige Minuten nach dem "Brennpunkt" zum tödlichen Absturz des polnischen Präsidenten): "Da können Ehefrauen aus Warschau ihre alten Männer abgeben."

Und als ein Zauberer sein Gedankenleseexperiment in die Länge streckte, quakte Cantz aus dem Hintergrund: "Die folgenden Sendungen verschieben sich..." – hielt dann aber selbst inne als er merkte, dass das weder spontan noch lustig war.

Vielleicht ist das genau der richtige Humor für eine Sendung, die in den vergangenen Jahren endgültig zur Seniorenwachhalteinstanz umgebaut wurde, gegen die "Wetten dass...?" auch an schlechten Tagen wie ein permanentes Feuerwerk der guten Laune wirkt und Florian Silbereisens "Feste der Volksmusik" zum echten Vergnügen werden, weil dort wenigstens noch auf ein ordentliches Tempo und auf Abwechslung geachtet wird.

"Ich hoffe, es hat Ihnen nur halb so viel Spaß gemacht wie mir", sagte Cantz gegen 23.15 Uhr, als bereits zwanzig Minuten überzogen waren. Aber die Hälfte von Null ist eben immer noch – null. Erst recht bei einer Sendung, deren Redaktion sich bei Facebook eine Fanseite anlegt, die tatsächlich das Kürzel www.facebook.com/vsspass trägt – "vs. Spaß"! Darauf muss man erst mal kommen.

Morgen im Fernsehblog: die dritte Wochenend-Premiere, Sonja Zietlow beim "Großen deutschen IQ-Test by RTL 2".

Foto oben: SWR

Veröffentlicht 11. April 2010, 08:44 von Peer Schader
Kommentare

Richard

11. April 2010, 08:44

Als ich den Artikel lesen wollte schon sich ein großes Fenster mit irgendeinem Video (Werbung) vor ebendiesen.

Warum schreibt ihr überhaupt was im Netz, wenn ihr nicht wollt daß man es liest?

Lukas Ormer

11. April 2010, 09:26

http://fernseh-kritik.blog.de

Gibt es denn im ganzen deutschen Fernsehen keinen Moderator, der das Zeugs zu dieser Sendung hat? Neben Pilawa und seinen Klonen wird anscheinend nur die zweite nervtötende Gruppe um Möchtegern-Comedians für fähig angesehen, größere Sendungen zu moderieren. Immerhin konnte Canz seinen Büttenreden-Humor runterpegeln, machte dabei aber jedem Schlafmittel Konkurrenz.

Peer Schader

11. April 2010, 09:28

@ Richard: Auf Werbeschaltungen haben die Autoren keinen Einfluss.

avareavare

11. April 2010, 10:13

http://avareavare.blogspot.com/

netter text. hab aber noch nie irgendeine sendung, die von herrn cantz moderiert wird, länger als fünf minuten gesehen. dafür ist das leben zu kurz. "vs. spass" hab ich in dem selbigen schon genug, das muss ich mir im tv nicht auch noch antun.

thomas hackenberg

11. April 2010, 11:07

@Richard: laden Sie sich den kostenlosen Werbeblocker "Adblock Plus" herunter, dann haben Sie keine Werbung mehr

Thomas

11. April 2010, 12:22

Tja, wie große Samstagabend-Unterhaltung geht, hat Stefan Raab gestern bewiesen. Eine zwar viereinhalbstündige, aber dennoch wirklich kurzweilige, unterhaltsame und spannende Show. Hab mich prächtig unterhalten gefühlt!!!

Patrick

11. April 2010, 14:50

Warum der Zusatz: "(wenige Minuten nach dem "Brennpunkt"  zum tödlichen Absturz des polnischen Präsidenten)"? Was hat das eine mit dem anderen zu tun außer das es nunmal polen sind?

Uli

11. April 2010, 22:00

Wow die Werbung ist ja echt eine Unverschämtheit. Oben Banner, Rechts Banner, Popups und dazu noch ein nerviges Flash Video quer über dem Artikel, Respekt:

www.stefan-niggemeier.de/.../kein-kommentar-dafuer-viel-werbung

Peer Schader

12. April 2010, 09:08

@Uli: Und Sie finden nicht, dass so eine Fernsehblog-Seite an normalen Tagen (wenn keine Overlay-Werbung nervt) eher wie das linke Beispiel in dem von Ihnen verlinkten Bild aussieht? Weil wir hier so viele Bildergalerien bauen? Und nach jedem 2. Absatz im Text Werbung zwischenschalten?

MasterBlaster

12. April 2010, 09:31

zum Thema Werbung:

Da wird man sich wohl dran gewöhnen  müssen. Die FAz will schließlich auch online ein biserl was verdienen.

Ist doch okay - dank Pop-up-blocker  kann jeder hier Abhilfe schaffen.

zum  eigentlich Thema:

"vsspaß" soll wahrscheinlich "Verstehen sie Spaß" heißen.

Frage:

Auch  wenn es in  dem Artikel mehr  um den Moderator geht : Wie waren denn die "Streiche" in der Sendung so  ?

Uli

12. April 2010, 09:40

Das war mehr ein Hinweis zum Thema "Wasser predigen und Wein trinken". Schlimmer geht's immer, aber mit "da haben wir keinen Einfluss drauf" macht ihr es euch meiner Meinung nach schon etwas einfach, zumal ich das nicht zum ersten Mal lese (Artikel nur noch als Teaser im Feedreader).

Markus

12. April 2010, 10:52

http://nummerneun.wordpress.com

Ist natürlich auch unfair... der Autor ist wahrscheinlich noch 30 Jahre unter den anvisierten Zielgruppe, ja wie soll der das denn objektiv beurteilen können?

Andi

12. April 2010, 11:05

Es macht in letzter Zeit verdammt wenig Spaß, die Kommentare zu lesen, wenn sich jeder 2. darüber beschwert, dass hier Werbung geschaltet wird. Nix anderes zu tun, als sich darüber zu echauffieren? Keine anderen Probleme?

Eine Anmerkung zum Text:

Die Genesungswünsche von Herrn Cantz an Kurt Felix waren durchaus berechtigt. Bei Kurt Felix ist lt. Medienberichten der Krebs wieder ausgebrochen.

Der Maler

12. April 2010, 11:34

Also ich sehe hier auf dieser Seite keine Werbung und kein gar nichts außer dem pausbäckigen Werbebild für Brandt-Zwieback, wie ich es von früher her kenne. Dass man sich diese Sendung als Normalbürger nicht ansieht, setze ich voraus, irgendwo beginnt ja auch das Schamgefühl. Leider nicht bei den Intendanten, da kann es wohl nicht tief genug gehen. So sind sie halt heutzutage...

Linus

12. April 2010, 15:18

@Uli

Ist ja auch echt eine Unverschämtheit, dass jemand für seine Arbeit bezahlt werden möchte. Gehen Sie auch zum Bäcker und beschweren sich, dass die Brötchen doch tatsächlich nicht umsonst sind? Schweinerei, wirklich.

Sebastian

16. April 2010, 21:20

http://www.peitsch.de

Bei den Kommentaren wünscht man sich für Firefox nen CommentBlock+

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