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Das Fernsehblog

Die schlechten Menschen von "Deutschland sucht den Superstar"

09. Januar 2011, 21:21 Uhr

Bei "Deutschland sucht den Superstar" gibt es drei Gruppen von Menschen, deren Verhalten ich nicht verstehe.

Die erste sind die Leute, die das gucken. Siebeneinhalb Millionen haben die erste Folge der neuen Staffel gesehen - obwohl die Sendung so berechenbar, formelhaft und ausgewalzt ist wie kaum eine andere.

Das zweite sind die Leute, die da hingehen. Zigtausend Kandidaten hatten sich wieder beworben - obwohl sie wissen könnten, dass sie nur Rohmaterial für eine Maschinerie sind, die bestenfalls verspricht, nach einem absurden Aufwand und vielen Demütigungen, eine einzige erfolgreiche Single zu produzieren.

Das dritte sind die Leute, die das produzieren. 

Über die ersten beiden Gruppen ist ausdauernd diskutiert worden. Über die Anziehungskraft der Show auf das Publikum und noch viel mehr über die Frage, ob man die Menschen, die dort mitmachen, vor sich selbst schützen müsste. Einige der Kandidaten, über die sich RTL ausführlich lustig macht, wirken geistig behindert. Aber erstens ist das kein klares Kriterium und zweitens keine Antwort auf die Frage, wie man mit ihnen umgehen müsste. Diese Leute dürfen, mutmaßlich, wählen, Geld ausgeben, heiraten, ihr Leben selbst bestimmen. Womöglich haben sie auch das Recht, sich vor der Nation zu Deppen zu machen.

Es ist wie beim alten Dilemma vom Zwergenweitwurf: Verstößt eine solche Veranstaltung gegen die Menschenwürde oder gehört zu dieser Menschenwürde, im Gegenteil, auch das Recht eines Zwergen, sich aus freien Stücken zum Objekt eines solchen Spektakels zu machen? 

Mindestens so interessant finde ich aber eine andere Frage: Was sind das für Menschen, die mit Zwergen werfen wollen? 

Auf "Deutschland sucht den Superstar" bezogen, ist das natürlich diejenige der eingangs genannten Gruppen, deren Verhalten oberflächlich am einfachsten zu erklären ist: Leute arbeiten für "Deutschland sucht den Superstar", weil sie damit Geld verdienen. Sie tun nur ihren Job. 

Und doch verstehe ich diese Gruppe am wenigsten. Ich kann die Schadenfreude beim Gucken nachvollziehen, ich kann die Selbsttäuschung der Kandidaten erahnen, aber ich weiß nicht, wie verkommen man sein muss, um die Liebe einer todkranken Frau zu ihrem Sohn, der sie rund um die Uhr pflegt, als Mittel zu benutzen, um seine öffentliche Demütigung zu maximieren. 

Der dreißigjährige Stefan hat nichts von einem Superstar, er hat nicht einmal etwas von einem RTL-"Superstar". Er kann nicht singen; er ist, wenn er es vor der Jury versucht, eine lächerliche Figur. Andererseits bringt er eine ungewöhnlich tragische Lebensgeschichte mit sich.

Das ist eine ungewöhnliche Kombination von zwei Eigenschaften, die RTL für seine Show braucht, sonst aber streng trennt: Eigentlich sind es die Gewinner, die die persönlichen Schicksale mitbringen und dadurch noch bewundernswerter wirken.

Stefan erzählt Dieter Bohlen und den zwei Jurystatisten von seiner Liebe zur Musik und von seinem harten Leben. Nachdem er gesungen hat, bemühen sich die drei, ihm ungewöhnlich schonend beizubringen, dass er nicht in die nächste Runde kommt. Jedem Zuschauer ist klar, dass das milde Urteil nicht die wahre Leistung widerspiegelt, sonden rausschließlich Zeichen des Respekts ist vor dem persönlichen Schicksal des Kandidaten. Selbst Dieter Bohlen schafft es, eine menschliche Seite von sich zu zeigen.

Kurz.

Dann ist der Kandidat gegangen und Bohlen sagt zu der Frau neben sich: "Hätte er die kranke Mutter nicht, hätte ich ihn fertig gemacht."

Das war den Zuschauern schon klar. Aber dass Bohlen es ausspricht und dass RTL es ausstrahlt, gibt dem ganzen eine andere Dimension. Bohlen schafft es, gleichzeitig zu betonen, dass er zu Mitleid fähig ist, und seine Mitleidslosigkeit zu demonstrieren, indem er dem Kandidaten und der Welt auf diesem Weg trotzdem noch mitteilt, dass er richtig scheiße war - nur damit da keine Missverständnisse bleiben.

Während des Auftrittes des Kandidaten hatte die Produktion ihre eigene Skrupellosigkeit bewiesen. Während er die letzten Zweifel, ob er wirklich so schlecht ist, wegsang, schnitt sie noch einmal die Aussagen seiner Mutter dazwischen, die sich wünschte, dass DSDS für ihn ein "Sprungbrett" sein könnte, "weg von seiner kranken Mutter". Mit billigstem Geigenkitsch und verdunkelten Zeitlupenaufnahmen hatten RTL und die Produktionsfirma Grundy die Geschichte der todkranken Frau, die im Rollstuhl sitzt und einen Sauerstoffschlauch trägt, vorher in Szene gesetzt - reiner Zynismus, wie sich herausstellte.

Während Stefan seine Talentlosigkeit zeigte, zeigte RTL noch einmal, wie seine Mutter schwärmte: "Stefan ist der neue Superstar. Und er hat das Talent." 

Diese Diskrepanz zwischen der Liebe und Hoffnung einer Mutter und der Realität wäre dem Zuschauer auch so schmerzhaft bewusst geworden, aber die Produzenten von "Deutschland sucht den Superstar" gingen auf Nummer sicher und schnitten das direkt ineinander. Sie benutzten Stefan und seinen missratenen Auftritt, um seine kranke Mutter zu verhöhnen. Und sie nutzten die kranke Mutter und ihren verklärten Blick auf ihren Sohn, um Stefan zu verhöhnen.

Ganz unabhängig davon, wie der Kandidat das fand, der anscheinend dankbar war, dass er überhaupt teilnehmen durfte: Das muss man erst einmal tun wollen.

Das ist die Frage, die ich mehr als jede andere stelle, wenn ich "Deutschland sucht den Superstar" gucke: Was sind das für Menschen, die an einer solch verkommenen Inszenierung mitwirken? Tom Sänger, der Unterhaltungschef von RTL, hat einmal gesagt: "Wir sind sehr darauf bedacht, die Akteure nicht zu beschädigen." Ich weiß nicht, ob das Zynismus ist. Oder ob man, wenn man lange genug in diesem Umfeld gearbeitet hat, abstumpft. Oder ob es doch einfach schlechte Menschen sind, die dort arbeiten.

(Den Auftritt kann man sich bei Clipfish ansehen.)

Veröffentlicht 09. Januar 2011, 21:21 von Stefan Niggemeier
Kommentare

Alex von Alten

09. Januar 2011, 19:41

http://www.vonalten.com

Danke für diesen hervorragenden Artikel, bei dem ich jedes Wort unterschreiben würde!

Natürlich gibt es das arme Würstchen, die wissen, was sie tun und nur zur Selbstdarstellung in's Fernsehen wollen, aber mit der Inszenierung der schwerkranken Mutter des jungen Mannes war für mich der Gipfel der Niveaulosigkeit erreicht...!

Claudia

09. Januar 2011, 21:09

Grossartiger Bericht zu einer schwachsinnigen Sendung!

dragon

09. Januar 2011, 21:16

http://dragon.de

ich habe es auch gesehen und kann das gesetz da nicht helfen,menschen so blos zu stellen geht garnicht

Muriel

09. Januar 2011, 21:20

http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com

Einerseits ja, andererseits nein.

Ich stimme vielem zu, was da oben steht, aber ich kann nicht nur oberflächlich, sondern auch nach längerem Nachdenken die RTL-Leute am besten. Vielleicht liegt das einfach daran, dass ich auch ein schlechter Mensch bin, aber meiner Meinung nach stehen die Zuschauer moralisch am weitesten unten. Oder jedenfalls kann ich die am wenigsten verstehen. Unrealistische Träume haben wir alle, Geld verdienen müssen wir alle, aber sowas ansehen...

Gleichzeitig frage ich mich, ob und in welchem Sinne die Sendung wirklich jemandem schadet, abgesehen davon, dass sie eine beklagenswerte Geisteshaltung offenlegt, die aber wahrscheinlich auch ohne sie da wäre, nur nicht so gut sichtbar.

Oder denke ich da in die völlig falsche Richtung?

onlime

09. Januar 2011, 23:23

Ich hatt gestern nacht noch in die Wiederholung reingezappt und die besagte Szene gesehen. Vor lauter Abscheu und Fassungslosigkeit konnte ich leider nicht schnell genug wegschalten.

Pfui, ihr RTL-Leute, dafür kommt ihr in die Hölle!

Andreas

09. Januar 2011, 23:23

http://wissenstattglauben.blogspot.com/

Was für eine naive Frage. Den Leuten wird gesagt, dass sie das tun sollen und die verlieren dadurch ihre Hemmungen und leben ihren inneren Schweinehund voll aus. Ist ja nicht ihre Schuld, wurde ihnen ja so aufgetragen.

Da gab's doch mal so einen Versuch mit Elektroschocks... Ahja, hier:

www.nzzfolio.ch/.../19b5eceb-8906-48f7-abc8-69187f03c5f9.aspx

Muriel

09. Januar 2011, 23:39

http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com

@Andreas: Ich nehme mal an, dass du mich meinst.

Nenn meine Frage naiv, aber was ist den nun dieser Schaden, den die RTL-Leute anrichten? Mir gefällt das auch nicht, was da geschieht, und vielleicht könnte ich sogar zustimmen, dass man in einem gewissen Sinne ein schlechter Mensch sein muss, um da mitzuarbeiten, aber haben am Ende nicht alle Beteiligten ungefähr das, was sie auch wollten?

Insofern finde ich den Zwergenweitwurf als Vergleich gar nicht so schlecht. Wenn jemand gerne geworfen wird, und jemand anders gerne wirft, und es dann noch eine dritte Gruppe gibt, die dabei gerne zusieht, was genau geschieht dann da, was ethisch zu verurteilen wäre?

Paps

10. Januar 2011, 00:02

http://www.plazenta-nosoden.com

Leider kann ich hier gar nichts mehr erkennen, was ungewöhnlich oder bemerkenswert wäre. Wie gesagt - leider. Viele Kandidaten sind schlicht dumm oder aufgrund des zarten Alters so naiv, dass es fast auf das Selbe hinausläuft.

Für die Zuschauer gilt entweder auch genau dies oder es kommt eine Mischung aus Sensationslust und Langeweile ins Spiel.

Was die Macher betrifft: da haben sich nur Wenige richtig viel vorzuwerfen. Niemand macht DSDS alleine. Jeder Beteiligte tut halt seinen Job und hat blind machende Routine darin. Soll man den Kameramann verurteilen ? Den Beleuchter ? Dieter Bohlen ?

Einzig die Leute, die die Produktion in Teilen oder insgesamt beurteilen und abwinken, sollte man vielleicht mal schroff damit konfrontieren, was sie da eigentlich abliefern.

Ich schaue DSDS nicht. Nie. Aber wir alle bekommen zum Abendessen sterbende Menschen in den News serviert. Wem will man da noch vorwerfen, dass er nicht mehr die Motivation besitzt, sich über Dinge wie DSDS aufzuregen ?!

Ansonsten: die Meinung des Autors unterschreibe auch ich.

evm

10. Januar 2011, 00:08

Hoffentlich leitet jemand diesen wirklich sehr guten Beitrag an die verantwortlichen Redakteure bei RTL weiter!

nona

10. Januar 2011, 00:12

Am besten mal Frau Schäferkordt persönlich nach sowas fragen, und ihre üblichen rhetorischen Selbstverteidigunsmechanismen strapazieren. Letztlich liegt es ja im Bereich ihrer obersten Verantwortung, was für Scheissdreck alles so in ihrem "Qualitätssender" läuft.

Steve Gates

10. Januar 2011, 01:16

Artikel 1 GG: "Die Würde des Menschen ist unantastbar" - und wieso darf RTL eine solche Sendung ausstrahlen?

juri

10. Januar 2011, 01:16

Einfach verabscheuungswürdig das Ganze!

Wetten, das wird morgen Mittag bei Katja Burkhard dann nochmal so richtig schön ausgeschlachtet...traurig

Sebastian

10. Januar 2011, 05:31

Widerwärtig was RTL sich leistet. Sogar um längen widerwärtiger als alles was sonst läuft. Hoffenltich wachen die leute irgendwann auf.

Michael S.

10. Januar 2011, 07:28

@Muriel: "aber haben am Ende nicht alle Beteiligten ungefähr das, was sie auch wollten?"

Also ich denke nicht, dass der arme Tropf mit seiner Mutter das wollte. Er wollte evtl. auf sein Schicksal aufmerksam machen, vlt noch ein Mädel dadurch finden und seine Mam stolz machen. Die wahren Monster in der ganzen Chose sind die Cutter im Hintergrund, die das Material erst zu dem zusammenstümpern (mit Comiceinspielungen, Geräuschen etc) und erst damit die Demütigung perfekt machen. Hätte man den Auftritt einfach so laufen lassen, wäre es allerdings für die abgestumpften Kiddies ohne Funfactor gewesen und vlt auch zu intelligent und hätte fassungsloserweise zum Nachdenken animiert.

Ich frage mich auch immer wieder, wie man Menschen, die scheinbar eine mentale Beeinträchtigung haben, nicht vor sowas schützt. Hier muss man auch mal Familie und Freunde in die Pflicht nehmen. Ein solcher Auftritt und man ist auf Jahre in seinem Umfeld verbrannt. Aber ich denke, vor allem für RTL sind das keine Menschen mehr, es ist Material auf Festplatte, das man profitorientiert so zeigen kann, dass der Sender die meisten Leute erreicht, ....die Seele o.ä. der Kandidaten spielt bei sowas keine Rolle mehr.

Ju Honisch

10. Januar 2011, 09:57

http://www.juhonisch.de

Also ich habe es nicht gesehen, kann mir aber vorstellen, wie peinlich es war. Gelegentlich zappt man ja mal in diese Formate, und dann ist Fremdschämen angesagt. Aber - und diese Diskussion macht es wieder deutlich - nicht nur "die Blöden" gucken DSDS, sondern auch die, die sich darüber aufregen, wie blöd es ist. Von Blöd zu Gebildet: alles ist auf dem nationalen Fernsehsofa versammelt und wirf wahlweise verbale Eier oder gesellschaftskritische Kommetnare. Damit erreicht die Sendung einen wirklich großen Querschnitt der Bevölkerung.  Das rechtfertigt für ein rein kommerzielles Fernsehen alles andere.

In der Renaissance galt es als Freizeitspaß der Priviligierten, Irrenhäuser zu besuchen und den Irren zuzusehen - wie im Zoo. (Zoos gab es noch nicht). Vielleicht haben wir uns ja nicht so sehr geändert?

Andi

10. Januar 2011, 10:14

Mich würde ja mal interessieren, was die Verantwortlichen von RTL dazu sagen. Also speziell zu GENAU DIESEM EINEN Fall.

In den Interviews, die ich bisher immer gelesen habe, gabs immer nur so Allgemeingeschwätz-Blabla. Interessant wäre allerdings wirklich, wenn sich mal jemand von denen zu einer bestimmten, speziellen Szene äußern müsste.

Habt Ihr da keine Möglichkeiten, mal einen Interview-Termin zu bekommen und die Leute von RTL dazu Stellung nehmen zu lassen?

Wie gesagt: ohne allgemein aufs Thema einzugehen sondern wirklich Einzelfälle zu diskutieren.

Freebe

10. Januar 2011, 10:21

Ich werfe eine vierte, entscheidende Gruppe in die Runde:

die Werbetreibenden. Die sind es schließlich, die den Menschenzoo finanzieren. Ich würde es sehr begrüßen, wenn ein Medienmagazin/Medienblog einmal bei den entsprechenden Firmen nachfragen würde, ob sie tatsächlich derartige Szenen finanziell unterstützen wollen.

derwaechter

10. Januar 2011, 11:05

Das ist wie bei Bild auch "Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun" (Max Goldt)

Ostwestf4le

10. Januar 2011, 11:07

http://www.ostwestf4le.de

Solange es Menschen gibt - und mehr als sieben Millionen waren es ja am Samstag Abend -, die diese Sendung schauen, wird es auch dieses Fernsehformat im Privatvfernsehen geben. Und solange es Masochisten gibt, die sich von Bohlen und Co. verunglimpfen lassen, wird es auch weiterhin DSDS geben.

Wer die Staffeln DSDS aufmerksam verfolgt hat, wird registriert haben, dass es in jeder neuen Staffeln mehr wurde: mehr Peinlichkeiten, mehr Schicksale und mehr unmenschliche und erniedrigende Behandlung von Casting-"Opfern".

Alle haben sich freiwillig dafür entschieden, an dem Casting teilzunehmen. Und vielen ist sicherlich bewusst, auf was sie sich da einlassen. Dennoch gilt es, Grenzen einzuhalten und zu respektieren. Und diese Grenze wurde in dem genannten Beispiel mehrmals überschritten.

Jeeves3

10. Januar 2011, 11:09

http://jeevesblogger.de

"...obwohl die Sendung so berechenbar, formelhaft und ausgewalzt ist wie kaum eine andere."

Oho. Eine mutige Aussage (oder doch nur so dahergeredet?), falls es eine negative Wertung sein sollte. Sollte sie wohl.

Es gibt doch massenhaft (!)  Sendungen, die berechenbar, formelhaft und ausgewalzt sind, sogar vom (noch) geliebten "Dr. House" kann man das sagen. Deshalb IST sowas doch so beliebt bei vielen: immer das gleiche, bekannte.

Arnimateur

10. Januar 2011, 11:59

Dem Autor dieses Artikels kann man in der Tat nur beipflichten. An Geschmacklosigkeit ist ein solches Programm wohl kaum mehr zu überbieten.

Zur Gruppe der Produzenten eines solchen Formats ist hinzuzufügen, dass sie zwar durch und durch korrumpiert sind, ihren Job allerdings vor ihren gegebenen Zielen sehr gut machen. Schließlich geht es in der TV- und Radiolandschaft in Deutschland darum Marktanteile zu sichern. RTL verkauft Werbung. Und die verkauft sich besser, je mehr Menschen sie sehen. RTL muss also Aufmerksamkeit bündeln, im Gespräch sein und bleiben. Bekanntlich sind "Bad news" ja "Good news" und somit ist nahezu jedes Mittel recht, wenn nur über den eigenen Sender gesprochen wird und nicht über den Mitbewerber.

Man stelle sich einmal vor, Bohlen hätte NICHT diesen Nachsatz gesagt. Dann gäbe es diese Diskussion hier nicht !

Dieser Thread hier ist also genau das was die Macher der Sendung beabsichtigten: Es wird darüber gesprochen.

Haku

10. Januar 2011, 12:38

Wenn ich das so lese ist das quasi die Bankrotterklärung von Artikel 1 Absatz 1 Grundgesetz.

Wobei ich mich generell frage wo diese Zahl von knapp 8 Millionen Zuschauern her kommt. Im Prinzip müsste jeder Zehnte das Format sehen. Aber ehrlich gesagt kenne ich niemanden der sich dies freiwillig antut.

cheszmas

10. Januar 2011, 14:13

Ich kenne Leute die sowas regelmäßig schauen. Ihr Argument ist "läuft ja sonst nichts anderes" oder "ich möchte nur entspannen nach der Arbeit". Wenn man ihnen dann beim Fernsehschauen zuschaut sieht man sehr schön, wie sie sehr schnell nach Einschalten des Programms in diese "traumatische Fernseh-Starre mit Hirnabschaltung" (Kalkofe) fallen. Danach können sie sich entweder nicht mehr an das Gesehene erinnern oder sie rechtfertigen sich damit, daß sie das "eh nicht ernst" nehmen. Aber anschauen tun sie es trotzdem.

Was ist die Wirkung von solchen Szenen? Die Schamgrenzen werden verschoben und die Emphatiefähigkeit verringert. Ganz langsam aber stetig seit Jahren.

Raspo

10. Januar 2011, 14:36

Ist denn mal jemand auf die Idee gekommen, dass die ganzen "schlechten" Kandidaten in Wirklichkeit nur Laienschauspieler sind, die schlicht für ihren Auftritt bezahlt werden, wie in so ziemlich jeder anderen RTL-Serie auch? Meine Freundin hat beim Schauen dieser Szene sofort gesagt, das Sauerstoffgerät ist nicht echt und völlig sinnlos. Schon bei dem Lacher-Kandidaten davor, der angeblich zufällig auf der Straße eine Frau kennen gelernt hat, die dann mit zu DSDS gekommen ist und spontan während des Auftritts hinzu gekommen ist um die zweite Stimme (schief) zu singen, hat sich mir der Verdacht aufgedrängt, dass das doch bloß Schauspieler sein können. Beim Supertalent sind ja die meisten Kandidaten auch gecastete Leute (mittlerweile aus der ganzen Welt). Das würde natürlich die Diskussion, die hier geführt wird zu einem Großteil obselet machen, da die Leute ja nicht nur wissen, was sie tun, sondern sich sogar bewusst verstellen.

elbsegler

10. Januar 2011, 14:46

Es gibt viele Geschäftemacher, denen Moral und Anstand keinen Pfifferling wert sind. Zynismus und unmoralisches Verhalten gibt es überall. Im Fernsehen wird es nur schneller sichtbar. Da aber in weiten Kreisen unserer Gesellschaft Anstand, Moral und Ehre keinen Marktwert mehr haben, zählt das Geld allein. Ein anständiger Mensch dürfte Leute wie Frau Schäferkordt, Frau Kofler (ehemals zu Salm) und die übrige Mischpoke aus den Geschäftsführungen dieser Abzock- und Ver*rschungssender doch nicht zu seinen Freunden und Bekannten zählen wollen. Der Grundsatz "Sowas tut man nicht!", der früher eine moralische Grenze weit vor den gesetzlichen Grenzen, etwa des Strafrechts, gesetzt hat, zählt kaum noch. Alles was heute nicht gesetzlich verboten ist, wird als erlaubt angesehen. Die Grauzonen uszunutzenwird als Cleverness verkauft. Faule Begründung: Wenn ich es nicht mache, macht es ein anderer! Solange diese Art von skrupelloser Geldgier nicht mit sozialer Ächtung geahndet wird, werden wir wohl das Treiben dieser Typen weiter ertragen müssen. "Der Zuschauer" würde auch öffentliche Hinrichtungen besuchen, auf den brauchen wir nicht zu hoffen. Das alles hat auch mit "Freiheit" nichts zu tun. Denn Freiheit besteht auch darin, etwas nicht zu tun, obwohl man es könnte. Geht die Kultur der Freiheit des Unterlassens verloren, geht auch die Handlungsfreiheit über kurz oder lang zugrunde. Das Fernsehen ist auch in diesem Punkt nur der Spiegel unserer Gesellschaft.

schattenboxer

10. Januar 2011, 15:27

"Bankrotterklärung von Artikel 1 Absatz 1 Grundgesetz"

Ist es vielleicht möglich, die Sache NOCH etwas HÖHER zu hängen?

Da drängen sich Menschen verschiedenster Art vor die Kameras und legen - dieser Eindruck verstärkt sich immer mehr - gescriptete Auftritte hin.

Das Publikum amüsiert sich eine Weile darüber, gegebenenfalls werden die Laiendarsteller noch zweit- und drittverwertet.

Empörung darüber ist leicht, und sie ist sinnlos. Schon der hier "vorgeführte" Kandidat sagt, dass er stolz sei, dabei gewesen zu sein, auch wenn er nachher bloßgestellt wird. Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen.

Leinesegler

10. Januar 2011, 15:27

ookay, - nur: dass der behinderte kandidat "richtig sch**** war", das hat nicht D. Bohlen gesagt sondern Stefan Niggemeier schreibt es hier.

Andreas

10. Januar 2011, 15:35

http://wissenstattglauben.blogspot.com/

@Muriel: nein, eigentlich meinte ich direkt den Stefan und seine Frage im letzten Absatz: "Was sind das für Menschen, die an einer solch verkommenen Inszenierung mitwirken"

Wie ich oben bereits, vielleicht etwas ungelenk, formuliert habe, sind es eben Menschen wie du und ich. An sich normale Menschen, die angesichts der Tatsache, dass jemand anderes die Verantwortung für ihr Handeln übernimmt, gänzlich ihre Hemmungen fallen lassen können. Das machen sie dann aber auch mit Genuss.

Natürlich sind da auch Leute dabei, die das moralisch nicht ok finden, ihre moralischen Bedenken dann aber wiederum der Quote opfern.

In meinem beruflichen Umfeld in der Telekommunikationsbranche gibt's auch oft Entscheidungen, bei denen ich weiß, dass es die betroffenen Kunden nicht freuen wird. Weigere ich mich deshalb, an der Umsetzung mitzuhelfen? Nein, natürlich nicht. Ich weise darauf hin und wenn’s demjenigen, der das verantwortet, egal ist, dann bin ich meiner Pflicht nachgekommen und sorge für eine Umsetzung in unserem Bereich.

Natürlich ist es eine andere Liga, jemand vor acht Millionen Zuschauern blosszustellen, oder seine besonderen Lebensumstände heranzuziehen.

Die Richtung ist allerdings die gleiche. Ich mache etwas, von dem ich weiß, dass dadurch nachher jemand einen wie auch immer gearteten Nachteil hat.

Tobias

10. Januar 2011, 15:49

Der junge Mann hat doch das DSDS-Prinzip verstanden und clever angewandt: Ungefragt erzählt er beim Vorsingen sofort von seiner schwerkranken Mutter. Sorry, aber wenn er tatsächlich nur durch seine Stimme hätte Eindruck schinden wollen hätte er diese Info auch einfach weglassen können. Aber dann wäre er wohl nicht ins TV gekommen und hätte seine bescheidenen 5 Minuten zweifelhaftem Ruhms erlangen können. Man kann also auch fragen, ob nicht dieser komplett talentfreie Mann, der an wahrlich erheblicher Selbstüberschätzung litt, seine Mutter als Mittel zum Zweck gebraucht hat.

elbsegler

10. Januar 2011, 16:03

@Andreas

Jeder tut täglich etwas, das den "Kunden nicht freuen wird". Aber nicht jeder überschreitet dabei täglich die moralischen Grenzen. Der Zynismus und die Menschenverachtung, die in Sendungen wie DSDS grassieren oder bei solchen Auswüchsen der Widerwärtigkeit wie Sendern vom Schlage 9live ist wohl von dem, was sie mit ungutem Gefühl "mittragen" sicher meilenweit entfernt. Sonst hätten Sie sich sicher schon einen neuen Job gesucht. Aber insbesondere die Zauberlehrlinge beim Fernsehen wissen gar nicht mehr, wie sie diesen selbst gekochten Brei wieder kontrollieren sollen. Denn offenbar fällt ihnen nichts ein, mit dem sich genauso viel Quote machen läßt. Doch die muss stimmen, sonst ist der Job weg. Ohne guten Quoten keine guten Werbeeinnahmen und ohne diese keine Privatsender. Die Investoren wollen keine Grimme-Preise zählen, sondern Geld. man sich mit diesen Schmuddel-Shows ans leichte Geldverdienen gewöhnt und kommt von diesem Trip nicht mehr runter. Soll die RTL-Geschäftsführung jetzt den Ivestoren erklären, sie könnten solchen Dreck nicht mehr verantworten, die Gewinne gingen jetzt erst einmal zurück,man sei aber zuversichtlich, bald wieder auf höherem Niveau das gleiche Geld zu verdienen? Da würden die "Paten" wohl wenig Verständnis aufbringen, auch wenn sie persönlich als Kultur- und Genussmenschen das alles natürlich im Grunde furchtbar finden. Aber dafür hält man sich in der Familie ja solche gut bezahlten Leute, die sich für keinen Dreck zu schade sind.

Muriel

10. Januar 2011, 16:21

http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com

@Andreas: Hoppla, manchmal denke ich vielleicht doch ein bisschen zu selbstbezogen.

Ich bin aber nicht sicher, ob ich mit deiner Erklärung einverstanden bin. Es gibt bei RTL ja durchaus Menschen, die die Entscheidungen verantwortlich treffen, und bei Dieter Bohlen hatte ich auch nie den Eindruck, dass er sich deshalb so verhält, weil es ihm jemand sagt.

Aber andererseits habe ich die Sendung ewig nicht mehr gesehen und kenne die Verantwortlichen sicher nicht besser als du. Insofern werde ich deshalb jetzt keinen Streit anfangen und entschuldige mich bloß für das Missverständnis.

Zuschauer

10. Januar 2011, 20:06

Hallo "Journalist" Niggemeier! Warum bloggen Sie, statt zu recherchieren? Den Moralapostel zu spielen, ist nicht besonders schwer! Hier haben ein paar Leute großartige Sachen zu Ihrem Text beigetragen: Wie zum Beispiel die aufgeworfene Frage, ob es sich um Schauspieler handelt und wieviel generell des Gesendeten "echt" ist. Oder recherchieren Medienjournalisten nicht? Ein Phänomen, das ich nicht das erste Mal  beobachte!

Andreas

10. Januar 2011, 20:55

http://wissenstattglauben.blogspot.com/

@elbsegler/Muriel: ich sag ja, das ist eine andere Liga und ja, natürlich gibt's da jemand, der das verantwortet und dabei keinerlei Gewissen zeigt. Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken.

Das Fußvolk würd ich da gar nicht so groß verurteilen.

Davon ab kann ich das Geschriebene nur unterschreiben.

Lisa S.

10. Januar 2011, 22:43

Ist denn mal jemand auf die Idee gekommen, dass die ganzen "schlechten" Kandidaten in Wirklichkeit nur Laienschauspieler sind, die schlicht für ihren Auftritt bezahlt werden, wie in so ziemlich jeder anderen RTL-Serie auch? Meine Freundin hat beim Schauen dieser Szene sofort gesagt, das Sauerstoffgerät ist nicht echt und völlig sinnlos. Schon bei dem Lacher-Kandidaten davor, der angeblich zufällig auf der Straße eine Frau kennen gelernt hat, die dann mit zu DSDS gekommen ist und spontan während des Auftritts hinzu gekommen ist um die zweite Stimme (schief) zu singen, hat sich mir der Verdacht aufgedrängt, dass das doch bloß Schauspieler sein können. Beim Supertalent sind ja die meisten Kandidaten auch gecastete Leute (mittlerweile aus der ganzen Welt). Das würde natürlich die Diskussion, die hier geführt wird zu einem Großteil obselet machen, da die Leute ja nicht nur wissen, was sie tun, sondern sich sogar bewusst verstellen.

Dirk

11. Januar 2011, 00:10

Leider muss ich sagen, dass ein derartiges Verhalten seitens der Verantwortlichen vorhersehbar ist, wenn nicht sogar logisch. Aus meiner Sicht ist dieser Vorfall nur ein Beispiel daür, wie Fernsehen inzwischen unser Leben bestimmt. 223 Minuten per d und das 365d per a. Hmm. Dann wird häufig ja auch über Abhängigkeiten bzgl. WoW berichtet, auch kein RL, aber auch Fernsehen ist kein RL, siehe oben. Ich habe seit einiger Zeit keinen Fernseher mehr, das komische daran ist, dass ich gar nichts vermisse...

der captain

11. Januar 2011, 00:27

Herr Niggemeier, was soll dieser Artikel? Wie es bei DSDS zugeht wissen alle längst, jede Staffel gibt es einen solchen "Skandal", und Sie berichten wahrscheinlich auch jedesmal darüber. Wo ist also die Nachricht, was wollen Sie mit dem Artikel erreichen?

Die Leserschaft empört sich, geilt sich vllt. sogar auf an der ganzen Sache-harte Worte, aber es geht mir ja selbst so. Nach langem Zögern sieht man sich den Beitrag an, bricht ab weil man es sich nicht antun will und sowieso weis was kommt, schlussendlich guckt man ihn doch.

Was empfinde ich? Mitleid, ja, aber die ganze Zeit über schwingt auch das Bewusstsein mit, sozial, ästhetisch, intellektuell in einer höheren Liga zu spielen als der Protagonist.

Sollte es der Sinn Ihrer Arbeit sein dem Leser dieses Gefühl zu verschaffen? Dann wären Sie kein Bisschen besser als RTL.

Klären Sie mich doch bitte auf, danke dafür.

Ben

11. Januar 2011, 05:52

http://bennobomm@gmx.de

@ Tobias

> Der junge Mann hat doch das DSDS-Prinzip verstanden und clever angewandt:

> Ungefragt erzählt er beim Vorsingen sofort von seiner schwerkranken Mutter.

> Sorry, aber wenn er tatsächlich nur durch seine Stimme hätte Eindruck

>  schinden wollen hätte er diese Info auch einfach weglassen können.

Bei DSDS passiert nichts rein zufällig oder ungefragt. Die Kandidaten werden ja

schon vorher bis ins Mark durchleuchtet und so etwas lässt man sich doch nicht

entgehen. Da geht keiner durch irgendeine Tür ohne das die von RTL das wollen

und die Kamera das aufnimmt. Da ist alles so geplant.

Pepito Spazzaguti

11. Januar 2011, 09:36

Vielen Dank für den Artikel!

Seit ich (zugegebenermaßen) mal das "Supertalent" mit seinen Zuschauern, die dem bemühten aber talentfreien Kandidaten buhend ihre Rückseite präsentieren, habe ich mich beim Fernsehen nicht mehr so schmutzig gefühlt.

Zwei Punkte sehe ich allerdings etwas anders: wo sich Dieter Bohlen oder der andere Typ in der Jury in irgendeiner Weise dem Kandidaten gegenüber zurückgehalten haben sollen ("ich hör die Sch*** raus", "Auftritt zum Lüften", "wenn Robbie Williams das so gesungen hätte..." usw.) erschließt sich mir nicht.

Außerdem hatte ich irgendwie das Gefühl, dass der Kandidat trotz oder gerade wegen der perfiden Darstellung besonders sympathisch rüberkam und eine gewisse Größe gezeigt hat. Auch wenn die meisten Kommentare bei Clipfish eine andere Sprache sprechen habe ich doch die leise Hoffnung, dass ein Großteil der Zuschauer die Sendung und ihre Machart sehr wohl durchschauen und richtig einzuordnen wissen. Eine Rechtfertigung für RTL soll das aber keineswegs sein.

ich

11. Januar 2011, 09:40

Ich meine auch, dass bereits die letzte Staffel von diesem Format zum Großteil nach Drehbuch versendet wird. Genügend Laienschauspieler sind doch bei der hohen Anzahl von "Bewerbern" vorhanden und Geschichten, die vorabgedreht und DSDS-gerecht gepimpt werden, dürften nicht schwer zu finden sein. Womöglich erhält dieser Junge, von dem hier die Rede ist, auch eine Gage, die sich Aufwandsentschädigung nennt und in der Übernahme aller anfallenden Reise- und Übernachtungskosten einhergeht.

So etwas herauszurecherchieren, traue ich nicht vielen zu - aber Ihnen Herr Niggemeier schon. Dieser Artikel hier zeigt nicht das von Ihnen Erwartete. Er ist ein kleiner Räusper über Altbekanntes, aber ohne Mehrwert.

Aristotelov

11. Januar 2011, 13:38

Das beste dabei ist das RTL im Namen Deutschlands den "Superstar" sucht.Damit suggeriert man das hierzulande das TV-Niveau von Dieter Bohlen & Co. festgelegt wird.Könnte man wenigstens das verbieten?

Aber egal,solange die Quoten und vor allem die Kohle stimmt,kann die geistige Armut nie groß genug sein!

dermax

11. Januar 2011, 14:40

Ähhh... verstehe ich das richtig: Da Niggemeier nicht herausgefunden hat, daß das alles ein Fake ist, ist er ein schlechter Journalist?Weil er eine haltlose Vermutung nicht bestätigen kann?

Und nur weil DSDS seit Jahren derartiges abzieht, soll man nimmer mit dem Finger drauf zeigen?

Matthias Schumacher

11. Januar 2011, 15:04

http://matthias-schumacher.com

Kandidat Stefan hat das Prinzip offensichtlich besser verstanden als mancher, der sich in der Position des Wächters über das Gute wähnt. Bitte diesen Artikel ordnungsgemäß abspeichern, im nächsten Jahr kann man ihn wiederverwenden. Man muss nur ein paar Namen austauschen.

@Steve Gates: Nach Deinem Kommentar frage ich mich, ob man das Grundgesetz nicht besser vor seinen Deutern schützen muss.

Ex-Redakteur

11. Januar 2011, 16:54

Danke für den Artikel! Das ist einer der Hauptgründe (und mit der wichtigste), warum ich meine Redakteursstelle beim TV gekündigt habe und auf Jobsuche bin! Denn diese Art Umgang mit Menschen zieht sich immer mehr durch die ganze TV-Branche!

Ich kann nur hoffen, dass sich das irgendwann noch einmal ändert...

schattenboxer

11. Januar 2011, 17:36

Wenig bleibt in diesen Tagen so verlässlich immer gleich wie die wohlfeile Empörung über die und ähnliche Sendungen. Letztenendes ist aber - und das wird an diesem Beispiel besonders deutlich - in erster Linie das vom "Kandidaten" nie gewollte In-Schutz-Nehmen viel demütigender als der Auftritt und alles, was bei DSDS daraus gemacht wird.

Ein 30-Jähriger wird imstande sein, selbst zu entscheiden, ob er sich mit Gesang und Gefühlsduselei vorführen lassen will. Erst, wenn man ihm implizit diese Fähigkeit abspricht, stellt man sich wirklich über ihn.

Für RTL und die Zuschauer ist er ein armer Kerl, der nicht singen kann. Für Niggemeier ist er nicht mehr Herr seiner eigenen Sinne und benötigt einen Medienjournalisten als Vormund.

Alex

11. Januar 2011, 21:57

@ schattenboxer: Irgendwie habe ich das Gefühl, Sie haben den Artikel nicht verstanden...

Mal eine Frage

12. Januar 2011, 10:40

hier regen sich natürlich zurecht die Leute über Grundy und RTL auf, aber wer regt sich über die 7 Mio. Zuschauer auf die diesen unglaublichen Müll schauen. Und damit verbunden die Frage warum macht RTL/Grundy das? Weil die Leute es gucken wollen. Ganz wie im alten Rom wenn die Zuschauer Gladiatoren wollen, kriegen sie sie. Oder wenn die Leute Volldepppen wollen die sich der Lächerlichkeit preisgeben kriegen sie das. Das Problem ist doch nicht das Wirtschaftsunternehmen das Gewinn machen will, sie befriedigen nur einen Bedarf der leider besteht. Ob das moralisch verwerflich ist - sicher. Aber das gilt doch die alte Regel: Wenn wir es nicht machen, dann machen es die Anderen. Gute Nacht Deutschland :-(

Jens

12. Januar 2011, 12:30

http://www.laester.TV

Ein Umstand auf den wir ja schon länger hinweisen, dennoch ein toller Beitrag und wohl auch wichtig um vielen RTL Zuschauern auch mal die Augen zu öffnen.

Frank

12. Januar 2011, 14:46

Es gibt noch eine vierte Gruppe  von Leuten, die ich nicht verstehe:

Die Journalisten, die beim Start jeder Staffel immer wieder die gleichen Artikel über DSDS schreiben und damit zusätzliche und kostenlose Werbung für dieses Format machen.

Inzwischen ist doch alles dazu gesagt und das auch noch von fast jedem, so dass Ignorieren die einzig angemessene Reaktion darstellt.

Claus

12. Januar 2011, 16:31

@Frank

ich kann den Kommentar zum Teil nachvollziehen. Konsequent würde das aber bedeuten: Über schlimme Dinge, an denen sich wohl eh nichts ändern wird, sollte man nicht berichten.

Das gälte dann ja auch für Rechtsradikalismus, Jugendkriminalität, Banken-Abzocke, Ungesunde Ernährungsweise eines Großteils unserer Bevölkerung... und noch einige andere Themen....

Schwierig.

Frank

12. Januar 2011, 17:53

@Claus

ich kann ihr Argument teilweise nachvollziehen :),  trotzdem muss man sich doch gerade bei solchen Medienphänomen fragen, ob nicht auch die (wenn auch immer häufiger kritische) Berichterstattung zu ihrem Erfolg beiträgt:

"Wenn schon SZ, Spiegel und FAZ darüber berichten, dann muss ich mir das auchmal ansehen."

rgroth

13. Januar 2011, 01:25

@Mal eine Frage:

"Weil die Leute es gucken wollen. Ganz wie im alten Rom wenn die Zuschauer Gladiatoren wollen, kriegen sie sie. Oder wenn die Leute Volldepppen wollen die sich der Lächerlichkeit preisgeben kriegen sie das."

WOLLEN sie oder GUCKEN sie?

Hat denn jemand tatsächlich einmal die Konsumenten/Kunden gefragt, was sie wollen?

Ich habe jedenfalls weiterhin den Eindruck, daß gerade Medienschaffende ihre Zielgruppen häufig falsch einschätzen - und deshalb immer häufiger "seltsame" Formate ersinnen, produzieren & verbreiten.

Häufig nur nach dem Motto "Die anderen machen es auch so" - und das ist für mich nur ein Armutszeugnis.

rgroth

13. Januar 2011, 01:31

@Frank:

"Inzwischen ist doch alles dazu gesagt und das auch noch von fast jedem, so dass Ignorieren die einzig angemessene Reaktion darstellt."

Steter Tropfen höhlt den Stein!

Anders ausgedrückt:

Mitunter hilft es doch, den Betreffenden ihre Unzulänglichkeiten häufiger unter die Nase zu reiben ;-)

Nach dem Motto: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Benny

13. Januar 2011, 10:16

Super Artikel. Sie sprechen mir förmlich aus der Seele.

Allerdings ist zu beachten das die Leute die diesen Artikel wirklich mal lesen sollten, niemals diesen Artikel lesen werden. So lied es mir tut aber das ist wirklich unterschichten Fernsehen...und diese Unterschicht scheint zu wachsen.

An Lächerlichkeit ist dieses Format nicht zu übertreffen.

realist

13. Januar 2011, 10:24

("Wir sind sehr darauf bedacht, die Akteure nicht zu beschädigen." Ich weiß nicht, ob das Zynismus ist. Oder ob man, wenn man lange genug in diesem Umfeld gearbeitet hat, abstumpft. Oder ob es doch einfach schlechte Menschen sind, die dort arbeiten.)

Es sind die gleichen Menschen, die glauben, in einem Unternehmen genügt es Ethische Grundsätze in Unternehmensleitsätze zu schreiben und sich dann skrupelos und unmenschlich nur profitorientiert³ verhalten.

Es die gleichen Menschen, die in der Politik glauben, zu richtigen Zeit etwas sagen, was sich richtig anhört genügt - und sich bei der Umsetzung (der Tat) dann wieder Lobbyismus und Opportunismus beugen.

Jens Fischer

13. Januar 2011, 10:29

Die Würde des Menschen ist antastbar!

Aschmersal

13. Januar 2011, 10:31

Andererseits zeigt die Sendung, dass niemand unnütz ist. Er kann (a) als schlechtes Beispiel dienen oder (b) der Unterhaltung anderer dienen.

Insofern schaue ich mir die ersten Folgen der Sendung immer gerne an. Danach wird es in der Tat beliebig und mittelmäßig.

Ich habe mit den Kandidaten kein Mitleid. Jeder weiß, worauf er sich einlässt. Und tut das freiwillig. Wenn ich mich dabei amüsiere, ist das doch ok. Und wenn RTL damit Geld verdient, ist das für mich auch ok. Ich will Samstag abends entertaint werden und mich nicht mit dem Elend der Welt beschäftigen.

Patrese

13. Januar 2011, 10:48

Ich weiß gar nicht, was ihr alle für ein Problem habt. Ich finde DSDS super.

Die obenstehenden Argumente sind doch läääääängst allen bekannt. Dennoch erreicht DSDS wieder einmal Traumquoten. Warum?

Fernsehen (und vorallem die privaten Sender) sind ein Spiegel der Gesellschaft!!

Ihr greift hier die Macher von DSDS oder generell RTL an (übrigens wird DSDS nicht von RTL, sondern von Grundy produziert). Das ist doch schwachsinnig ... dann solltet ihr mal lieber eure Zeit dafür verwenden, euch für Amnesty International einzusetzen anstatt euch für die armen armen Kandidaten einen abzubrechen.

Mittlerweile sollte doch JEDER DSDS kennen. Vorallem die Kandidaten wissen doch ganz genau, was sie erwartet und dennoch laufen sie in Scharen zu DSDS um sich zu blamieren. Ich finde das ganz gut ... man schaue sich doch mal die Idioten an, die sich komplett selbst überschätzen. Jeder will Superstar werden und am besten nicht mehr arbeiten und im Geld schwimmen. Die Show bringt diese Leute wieder auf den Boden der Tatsachen zurück!! Wir leben nunmal in einer Gesellschaft, in der Leistung zählt!

Mich regen diese ganzen Gutmenschen auf, die die Täter zu Opfern machen. Die Täter sind in diesem Fall die Kandidaten, die meinen, sie wären zu etwas grossem geboren. Diesen hält DSDS auf zugegeben brutale Art und Weise den Spiegel vor. Aber anders verstehen sie es anscheinend nicht. Einem charakterstarken Menschen kann auch DSDS nichts anhaben und den tatsächlich "schwachen" kann man nur sagen: lernt euch selbst richtig einzuschätzen, mit Dieter Bohlen geht das ein bisschen schneller.

Markus

13. Januar 2011, 10:50

Ich stimme mit der Meinung des Authors 100 %ig überein.

Werde den Artikel per eMail weiter empfehlen.

meinungsrecht

13. Januar 2011, 10:52

http://werner.heinz1@web.de

Ein sehr treffender Artikel des Autoren. Wir müssen uns über den Bildungsstand vieler Menschen in Deutschland nicht wundern. Betrachtet man die Einschaltquoten bei dieser Sendung, kommt man zum Ergebnis: Deutschland verfügt über eine Angst erregende Menge von Dummen in allen Altersgruppen.

Ich sehe bei RTL nur noch Günter Jauch- ein glaubhafter Mensch mit hohen journalistischen Wissen und weitblickender sozialer Einstellung.

Fazit: Sender ignorieren!

Patrese

13. Januar 2011, 10:52

@Aschmersal: Recht hast!! ;-))  ... so sehe ich das auch!!

markus

13. Januar 2011, 11:25

http://www.psychhp.de

Die Sendung ist "berechenbar, formelhaft und ausgewalzt ist wie kaum eine andere". Das ist wohl die wichtigste Zutat im das eigentliche Erfolgsrezept. Die Zuschauer erwarten eine Vermischung des kläglichen Auftritts des Kandidaten mit seinem schwieigen Hintergrund, das Mitleid, vielleicht auch Mitgefühl soll bedient werden. Möglicherweise die enttäuschte Hoffnung auf eine höhere ausgleichende Gerechtigkeit. Doch die Frage ist, nach wievielen Wiederholungen ist auch dieser Effekt überzogen, der Zuschauer auch davon satt und abgestumpft?

Bernd

13. Januar 2011, 11:31

Brot und Spiele

Jede Gesellschaft bekommt das Programm, das sie wollen! 7,5mio Zuschauer

können nicht irren. Hinzu kommen die vielen Kandidaten vom Rausch beseelt, berühmt zu werden. Alles in Ordnung. Quote gut, öffentliche Diskussion gut, Kandidaten gut, Bohlen gut. DSDS ist DSDS und nicht 37Grad im ZDF. Das weiss auch der Bauer der Frau sucht.

Wir sehen Menschen, die schamlos veralbert und würdelos behandelt werden. Dies ist Programm in fast allen Privaten Fernsehanstalten.

Und warum ?  Weil WIR es  wollen so sehen! 37Grad schaut keiner, DSDS fast alle

Wir bekommen das, was er verdient. Es ist ein Spiegelbild unserer sozialen Kälte.

Danke für die Mahnung. Bitte nicht aufhören, diesen Irrsinn anzuprangern.

Maik Berg

13. Januar 2011, 11:32

Siebeneinhalb Millionen fiese, miese Zuschauer sind Schuld an dieser schmutzigen, billigen Gemeinheit DSDS und anderem Dreck aus dem privaten Unterschichten-TV (wobei Unterschicht auch auf das geistige und moralische Niveau bezogen ist, d. h. man muss nicht asozial oder finanziell arm sein, um RTL zu gucken!). Würden siebeneinhalb Millionen sich so etwas gar nicht ansehen wollen, so bräuchten die Produzenten und Tingeltangel-Juoren (sich) gar nicht zu produzieren. Es ist wie beim Billigfleisch und wie bei Kriegen und Diktaturen: eine Masse an Leuten will es. Traurig, abscheulich und irgendwann wird es sich rächen. Wollt Ihr das totale DSDS? Jaaaaa...!!!

Mal eine Frage

13. Januar 2011, 11:38

@rgroth

Natürlich werden die "Kunden" nicht gefragt, sondern das Prinzip ist den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, also die Sendung soweit runterzubrechen das die größte mögliche Anzahl Konsumenten das Produkt gucken. Und auch ist es ein Problem das es an Alternativen mangelt. Doch trotzdem bleibt es leider ein trauriger Fakt das über 7 Millionen das angucken. Ob sie es WOLLEN oder nur aus Mangel an alternativen ist nicht relevant. Den die Entscheidung zu gucken treffen die Konsumenten freiwillig.

Es ist natürlich ein Armutszeugnis aber wir reden ja nicht von Kultur sondern von Privatfernsehen, also von Unternehmen die als oberste Regel die Steigerung der Rendite haben, sprich für möglichst wenig Geld möglichst viele Werbeeinnahmen zu erhalten (der beste und auch schlimmste Fall sind die "Nachmittags-Dokus", wo vor aber auch hinter der Kamera nur noch Dilettanten am Werk sind). Wenn man diese Regel als Maßstab nimmt ist DSDS und auch andere Formate ein voller Erfolg - leider.

Oliver

13. Januar 2011, 11:42

Vielen Dank für die wahren Worte. Leider werden Sie wohl nicht von den richtigen gelesen.

elbsegler

13. Januar 2011, 13:35

@aschmersal, 13. Januar 2011, 10:31 Uhr

Sie wollen "entertaint" werden und sich nicht mit dem Elend der Welt beschäftigen? Wer DSDS anschaut, sieht das Elend der Welt. Was ist daran unterhaltsam?

rgroth

13. Januar 2011, 15:18

@Mal eine Frage:

Der vermeintliche "Erfolg" spricht mMn. besonders Medienschaffende nicht von der Verantwortung für ihr Handeln frei.

Und ich sehe privatwirtschaftliche Medien durchaus als Bestandteil der Kultur - zumal solche Sätze wie "die Konsumenten wollen es ja so" auch schon fester Bestandteil im Rechtfertigungskanon der ÖR sind.

(Bemerkenswert, daß Wolfgang Menges Format "Millionenspiel" damals nicht in Serie ging.)

Was mir persönlich häufig im Medienbetrieb fehlt, ist das persönliche Hinterfragen des eigenen Handelns - und das Anerkennen persönlicher Verantwortung.

Dazu gehört natürlich Mut - doch mit Mut könnte man sich ja auch noch etwas anderes trauen - vielleicht mal ein Format, das nicht wieder ein Recycling bekannter Ideen ist.

Das könnte zu einer Vielfalt von wirklichen Alternativen führen, aus der die Konsumenten auswählen können - und dann könnten wir ja sehen, was Fliegen tatsächlich lieber fressen ;-)

Peter Hofmann

13. Januar 2011, 15:48

Niemand produziert etwas, was keine Einschaltquote bringt. Der Nutzen der Macher und Nutzer liegt wohl eindeutig in der Mitte. Da muss niemand Niemandem etwas vorwerfen.

Super Artikel! Hat mir sehr gut gefallen! Ich wundere mich, dass diese leisen Töne von einem Mitglied der Medienlandschaft gespielt werden. Stelle mir allerdings die Frage: Schlägt die Respektlosigkeit der Väter jetzt die Kinder?

dippegucker

13. Januar 2011, 16:05

....drei Gruppen...

...die erste...

...das zweite...

...das dritte....

Vom Niveau ganz dicht bei DSDS.

Robert Hanke

13. Januar 2011, 16:23

"Das dritte sind die Leute, die das produzieren."

"Was sind das für Menschen, die mit Zwergen werfen wollen?"

Es bringt Einschaltquote und Werbeeinnahmen.

Die Produktionsgesellschaft, der Sender, die Plattenfirma und damit die gesamte Bertelsmann-Gruppe verdient viel Geld damit.

Dieser Profit ist die allein ausreichende wirtschaftliche Legitimation.

Moral und Anstand sind nicht bilanzierbar.

Was zählt, ist der wirtschaftliche Erfolg.

Eine über den wirtschaftlichen Erfolg hinausgehende moralische Legitimation ist unnötig und bedeutungslos.

ismirübel

13. Januar 2011, 17:17

das ein mensch wie herr bohlen ein gefeierter star ist, das ist es was mir angst macht. wie wohl seine fans mit ihren mitmenschen umgehen ?

fremdschämer

13. Januar 2011, 17:29

die leute dürfen ja tatsächlich wählen, autofahren, geld ausgeben. jeder kennt die sendung seit ich weiss nicht wie vielen jahren und jeder weiss auch, dass man dort nur fertig gemacht wird und danach niemals erfolg haben wird. und wer das noch nicht begriffen hat, sollte sich nicht wundern und hat doch irgendwie selbst schuld. keiner zwingt die leute, sich für die sendung zu melden und sich zum idioten abstempeln zu lassen. und das macht die ganze sache für die zuschauer sogar noch viel lustiger!

Martin B.

13. Januar 2011, 17:44

Wow, was für eine Reaktion; wow, wie viele Kommentare.

Dieter hat's mal wieder geschafft. Die Leute reden über ihn und seine phantastische Show.

7,2 Mio. Zuschauer, die sich an Elend, Dummheit ergötzen und sich ihren voyeuristischen Neigungen und Gelüsten voll ergeben können.  

Was will Zuschauer, Moderator, Producer, Castingabteilungen, Stage-Hands, Vertriebsabteilung für Werbezeiten, Kolumnenschreiber etablierter Zeitungen, fernsehexterne und –interne Diskussionsrunden noch mehr. Die nächsten Wochen und Monate sind gesichert.

Oder wie sagte schon mal jemand, lange lange vor der Erfindung des Fernsehen „panem et circenses“ = Brot und Spiele für’s Volk, damit es nicht weiter nachdenkt.

Ronald aus Hamburg

13. Januar 2011, 17:54

Es gibt noch eine vierte Gruppe: Jene, die sich über den Quatsch auch noch Gedanken machen.

Ich...

13. Januar 2011, 17:59

Omg..Soviele Rechtschreibfehler in einem Text..

Sonst eig. ganz gut nur leider wirkt er viel zu fiktiv..

oges

13. Januar 2011, 18:01

rational für mich nicht erklärbar warum menschen sich an so etwas beteiligen. nur damit sie auf der strAße erkannt werden und aufmerksamkeit bekommen? ne, danke! brauch ich nicht! was bohlen und seine profitgeier angeht kann man denen keinen vorwurf machen, da unser lieber freund genannt kapitalismus dafür sorgt, dass solche menschen tagtäglich reproduziert werden. haste was biste was! so einfach ist das! geld=macht, bzw. haben oder sein

Stefan Niggemeier

13. Januar 2011, 18:14

@fremdschämer:

Sie schreiben: "keiner zwingt die leute, sich für die sendung zu melden und sich zum idioten abstempeln zu lassen."  Meine Frage lautet aber: Werden die Produzenten dazu gezwungenn, andere zu Idioten abzustempeln?

Michael Harder

13. Januar 2011, 18:16

Der Autor hat gut und richtig beobachtet, vergisst aber:

1. Auch in der schreibenden Zunft gibt es Journalisten, die ihrem Berufsethos auch gerne einmal durch Häme, Zynismus und Abschätzigkeit gegenüber Menschen alle Ehre machen. Selbst der Preis gekrönte Autor des Artikels hat sich da bereits mehrfach hervor getan.

2. Jeder Zuschauer, jeder Leser bekommt genau die Fernsehsendung und genau den Artikel, den er verdient.

3. Vorschlag: Wie wäre es, wenn sich derart missratene Fernsehmacher und Journalisten gelegentlich treffen, um ihren Qualitätsnachweis gemeinsam zu produzieren? Das macht den Blick in die Grenzenlosigkeit der eigenen Abgründe für alle Beteiligten dann zu einem Event der Sonderklasse.

rgroth

13. Januar 2011, 23:02

Mann, Mann, Mann!

Ich komme gerade von einem Gespräch mit jungen, ambitionierten Medienschaffenden in München - dabei ging es beileibe nicht nur um DSDS, sondern auch um andere (auch ÖR-) Formate.

(Der Anlaß dieses Artikels war übrigens schon ohne mich Thema - kA. ob _wegen_ dieses Artikels.)

Hier mal einige O-Töne:

"Die Anderen machen es doch auch."

"Wenn ich es nicht mache, macht es ein anderer."

"Ich soll es so machen, also mach ich es."

"Ich brauch das Geld."

"Die Leute wissen doch, daß das nur Show ist."

usw. usf.

Und natürlich: "Daß die Leute es anschauen, beweist doch, daß sie so etwas sehen wollen."

Aber:

Auf meine Nachfragen, ob sie denn selbst so vorgeführt werden möchten, oder was ihre eigene Mutter davon halten würde - da gab es durchweg betretene Gesichter.

Reicht das schon zur Hoffnung auf Verbesserung?

MMn. nicht - jetzt meine ich, daß Ethik verbindlicher Inhalt aller Ausbildungen im Medienbereich werden muss - gerade auch für Produzenten bis hin zu Mediengestaltern Bild/Ton - inklusive zivilem Ungehorsam.

Alternativ sollte dieses im Medienbereich angesiedelte Milgram-Experiment (siehe oben: Andreas 09. Januar 2011, 23:23) endlich abgebrochen werden :-|

Mann, bin ich gerade angefressen...

J.Schiffmann

13. Januar 2011, 23:42

Was sagte Raab immer zu den Machern von "Bauer sucht Frau", oder wars "Schwiegertochter gesucht": "Ihr kommt alle in die Hölle..."

Das gilt wohl für jede RTL-Eigenproduktion!

k

14. Januar 2011, 21:23

raab, harald schmidt, zeitweise schien es auch bei bohlen so: wundersame wandlung vom saulus zum paulus. null respekt für andere menschen. so wird man was. toller spiegel der gesellschaft, tolle vorbilder!

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