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Das Fernsehblog

Einmal Fernsehhölle und zurück: Lenas langer Weg nach Oslo

05. Mai 2010, 12:36 Uhr

Zwei Monate ist es her, dass die junge Frau mit der Vorliebe für Mezzomix-Lippenstift das Finale von "Unser Star für Oslo" gewann, und mal abgesehen davon, dass das ein großer Erfolg war, ist nicht mehr so ganz sicher, ob man Lena Meyer-Landrut darum beneiden soll. Denn so sehr Stefan Raabs Castingshow auch eine Ausnahme im deutschen Fernsehen gewesen sein mag – die Umstände, unter denen die Siegerin nun von einem Auftritt zum nächsten geschickt wird, sind es nicht. Die 18-Jährige war im ARD-"Morgenmagazin" zu Gast, bei MTV und Viva, sie hat unzählige Radiointerviews gegeben, bei der "Wok-WM" und der "SKL Show" gesungen und natürlich bei "TV total" über ihren Sieg geplaudert. ARD und Pro Sieben wollen ihr bis zum großen Auftritt beim Eurovision Song Contest Ende Mai möglichst viele Gelegenheiten geben, im Gespräch zu bleiben.

Das ist konsequent. Nur hat die Lena, die gerade ständig im Fernsehen ist, nicht mehr viel mit der Lena von vor acht Wochen zu tun. Und sie kann nicht mal was dafür.

Als sie kurz nach dem Finale auf der Couch bei "Wetten dass..?" saß, machte sie schon den Eindruck, sich dort nicht sonderlich wohl zu fühlen zwischen all den Promis, die sich – Bussi hier und Bussi da – gegenseitig bescheinigten, wie toll sie sich finden. Aber das wird auch die Aufregung gewesen sein. Zwei Wochen später bei "Verstehen Sie Spaß?" war es eher die Langeweile.

Gefühlte zwölf Stunden musste sie, nachdem sie ihren Siegertitel "Satellite" gesungen hatte, auf dem Sofa neben Moderator Guido Cantz, Comedian Michael Mittermeier und Kabarettistin Monika Gruber ausharren und wusste nicht so recht, wie sie sich in der kargen Samstagabendshowumgebung mit den grenzwertig-albernen Einspielfilmen verhalten sollte. Ein kleines dickes Mädchen hatte ihr zuvor eine Schachtel Pralinen überreicht, dessen Inhalt sie prompt mit den anderen Gästen verzehrte, aber angeekelt das Gesicht verzog: "Ich hab Marzipan erwischt!" Bei den Spendern, "Stefanie und Familie", kam das während eines Schwenks ins Publikum nicht so gut an. Die Promis auf dem Sofa gaben ihr noch Tipps, wie sie das Abi schafft ("Mut zur Lücke!"), später musste sie einem Zauberkünstler assistieren – und sah sehr erleichtert aus als sie wieder gehen durfte.

Diese Woche haben die Boulevardmedien endlich einen Lästeranlass entdeckt. "Unser Star für Oslo – nackt. Lena Meyer-Landrut bei heißen Poolspielchen" kündigte RTL am Montag einen Beitrag im Klatschmagazin "Exclusiv" an. "Heute tauchten Bilder auf, die die 18-Jährige fast komplett nackt zeigen!" Auftauchen bedeutet in diesem Fall: bei RTL aus dem Archiv geholt, weil Lena im vergangenen Jahr für eine Minirolle in einer Dokusoap unbekleidet in ein Schwimmbecken gesprungen war. "Bisher wusste die Öffentlichkeit nichts von Lenas freizügiger Komparsenrolle", hieß es im Beitrag. Und eigentlich hätte es auch gut dabei bleiben können. Aber so funktionieren die Medien nunmal nicht. Vor allem nicht, wenn es um eine junge Frau geht, die ausnahmslos über ihr Privatleben schweigt. Das provoziert. Im Netz ist die Szene von zahlreichen Online-Magazinen bereits in Bildergalerien aufbereitet worden.

Und eigentlich würde man Lena bloß wünschen, dass sich der Rummel um ihre Person baldmöglichst wieder legt, weil es mit solchen Begleiterscheinungen sonst sehr, sehr schwer sein wird, so locker und entspannt zu bleiben wie bei "Unser Star für Oslo".

Aber das dauert noch: Am Freitag ist sie in der "NDR Talkshow" zu Gast (angekündigt als "unangepasste Überfliegerin mit Kultstatus"), am Samstagabend rät sie bei "Frag doch mal die Maus" mit und tritt bei "Schlag den Raab" auf. Und wahrscheinlich kann sie von Glück reden, dass die ARD bis zum Song Contest in drei Wochen kein "Fest der Volksmusik" mehr veranstaltet. Nächste Woche ist sie vier Tage nacheinander bei "TV total" eingeladen, um ihr erstes Album "My Cassette Player" vorzustellen, das Ende der Woche erscheint und fast genauso schnell produziert wurde wie bei den Gewinnern von "Deutschland sucht den Superstar", der Sendung, von der sich "Unser Star für Oslo" möglichst weit abgrenzen wollte.

In der Show mag das funktioniert haben. Aber gleich nach dem Finale scheint das leider irgendwie in Vergessenheit geraten zu sein.

Foto: ARD

Kommentare

der Jochen

05. Mai 2010, 14:30

ja, wirklich sehr sehr schade, dass sie von ihren beratern so einen höllen-ritt quer durch (fast) alle sendungen "verschrieben bekommt. aber das ist immer noch besser als das scheinheilige und unfaire verhalten von B**D....

aber was soll man von solchen leuten, die ihre "recherche" (wirklich eine meisterleistung (IRONIE!)) auch noch als aufklärerischen journalismus verstehen und sich wahrscheinlich damit als ahnen von augstein verstehen...

Wolfgang

05. Mai 2010, 14:36

http://fastvoice.net

Die Nummer mit der TV-Komparsin Lena enthüllte weniger die junge Dame selbst als mehr die unkritische Unsinns-Nachbeterei diverser Medien - mindestens eine 10 auf der nach oben offenen Heuchel-Skala - siehe auch hier:

fastvoice.net/.../alter-hut-statt-enthullung

jordgubbsglass

05. Mai 2010, 15:13

Warum genau ist Lena Meyer-Landrut "unschuldig"? Sie hat, schon damals volljährig, an einer TV-Produktion mitgewirkt. Sie hat sich danach bei einer Castingshow im TV beworben und diese gewonnen. Der dort vergebene Titel hieß, so abstrus es auch klingen mag: "Star".

Und jetzt wird das Eisen Lena geschmiedet, solange es noch heiß ist - ein Teil des Weges, den sie bewusst eingeschlagen hat. Andere Menschen in diesem Alter haben verantwortungsvolle Jobs, müssen wichtige Entscheidungen für das weitere Leben treffen. Frau Meyer-Landrut "muss" in Fernsehsendungen auftreten, nachdem sie sich um eine Fernsehkarriere bemüht hat.

Kein Mitleid, noch nicht einmal ein kleines bisschen Sympathie. Die Frau ist Darstellerin durch und durch, in letzter Zeit eben in der Rolle "unschuldige singende Abiturientin".

avareavare

05. Mai 2010, 17:01

http://avareavare.blogspot.com/

mitleid bekommt man geschenkt. neid muss man sich verdienen.

das motiv vieler "enthüller" ist - neben der tatsache, dass man mit lml aktuell quote machen kann - schlicht neid. dabei ist da gar nichts. sie hat von anfang an erzählt, dass sie schon einige kleinere tv-rollen hatte und es ihr traum ist irgendwann schauspielerin zu werden. und da nimmt man halt mit was sich ergibt und an "rollen" im trash-tv für den nachmittag auf rtl oder sat.1 kommt man halt einfach. und paar hundert euro gibt es für eine "sprechrolle" gibt es auch. auch ein motiv für eine achtzehnjährige. nichts was man ihr vorwerfen kann oder sollte.

jensor

05. Mai 2010, 17:30

"Unschuldige singende Abiturientin", ja, diese Rollenbeschreibung passt. Weniger passt die Analyse von Peer Schader: Sorry, aber wer sich ohne Not (und offenbar mit einem gerüttelt Maß an Medienkompetenz) in eine Komparsendatei für Doku-Soaps im Privatfernsehen begibt und im Anschluss daran noch sein Glück bei einer Castingshow probiert, hat optimal und haargenau all diese Dinge im Visier, von denen Sie meinen, dass diese Frau Meyer-Landrut als "Fernseh-Verbrechen" angetan werden. Höhö, möchte man da machen und amüsiert konstatieren, dass dieses Oslo-Ding offenbar ein irgendwie wertiges Standing hat als der ganze andere, als "prollig" angesehene Casting-Rest. Auch wenn es natürlich hier wie da in allererster Linie um Show, Entertainment, Ruhm, Ehre, Einschaltquoten usw. usf. geht und die Musik mit knapper Not als notwendiges Übel zum Zweck herhalten muss (oder warum hört man sonst so wenig darüber, wie frech dieser ganze Kate Nash-Lily Allen-Rip Off eigentlich ist). Naja, die einzig wirklich spannende Frage an der Sache ist für mich ja eher, ob mit der Rolle "unschuldig singende Abiturientin" jetzt nur die Zielgruppe oder gar das gesamte Produzententeam verschaukelt wurde.

Sebastian

05. Mai 2010, 18:11

http://www.peitsch.de

Ähm ja. Das sind ihre 15 Minuten in den nächsten drei Wochen und dann ist's vorbei mit der Karriere.

Das jetzt als "Overkill" zu bezeichnen... also ich weiß ja nicht.

evm

05. Mai 2010, 18:43

Peer, wer sich freiwillig in die Komparsen-Kartei von Constantin-Entertainment (K11, Frauentausch etc.) setzen lässt - so wie Lena es getan hat - der begibt sich ganz wissentlich in die Fernsehölle. Sie hat  offensichtlich ganz zielstrebig den Weg in die Medien gesucht, auch über Trash-Produktionen. Ihre fröhliche, gutbürgerliche Ausstrahlung vermittelt jetzt einfach einen anderen Eindruck. Dieser Ausstrahlung sind Sie leider auch erlegen...

jordgubbsglass

05. Mai 2010, 19:43

Was mich belustigt: Da inszeniert ein Privatsender eine Casting-Show einen Ticken weniger prollig als das Referenzformat, und schon ist die Siegerin Liebling all derer, die die Vorliebe für das etwas niveauvollere "USFO" als soziales Distinktionsmerkmal nutzen.

Wie fühlt es sich danach wohl an, wenn die jochgejubelte, "herzerfrischende", "andersartige", "freche" Lena Dingens am Ende dann doch nur ein ganz normaler Möchtegernstar mit inschlägigem Werdegang ist?

Schuld: Diejenigen, die das Nackidei-Filmchen ausgegraben haben. Wobei: Es skandalisiert doch gar niemand, nicht einmal die BILD. Die zeigt einfach nur Titten und die Leser freuen sich. Skandalisieren tun das wiederum diejenigen, die sich im Kopf die eigene Lena zusammengebastelt haben und die jetzt entttäuscht sind.

mihau

05. Mai 2010, 21:13

volle zustimmung zum beiden kommentaren von jordgubbsglass.

es hat ja leider gottes nicht die gewonnen, die tatsächlich singen kann,

sondern die, die unbedingt und auf teufel-komm-raus ins fernsehen wollte.

rasputin

06. Mai 2010, 12:43

LML hat in letzter Zeit unheimlich viel Bestätigung erfahren, und es ist in ihrer Situation allzu leicht, der Illusion zu erliegen, daß sie auf dieser Welle der Sympathie durch die nächsten zehn Jahre ihres Lebens reiten kann. Aber, bei all der geistigen Reife, die sie zu haben scheint und im Verhältnis zu ihrer Altersgruppe vielleicht tatsächlich hat: Sie unterschätzt wahrscheinlich trotzdem den harten Alltag in diesem Geschäft, so wie so viele andere. Bei der Kritik (ob geheuchelt oder nicht) an ihrer Komparsenrolle wird es nicht bleiben. Und selbst wenn kein weiterer "Skandal" um sie auftaucht, wird irgendwann die Langeweile des Publikums siegen. Aber immerhin macht sie ihr Abitur - im besten Fall kann sie dieses Kapitel dann nach einem Jahr abhaken und z. B. noch studieren, wenn sie feststellt, daß sie für dieses Geschäft doch nicht gemacht ist.

Aleks

06. Mai 2010, 13:21

Warum die ganze Aufregung? Dieser Castingstar ist zwar etwas niveavoller aufs Pferd gesetzt worden, aber im Endeffekt läuft es doch wie immer... Der Gaul wird geritten, bis er tot zusammenbricht. Den Beginn einer großen Karriere sehe ich da nicht. Wenn sie beim Contest nicht mindestens unter die ersten Fünf kommt und am Ende sogar noch ihr Abi verhaut, ist sie der Depp der Nation und die Blöd-Zeitung wußte es direkt... Mitleid? Kann ich nicht finden, denn sie weiß doch eigentlich was sie da macht. Dieser Overkill wird ja mit Sicherheit von einem routinierten Managment gesteuert aber wenn sie doch so eigensinnig, frech und frisch daher kommen will, täte sie wohl gut daran, mal "Nein" zu sagen... Aber diesen Wort scheint bei der Terminplanung nicht vorzukommen...

Also alles wie immer...

Bill

06. Mai 2010, 15:02

Mir kommt es so vor:

Ist einer für Dich, ist der nächste aus Prinzip gegen Dich!

Die Volljährigkeit als Startschuss für das an den Pranger stellen!?

Nachdem die kleine Hegemann gekreuzigt wurde, jetzt Lena! Würde mich nicht wundern, dass selbst ein gutes Abschneiden (um Platz 10) als Scheitern vom Boulevard und in den Kommentarspalten abgefeiert wird!

Mich kotzt der ganze soziale Zynismus nur noch an! Was kann einen an Lena stören, wenn man nicht massive eigene Probleme damit kaschieren will? Mir fällt dazu nichts ein!

Stefan

06. Mai 2010, 16:37

Also spätestens nach den jeweils ersten Staffeln von DSDS oder Big Brother sollte doch jeder halbwegs intelligente TV-Zuschauer in Deutschland bemerkt haben, dass das keine heile Welt ist, in die man sich begibt, bewirbt man sich für eine solche Show. Jetzt Mitleid mit LMR zu empfinden, ist genauso, als wenn man sich wundert, dass ein Soldat schlimme Dinge im Krieg erlebt. In beiden Fällen gehört das nun mal zum Beruf dazu! Und gerade weil die junge Dame ja schon ein wenig Fernseherfahrung gesammelt hat, dürfte es auch für sie keine Neuigkeit sein, dass dieser Job sehr stressig und selten lustig ist.

Dass die Maschinerie der Vermarktung nun auf Hochtouren fährt, war doch ebenso abzusehen. Es hätte verwundert, wäre es nicht so geschehen. Also bei aller Sympathie Ihrerseits, Herr Schader, für diese - wie man früher so schön gesagt hätte - Göre: Sie sind doch Medienjournalist! Also tun Sie nicht so, als seien Sie überrascht. Das ist doch der normale Lauf der Dinge. Und solange es für ihn Abnehmer gibt, wird es ihn auch weiterhin geben.

jordgubbsglass

06. Mai 2010, 21:06

"Was kann einen an Lena stören...?

Die Stimme, der Akzent, die seichte Musik, die sie interpretiert, das Aufhebens, das einige um sie machen, die Masche, mit der sie auftritt und auf die das halbe deutsche Feuilleton 'reingefallen ist, die Belanglosigkeit der gesamten Person, die einem trotzdem auch in seriösen Medien in Dauerschleife vorgesetzt wird.

Wenn ich, wohin ich auch schau, dieser Person nicht ausweichen kann, dann darf ich eine Meinung haben, oder? Ich weiß gar nicht, wie der Mensch Lena ist. Die öffentliche Person Lena mag ich nicht, und ihre väterlichen Lobrednern noch viel weniger.

hakidus

06. Mai 2010, 23:24

Ich denke das ist ein sehr talentiertes Mädchen, die wird ihren Weg noch machen. Zumindest wird sie in kürzester Zeit finanziell unabhängig und kann sich dann in Ruhe auf ihr Studiun konzentrieren.

Mirko

07. Mai 2010, 09:37

@Stefan: Und weil das der normale Lauf der Dinge ist, ist es OK? Diesen Lauf über heiße Kohlen hat eine Lena genauso wenig "verdient" wie die "Sieger" der ganzen anderen "Wir suchen einen 'Star', der spätestens 1 Jahr später vergessen ist"-Shows. Egal, wie sympathisch einem die Leute sein mögen oder wieviel davon sie evtl. erahnen konnten.

Das "besondere" Problem in diesem Fall ist doch vermutlich auch nur, dass OSFO so getan hat, als würde es eben nicht den üblichen Mist machen, was beim Casting selbst ja vielleicht noch hingehauen hat (k.A., hab nur 'ne halbe Folge gesehen...), danach offensichtlich nicht mehr.

@Aleks: Dabei stellt sich die Frage, ob sie überhaupt "Nein" sagen darf ohne ernsthafte juristische Probleme zu bekommen...

Peer Schader

07. Mai 2010, 09:40

@Mirko: Du hast vorm Kommentieren den Text gelesen! Danke!

Aleks

07. Mai 2010, 12:00

@Mirko u. Peer Schader: Nein, das ganze wird dem im Vorfeld beworbenen Anspruch nicht gerecht. Das steht außer Frage. Kann das im Sinne der Künstlerin sein? Das penetrante Powerplay und die ewige Medienpräsenz fördern bei mir den Abschaltautomatismus.

Aber geht es hier um eine Reinkarnation von Celine Dion? Eine zweite Whitney Houston? Die deutsche Madonna? Anna Netrebko mit eingebautem Welpenschutz? Nein. Ganz nett, aber nicht der große Wurf. Aber wenn sie trotzdem Karriere macht: Fein. Gut gelaufen...

Nüchtern betrachtet ist die Kleene (nur) eine Castingshowgewinnerin wie viele andere auch. Und sie wird auch abgearbeitet wie alle anderen auch, die es nicht erwarten konnten die lustigen Verträge zu unterschreiben.

Das darf jeder für sich selber schade finden aber eine Ausnahmestellung möchte ich ihr einfach nicht zugestehen. (Und dem Sendekonzept das sie durchlaufen hat, auch nicht)

jordgubbsglass

07. Mai 2010, 12:07

@Peer Schader

Ob Sie es glauben oder nicht: Ich hab den Text auch gelesen.

Aber wenn diese Lena so intelligent, so frech, so anders ist - warum sagt sie dann nicht ein einziges Mal "Nein" so einem Auftritt?

Michl

07. Mai 2010, 13:45

@jordgubbsglass:

Wow, wo kommt nur dieser irre Beissreflex her? Das hört sich ja fast nach verlassenem Liebhaber an. Und ich bin gespannt ob Sie in puncto Belanglosigkeit nicht noch schlechter dastehen als Lena.

Dass Lena einfach sympathischer rüberkommt im Haifischbecken der hysterischen Schreier und Dauer-Fressen-in-die-Kamera-Halter ist doch klar. Vlt können das viele schon nicht mehr verarbeiten und empfinden sowas direkt als öde und langweilig.

Und ob die 2 min ins Wasser springen schon extrem abstumpfen im Mediensumpf möchte ich auch noch stark bezweifeln.

Ein großer Nachteil ist allerdings das zu laxe und gelangweilte Auftreten von Lena. Dies kann ihr auf Dauer schaden, nicht nur, weil andere dafür sterben würden, so oft vor die Kamera zu kommen (Liste kann hier mit hunderten Pfeifen vervollständigt werden), sondern es ist dann einfach eine Sache von Anstand und Respekt den Gastgebern und dem Publikum gegenüber, aber eigentlich...seit wann zählt dies noch im TV?

jensor

07. Mai 2010, 17:09

Hmm, ich hab's gerade vor meinem inneren Auge:

ARD-Verantwortlicher: Mannometer, da haben wir es den Privaten aber mal so richtig gezeigt! Jetzt müssen wir mit dem Produkt richtig in die Offensive gehen!

Manager LMR: Was springt dabei raus?

ARD-Verantwortlicher: Die Summe XY!

Manager LMR: Okay, wir sind dabei!

Management Stefan Raab: Ja, das kann nur gut für das Produkt sein.

So viel zum Thema "Läuft anders als bei den anderen". Casting-Produkte funktionieren so - erst recht, wenn ein in diesem Segment eher unterdurchschnittlich erfolgreicher Vertreter mal einen waschechten Treffer landet und die BWLer in den Chefetagen das große Lechzen kriegen. Und wie gesagt: Schön zu sehen, wie die Konditionierung nach dem Motto "Wir sagen mal, dass wir es ernsthafter meinen als der prollige Privat-Kram" so trefflich funktioniert (genau nach dem gleichen Muster hat Herr Raab ja schon so etwas wie Stefanie Heinzmann als "ernstzunehmende" Musik platzieren können - mal ganz abgesehen davon, dass er nun ja auch nicht gerade als Musterbeispiel für jemanden dasteht, der aus dem ein oder anderen Grunde mal einen Euro am Wegesrande liegen lässt). That's Entertainment, sangen einst schon The Jam. In diesem Sinne wünsche ich Lena Meyer-Landrut persönlich alles Gute, aber so richtig kann ich die Aufregung nicht verstehen, dass sie nun in jener Medienzentrifuge steckt, in die sie sich selbst reinbegeben hat.

Btw: Das mag ja alles netter Gossip sein - aber wo ist der Beitrag über die Wahl eines Regierungssprechers zum Intendanten eines öffentlich-rechtlichen Senders?

Lukas Ormer

07. Mai 2010, 22:18

http://fernseh-kritik.blog.de/

Glaubt tatsächlich noch jemand, es ging bei USFO um eine Abgrenzung zu dem restlichen Casting-Käse? Natürlich geht es seitdem ums große Geldverdienen und Aussaugen von LMR als Gelddruckmaschine. Es ging es nie um das langfristige Aufbauen eines Stars, der auch nach Oslo noch präsent ist. Wesentlicher Unterschied zu DSDS , Popstars & Co. ist, dass hier Private und Öffentlich Rechtliche gleichermaßen auf den Zug sprangen und so quasi zu positiver Berichterstattung verpflichtet sind.

Stefan

07. Mai 2010, 23:02

@Mirko

Natürlich sind die Geschäftspraktiken in dieser Branche alles andere als in Ordnung. Dagegen gibt es nichts zu sagen. Aber ganz ehrlich: Wer hat denn erwartet, dass OSFO da die ganz große Ausnahme werden wird? Sind wir etwa nicht in den vergangenen Jahren Zeuge davon geworden, wie Stefan Raab selbst aus dem größten Mist eine gut gehende Geldmaschine zu formen in der Lage ist? Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr finde ich es im Grunde genommen amüsant, dass das vorher niemand so recht geglaubt hat, dass sich wirklich die meisten davon haben blenden lassen. Nur weil "ARD" draufsteht und kein verbal dahin polternder Juror auf der Couch sitzt, heißt das noch lange nicht, dass so eine Sendung nicht doch nach genau dem gleichen Prinzip funktioniert wie alle anderen Fernsehshows dieses Genres. Stefan Raab ist zwar oft innovativ, aber er ist kein universeller Heilsbringer für das deutsche Fernsehen.

@jordgubbsglass

Da kann ich voll und ganz zustimmen!

Im Übrigen dürfte LMR gar nicht so unglücklich sein. Denn durch ihr/e Ich-bin-ein-kleines-Mädchen-Getue/-Art ist ja zumindest schon einmal soweit gekommen, dass sie den Vorentscheid gewonnen und den Großteil des Publikums um den Finger gewickelt hat. Ob das nun berechnend war oder einfach nur einer tatsächlichen Naivität geschuldet ist, sei dahin gestellt. Dafür kennt man die Privatperson Lena tatsächlich zu wenig bzw. gar nicht, als dass man sich darüber ein Urteil erlauben dürfte. Dennoch bleibt bei ihr ganz einfach dieser fiese Beigeschmack, dass das alles nur reine Show sein könnte.

Torsten

08. Mai 2010, 00:12

@Mirko: Vielleicht zeigt das aber auch einfach nur, wie überschätzt und mit Vorschusslorbeeren überhäuft diese Show von Anfang an war? Wer hat denn von vornherein gesagt, dass diese Show und die Stars, die sie hervorbringt, so viel anders und besser sein werden als DSDS & Co.? War das nicht vielleicht doch nur eine "self-fulfilling prophecy" der ganzen Blogger, Feuilletonisten und sonstigen Medienkritiker, die die Show von Anfag an deswegen hochgejubelt und mit Spannung und Begeisterung begelitet haben? Jetzt merken sie allmählich, dass USFO eben doch nur eine mehr oder weniger konventionelle Castingshow war, die genauso auf Kommerz aus ist wie alle anderen. Spitzenerkenntnis!

Ansonsten hat jordgubbsglas schon alles gesagt, was es zu sagen gibt.

Oma Schmitz

09. Mai 2010, 19:34

Erinnert sich noch jemand an Ute Lemper? Ich fürchte, das Schicksal von Lena ist unausweichlich. Selbst wenn USFO mehr mit echter Musik und weniger mit sozialen Auffälligkeiten der Teilnehmer arbeitet, sind die systemischen Mechanismen im Anschluß nicht vermeidbar: Brainpool will Geld verdienen, Lena fairerweise auch, die ARD will ihre Show in Oslo zum Quotenerfolg machen, die anderen Medien nutzen jede Gelegenheit, mit Lena Schlagzeilen und zitierfähiges Material zu produzieren. Dabei geht jeder über Leichen: RTL aus Neid, Bild aus Dummheit, der Rest aus Ahnungslosigkeit.

Ich würde mich nach dieser Erfahrung mit allen Kräften bemühen, daß meine Kinder bei so einem Contest nicht mitmachen. Ich könnte ihnen beim Mißerfolg helfen, aber anscheinend kann man in dieser destruktiven Medienkultur niemand vor einem Erfolg und diesen ekeligen Trittbrettfahrern schützen. Und das ist doch sehr traurig, wenn man selbst im positivsten Fall in Deutschland nur noch verlieren kann und niedergemacht wird. Ist das schon die Diktatur des Proletariats?

dammdamm

10. Mai 2010, 19:07

Aus österreichischer Sicht: Mit dieser Version des Liedes, wir es für D'land einer der hinteren drei Plätze.

Harald Eisenmann

14. Mai 2010, 11:02

Bin ich der einzige der Lena Meyer Landruth und Stefanie Heinzmann kaum auseinanderhalten kann? Ich glaube sogar manchmal das ist ein und dieselbe Person!

VincentVinyl

17. Mai 2010, 00:13

Sorry, aber ich erkenne an der Lena-Geschichte auch nichts besonderes. Sie ist ein Casting-Produkt, das eben nur eine etwas andere Zielgruppe anspricht als die "Proleten" von DSDS. Mit Musik hat das ganze trotzdem nur indirekt zu tun, denn beim Produkt "Lena" geht es um Marketing. Ob die Person dahinter das verdient hat oder nicht, kann ich nicht beurteilen, wissentlich diesen Weg gewählt hat sie zumindest.

Naiv finde ich nur diejenigen, die jetzt überrascht sind, dass sich Raabs Casting-Show signifikant von anderen abgrenzen würde. Am Ende war doch klar, dass Casting eben Casting bleibt, vielleicht hat die Show die Regeln etwas gedehnt, aber mit klassischen Musikproduktionen hat es dennoch wenig zu tun.

Matze

21. Mai 2010, 13:43

Anscheinend haben die Personen, die auf Bild.de immer so lustige Kommentare hinterlassen ihren Weg in die FAZ-Community gefunden...

...da wird dem Autor vorgeworfen, dass er entäuscht ist, weil Lena genauso durch die Mangel gezogen wird, wie viele vor ihr. Ist es schade darum? Ich finde ja, denn ich mag ihre Art Songs zu interpretieren und ihre Art aufzutreten, bzw. zu singen.

Muss das jeder mögen? Garantiert nicht! Über musikalischen Geschmack lässt sich streiten. Über die Art und Weise, wie Lena vermarktet wird nicht. Die ist abartig!

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