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Das Fernsehblog

"Das ZDF ist schlauer als man denkt": Oliver Welke zum Staffelstart der "heute show"

26. August 2010, 21:23 Uhr

Man muss sich auch mal irren können. Im Mai vergangenen Jahres stand hier im Fernsehblog ein Text über die Premiere der "heute show", der mit Nettigkeiten eher sparsam umging. Seitdem hat sich einiges getan: Das ZDF hat der Nachrichtensatire einen wöchentlichen Sendeplatz am Freitagabend geschenkt, mehrere Mainzelmännchen wurden in der Show erschlagen, zerschreddert und erquetscht, Mitarbeiter Martin Sonneborn hat erst die diplomatischen Beziehungen mit China ins Wanken gebracht und dann das gute Verhältnis des ZDF zur Pharmaindustrie, die dafür sorgt, dass die Werbeblöcke am Vorabend ausgebucht sind. Eigentlich ist das keine schlechte Bilanz für gerade mal knapp über 20 Sendungen.

Also gut: Die "heute show" hat sich ganz gut entwickelt, mit einer Lust an der politischen Satire, wie es sie im deutschen Fernsehen eher selten gibt.

In den vergangenen Wochen war Sommerpause, obwohl es genügend Gelegenheiten für Sondersendungen gegeben hätte. Seit ein paar Tagen sitzt die Redaktion wieder zusammen, um den Start der neuen Staffel am Freitag vorzubereiten und Moderator Oliver Welke sagt:

"Das ist ein bisschen wie wenn die Schule nach den Sommerferien wieder losgeht: Einerseits trifft man seine Freunde wieder, andererseits denkt man: 'Mist, ein bisschen länger hätte es ruhig noch dauern können.'"


Nur in der "heute show" mit Krawatte: "Anchorman" Oliver Welke / Screenshot: ZDF

Programmdirektor Thomas Bellut hat der "SZ" in der vergangenen Woche quasi die Fortsetzung bestätigt. Und die Redaktion kann jetzt anwenden, was sie in den ersten Monaten der wöchentlichen Ausstrahlung gelernt hat: Dass sich die Zuschauer vom Tempo ruhig auch mal überfordert fühlen dürfen; dass man damit leben muss, wenn fünf bis sechs Minuten der Aufzeichnung nachher dem Schnitt zum Opfer fallen ("Mir sind 29 wirklich dichte Minuten lieber als nachher das Gefühl: 'Ach Mensch, im Mittelteil haben wir durchgehangen'", sagt Welke); und dass der FDP tatsächlich nicht mehr zu helfen ist:

"Es gab in der letzten Staffel irgendwann den Punkt, an dem ich gesagt habe: Wollen wir jetzt nicht auch mal eine FDP-freie Sendung machen? Mal was ganz Verrücktes! Das war kurz bevor sich Guido Westerwelle persönlich mit den Journalisten anlegte und seine Verschwörungstheorie zum linken Zeitgeist entwickelte. Da mussten wir erkennen: Ok, er will es offensichtlich so. Wir haben keine andere Wahl",

sagt Welke. Bis zu acht feste Redakteure arbeiten derzeit an 29 Minuten "heute show". Zwei weitere Kollegen hat das Team sich vom Nachrichtenfernsehen geholt, damit die der Redaktion montags in der Konferenz einen Crashkurs zu den Themen der Woche geben könne. Vier Studenten werden dafür bezahlt, potenziell verwertbare Ausschnitte zu sichten. Und in der Grafik arbeiten vier Kollegen an den Illustrationen.


Screenshots: ZDF

Von der "Daily Show" mit Jon Stewart haben sich die "heute show"-Macher zwar inspirieren lassen, Vergleiche sind Welke aber eher nicht so recht: "Das fiele für uns natürlich brutal aus" – weil die amerikanischen Kollegen viel mehr Erfahrung und Ressourcen haben. Wobei letztere bei der "heute show" für deutsche Verhältnisse auch schon nicht schlecht sind: "Einen Apparat, wie wir ihn brauchen, in den jetzigen Zeiten bei einem Privatsender durchzusetzen, ist unmöglich."

Nur eins wäre noch ganz interessant zu wissen: nämlich wie die fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen eher unytpische Lust zur Provokation im Sender so ankommt.

Oliver Welke: Ich kann Ihnen da leider keine Heldengeschichten von uns erzählen. Das ZDF ist regelrecht stolz, dass es die "heute show" gibt. Viele Nachrichtenkollegen haben uns ausrichten lassen, dass sie gerne zusehen – vielleicht auch, weil wir Sachen sagen, die sie in ihrem Kontext nicht dürfen.

Niemand beschwert sich, dass Sie den guten Namen der seriösen Nachrichten beflecken?

Ich war gespannt, wie sich das Verhältnis zu "heute" entwickelt. Wir brauchen von den Kollegen ja ganz oft Originalmaterial, das von denen in ihrer regulären Arbeitszeit herausgesucht und überspielt wird. Gelegentlich müssen sie dann zum Dank auch noch ertragen, dass wir uns über ihr virtuelles Studio lustig machen – und trotzdem ist das, was wir aus der Nachrichtenredaktion und der Programmdirektion mitkriegen, positiv. Wir hätten die aber natürlich auch bis auf die Knochen blamieren können.

Und wenn Sie andere bis auf die Knochen blamieren?

Unser Redakteur beim ZDF, Stephan Denzer, ist ja bereits durch "Neues aus der Anstalt" gestählt. Wenn Beschwerden von Zuschauern kommen, hält das ZDF das weitestgehend von uns fern. Ich krieg manchmal mit, dass beim Sender sehr viele Mails und Briefe beantwortet werden müssen, wenn wir uns mal ein bisschen weiter aus dem Fenster gelehnt haben. Aber man lässt uns damit komplett in Ruhe.

Es ist auch nicht so, dass sich die Politiker direkt bei Ihnen melden würden?

Nein, die rufen natürlich gleich viel weiter oben an. Mit Leuten wie uns geben die sich nicht ab.

Dabei kommt ja auch der eigene Sender in der "heute show" oft nicht so gut weg. Mainzelmännchen sterben grausame Tode...

...Sie geben vor, jemanden vom Fernsehrat in der Sendung zu haben, der Gags zum Zwecke der politischen Neutralität zählt – sind Sie sicher, dass da keiner aus dem Sender was dagegen sagt?

Die Leute gehen ja davon aus, dass es beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen so zugeht. Deshalb müssen wir das zum Thema machen. Wir haben beim Fall Nikolaus Brender auch behauptet, ich sei enttäuscht, dass nicht ich neuer Chefredakteur wurde, weil ich so weit gegangen sei. Dazu haben wir Bilder gezeigt, auf denen ich mit Roland Koch in der Sauna sitze, einfach um das Klischee zu bedienen. Und es ist ja das alte Problem: Wer austeilt, muss auch einstecken. Wenn wir uns ausschließlich über die ARD oder die Privaten lustig machen würden, wäre das extrem uncool. Das sieht man im ZDF zum Glück genauso. "Switch reloaded" ist oft am fiesesten zu Pro Sieben, die "heute show" muss das genauso machen.

Es wäre aber auch ein natürlicher Reflex gewesen, gerade in der Bewährungsphase der Sendung etwas vorsichtiger zu sein.

Das ZDF ist da schlauer als man gemeinhin denkt. Die Zuschauer bewerten es positiv, wenn man sich über den eigenen Sender lustig machen kann – weil viele das dem ZDF nicht zugetraut hätten. In Mainz wird sicher an vielen Stellen nicht gejubelt. Aber ich glaube, dass die meisten verstanden haben, dass das dem Sender etwas bringt.

Nur als Martin Sonneborn mit seinem Pharmalobby-Film in den Schlagzeilen war, war die Geduld überstrapaziert?

Die Kritik, die Programmdirektor Thomas Bellut nachher geäußert hat, bezog sich ja ausdrücklich auf unseren Formfehler, dass das Team angekündigt hat, es komme von "heute". Dadurch hatte die Gegenseite die natürlich eine Munition, die man ihr nicht hätte geben müssen. Dass Bellut sich dazu äußern musste, war klar. Aber er hat nie die Qualität der MAZ in Frage gestellt. Der Pharmareferent hat sich ja selbst um Kopf und Kragen geredet. Und die Welle, die es deswegen gegeben hat, war positiv für die "heute show". Ich möchte es aber den Kollegen von "heute" auf keinen Fall antun, dass sie künftig Schwierigkeiten bei der Vereinbarung von Interviews kriegen, weil alle glauben, dass Sonneborn kommt. So ein Fehler darf uns nicht mehr passieren.

Die "heute show" läuft freitags um 22.30 Uhr im ZDF.

Screenshots: ZDF

Veröffentlicht 26. August 2010, 21:23 von Peer Schader
Kommentare

Horst

26. August 2010, 21:55

Zu dem angeblichen Formfehler: War es denn überhaupt so, dass behauptet wurde man komme von "heute"? Herr Sonneborn stellt das nämlich etwas anders dar.

Muriel

26. August 2010, 22:29

http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com/

Wow. Ich bin ja immer gerne mal gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen, und so, aber KeinOhrFeigen... Das hat Klasse. Vielleicht sollte ich mir das doch auch mal ansehen.

Peter

26. August 2010, 22:47

http://twitter.com/PeterPwn

Wenn Oliver Welke nicht so ein fürchterlicher Haudrauf-Comedian wäre der besser zu RTL oder Sat1 passen würde, könnte man sich den Spaß sogar öfter ansehen.

Mir persönlich hat das Westerwelle-Video schon wieder gereicht, der Mann mag ganz nett sein aber ich kann ihn leider nicht leiden.

Eugen

27. August 2010, 12:18

Ich bin freier Radiojournalist. Und das, was Sonneborn da getan hat, ist verheerend, weil er einen der wichtigsten Grundsaetze gebrochen hat: Wenn jemand etwas aeussert, was er nicht veroeffetlicht haben will, dann wird es nicht veroeffentlicht -- es sei denn es besteht wirklich ein besonderes, serioes rechtfertigbares Interesse.

Das war nichts weiter als ein Schlag ins Gesicht aller Kollegen, die darauf angewiesen sind, dass auch Personen, die dazu neigen, sich um Kopf und Kragen zu reden, einem Journalisten vertrauen, dass er sie nicht  blossstellen wird.

Lars

27. August 2010, 16:18

Sonneborn hat ja keinen armen Interviewpartner vorgeführt, sondern einen Pharmalobbyisten, der davon lebt, Leuten Märchen aufzutischen, sie schlicht zu betrügen. Das man so jemanden bloßstellt, in dem man ihn vorgaukelt, er würde ein paar Propaganda-Minuten in den Nachrichten zu bekommen ist ja wohl alles andere als verwerflich.

Horst

27. August 2010, 20:25

@Eugen: Sonneborn ist sicher kein Kollege von Ihnen. Oder sind Sie Radiojournalist und Satiriker? Zudem war das, was Sonneborn da getan hat, genau das, was Journalisten eigentlich tun müssten. Er hat aufgezeigt, wie Lobbyisten sich darauf verlassen, dass ihre Propaganda vom öffentlich rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt wird.

Torsten

28. August 2010, 14:55

Trotzdem, ich kann mit diesem halbherzigen "Daily Show"-Klon nichts anfangen. Die Gans sind mir oft immer noch zu flach und Holzhammer-mäßig, Oliver Welke ist einfach kein Jon Stewart oder Stephen Colberts, und dass er sich wirklich für Politik und Satire interessiert, kauft man ihm null ab. Es gibt nur eine wirklich bissige und witzige Satire-Show im deutschen Fernsehen, und das ist und bleibt Extra 3.

malefue

28. August 2010, 19:39

geile auffassung von journalismus, eugen:

wenn jemand sich um kopf und kragen redet, soll der anständige journalist wegschauen.

schon bisschen zu lang im lobby-journalismus-sumpf gelebt, was?

Oma Schmitz

28. August 2010, 20:17

@ Eugen

Das solche Lobbyisten Vertrauen haben sollten, von Journalisten nicht bloßgestellt zu werden, auch wenn sie in einem Interview Lügen und Quatsch verbreiten, finde ich ein emrkwürdiges Verstzändnis von Journalismus. Verwechseln Sie da nicht Journalismus und public relation?

fettkatz

29. August 2010, 11:33

Gab es doch schon lange vorher bei den Simpsons: Nach Kanada, der Pillen wegen-Lisa und Marge besuchen die Presseabteilung eines Pharmakonzerns...

Jeff Kelly

30. August 2010, 11:15

Wenn Welke nicht wünscht, dass man die "Heute Show" mit der "Daily Show" vergleicht, dann sollte er sie vielleicht einfach nicht so plump abkupfern.

Wenn man selbst "Korrespondenten" auftreten lässt, die die Originale kopieren/ja fast parodieren, dann muss man sich den Vergleich gefallen lassen.

Oder z.b. halt niemanden On Air lassen der Lewis Black nachäfft. Wer einmal ein paar Folgen "Heute Show" gesehen hat und ein Daily Show Kenner ist, der wird sich fragen warum Comedy Central Welke noch nicht wegen Plagiarismus verklagt hat. Der Vergleich drängt sich da automatisch auf.

Leider hat Welke nicht das komödiantische Talent z.B. eines Pastewka der aus "Pastewka" eine zwar durch "Curb your Enthusiasm" inspirierte aber doch eigene Serie gemacht hat.

Zoidberg

01. September 2010, 10:34

Was Jeff Kelly sagt. Die "Heute Show" an und für sich finde ich nicht mal schlecht, aber dieser Pseudo-Lewis-Black geht gar nicht. Zumindest wenn man das Original kennt.

Stefan

05. September 2010, 16:15

Also ich verstehe dieses ganze Gejammere nicht, dass die heute show nur ein Plagiat der Daily Show mit Jon Steward sei. Natürlich sieht man sofort, wer die Vorbilder für die heute show sind. Aber was ist so schlimm daran? Sollen wir dem deutschen Publikum lieber eine synchronisierte oder untertitelte Fassung der Daily Show präsentieren? Das wäre am Ziel vorbei geschossen, weil die meistens Gags nur zünden, wenn man sich ein wenig mit US-amerikanischer Politik und der dortigen Medienwelt auskennt. Und dieses Wissen dürften die wenigsten Deutschen haben. Nicht umsonst versendet Comedy Central die Global Edition irgendwo im Nachtprogramm - einmal abgesehen davon, dass sie nur ein lustloser Zusammenschnitt der täglichen US-Ausgaben ist.

Es ist doch gut, dass sich da jemand das Daily Show-Konzept gekrallt und es ins Deutsche konvertiert hat. Man darf nicht vergessen, dass die heute show gerade erst ein paar Folgen alt ist, die Daily Show aber schon seit Jahren - und das mehrmals pro Woche - läuft. Da ist es doch klar, dass ein so etabliertes Team eine viel bessere und schönere Sendung hinbekommt als das, was hinter der heute show steckt. Lasst den Welke und seine Leute mal noch ein bisschen machen, dann wird das schon was. Jon Steward war in seinen ersten zwanzig Sendungen bestimmt auch nicht der Knaller, der er heute ist.

Ich bin zwar auch ein großer Fan davon, lieber das US-Original in nicht-synchronisierter Fassung zu gucken. Aber man kann es mit einer solchen Einstellung auch übertreiben. Da versucht das deutsche Fernsehen mal solch ein engagiertes Projekt und es wird doch nur wieder niedergemacht. Kein Wunder, dass es viel zu wenige von diesen Formaten in Deutschland gibt.

Und zum Thema Sonneborn: Wenn es sich in dem Beitrag um jemanden gehandelt hätte, der mit der Presse kaum oder gar keine Erfahrung hat, dann könnte ich diese Einstellung verstehen. Aber Lobbyisten sind Profis auf diesem Gebiet. Die wissen worauf sie sich einlassen, wenn sie mit dem Fernsehen reden. Und wenn das dann halt schiefgeht, dann müssen sie es aushalten. Das gehört genauso zu ihrem Job wie die Schleimerei bei Politikern.

Alex

08. September 2010, 10:22

http://www.fachbildung.de

Braucht diese Welt eine "Late Night" Schow mehr?

Ich verpasse so viel.... Das muss am Alter liegen...

Lukas Ormer

09. September 2010, 08:58

http://fernseh-kritik.blog.de

Satire & Kabarett schaue ich mir gerne im Fernsehen an, aber was hat die heute-show damit zu tun? Welke damit in Verbindung zu bringen käme mir nie in den Sinn. Der Mann wäre vielleicht gerne lustig, ist es aber nicht. Leider konnte das ZDF nicht widerstehen, sich auch hier bei den Privatsendern zu bedienen. Als hätte man keine eigenen Leute, als stünde Privatfernsehen neuerdings für Qualität. Warum denn nicht gleich Sonya Kraus?

Die Gags der Sendung sind oft schmerzhaft unlustig und Martina Hill in ihrer Rolle als überkandidelte Umfragentante leider nur noch peinlich. Pinkelnde Mainzelmännchen enpfinde ich nicht als den großen satirischen Wurf. Einziger Lichtblick der Sendung ist Sonneborn, der den Rest des Teams doppelt und dreifach in den Sack steckt.

Sebastian

11. September 2010, 14:42

http://www.peitsch.de

Ich finde den Ansatz, die Daily Show zu kopieren, sehr passend.

Nur ist leider die Umsetzung so "wunderbar" ZDF-bieder. Die Schwenks über das klatschende Publikum mit Mitte-50 Schnitt hat was vom "Goldenen Schuss". Es ist einfach lächerlich.

Vor allen Dingen die Korrespondenten gehen mir aber gepflegt "auf die Eier". Wie sehr da vom Teleprompter abgelesen wird (oder nein noch besser: von Karten, die man sogar in der Hand hält!) - zum heulen. Statt Schauspielern hätte man sich wenigstens auch die Vorgehensweise der Daily Show nehmen sollen, Stand-Up Comedians einzusetzen. Die kriegen das Timing wenigstens geschissen. Bei Welke kommen die einzelnen Pointen bisweilen wie ein Panzer auf den Zuschauer zugefahren und man möchte einfach nur noch die Finger in die Ohren stecken und sich das Eldend nicht mit anhören.

Als Ehrenrettung kann man da nur sagen: RTL Samstag Nacht hatte im ersten Jahr komplett eingekaufte Sketche aus den USA. Dort lief es auch holprig. Dann wurde es zum Erfolg. Im Moment sollte noch eine Menge Arbeit reingesteckt werden und unfähige Leute am besten aussortiert werden.

Denn im Gegensatz zu manchem über mir hier gefällt mir der Lewis Black Klon. Er hat das Timing drauf, bei ihm hört es sich nicht an, als ob er vom Blatt abliest (was Lewis Black auch tut - inzwischen kommt er nur noch rein und verarbeitet das, was ihm die Schreiberlinge von der Daily Show hinsetzen, weil er ziemlich schnell das eigene Material aus seinen Stand-Ups verbraten hatte)

Jay

11. September 2010, 17:36

Das mit der schlechten Daily-Show-Kopie oder dem gescheiterten Versuch, den Colbert Report nachzumachen, stimmt leider. Der deutsche Humor, leider auch jener, der sich anspruchsvoll nennt oder genannt wird, setzt immer noch zu häufig auf flache Witze, Fäkalhumor und -- am allerschlimmsten -- Beleidigungen. Insbesondere letzteres ist etwas, dass es in den USA in den Topformaten einfach nicht gibt. Denn ein Komiker oder Satiriker (wer darf sich nicht so nennen?!) beleidigt _niemals_ sein Publikum oder Interviewten. Er stellt höchstens bloß und lässt den Gesprächspartner sich selbst entlarven, und der Zuschauer kann sich so sein eigenes Bild machen. Das hat sehr viel mit Journalismus zu tun.

Auch das so oft gelobte Extra 3 schlägt seit dem Wechsel des Moderators in die falsche Kerbe. Tobias Schlegl versteht es ebenso wenig wie die meisten Autoren in Deutschland, subtil und zynisch zu sein. Witz werden erklärt, das Publikum zu Klatschen aufgefordert, lieber der Kameramann in einen "Witz" einbezogen als der Moderator selbst, das Publikum wird nassgespritzt... Einfach ekelhaft!

Es GIBT keine gute Comedy in Deutschland. Kabarett? Ja, dank Priol noch. Auch Richling hat nachgelassen und wirkt schon zu platt. Wohl weil er alles selbst machen muss oder will. Eine gute Show wie in den USA hat eine Armada an guten und gutbezahlten Autoren. Ist hier nicht zu machen oder man wünscht es nicht.

Jonas

11. September 2010, 18:53

@Stefan:

Das Problem an der heute show ist, dass sie einfach nicht gut ist. Die Witze sind regelmäßig abgeschmackt und fad. Es fehlt an Kreativität. Die Kritik richtet sich auf das Naheliegende. Mag sein, dass man dazu viel mehr Geld für gute Schreiber ausgeben müsste; aber ehrlich gesagt bezweifle ich das. Man müsste einfach andere nehmen.

Ich finde die heute show als Projekt gar nicht so mutig und engagiert, auch wenn das Format dem Deutschen Fernsehen neu ist. Das einzig Bemerkenswerte an der heute show ist der teilweise Mut zu bissigerer Kritik, als man sie normalerweise im Deutschen Fernsehen sieht (obwohl auch hier Extra3 nicht unbedingt übertroffen wird). Ansonsten kommt die heute show eben als ziemlich unmotivierte 'copy cat' der Daily Show daher. Es ist enttäuschend zu sehen, dass das Format übernommen wurde, aber nicht der Witz, die Brisanz, die Intelligenz, das Engagement, die unterschwellige Wut. Ich glaube auch nicht, dass diese Fehler mit steigender Episodenzahl behoben werden. Allenfalls kann man hoffen und erwarten, dass Oliver Welke die Show mit der Zeit wird besser tragen können.

Meines Erachtens ist die heute show eher geradezu symptomatisch für die fehlende Innovationsfreude des Deutschen Fernsehens (und Publikums).

Natürlich sollte Konsequenz dieser Kritik nicht sein, innovative Formate wieder einzustampfen -- im Gegenteil. Aber etwas US-Amerikanisches dem Deutschen Markt anzupassen und dabei seiner besten Elemente zu berauben, ist meines Erachtens einfach nicht der richtige Weg. Und schon gar nicht ist diese Kritik der Grund dafür, dass es viel zu wenige gute Formate dieser Art in Deutschland gibt. Das ist eher ein Problem schlechter ratings, mutloser und ungeduldiger Fernsehmacher und fehlenden Geldes. Man ist geneigt zu sagen, das Deutsche Publikum will es nicht anders. Aber man sollte die Hoffnung nicht aufgeben.

blubb

14. September 2010, 15:46

Also ich glaube das die Heute Show sich noch verbessern wird und vllt bald ein gleichwertiger "Abklatsch" der Daily Show ist.

Ich find das garnicht verwerflich das die die Daily Show kopieren, da es in diesem Fall nur die Aufmachung ist und ich glaube das JEDES Land so eine Sendung über ihre Politik braucht.

Es ist einfach wichtig das man so ein paar Machenschaften der Politik aufdeckt und wenn man das über die Comedy-Schiene macht kommt das auch bei mehr Leuten an.

captain america

22. September 2010, 19:12

welke macht sich wirklich gut, ich würde es nicht glauben wenn ich es nicht mit eigenen augen gesehn hätte...

was sollen die beschwerden über heute-schow=abklatsch von stewart und colbert? wollen da wieder einige zeigen dass sie ahnung vom us-fernsehn haben? ;)

Torsten

01. August 2011, 19:52

@captain america: Nein, damit wollen wir nur sagen, dass diese US-Vorbilder dem deutschen Klon einfach meilenweit voraus sind. Und wenn man sich so eng an so ein grandioses Vorbild anlehnt, muss man damit klar kommen, auch immer wieder daran gemessen zu werden.

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