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Das Fernsehblog

Die Vulkankompetenz des Hessischen Rundfunks: "Wo ist die verdammte Wolke?"

20. April 2010, 22:46 Uhr

Es reicht jetzt langsam mit der Aschewolke über Europa – nicht nur, damit endlich die vielen Urlaubs- und Geschäftsreisenden wieder nachhause kommen und die Konsumenten sich nicht um die Südfruchtvorräte in den Supermärkten ängstigen müssen. Sondern auch, weil damit das Risiko abnähme, HR-Chefredakteur Alois Theisen so bald noch mal einen "Brennpunkt" im Ersten moderieren zu sehen. Drei davon hat der Hessische Rundfunk übers Wochenende für die ARD produziert, und diese dilettantisch zu nennen, würde das Ergebnis unnötig beschönigen.

Es waren drei Viertelstunden voller Pannen, Überflüssigkeiten und halbgarer Berichte, bei deren Ansehen die Kollegen von "ARD aktuell" in Hamburg vor Scham im Boden versunken sein müssen, während Theisen mit seinen ununterbrochenen Gestikulierungen für eine geradezu hypnotische Ablenkung sorgte, indem er alle drei Sekunden die Hände auf- und wieder zusammen faltete:


Screenshots: Das Erste

Aber wahrscheinlich ist der HR innerhalb der ARD für Naturkatastrophen zuständig – und zu denen zählt eben auch "der Vulkan mit dem schwer auszusprechenden Namen", wie Theisen wiederholte – ohne sich auch nur ein einziges Mal daran zu versuchen, tatsächlich "Eyjafjallajökull" zu sagen. Was Theisen besser kann als Vulkannamen auszusprechen ist: beim Reden die Punkte zwischen den Sätzen wegzulassen. Und dafür manchmal. Pausen an Stellen zu machen, an die gar keine hingehören. Irritiert die richtige Kamera zu suchen. Und nicht zu wissen, wann er sich besser nicht im Studio umsieht, weil er noch im Bild ist während die Wetterexpertin gerade redet.

Das sind normalerweise keine idealen Voraussetzungen für eine große Moderationskarriere. Aber für Chefredakteure macht der HR eine Ausnahme. Und witzig sein kann er ja:

"Jetzt folgt hier der Spielfilm 'Liebe am Fjord', hoffentlich nicht an einem isländischen diesmal",

sagte Theisen nach dem "Brennpunkt" am Freitag und musste über seinen eigenen Scherz schmunzeln. Den Kollegen Ulrich Deppendorf, der live von der Reifenpanne des Busses berichtete, in dem er mit anderen Journalisten im Tross der heimfahrenden Kanzlern unterwegs war, fragte er am Samstag:

"Herr Deppendorf, wo geistern Sie denn inzwischen rum? Liegen Sie immer noch auf der Autobahn?"

Am Sonntag war dann sogar eine leichte Aggression in Theisens Formulierung zu spüren:

"'Wo ist die verdammte Wolke?' Das fragten sich auch heute wieder viele an diesem strahlend schönen Frühlingstag."

Die Redaktion hatte alle Mühe, da mitzuhalten, steuerte aber spontane Fehlschaltungen bei (mitten im Beitrag auf einen ratlosen Theisen, mitten im Vortrag der Wetterexpertin auf den nächsten Beitrag), schamlose PR der Lufthansa, und einen Beitrag, in dem Passanten auf der Straße lustige Twitter-Sprüche zur Aschewolke nachsprechen mussten (wirklich!). Immerhin stand nachher im Abspann, wer dafür verantwortlich war:

"Redaktion-Name 2"

Kennen Sie nicht? Na, das ist bestimmt die Frau von diesem, diesem... äh, genau:


Screenshots: Das Erste

Er hat also ein ganz schönes Chaos angerichtet, der Eyjafjallajökull, von dessen Ausbruch man sich in der Zukunft berichten wird, er habe nicht nur die europäischen Flughäfen lahmgelegt. Sondern für ein Wochenende auch den Hessischen Rundfunk.

PS: Die "taz" hat sich genauso gegruselt.

Veröffentlicht 20. April 2010, 22:46 von Peer Schader
Kommentare

Gelonto

20. April 2010, 23:23

Jetzt seinse halt nicht so fies. Aber ja: Es war schrecklich, da haben Sie leider recht.

Freiwild

20. April 2010, 23:54

Radio kaputt, Fernsehen kaputt, Hirn kaputt. Seit Roland Kochs seine Günstlinge im einst so stolzen Hessischen Rundfunk an den entscheidenden Stellen positioniert hat, können einem die hessischen GEZ-Zahler nur noch Leid tun.

BlueKO

21. April 2010, 02:00

Manchmal ist das Zuständigkeitsgerangel in der ARD wirklich ein Fluch für den Verbund. Den hr diese Brennpunkte senden zu lassen war jedenfalls ein Armutszeugnis für die ach so hoch gelobte Informationskompetenz des Ersten Besten.

Frau Holst hat den Namen des Vulkans in den Tagesthemen ohne mit der Wimper zu zucken genannt. An manchen Stellen arbeiten doch noch Profis.

BlueKO

21. April 2010, 02:10

PS: Die obigen Screenshots sind doch offensichtlich der überaus beliebten hr-Reihe "Hessens schönste..." Fehleinblendungen entnommen.

Benno

21. April 2010, 06:04

Dafür zahlt man doch gerne.

derwaechter

21. April 2010, 08:50

"und einen Beitrag, in dem Passanten auf der Straße lustige Twitter-Sprüche zur Aschewolke nachsprechen mussten (wirklich!)"

Tut mir Leid, aber das glaube ich nicht!

Selle

21. April 2010, 09:14

Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Brennpunkt gesehen zu haben, auf den das alles nicht zutraf. Oder der auch nur eine einzige Information enthalten hätte, die nicht schon in der Tagesschau drankam.

Densemann

21. April 2010, 09:46

http://www.couchmonster.de

Hätte der HR für diese Sendung nicht das Äffle und das Pferdle vom SWR als Moderatoren ausleihen können?

Haku

21. April 2010, 09:48

Vom Chefredakteur des HR hätte ich schon mehr Professionalität erwartet. Wenn ich die Screens so sehe passt der Mann auch optisch überhaupt nicht ins Studio. Er wirkt wie ein großer grauer Fleck an einer viel zu bunten Wand.

Raffy Ryff

21. April 2010, 09:49

http://machmichgluecklich.eu/

Schadenfreude ist eine willkommene Abwechslung, wenn der Brennpunkt nicht in Hessen, sondern in Island liegt.

Georg

21. April 2010, 10:01

Kochs Kellner kann also auch nicht Vulkan:

www.sueddeutsche.de/.../text

besserwisser

21. April 2010, 10:04

Der Vulan heißt "Eyjafjalla". "Eyjafjallajökull" ist der Name des Gletschers über dem Vulkan.

latze01

21. April 2010, 10:25

http://latzes.blog.de

@gelonto

Ich fand den Herrn Schader sehr milde und nachsichtig in seiner Ausdrucksweise. Dieser Dilettantismus hätte ganz andere Beschimpfungen verdient, allein schon wegen der Twitter-Witz-Vorleserei.

Markus

21. April 2010, 10:33

Na der Name "Eyjafjallajökull" ist auch wirklich nicht leicht auszusprechen:-)

Da muss man Theisen Recht geben...

"ARD aktuell" macht Fehler, aber manchmal sind diese Fehler auch zu schmunzeln...Trotzdem bleibt Theisen sympatisch. Da kann man schon eine Auge zudrücken...Er ist auch nur ein Mensch:-) ...und Menschen machen Fehler...

Harry

21. April 2010, 11:27

Den Typen fand ich auch unmöglich. Aber daß er Chefredakteur ist, haut mich jetzt um. Da sieht man, wohin politischer Einfluß bei den Sendern der ARD führt.

Ich finde es auch seltsam, daß seit der Einführung des Flugverbots jeden Abend eine 15-minütige Sondersendung kommt, obwohl schon in der Tagesschau alles Nötige gesagt wurde. Da gibt es mit Sicherheit wichtigere Probleme!

Andre

21. April 2010, 11:51

Ich finde schon die Ansetzung eines ARD-Brennpunkts selten dämlich. Es ist ja nicht mal Hauptferienzeit, somit dürfte die Zahl der direkt Betroffenen doch wahrscheinlich weit unter 100.000 Leuten liegen, wozu da also einen Brennpunkt. Demnächst dann 'IPad Auslieferung verzögert sich - 4500 Nerds möchten nicht länger warten' und 'Fön in den Alpen - Deutschland bangt mit Bayern'.

Die Umsetzung war dann tatsächlich nur noch als Realsatire zu bezeichnen. Höhepunkt das Twitter-Vorlesen. Wenn mans nicht gesehen hat glaubt mans kaum.

Wolfgang

21. April 2010, 12:08

http://fastvoice.net

War doch eigentlich keine schlechte Leistung, wenn man bedenkt, was Theisen offensichtlich <a href="www.kirche-am-meer-wangerooge.de/.../ndr-antje.jpg">in seinem früheren Leben</a> war.

Im Übrigen gibt es auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nur selten die korrekte Aussprache des Vulkans, bei der ein Doppel-l als "tl" gesprochen werden sollte - also etwa ejafjatlajökütl.

nochbesserwisser

21. April 2010, 13:16

@besserwisser: "Unter dem Gletscher befindet sich ein selten aktiver Vulkan. Der Name Eyjafjallajökull bezeichnet sowohl den Gletscher wie das gesamte Vulkanmassiv. Die eigentliche isländische Beschreibung des Vulkanausbruches lässt sich auf Deutsch am besten mit: „Im oder unter dem Eyjafjallajökull findet ein Ausbruch statt.“ wiedergeben. Die Bezeichnung des Vulkans als Eyjafjalla ist nicht korrekt, da unvollständig." (Wikipedia)

Wolfgang

21. April 2010, 13:49

http://fastvoice.net

Ooops, das ist eigentlich der Link:

www.kirche-am-meer-wangerooge.de/.../ndr-antje.jpg

Dr Mushnik

21. April 2010, 19:08

Es gilt nach wie vor der alte Witz:

"Hessischer Rundfunk? - Halb so groß wie der [in der Nachbarschaft liegende frankfurter] Hauptfriedhof - aber doppelt so tot!"

Den ersten Teil der Aussage beweist Google Earth (Frankfurt Bertramswiese eingeben), den zweiten das abendliche HR-TV-Programm à la "Hessens schönste Kleintier-Streichelzoos".

Sunscreener

21. April 2010, 19:53

Natürlich: Der Samstags-Brennpunkt war schrecklich. Wenn aber die Alternativen  RTL und Pro7 heißen, ist mir die ARD deutlich lieber. Oder ARTE, 3SAT, EinsExtra, Phoenix. Da gibt es schon einiges an Information fürs Geld. Von den Radiokanälen ganz zu schweigen... Dieses Bashing der Öffentlich-Rechtlichen Sender geht mir zu weit...

Peer Schader

21. April 2010, 20:31

@Sunscreener: Blödsinn. Die Alternative hieß an allen drei Abenden ganz einfach: ZDF.

ANONYMUS

21. April 2010, 23:50

Der gleiche Mann der wesentlichen Anteil an der EInstellung von der KULT-SENDUNG "LateLounge" hat. - Gebühren für gutes Programm. :-(

Laus im Pelz

22. April 2010, 11:30

Jaja, der böse Herr Koch, hat aus der einstmals politisch völlig neutralen und unabhängigen öffentlichen Bedürfnis....ups öffentlich rechtlichen Fernsehanstalt HR eine Schlammgrube gemacht. Jaja, so einfach ist die Welt der rosarotrotgrünen Brillenträger.

Wenn man Koch eins zu gute halten kann, dann dass er das linke Meinungsmonopol im Hessischen Rotfunk eliminiert hat (Luc Jochimsen lässt schön grüßen - warum durften die Linkspartei/PDS-Plakate mit ihrem Konterfei wohl damals nicht vor der HR Zentrale aufgehängt werden, hatte man etwa Gewissensbisse?)

Die beschriebene Sendung war nicht professionell, das ist richtig. Unprofessionell war aber schon das allermeiste was vom HR kam, bevor Koch den eisernen Besen rausgeholt hat - so what?

RandomZuschauer

22. April 2010, 13:20

Bei den ÖR wird doch viel schlampiger gearbeitet als man es gerne den Mitarbeitern der Privatsender unterstellt. Was da am Vorabend durch die Regionalprogramme der Dritten Programme geistert, ist in meinen Augen sowieso nur noch peinlich.

Dienst nach Vorschrift, so wie es immer war...

Wolluc

22. April 2010, 22:36

Ein Auge zudrücken für einen Mann der kaltlächelnd 20.000 Euro und mehr pro Monat kassiert? Nöööööö - nicht mit der Medienzwangsabgabe und der arroganten GEZ? Wir sind die Gebührenzahler!!! und auch Menschen.

Linus

23. April 2010, 02:47

@Laus im Pelz

Mit Verlaub, das ist schlicht Unfug, den Sie da erzählen. Bei Theisen ist mir wurscht, ob der nun links rechts oder sonstwo ist. Leider ist er eben nur eines: unterirdisch. Er kriegt keine zwei Sätze am Stück raus, und wenn, kommt eine (wenn mans überdenkt) übelste Verachtung fürs eigene Publikum heraus, das er anscheinend für völlig bekloppt hält. Wie so jemand Chefredakteur sein kann, ist mir völlig schleierhaft.

Die Farbe des Funks ist mir auch wurscht. Die FAZ muss mir politisch nicht zusagen, sie hat aber nunmal hessenweit die besten Schreiber. Was mir beim HR nicht wurscht ist, sind Sendungen wie Late-Lounge, HR1 - Der Tag, Der Ball ist rund, Volkers Kramladen, HR-XXL u.v.m, die entweder durch Formatradio-Dudelfunk, Feld-, Wald und Wiesenberichterstattung à la "Hessens schönste Urinale" oder übelsten Boulevard (maintower) ersetzt worden sind. Angeblich ja aus Kostengründen. Von der unterirdischen Sportberichterstattung (auch noch nach Emig, Jürgen) mal ganz zu schweigen.

Wie es anders geht, zeigen der WDR, der NDR und der des Rotfunks kaum verdächtige BR. Der bringt es sogar fertig, monatlich (glaube ich) den Intendanten und Chefredakteur mit kritischen Zuschauern diskutieren zu lassen. Und das kann man sogar gucken.

Der HR ist mit Abstand das am wenigesten sehenswerte Dritte Programm. Sogar hinterm MDR, der ja auch eher nur so mittel ist

Lukas Ormer

26. April 2010, 23:51

http://fernseh-kritik.blog.de/

Ziemlich unbrauchbare Sendung für all diejenigen, die sich anhand von Fakten informieren wollten. Wie immer ein sehr treffender Artikel. Wo ist nur die Nachrichtenkompetenz der ARD geblieben?

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