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Das Fernsehblog

Die verspätete Fernsehkritik: Thilo Sarrazin bei Günther Jauch

01. November 2010, 09:59 Uhr

Vergangene Woche war Thilo Sarrazin bei Günther Jauch, und keiner hat's gemerkt. 

Das stimmt natürlich nicht; die Sendung hatte fast vier Millionen Zuschauer, fast genau so viele wie "Anne Will" am Sonntag zuvor. Aber während keine Ausgabe von "Anne Will" unrezensiert bleibt, hat Sarrazins Auftritt bei "Stern TV" fast keine mediale Resonanz gefunden. Sein Magazin werde "publizistisch kaum mehr wahrgenommen", stellte Jauch vor einem halben Jahr fest. In diesem Fall war das vielleicht besser so.

Der Besuch von Sarrazin war ein guter Anlass, sich einmal anzusehen, wie Jauch mit einem solchen Gast und einem solchen Thema umgeht, bevor er demnächst den traditionsreichen Polit-Talk am Sonntagabend im Ersten übernimmt. Er machte keinen guten Eindruck.

Seine Redaktion auch nicht. Bevor Sarrazin im "Stern TV"-Studio sprach, sprach er, wie in dieser Sendung üblich, in einem "Stern TV"-Filmbericht und erklärte, wie Deutschland zu retten sei. Zum Beispiel: "Wer seine Kinder nicht vernünftig beschult, dem wird die Sozialhilfe teilweise gestrichen. Wenn Kinder die Schule schwänzen, gibt es Geldstafe für die Eltern." Sarrazin erwähnte nicht, dass Schulschwänzen bereits jetzt eine Ordnungswidrigkeit darstellt und Eltern von Schulverweigerern ein Bußgeld droht. "Stern TV" erwähnte es auch nicht.  

Jauch rollte Sarrazin einen kuscheligen roten Teppich aus. Seine erste Frage lautete: "War ihnen klar, dass Sie über eine Million Bücher verkaufen würden und dass sie im Grunde so einen Integrationsdebattentsunami über Deutschland auslösen würden?" Kritische Fragen verpackte er in dickste Watte: "Viele sagen: 'Der hat ja nicht ganz unrecht, aber er bringt uns nicht weiter. Durch sein Buch werden die Dinge nicht besser, der Graben zwischen Deutschen und Menschen mit Migrationshintergrund, der wird dadurch vertieft anstatt dass er zugeschüttet wird.' Sie würden die Probleme nicht lösen, sondern nur vertiefen. Ist da nicht was dran?" Oder: "Wenn Sie mit Ihrem Buch gar nicht provozieren wollten, wenn man das alles, was sie schreiben, ja wohl auch noch wird sagen dürfen in diesem Land, warum haben Sie denn dann den Dienst quittiert?" Ob der Halbsatz mit dem, was man ja wohl nach sagen dürfen wird in diesem Land, ein Zitat der entsprechenden "Bild"-Schlagzeile oder Jauchs Meinung, blieb offen.

Jauch sagte: "Es gibt Umfragen, die besagen, dass Sie mit ihren Thesen durchaus eine neue politische Partei gründen könnten, die auf Anhieb erfolgreich wäre. Die einen sagen 18 Prozent, andere sagen 20 Prozent, andere sind in ihren Schätzungen noch optimistischer." Die Zahlen, die Jauch nennt, sind tatsächlich durch die Medien gegangen, aber ihre Interpretation ist falsch. 18 ist - laut einer Emnid-Umfrage - nicht der Prozentsatz, den eine Sarrazin-Partei bei Wahlen erringen würde, sondern die Zahl der Menschen, die es sich "vorstellen" können, eine solche Partei zu wählen. Ein gewaltiger Unterschied. 

Jauch zitierte den Satz von Bundespräsident Christian Wulff, der Islam gehöre zu Deutschland, und fragte Sarrazin: "Sehen Sie das auch so?" Sarrazin antwortete unter anderem: 

"Was er meint und hätte sagen sollen: Wer islamischen Glaubens ist und bei uns die Gesetze einhält und sich einfügt, kann und soll bei uns leben, wenn er denn sein Brot selber verdient. Das wäre eine vernünftige Aussage."

Was für eine bemerkenswerte Formulierung, die deutlich macht, wie Sarrazin Moslems diskriminiert. Sie müssen aufgrund ihrer Religion offenkundig Anforderungen erfüllen, die Christen, Atheisten und Agnostiker nicht erfüllen müssen. Was soll, seiner Meinung nach, mit muslimischen Deutschen passieren, die nicht ihr Brot selber verdienen? Oder meint Sarrazin hier nur muslimische Einwanderer? Das wäre aber eine erstaunliche Ungenauigkeit, wo er unmittelbar zuvor dem Bundespräsidenten, stotternd und sich verhaspelnd, vorgeworfen hat, unsauber zu formulieren.

Und was machte Jauch? Er hakte nicht nach, er sprach Sarrazin nicht darauf an, er las die nächste Frage von seiner Karte ab. 

Sarrazin sagte noch mehr erstaunliche Sätze. Zum Beispiel:

"Die Wahrheit bringt immer weiter. Und die Wahrheit kann auch nie schädlich sein. Ich habe immer darauf gewartet, dass irgendwer mal kommt und sagt: 'Das und das in dem Buch ist falsch. Das und das ist logisch falsch, hier sind falsche Zahlen.' Das hat es nicht gegeben. Von den Argumentationslinien meines Buches ist bis heute eigentlich keine widerlegt oder auch nur hinterfragt worden."

Später sagte er, die "Tatsachen und Zusammenhänge" aus seinem Buch seien "bis heute unbestritten". Man kann sich womöglich darüber streiten, ob Aussagen und Argumentationen aus Sarrazins Buch widerlegt wurden. Aber zu behaupten, niemand hätte ihm faktisch widersprochen oder seine Argumente hinterfragt oder bestritten, ist offensichtlich unwahr. Jauch ließ es ihm durchgehen.

Die Redaktion hatte für einen weiteren Filmbericht verschiedenen Familien ausgesucht, die gelungene und misslungene Integration repräsentieren sollten. Auf der einen Seite: Arabische Großfamilien mit Menschen, die auch nach vielen Jahren in Deutschland kein deutsch sprechen. Auf der anderen Seite: Einwanderer aus Kasachstan, deren Kinder schon kein russisch mehr sprechen, dafür aber jeder ein Musik-Instrument gelernt haben. Der Kontrast zwischen dem abgeschotteten Ghetto im Hochhausviertel und der heilen Welt im Einfamilienhaus in der Kleinstadt war fast schon lächerlich maximal - und hätte zu der fruchtbaren Frage führen können, in welchem Maß der soziale Status (im Gegensatz zur Fixierung auf Herkunft und Religion) eine Rolle bei der "Integration" spielt.

Fakten, Statistiken, Studien darüber, wie typisch die gezeigten Fälle sind, erwähnte "Stern TV" nicht. Jauch sagte bloß, die Nicht-Integrierten, die zu sehen waren, seien ja wohl keine Einzelfälle. Es hätte dann noch eine Diskussion geben sollen, aber die scheiterte schon an der Auswahl der Gäste. Houaida Taraji, die Familien- und Frauenbeauftragte im Zentralrat der Muslime, hatte zu der Diskussion nichts beizutragen. Und der Stadtteilmanager von Bremen-Tenever, Joachim Barloschky, hätte zwar von seinen persönlichen Erfahrungen im täglichen Umgang mit vielen Nationen in einem Problemviertel berichten können - dazu hätte man ihn aber dazu befragen müssen.

Nach insgesamt über einer halben Stunde zu dem Thema bedankte sich Jauch bei den Diskussionsteilnehmern herzlich dafür, dass es "richtig Hin- und Hergegangen" sei, denn das sei auch "Sinn der Sache" gewesen. 

Dem "Zeit"-Magazin hat Günther Jauch im vergangenen Jahr erzählt, welches Gefühl er manchmal hat, wenn er eine politische Talkshow sieht:

"Ich sitze oft vor dem Fernseher und denke: So, jetzt hat sie oder er den Politiker! Der Ball liegt vor dem leeren Tor, man muss ihn nur noch reinschieben. Aber was passiert? Die Kollegen stoppen den Ball und laufen mit ihm in die andere Richtung."

Am vergangenen Mittwoch hatte er selbst nicht einmal Ballkontakt. 

Teile der Sendung auf YouTube

Screenshot: RTL

Veröffentlicht 01. November 2010, 09:59 von Stefan Niggemeier
Kommentare

reichs-tag.de

01. November 2010, 09:47

http://www.reichs-tag.de

Wow. FAZ.NET_das ultimative Filtermedium. Was Günther Jauch Sarrazin hätte fragen sollen ...Hat er aber nicht. Warum auch ?

Ladet Sarrazin doch selber ein und fragt ihn, was ihr fragen wollt.

Meine Frage an euch: Bei 4.000.000 Muslimen und laut de Maiziere 10-15 % Integrationverweigerern sind hier 400-600.000 überflüssige Muslime/a, wer repatriiert dieselben ?

Ali

01. November 2010, 11:09

http://afrika.himpenmacher.de

Gott, oh Gott, das ist ja eine Zumutung. Sowohl der Sarrazin als auch der Jauch.

Am schlimmsten finde ich dieses Zitat:

<blockquote>Was er meint und hätte sagen sollen: Wer islamischen Glaubens ist und bei uns die Gesetze einhält und sich einfügt, kann und soll bei uns leben, wenn er denn sein Brot selber verdient. Das wäre eine vernünftige Aussage.</blockquote>

Nicht nur stellt S. Anforderungen an Moslems, die er an andere Gläubige offensichtlich nicht stellt, er suggeriert darüber hinaus, dass ein Moslem kein Deutscher sein kann.

thomas

01. November 2010, 11:11

Ja, das ging mir beim Zuschauen ziemlich ähnlich! Danke für die präzise Kritik!

Jeeves

01. November 2010, 11:51

" "Wer seine Kinder nicht vernünftig beschult, dem wird die Sozialhilfe teilweise gestrichen. Wenn Kinder die Schule schwänzen, gibt es Geldstafe für die Eltern." Sarrazin erwähnte nicht, dass Schulschwänzen bereits jetzt eine Ordnungswidrigkeit darstellt und Eltern von Schulverweigerern ein Bußgeld droht. "

.

Äh, hat er nicht genau das gerade "erwähnt"? ...wenn das Zitat zuvor stimmt.

Stefan

01. November 2010, 12:00

Ich stimme Ihre Kritik teilweise zu. Ich denke, das liegt aber auch daran, dass Wahrheiten dieser Art inkompatibel sind zu unseren Fernsehformaten.

Schlimm fand ich, das Sarrazins beide Diskussionspartner es nicht für notwendig fanden sein Buch zu lesen. Fällt eigentlich nur mir auf das sich die muslimischen Verbandsvertreter niemals auf eine inhaltliche Diskusssion über was auch immer einlassen ?

eraabe

01. November 2010, 12:17

Niggemeier hat offensichtlich nicht Sarrazins Buch gelesen, wo z.B. auf Bußgelder bei Schulschwänzen detaillierter eingegangen wird: Das Problem ist, dass die Schulverwaltung dieses Mittel nur äußerst zögerlich einsetzt.

Interessant ist die Auffassung, die Forderung, unsere Gesetze einzuhalten, stelle eine Diskriminierung der Muslime dar.

Georg S.

01. November 2010, 13:07

Nicht das ich Sarrazin besonder mag, hat er doch eine wichtige Diskussion angestossen, oft etwas polemisch, aber inhaltlich nicht unbedingt falsch. und die Hexenjagt, die auf ihn angeblasen wurde ist mitlerweile ja auch halbwegs abgeblasen. aber ihm nun auf Grund dieser unten zitierten Passage der Sendungs Kritik Rassismus vorzuwerfen, hört sich für mich an, wie viele von der Stasi und DDR Gerichten vorgetragene Argumente zur Mundtotmachung von Andersdenkenden. Das ist das sprichwörtliche "Wort im Munde" umdrehen in bösartiger Absicht. Ich find es gibt schon zu viele Schmierfinken, die so "Journalismus" betreiben.Das muss man nicht unkommentiert lassen. Im übrigen Herr Niggemeier " Rassismus" kommt von Rasse, nicht von Glaubenszugehörigkeit, das haben schon genug Leute im Dritten Reich und später nicht begriffen.

ZITAT AUS DER KRITIK :Jauch zitierte den Satz von Bundespräsident Christian Wulff, der Islam gehöre zu Deutschland, und fragte Sarrazin: "Sehen Sie das auch so?" Sarrazin antwortete unter anderem:

"Was er meint und hätte sagen sollen: Wer islamischen Glaubens ist und bei uns die Gesetze einhält und sich einfügt, kann und soll bei uns leben, wenn er denn sein Brot selber verdient. Das wäre eine vernünftige Aussage."

Was für eine bemerkenswerte Formulierung, die deutlich macht, wie Sarrazin Moslems diskriminiert. Sie müssen aufgrund ihrer Religion offenkundig Anforderungen erfüllen, die Christen, Atheisten und Agnostiker nicht erfüllen müssen. Was soll, seiner Meinung nach, mit muslimischen Deutschen passieren, die nicht ihr Brot selber verdienen? Oder meint Sarrazin hier nur muslimische Einwanderer? Das wäre aber eine erstaunliche Ungenauigkeit, wo er unmittelbar zuvor dem Bundespräsidenten, stotternd und sich verhaspelnd, vorgeworfen hat, unsauber zu formulieren.

Menschen mit weiteren solchen unsauberen Kritiken zu verschonen, währe schon mal ein toller Anfang.

arahf

01. November 2010, 13:26

ärgerlich, da hätte man aggressiv nachhaken MÜSSEN

PabloD

01. November 2010, 14:41

Bei Herrn Jauch sieht man sehr deutlich, dass langjähriger Kontakt mit RTL nicht nur die Zuschauer verblödet, sondern auch die dort arbeitenden Menschen. Er ist zweifelsohne ein sehr guter Entertainer bei "Wer wird Millionär", aber am gesellschaftlichen/politischen Anspruch, mit dem SternTV vor vielen Jahren gestartet ist (und den man aufgrund des Sendetitels ja auch immer noch vermutet), scheitern er und seine Redaktion seit geraumer Zeit nur noch kläglich. Die Sendung könnte auch von Constanze Rick moderiert werden, man würde den Unterschied nicht merken. Es steht zu befürchten, dass er bei seinem Wechsel zu den ÖRs am nicht gerade hohen Niveau von Will, Illner & Co. scheitern wird.

Ibn Rusd

01. November 2010, 15:01

Der Artikelschreiber hatte nicht nur keinen Ballkontakt (wie Jauch vorgehalten), er hat den Ball nicht einmal gesehen.

Stefan Niggemeier

01. November 2010, 15:18

@Jeeves: Nein, er formuliert das als Teil seiner Forderungen, was zu tun sei.

kleinerbroker

01. November 2010, 15:42

Merke: Grundlage (auch die einer verspäteten Fernsehkritik) für die Führung einer Diskussion ist Sachlichkeit. Sachlich ist es nicht, wenn man einen Menschen auf Äußerlichkeiten reduziert. Insofern hat Herr Niggemeier angesichts dieses Zitates noch Nachholebedarf:

"Das wäre aber eine erstaunliche Ungenauigkeit, wo er unmittelbar zuvor dem Bundespräsidenten, stotternd und sich verhaspelnd, vorgeworfen hat, unsauber zu formulieren."

.

Wenn Sie recht überlegen, werden Sie feststellen, dass es auch ohne "stotternd und sich verhaspelnd" geht.

.

Egal wie sehr Sie nicht mit Sarrazin einer Meinung sind, das muss nicht sein.

Stefan Niggemeier

01. November 2010, 15:49

@kleinerbroker: Sarrazin hat gestottert und sich verhaspelt, teilweise bis an die Grenze der Unverständlichkeit. Ich habe ihn nicht darauf reduziert, sondern es erwähnt, weil es mir auffiel.

Kraskaja

01. November 2010, 17:17

@georg s.

Pardon, der Kommentar strotzt nur so vor Unkenntnis. Selbstverständlich hat Rassismus mit der Zugehörigkeit zu einer best. Religion zu tun. Rassismus ist ein Bestandteil geistigen Rechtsextremismus. Nachzulesen bei Heitmeyer/Decker/Brähler und zahlreichen anderen Forschern in diesem Bereich. Rassismus ist die Ausgrenzung/Stigmatisierung einer Grruppe nach ethnischen oder anderen (auch glaubensrelevanten) Merkmalen. Selbstverständlich ist der Tatbestand des Rassismus gegeben, wenn die Gleichheit, die allen vom Grundgesetz her zugesprochen wird, in Frage gestellt wird. Und genau das macht Sarrazin, wenn er größere  Anforderungen an Muslime stellt als an alle anderen Bevölkerungsgruppen. Bitte belästigen Sie den Rest der Welt nicht mit IHRER Unkenntnis!

Tunguska

01. November 2010, 17:27

Dieser Mann ist es gar nicht wert auf ihn einzugehen. Genauso wenig wie einige Kommentare der Sarazzin-Fanboys hier.

>Einwanderer aus Kasachstan, deren Kinder schon kein russisch mehr sprechen,

HALLELUJA ! Sie sprechen eine Sprache weniger statt multilinguistisch zu sein ! Welch Erfolg für die Integration ! Deutscheeee ... holt die Papphütchen raus !

>Von den Argumentationslinien meines Buches ist bis heute eigentlich keine widerlegt oder auch nur hinterfragt worden."

Ich brauche dafür nur 2 Minuten und nicht mehr:

Sarazzins Forderungen widersprechen seiner eigenen Realität teils selbst; er und seine Leser merken es nur nicht.

Er schreibt Kinder brauchen einfach mehr Disziplin in der Schule.

Das ist falsch.

Er schreibt ... Gantztagsschulen seien enorm wichtig und müssen gefördert werden.

Auch das ist falsch.

Selbst beschreibt Sarazzin wie schlecht er in der Schule gewesen sei, und sich erst durch eigene Anstrengungen beim lernen der Erfolg einstellte. Und er beschreibt ausserdem, wie der Lernstoff den sein Lehrer ihm versuchte einzuprägen, an ihm abprallte.

Und ... das ergibt Sinn.

Menschen sind verschieden. Sarazzin lernte offenbar besser auf eigenen Antrieb hin statt auditiv - durch zuhören. Andere lernen besser durch auditive oder visuelle  Präsentation des Lernstoffs, und andere durch mehr mechanische Methoden. Manche Schüler brauchen Disziplin, und andere zerbrechen daran. Ganztagsschulen bringen wiederrum gar nichts, weil sie Schüler in eine starre Umwelt zwingen mit der nicht jeder klarkommt. Ich kenne genug die auf solchen Schulen waren. Jemand der zu Hause besser lernen kann als in der Schule hätte hier massive Nachteile.

Und weil Schüler eben KEINE Pferde und Hunde sind, mit denen Sarazzin sie verglich, braucht man eine weitreichende Palette an Werkzeugen um jeden Schüler bestmöglich zu fördern.

Diese Dinge WISSEN wir eigentlich schon seid mindestens 40 Jahren. Und Frederic Vester hat dieses Wissen damals populär gemacht.

*cheers* ~ Sarazzin hat mir bewiesen wie wenig Vorankommen es in der Gesellschaft gibt. Dafür sollte ich ihm und seinen Fanboys dankbar sein.

Die Unterschicht von der er und seine Anhänger sprechen, repräsentieren sie selbst nur allzu perfekt. Es ist nur eben die geistige statt materielle Unterschicht.

Wenn sie mehr Manfred Spitzer lesen würden statt Thilo Sarazzin, könnten sie daran vllt. etwas ändern. Aber der ist dann wohl doch nicht provokativ genug, nehme ich an ?

Kim

01. November 2010, 18:55

http://www.klapperstrauss.com

Und dann immer wieder die Beschwerde, jemand, der mit Sarrazin über Integration diskutiert, habe dessen Buch nicht gelesen. Muss man sich einen solchen Schund geben, um sachlich über ein Thema zu reden, oder ist es nicht sogar hinderlich?

Stefan Niggemeier

01. November 2010, 19:18

@Kim: Naja, die Frage ist, ob das eine Diskussionsrunde war zum Thema Sarrazins Buch oder zum Thema Integration. Die Diskutanten waren da unterschiedlicher Ansicht. Herr Jauch ließ es unbeantwortet.

Lars

01. November 2010, 20:29

Ich habe immer darauf gewartet, dass irgendwer mal kommt und sagt: 'Das und das in dem Buch ist falsch. Das und das ist logisch falsch, hier sind falsche Zahlen.'

Da kann man sich ein Grinsen nicht verkneifen. Ich kann mich zB an das schöne Beispiel erinnern, bei dem er die Bevölkerung vom Stand 2010 über 100 Jahre hochrechnet. Spaßeshalber hat das das statistische Bundesamt auch mal gemacht und ist dann zu dem Ergebnis gekommen, dass mit den Daten von vor 100 Jahren heute in Deutschland 300 Mio Menschen leben würden.

Was zeigt, wie akkurat Sarrazin arbeitet. Da kann man einfach nichts widerlegen.

axkl

01. November 2010, 22:31

http://thilosarrazin-fanclub-neukoelln-nord.de

Gibt es hier irgendjemanden der glaubt das Herr Niggemeier die Stern-TV Sendung auch so kritisch betrachten würde, wenn Herr Jauch mit einem Pro-Multikulti-Vertreter ( oder einem Castor-Gegner etc.) ähnlich sanft umgesprungen wäre?

Wie wäre es, wenn Sie mal zugeben würden kein unabhängiger Medienjournalist, sondern ein Linker zu sein und deshalb mit Vorliebe Rechte kritisieren?

Christa Thiel

01. November 2010, 23:40

http://pumuckl3373@gmx.de

Mal ganz abgesehen vom  Inhalt Buches,  war der sprachliche Auftritt von Herrn Sarrazin eine Katastrophe.  Eine Stammelei bei der Satzformulierung. Diese Medienpräsentation  war so unpassend wie seine Thesen.

Martin

02. November 2010, 00:36

Lieber Herr Niggemeier,

interessanter Artikel, aber ist Ihnen vielleicht mal folgende Idee gekommen: Herr Jauch stimmt schlicht und ergreifend Herrn Sarrazin in voller Breite zu. Wenn man Stern-TV und alle anderen Sendungen mit Jauch sieht und auch Interviews mit ihm verfolgt, fällt einem relativ schnell auf, wes Geistes Kind der Mann ist. So würde sich auch die auf den ersten Blick einfach nur schwache journalistische Arbeit in dieser Sendung erklären.

Mirko

02. November 2010, 14:02

@Martin: "In voller Breite" glaube ich nicht. Jauch wirkt auf mich eher elitär, nicht rassistisch. Nur lassen sich "Dumme" oder "Arme" nicht ganz so leicht ausgrenzen und "abschieben" wie "Leute mit Migrationshintergrund".

Wann fordern wir eigentlich von Deutschen, dass sie mindestens einen IQ von 120 haben, 66000€/Jahr verdienen, Frauen nicht benachteiligen (20% weniger Gehalt?), mindestens eine Fremdsprache flüssig sprechen (nicht so'n Oettinger-Englisch!), ihre Kinder nicht an Hort, Kindermädchen oder Großeltern abschieben, Homosexualität tolerieren, keinem archaischen religiösen Wahn folgen (lest mal das 3. Buch Mose), ...?

Und können wir mal die ausweisen, die nicht kapieren, warum es eine Diskriminierung ist, all das nur von Einwanderern und deren Nachfahren zu fordern? (Wohin? Wir könnten ja mal die Türkei probieren, die sind dorthin ausgewiesene Leute gewohnt, die kein Türkisch können und deren Eltern schon in Deutschland geboren wurden...)

FlorianGeyer

02. November 2010, 23:25

http://jf-archiv.de

Wenn man schon von Zahlen redet:

im ZDF-Heute-Journal wurde letzte Woche berichtet,

daß 75% der Zuzügler aus der Türkei einen Grundschulabschluß haben.

Nicht mehr.

Kein Wunder, daß die Türkei auf solche Staatsbürger gern verzichtet.

Wie die jemals zu Nettoeinzahlern ins hiesige Sozialsystem werden sollen,

das sollte mir mal ein Einwanderungslobbyist erklären.

Hatem

16. November 2010, 00:34

Jauch liegt sicher in vielem auf Sarrazins Linie.

Der eigentliche Ausfall waren aber die als Widerpart gedachten Gäste.

Deren "Argumente" waren sehr schwach (und das ist höflich formuliert) und ihre Einwände waren weitgehend gefühlig, aber nicht faktenbasiert. Der Bremer Sozialarbeiter war an der Grenze zur Peinlichkeit.

Sarrazin ist rhetorisch ziemlich schwach. Aber gegen diese Widersacher hatte er keine Probleme. Wie kann man sich hinsetzen und über ein Buch diskutieren wollen, das man nicht gelesen hat?

Aber ist es Jauch anzulasten, dass die "gegnerische" Mannschaft völlig unvorbereitet zum Match antritt?

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