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Das Fernsehblog

Die Fischstäbchen sind sicher! Der Atom-Info-Reinfall der ARD

15. März 2011, 19:50 Uhr

Es sind sicher gerade keine leichten Tage für Fernsehnachrichtenmacher, vor allem nicht für die deutschen, die in Live-Schaltungen ständigen Kontakt zu ihren Korrespondenten in Japan halten mussten, während die bis zu ihrer Evakuierung auf Tokioter Häuserdächern festwurzelten, um von dort zu berichten, was sie beim Hörensagen von den japanischen Kollegen aufgeschnappt hatten.

Aber die ARD hat es trotzdem fertig gebracht, nach all "Brennpunkten" und Zusatz-"Tagesschau"-Ausgaben am Montagabend noch eine Sendung fürs Volk einzuschieben, in der Zuschauer per Telefon und Mail ihre Fragen an die eingeladenen Experten stellen konnten. Die Sendung hieß ja schließlich "Atom-GAU in Japan - Was heißt das für uns?" (Video bei daserste.de ansehen).

Mit Betonung auf "uns".

Während die Japaner also noch damit beschäftigt sind, ihr Land aufzuräumen und die Toten zu bergen, die das Erdbeben und der Tsunami am vergangenen Freitag zur Folge hatten, während rund um Fukushima die Sperrzone wegen des Atomunfalls ausgeweitet wird, wollte Sonja M. aus Bad Ingbert wissen: Wie sieht's mit Fischstäbchen aus? "Das ist eine Frage, die häufig gestellt wird", sagte WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn in der Sendung zum ARD-Wissenschaftsmann Ranga Yogeshwar, der sichtlich froh ist, endlich mal aus dem piefigen ARD-Vorabend rauszudürfen, jetzt ständig Angebersätze sagt wie "Ich hab da eine noch nicht verifizierte Information...", am Sonntag schon bei Anne Will saß und im "Brennpunkt" vorher mit einfachen Haushaltsgegenständen – einem Textmarker, einem Wasserglas und einem Sektkühler – in wenigen Sekunden die Kühltechnik japanischer Atomkraftwerke erklärt hatte.

"Die Natur ist ein Fressen und Gefressen werden", sagte Yogeshwar nun am Montagabend, übersprang aber die Feinheiten der Nahrungskettenforschung und kam gleich zum Punkt: "Das Fischstäbchen von vor zwei Wochen ist genauso viel oder wenig kontaminiert wie das Fischstäbchen jetzt."

Im Anschluss musste Yogeshwar sich die Aufmerksamkeit mit Sebastian Pflugbeil, dem Präsidenten der deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz teilen, und das war nicht ganz ohne, weil Pflugbeil in der Fischfrage einen Tag vorher schon bei "RTL aktuell" vorgelegt und auf die Frage, wie das mit der Kontamination aussehe, geantwortet hatte:

"Man wird gucken, wie sich das im Fischfang niederschlägt. Die Japaner essen viel Fisch."

Mit einem geschickt eingewobenen Haushaltsvergleich gelang es dem "Wissen vor 8"-Moderator allerdings, Schönenborns Aufmerksamkeit wieder auf seine Seite zu ziehen: Das sei "wie beim Dampfkochtopf zuhause" mit so einem Reaktor, sagte Yogeshwar: "Wenn zuviel Druck da ist, muss man Druck ablassen."

Und da sagen die Leute sonst immer, Atomkraft sei kompliziert.


Und im Hintergrund ruft der Sohn des Ex-WDR-Intendanten bei CNN an? Moderator Schönenborn im Ersten

Zugegebenermaßen war es Yogeshwar, der auch deutlich darauf hinwies, dass es derzeit noch keine messbare Radioaktivität aus Japan in Deutschland gebe und dass völlig ungewiss sei, ob es überhaupt dazu komme – was Schönenborn registrierte, um es augenblicklich wieder zu ignorieren und weitere wichtige Fragen vorzulesen: Dürfen die Kinder draußen spielen? Soll ich Dosennahrung kaufen? Müssen wir damit rechnen, dass Japaner in Deutschland eine Gesundheitsgefahr sind, wenn sie mit dem Flugzeug gekommen sind? Um wieviel Cent steigt der Strompreis, wenn wir jetzt eigene Atomkraftwerke abschalten? Und, ganz wichtig:

"Man merkt an einigen Fragen, die Osterferien stehen vor der Tür: Alfons G. aus Borken fragt zum Beispiel: Wir wollen in Thailand Urlaub machen – können wir da unbesorgt hinfahren?"

So engagiert die ARD sonst auch über die Katastrophe in Japan informieren mag: Mit derartigen Sondersendungen trägt sie mehr zur Unsicherheit der Bevölkerung bei als zur Aufklärung.

Mindestens nämlich zur Unsicherheit, ob die Menschen eigentlich noch ganz klar im Kopf sind, wenn sie sich jetzt um ihr Mittagessen und ihren Urlaub Gedanken machen, während auf der anderen Erdhälfte gerade die Welt untergeht.

Ach, eines noch: Selbst nach 25 Jahren habe das Unglück von Tschernobyl im Jahr 1986 immer noch klarer erkennbare Konsequenzen für Deutschland als jetzt Japan, erklärte Yogeshwar. Im Süden etwa speicherten Trüffel die Radioaktivität und würden von Waldtieren gefressen. Wenn Sie sich deshalb bitte noch eines merken mögen für ihren nächsten Einkauf im Supermarkt: "Wildschweine in Süddeutschland sind heute immer noch problematisch."

Guten Appetit. Und schöne Ferien.

Screenshot: Das Erste

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Veröffentlicht 15. März 2011, 19:50 von Peer Schader
Kommentare

Peter Dietrich

15. März 2011, 22:32

Ranga Yogeshwar ist einer der wenigen mir bekannten Personen vor der Kamera im deutschen Fernsehen, der schon allein durch seine Ausbildung Expertise in naturwissenschaftlichen Fragen besitzt (und auch ausstrahlt). Neben ihm kenne ich nur noch Joachim Bublath und Harald Lesch (erster sollte ein Come-Back in Erwaegung ziehen). Dass die Verantwortlichen meinen, ihn nun in solchen bloedsinnigen Sendungen "verheizen" zu muessen, finde ich schade (fairerweise: ich habe die Sendung nicht selbst gesehen, verlasse mich auf ihre Zusammenfassung). Kann man ihm nicht ein anstaendiges Format (vielleicht mal eines mit etwas Anspruch) bieten?

Herr Schrader, ich moechte mich fuer diesen Beitrag bedanken.

Trias

16. März 2011, 02:13

Prima  Beitrag  zum  ernsten  Thema.  Danke.  mfG.T.

trillian

16. März 2011, 07:30

http://trillian.blogspirit.com

Yogeshwar war gestern in Quarks&Co auch ziemlich souverän.

Und es heißt "St.Ingbert" und nicht "Bad Ingbert". (JFTR)

Wolfgang

16. März 2011, 09:35

http://fastvoice.net

Kann man "Egoismus" nennen oder "mangelnde Empathie" - mehr oder weniger davon steckt wohl in jedem von uns.

Ich hatte heute Nacht einen kleinen Twitter-Dialog mit einer Japanerin, die u. a. schrieb: "Does Japan's future depends on wind direction? what a dicey fate, as same as Russian roulette, all we can do is pray to GOD"

Das hilft vielleicht ein wenig, unsere Sicht wieder gerade zu rücken.

Schlimmer als die "Fischstäbchen"-Diskussion (die übrigens gestern Abend auch im ZDF fortgesetzt wurde) finde ich die Trittbrettfahrer, die derzeit z. B. unter zahlreichen Fantasie-Accounts über die Katastrophe und die Folgen twittern und dabei fast jedes Mal einen Link zu Amazon-Seiten setzen, die nichts mit dem Thema zu tun haben, sondern nur für irgendwelche Geschenkgutscheine werben.

M. Streck

16. März 2011, 09:39

Die Aussage ist also, dass Informationen über möglicherweise radioaktiv verseuchte Lebensmittel bitteschön zurückgehalten werden sollten, bis es den Erdbebenopfern wieder besser geht. Und jemand der einen Urlaub geplant hat, soll doch bitte einfach fahren/fliegen und ansonsten die Klappe halten.

Der Vorteil eines solchen Verhaltens für die Erdbebenopfer bestünde genau worin?

Dirk Roß

16. März 2011, 10:26

http://hugo-mueller-vugg.blog.de/2011/03/15/duesseldorf-evakuiert-10830639/

Wenn es nicht so traurig wäre, die Sondersendung wäre ein Brüller gewesen. Den Höhepunkt der Realsatire stellte für mich aber die Frage dar:

"Sind nach Deutschland kommende Japaner für uns ein Gesundheitsrisiko?"

Dass die Experten bei dieser Zuschauerfrage die Contenance behielten, ist schon eine Leistung.

murry

16. März 2011, 10:26

Yogeshwar tut mir eigentlich ein bischen leid, er ist in meinen Augen zur Zeit einer der Besten im Wissenschaftsfernsehen in Deutschland. Leider muss er seine Zeit bei der ARD als Sidekick von Frank Elstner in erbärmlichen Wissenschaftsshows fristen oder in Sondersendungen dümmliche Zuschauerfragen beantworten.

Tells It Like It Is

16. März 2011, 10:27

Ich finde es völlig in Ordnung, sich zu fragen, ob und inwiefern die Katastrophe von Japan einen selbst persönlich betrifft. Und stellt man eben solche, für manche banal wirkende Fragen.

Das bedeutet noch lange nicht automatisch, dass man mit den direkt betroffenen in Japan nicht mehr mitfühlt.

Matze

16. März 2011, 10:32

Die Frage in der Bildunterzeile verstehe ich nicht - Pleitgen ist doch schon länger CNN-Reporter. Im Übrigen kann die ARD nicht für die Fragen ihrer Zuschauer verantwortlich gemacht werden, und die Antworten waren alles andere als dümmlich.

Matze

Alexander

16. März 2011, 10:33

Schade, dass wir uns in Peers Welt entscheiden müssen, ob wir entweder Trauer und Mitgefühl für die Opfer in Japan haben oder ob wir uns Sorgen um die Auswirkungen der Katastrophe auf unser Leben und unseren Alltag machen.

Mist, dass er uns nicht beide Gedankengänge gleichzeitig gestattet :-(

dermax

16. März 2011, 10:36

Muss mich Streck anschliessen, mit der gleichen Argumentation kann man ja auch den Verkehrsfunk ausschalten, weils ja wohl grade unerheblich ist, ob jemand etwas länger von A nach B braucht, wenn der Grund ein schwerer Verkehrsunfall mit Opfern ist...

O.G.

16. März 2011, 10:41

zur Bildunterschrift: Frederik Pleittgen ist der Sohn des ehemaligen WDR Intendanten, allerdings auch Auslandskorrespondent bei CNN.

Sebastian

16. März 2011, 10:49

Ich sehe das ähnlich wie M. Streck. Für einen "Atomexperten" mögen viele der Fragen "naiv" und "unnötig" sein, aber viele Menschen sind eben keine Experten und es ist völlig legitim, dass sie sich fragen, ob und welche Auswirkungen das Ganze für unser Alltagsleben hier haben mag. Die Leute sollte man dann informieren und beruhigen, statt sie als dumm abzubügeln und zu verunsichern.

Chica

16. März 2011, 10:57

"Es sind sicher gerade keine leichten Tage für Fernsehnachrichtenmacher, vor allem nicht für die deutschen, die in Live-Schaltungen ständigen Kontakt zu ihren Korrespondenten in Japan halten mussten, während die bis zu ihrer Evakuierung auf Tokioter Häuserdächern festwurzelten, um von dort zu berichten, was sie beim Hörensagen von den japanischen Kollegen aufgeschnappt hatten."

>> Besser kann man die deutsche Berichterstattung aus Japan nicht zusammenfassen. Vielen Dank dafür!

Doby

16. März 2011, 11:07

Was für ein Schwachfug. Was ist daran verwerflich, sich über die Dinge Gedanken zu machen, die einen persönlich betreffen? Leute, die sich fragen, ob unsere Nahrung künftig sicher ist haben ein Recht dies zu tun, auch wenn es den Japanern gerade sehr viel übler geht.

Genausogut könnte man den Japaner sagen, sie mögen sich nicht so anstellen, von wegen Haus und Eigentum weg, denn so richtig dreckig geht es den 50 totgeweihten Arbeitern, die versuchen das AWK zu retten.

Soll ich aufhören, bewußt zu leben, nur weil ich kein Japaner bin? Warum wird einem gleich mangelnde Empathie unterstellt wenn man sich über das eigene Wohlergehen sorgt?

Spare audere

16. März 2011, 11:15

M. Streck, ich dachte, die Zielgruppe, die augenscheinlich mit solcher Art Informationen angepeilt wird, die gäbe es gar nicht. Ich dachte: "Hey, verschwendet nicht meine Gebührengelder mit diesem Dummfug"! Das sehe ich nun, dank Ihnen M. Streck, anders. Ich finde, es ist wichtig, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen. Ja, auch Sie M. Streck! Sie sind ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft und werden nicht zurückgelassen. Das verspreche ich Ihnen. Wir kümmern uns um sie. Und wenn der Ranga den ganzen Tag mit Ihnen Nachhilfe machen muss! Wir schaffen das! Ich bin mir sicher.

Gregor Keuschnig

16. März 2011, 11:22

http://begleitschreiben.twoday.net

Der Beitrag ist genauso lächerlich wie das, was er kritisiert.

Werner

16. März 2011, 11:24

Solche Sendungen sind eben nötig, wenn die Medien 24 Stunden am Tag spekulieren und der Zuschauer am Ende vor lauter Horrorszenarien nichtmehr weiß, ob er noch Fischstäbchen essen kann.

Es wirkt auf mich so, als sei "Was ist das Schlimmste, was jetzt passieren kann?" die am häufigsten gestellte Frage im Moment.

Media

16. März 2011, 11:34

sehr guter Artikel!

Im WDR ging es gestern auch um dasselbe Thema.

Es scheint ja schon sehr wichtig zu sein, was jetzt mit den Deutschen passiert.

zu M. Streck: Ich kann aus diesem Artikel nichts über eine Zurückhaltung an Informationen erkennen. Sollte es tatsächlich zu einer Gesundheitsgefährdung hier in Deutschland kommen, wird sicher darüber berichtet werden. Aber Fragen nach Fischstäbchen und ob Kinder draußen spielen dürfen ist imo lächerlich, wenn noch nicht einmal klar ist welche Bedeutung das genau für Japan hat!

Wer stellt bitte solche Fragen?

Heinz

16. März 2011, 11:48

@Spare audere: Ich habe selten einen Beitrag gelesen der sich so sehr darum bemüht clever und sarkastisch rüberzukommen. Warum verkrampfen Sie sich so? Ein einfaches "Ich habe keine Ahnung worüber die Großen hier eigentlich reden, wollte aber mal mitmachen", hätte doch auch gereicht oder etwa nicht?

Fast so lachhaft wie der Blogeintrag dort oben an sich.

knorke

16. März 2011, 11:55

Ich sage es nicht gerne, aber es ist nunmal leider so, dass jeder für sich selbst natürlich auch Sicherheit möchte. Das hat meiner Meinugn nach auch wenig mit mangelnder Empathie zu tun (ich streite jedoch nicht ab, dass diese durchaus auch vorhanden sein kann). Man kann trotzdem sehr wohl Mitgefühl dafür empfinden, dass "auf der anderen Erdhälfte gerade die Welt untergeht" und dass dort viele viele huntertausende Menschen leiden. Sich daneben über die ganz persönlichen Folgen Gedanken zu machen und nach Antworten zu suchen ist meiner Ansicht nach vernünftig bzw. nachvollziehbar und nicht moralisch fragwürdig.

Ich gebe dem Autor allerdings mit einem anderen Aspekt Recht: Der zynische und effektheischerische Umgang (den nicht nur die ARD) mit dieser Thematik (auch im o.g. genannten Beispiel) beweist, ist nicht angemessen. Antworten kann man auch anders geben. All das gilt aber nicht nur für diese Katastrophe die hat anderen nur das voraus, dass sie uns alle (insb. wegen Tschernobyl) als wesentlich relevanteres Problem für uns selbst erscheint als z.B. eine Hungersnot.

Das Schlimme ist (jedenfalls werfe ich mir das vor), dass ich selbst relativ wenig Empathie für diese Katastrophe aufbringe. Es berührt mich recht wenig. Ich erwische mich vielmehr gelegentlich bei perverser Neugier darüber, was denn nun als nächstes an Hiobsbotschaften von dort herüberschwappt. Ob ich abgestumpft bin? Womöglich. Mag auch sein, dass ich nicht der Einzige bin. Und mag auch sein, dass das am medialen Umgang mit Katastrophen liegt.

Tingletangle

16. März 2011, 12:19

Die andauernden mit Musik unterlegten Endlosschleifen der Katastrophenbilder auf n-tv und N24 hatten jedenfalls auch nicht mehr Informationswert. Auch ich finde es durchaus legitim, zwischen all dem Schrecken und dem Mitgefühl mit den Opfern die Frage nach den Konsequenzen für sich selbst anzuschneiden. Dies deutet weder auf mangelnde Anteilnahme noch auf übertriebene Egozentrik hin, sondern ist einfach das was die Menschen AUCH bewegt. Range Yogeshwar macht einen hervorragenden Job.

cw

16. März 2011, 12:39

Versteh ich nicht. Wo ist das Problem, auch derartige Fragen anzupacken? Hilft es tatsächlich jemandem, wenn wir abseits der Klärung von Alltagsproblematiken wie dieser in unserem Kämmerchen um die armen Toten in Japan weinen? Konkrete Hilfe bieten wir über unseren Staat ja durchaus an.

Insofern stimme ich Gregor Keuschnig zu: Es ist einfach lächerlich, bei solchen Fragen den Moralapostel zu spielen, wo man selbst durch das Schreiben solcher Artikel mit diesem Thema Aufmerksamkeit erreichen möchte.

Michael

16. März 2011, 12:45

Das Schicksal der Erdbebenopfer in Japan wird nicht dadurch relativiert dass in der gleichen Zeit mehr Menschen in Afrika an AIDS und Hunger gestorben sind: Genauso wenig wird das Bedürfnis der ARD-Zuschauer nach Aufklärung und Sicherheit dadurch verwerflich, dass Menschen in Japan leiden. Dabei darf es gerne um den Thailand-Urlaub und die Fischstäbchen gehen. Anders gesagt: es passieren ständig grauenhafte Dinge auf der Welt. Bei aller Anteilnahme und Spendenbereitschaft geht das Leben einfach weiter. Und es ist auch keine Grundkenntnis in diesen Fragen zu erwarten. Diese wird ja im Gegenteil durch den Informationsauftrag der öffentlich-rechtlichen erst erbracht. Wer bereits alles weiß, braucht ja nicht einzuschalten.

Allerdings stimme ich mit dem Artikelauthor darin überein, dass eine Aufklärung nicht (irrationale) Ängste der Menschen schüren darf, sondern im Gegenteil eher einer (unangebrachten) Verunsicherung entgegenwirken sollte.

Prüfer

16. März 2011, 12:57

Wunderbar, dass die FAZ diese unfreiwillige Satiresendung aufgreift. Habe sie gesehen und mich schon zu hause lautstark aufgeregt über diesen Blödsinn. Das Beackern von Zuschauerfragen im TV hatte noch NIE irgendeinen Mehrwert.

Jörn Hahn

16. März 2011, 13:01

Ist es nicht perfide hier Krokodilstränen zu weinen, Herr Schader, wenn Sie von einem Medium bezahlt werden, dass Live-Ticker zu Fußball-Drittligaspielen und Erdbebenschäden nutzt, um damit Profite zu erlangen? Ist es nicht perfide, Menschen in Deutschland vorzuwerfen, sich um ihr Wohlergehen zu sorgen, weil sie dabei nicht vorrangig an tote Japaner denken, aber selbst das täglich durch uns in Kauf genommene Leid in Afrika, Asien und Südamerika zu ignorieren? - Wenn Fernsehzuschauer sich fragen, ob sie Fischstäbchen noch essen können und auf welchem Wege sie eine Strahlenkrankheit erleiden können, sind sie den Japaner so nah wie sonst nie: denn das ist im Augenblick auch deren wichtigste Sorge.

Peter Dietrich

16. März 2011, 13:05

Natuerlich kann man solche Sendungen rechtfertigen mit: Es gibt keine bloeden Fragen, "die Aengste der Menschen muessen ernst genommen werden". Andererseits kann die Tatsache, dass solche (seltsamen ?) Fragen gestellt werden, auch als ein Indiz dafuer deuten, dass der oeffentlich-rechtliche Rundfunk seinem originaeren Bildungsauftrag in den letzten, ich sag mal, 15 Jahren immer mehr vernachlaessigt hat.  Vielleicht gehe ich in die "Frueher war alles besser"-Falle, aber die Zeiten von Heinz Haber, Heinz Sielmann, Volker Arzt, Hanns-Joachim Friedrichs scheinen irgendwie vorbei zu sein. Aber warum eigentlich?

Solche Ereignisse wie in Japan geben doch hervorragende Aufhaenger fuer Sendungen in denen ein echter Moderator in einem echten Studio mal, wegen mir, eine Kettenreaktion anhand von Tischtennisbaellen und Mausefallen erklaert, oder eingehender auf die verschiedenen Arten radioaktiver Strahlung zu sprechen kommt, oder was ein Neutron ist und warum es im Raktor abbremst, etc. Klar, das alles kann man sich heute muehelos bei Wikipedia besorgen. Offensichtlich haben aber viele Leute dazu keine Lust. Im Fernsehen wuerde man die vielleicht eher erreichen?

Ein weiteres Problem ist sicher auch, dass alles in Sparten ausgelagert wurde, Wissen nach BR-Alpha, das Kinderprogramm nach KiKa. Und wofuer? Wirklich um Platz su schaffen fuer Soaps, Dokusoaps, und massenweise (wenigestens politische) Talkshows?

Und zum Schluss, die Tatsache, dass einige Leute glauben, die in Japan freigesetzte Radioaktivitaet koennte Auswirkungen hier in Europa haben, haengt moeglicherweise auch mit der gesteigerten Homoeopathie-Glaeubigkeit zusammen.

name

16. März 2011, 13:40

Der Autor hat offensichtlich die simpelsten Prinzipien der Menschen nicht verstanden. Die Sorgen der breiten Masse in einer Unterdrückung , Revolution oder sonstigem beziehen sich zuerst immer auf ihre eigene kleine Welt. Die Sorgen was zu Essen auf den Tisch zu bringen oder Arbeit zu haben um ihre Famile zu versorgen.

Genauso verhält es sich hier. Die Menschen Sorgen sich um das was sie kennen, was sie direkt betrifft und, in anbetracht der dramatischen Ereignisse, an u.U. irrationalen Ängsten. Wer das nicht versteht naja.. sollte auch nicht darüber schreiben.

beppo brehm

16. März 2011, 13:44

Liebe FAZ, können Sie nicht einfach jeden Tag an prominenter Stelle den Satz unterbringen "Im Übrigen sind wir der Ansicht, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen sch... ist". Das würde Platz im Blatt sparen, und Sie könnten Ihre Autoren mit anderen Themen beschäftigen.

Es wird langweilig.

der Heinz

16. März 2011, 13:51

Ich habe wohl die Fragen der Zuschauer verpasst, die gefragt haben, wie man HELFEN KANN !

Wo zum Teufel bleiben die Spendenaufrufe ?

Alex K.

16. März 2011, 14:04

Wenn man den Artikel hier liest klingt das in der Tat sehr absurd. Aber ich halte es grundsätzlich für richtig auch eine Sendung dieser Art zu machen, in denen ja im Endeffekt klargemacht werden soll, dass wir uns hier keine Sorgen machen müssen.

Viele Leute brauchen das eben, in einigen Dingen sicher auch ich. Ich finde es gut, wenn gesagt wird "unsere Fischstäbchen sind sicher". Das ist auf jeden Fall besser als Panikmache oder gar keine Informationen dazu. Und wenn es nur dazu dient klarzustellen, dass solche Fragen völlig unberechtigt sind.

Ich denke bei einer Atomaren Katatstrophe, wo auch immer sie geschieht, darf man diese Fragen stellen. Das ist meiner Meinung nach nicht im geringsten verwerflich oder ein Hinweis dafür, man sei extrem egoistisch.

BloodyFox

16. März 2011, 14:23

http://www.metalimpetus.de

Ich kann gar nicht verstehen, weshalb mein erster Kommentar nicht freigeschalten wurde, nur wegen des B-Worts?

Wie dem auch sei: Ich finde den Inhalt vieler Fragen aus zwei Gründen bedenklich: 1. Wer, der auch nur einigermaßen etwas im Kopf hat, stellt Fragen wie: Ist der Thailandurlaub sicher? Können die Kinder draußen spielen? Dosenfutter? Sind Japaner, die aus dem Flugzeug kommen, gefährlich? - das sind doch Fragen, die man mit ein bisschen Nachdenken und manchmal mit einem Blick auf einen Globus schnell beantworten kann.

2. Wer beim ARD hat gesagt: Ja, DAS sind Fragen, die beantwortet werden MÜSSEN?

Marc-Oliver

16. März 2011, 15:39

http://comiksdebris.blogspot.com/

Oha. Bis nach St. Ingbert sind's keine 10 km von hier. Werd ich jetzt auch verstrahlt?

stoiber

16. März 2011, 16:06

Wir brauchen Menschen, die im TV sich nicht verbiegen lassen.

Karsten Schwanke hat in Hart aber Fair vor laufender Kamera gesagt, daß er nicht Müll trenne, weil er dieses für sinnlos halte. Damit hat er Mut bewiesen, die Wahrheit zu sagen.

Ranga Y. hat soweit mir bekannt, noch nie Werbung für irgendwelche Produkte gemacht. Das ist Ihm hoch anzurechnen.

Ich möchte auf diese beiden Personen hinweisen, bevor jemand auf die wahnwitzige Idee kommt Herrn Bublath wieder zu reaktivieren. Er ist das, was man einen Pseudo-Wissenschaftler nennt.

Peer Schader

16. März 2011, 16:15

@beppo brehm: Mögen Sie mal den Fernsehblog-Eintrag davor lesen und dann mit Ihrem Vorurteil einen neuen Anlauf nehmen?

Klaus

16. März 2011, 16:30

Was soll solch' Gemeinheit wie, dass Ranga Yogeshwar "jetzt ständig Angebersätze sagt"?

Herr Schader würde das alles natürlich viel besser machen und darf in seinem Blog gerne anfangen: Na, nun los, erklär'n Sie uns mal die Welt.  Aber ohne "ständig" "Angebersätze" zu sagen.

.

Harald Lesch und Ranga Yogeshwar sind die einzigen im d. Fernsehen, die solche Sachen erklären können, der eine immer höflich, der andere immer etwas humorvoll.  Ich bin froh, dass ich mir Herrn Lesch im Internet anschauen kann.

.

Jeeves

16. März 2011, 16:37

"Das sei "wie beim Dampfkochtopf zuhause" mit so einem Reaktor, sagte Yogeshwar: "Wenn zuviel Druck da ist, muss man Druck ablassen."

Und da sagen die Leute sonst immer, Atomkraft sei kompliziert."

.

Was ist daran so ulkig oder gar falsch, Herr Schader?: AKWs kochem im wahrsten Sinne des Wortes tatsächlich auch nur mit Wasser. Prinzip: Dampfmaschine. Mehr isses nich.

.

Michael S.

16. März 2011, 17:22

@stoiber: ich trenne auch nur Müll in zwei Teile....Papier und alles andere in einem. Seitdem ich weiss, wie viel Geld mit dem Grünen Punkt gemacht wird und dass der Müllwagen mit den gelben Säcken und der Müllwagen mit dem Restmüll die Ladung in das GLEICHE Loch in der Verbrennungsanlage schmeissen, weil es danach nochmal maschinell getrennt wird, da kein Mensch es besser könnte....verschwende ich meine Zeit auch nicht mit stundenlangem Auseinanderfriemeln von Müll.

Zum Artikel, ich kann schon beide Seiten verstehen, die Welt im Ganzen ist für viele zu abstrakt, man hat seinen kleinen Kosmos und der ist verständlicherweise für jeden einzelnen das Wichtigste. Daher allen zu unterstellen, dass die Japaner einem egal sind, ist schon etwas zu weit hergeholt. Wenn ich bei jeder Katastrophe oder Not mein eigenes Leben ruhend und hinten an stelle um mit zu trauern, dann kann ich es auch gleich sein lassen.

Dieter W.

16. März 2011, 18:24

http://dieterjosef.blogspot.com/

Was ist denn so verwunderlich, daß jemand auch angesichts der beschriebenen Katastrophe nach den persönlichen Auswirkungen fragt? Von den meisten Katastrophen kriegen wir doch einfach gar nichts mit und machen uns weiter Gedanken um Nebensächlichlichkeiten.

Haiti war auch schon vor dem Erdbeben ein elender Ort zum Leben, der Kongo taucht lediglich in Kurznotizen auf, hinter denen sich ein Ausmaß an Grauen verbirgt, das einen nachts nicht mehr schlafen ließe, Sierra Leone ist hier nur wegen britischer Söldner in die Medien gekommen, aber nicht wegen der dort begangenen Verbrechen, und in Tschetschenien wohnen ja nur üble Islamisten, gegen die man hart vorgehen muß, Kollateralschäden werden hingenommen.

Vielleicht hätte ich beim ersten Hören der Frage in der Situation auch die Augen verdreht, aber es ist gut, daß die Fragerin durchgestellt wurde. Denn so kann die immer wieder festgestellte Lücke zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung kleiner werden, nicht indem man eine solche Frage wegen zu wenig Betroffenheit ignoriert.

Dieter

Mile

16. März 2011, 23:36

Ähm, kann es sein, dass gerade auf RTL genau die gleichen Fragen wieder gestellt werden?

Willi Cohrs

17. März 2011, 02:07

Hinter den Plattitüden der Sendung verbergen sich meiner Meinung nach ziemlich wichtige Fragen, die sich kein Journalist bisher zu fragen traut - weil das dann, wie hier geschehen, gleich als pietätlos bewertet wird. Und in Sachen Pietät kennen die Deutschen kein Pardon.

Wenn in Japan alle hoffen (und wir mit ihnen), dass eine radioaktive Wolke Richtung Pazifik zieht, ist es m.E. angemessen zu fragen, was das wiederum bedeutet - nämlich für die Meeresbiologie, auch für den Fischfang, für andere Länder rundherum usw. Ja, Japan ist kilometermäßig weit weg - aber es ist doch naiv zu glauben, deshalb wäre auch das Problem der Verstrahlung weit weg. Dazu muss es keinen Fall-out über Deutschland geben. Wieso fliegt z.B. die Lufthansa Tokio nicht mehr an? Hallo, wir leben im Zeitalter der Globalisierung!

Das erste konkrete Problem nach der Tschernobyl-Katatrophe in Deutschland waren verstrahlte LKW aus dem Osten.

Heinrich T.

17. März 2011, 04:30

Um auf die Fischstäbchen zurückzukommen, nach Tschernobyl gab es in der sog. DDR Champignons, Erdbeeren etc aus Polen und der UdSSR en masse, alles was der "Westen" nicht mehr haben wollte, davor aber gerne genommen wurde.

Sozusagen ein "gefundenes Fressen" für mich, und ich bin mit meinen 45 jahren immer noch kerngesund.

Martin Fuchs

17. März 2011, 07:28

Zum Glück beschäftigt sich die ach so kluge FAZ nicht mit so profanen Fragen.

"Sake unbedenklich, Geigerzähler ausverkauft"

www.faz.net/.../Doc~EE95125CD723F46B5819CD0A648A5E616~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Ich

17. März 2011, 08:39

Hallo Herr Schader,

ich wäre Ihnen sehr dankbar, würden Sie die Frage von M. Streck beantworten. Ihre Antwort könnte Aufschluß darüber geben, ob Sie mit Ihrem Artikel einfach nur (mal wieder) auf die ARD einschlagen wollten oder ob Sie sich ernsthaft mit dem Thema 'Berichterstattung' auseinandersetzen.

Willi Cohrs

17. März 2011, 19:37

@ Martin Fuchs

Danke für den Link! Klasse. Es würde mich interessieren, was Herr Schader dazu sagt. Aber der guckt vielleicht nur fern... ;-))

Peer Schader

17. März 2011, 20:01

@Willi Cohrs: Herr Schader findet das auch lustig und arbeitet noch am Aufstieg zum FAZ.NET-Chefredakteur.

Sandrine

19. März 2011, 01:58

Hab von dieser Sendung ja gar nichts mitgekriegt. Ist warscheinlich auch gut so. Natürlich stellet man sich auch hier Fragen, wie sich die Katastrophe auf uns auswirken könnte. Diese müssen auch beantwortet werden.  Aber manche Fragen lassen mich doch sehr an der Intelligenz der Zuschauer und/ oder der ARD- Verantwortlichen zweifeln.

Dürfen Kinder noch draußen spielen? Thailand- Urlaub? Ja, gehts noch? Die fatlen  Auswirkungen der Katastrophe sind noch nicht gänzlich abzusehen und alles, was die Leute interessiert, ist ihr Urlaub?

Und wenn deutsche Fernsehreporter in Tokio noch nicht über eine Verstrahlung ihrerseits berichten können, sind die Kinder hierzulande doch wohl sicher. Ein bisschen gesunder Menschenverstand und sich-erinnern an Tschernobyl (da hat man sich ja auch nicht monatelang im Haus verbarrikadiert) könnte helfen, dass solche überhaupt erst zu Verunsicherung führenden Fragen gar nicht so erörtert werden müssten.

1-A-Artikel!!!

Und Yogeshwar hat in den letzten Tagen wunderbar einfach, verständlich und doch wissenschaftlich erklärt. Und zwar so, dass nicht noch tausend Fragen offen blieben. Hut ab!

Möwe in Grau

19. März 2011, 02:49

Dieses ununterbrochene Überfluten mit diesen Ereignissen finde ich zu viel. Es bewirkt vielleicht eine unterschwellige Panik-Stimmung und Nervosität plus Fehler dann? Wenn dann noch was passiert und eventuell sogar hier, wer hat dann noch die Nerven? Außerdem werden andere geplante Themen oft aus dem Programm gekippt, finden aber in der Realität trotzdem statt und werden so gar nicht richtig beobachtet. Ist jedenfalls meine Befürchtung. Aber möglicherweise werden dafür neue Mitarbeiter eingestellt... Und es normalisiert sich ja auch bereits wieder. Ansonsten: beten und die Menschen dort in Gedanken begleiten.      

Gefahrlos

19. März 2011, 10:06

bei Tschernobyl war auch die allererste aussgage wir sind zuweit weg als das es gefährlich werden könnte... Diesmal stimmt das zwar vorerst wahrscheinlich, aber das irgendwann auch wieder Thunfisch aus dem Pazifik nach Europa verkauft wird (und sei es umdeklariert) steht auch schon fest, genauso wie das es einen Zug mit verstrahlten Milchpulver gab....

BTW:die Gegerzähler könnten nützlich werden falls hier in Europa auch noch was passiert, oder glaubt irgendwer ernsthaft die Franzosen würden beim allerersten ungewöhnlichen Meßwert ihrer Kernindustrie in den Rücken fallen?

(nein ich hab keinen gekauft, ich mach mich aber nicht über Leute lustig deren handeln eventuell übertrieben aber sicher nicht schädlich ist)

wtruz@faznet

19. März 2011, 21:59

Die FAZ versteht sich wissenschaftlich im abendländischen Sinne. Messungen der Sake-Radioaktivität, Verkaufszahlen von Geigerzählern sind Gegenstand der FAZ. Vor diesem Hintergrund und im Zusammenhang einer Erdbeben-Katastrophe und einer drohenden nuklearen Katastrophe muss die naiv-vage Frage nach einer vermeintlichen Nichtigkeit wie der eines beliebigen Fischstäbchens mindestens hysterisch, wenn nicht sogar dumm oder vielleicht wie eine gezielte Manipulation wirken. Man kann per Variation des Detailgrads, also von ganz detailiert "Iglo Alaska-Seelachs Fanggebiet A, Nordwest-Pazifik" bis ganz allgemein "Symbol für Element in der Nahrungskette", versuchen zu retten was thematisch zu retten ist. Um am Ende vielleicht doch noch ein Protokoll minimalen wissenschaftlichen Anspruchs zu erhalten. Damit bewegt man sich aber immer noch nur im Format-Verständnis der FAZ.

In dem fortschrittlichen multikulturellen Format-Verständnis des WDR hat man absichtlich Herrn Yogeshwar engagiert und nicht etwa einen zufälligen europäischen Akademiker. Herr Yogeshwar verwendet das Thema Wissenschaft lediglich als Medium zur Vermittlung einer spirituellen Erfahrung. Er ist ein Guru. Sonja M. aus BI hätte auch fragen können "was ist der Sinn des Lebens, großer Meister?" Das wäre aber etwas plump gewesen und hätte nicht einen so schönen weiten meditativen Wanderweg vom Fanggebiet bis zum Endlager Mensch für ein Massenpublikum geöffnet. Derzeit noch nicht mit wissenschaftlicher Nachvollziehbarkeit kontaminierte Gedankengänge. Oder ist die Frage nach dem Sinn des Lebens weniger hysterisch, dumm oder manipulativ? Ist das Leben eine Nichtigkeit wie ein Fischstäbchen?

Man kann die medialen Leistungen des WDR und die von Herrn Yogeshwar natürlich in Abrede stellen, indem man die spirituell gemeinten Fragen und Antworten wie einen wissenschaftlichen Diskurs vorträgt. Und sie dadurch der Lächerlichkeit preisgibt. Aber das wäre ein Mittel Parodie und ist bei einem Guru nicht angemessen. Es geht hier um Volksgesundheit im mentalen Sinne, also letztendlich um die Demokratie, und nicht um die vorgebliche Belastung mit radioaktiven Stoffen. Das damit verbundene Risiko einer intellektuellen Kernschmelze (von Gegnern als "Verblödung" tituliert) muss man eingehen, um die Energie für den Betrieb der Demokratie zu gewinnen.

Anna

20. März 2011, 08:55

Also ehrlich gesagt ist es mir lieber, dass die Fischstäbchen-Frage (einigermaßen) seriös von Ranga Yogeshwar in einem der Hauptsender erörtert wird, als dass die BLÖD sich die Ängste einiger ihrer (wahrscheinlich sind es nämlich so einige von ihnen) Leser zueigen macht und daraus einen Mega-Angst-Hype gegen Japaner fährt. Was dabei rauskommt, kann ich mir jedenfalls BILDlich vorstellen ;)

Ansonsten: ich finde es ok, wenn man eine Anlaufstelle hat. Mir wäre es zwar lieber, dass solche Menschen versuchen, sich vernünftig und möglichst weit umfassend zu informieren (also nicht über die Fischstäbchen bei A***i inne Truhe... sondern darüber, welche weitreichenden Konsequenzen es nicht nur hier hat, wenn weiterhin geglaubt wird, man könne z.B. den Austritt von Radioaktivität damit vergleichen, dass beim Backen ja auch mal Backpulver daneben gehen kann. Was Merkel ja vor ein paar Jahren meinte...)

Aber vielleicht führt das Fischstäbchen ja doch zu mehr Umdenken... Die Hoffnung stirbt zuletzt, oder wie war das noch?

Möwe in Grau

28. März 2011, 23:51

Seriös und so einfach verständlich wie möglich finde ich ebenfalls wichtig. Auch für die Demokratie... weil sich sonst einige abwenden. Natürlich je nach Publikum variiert.

An dem Abend, als das in Japan passierte, hat RTL II übrigens gut geschaltet und gleich seinen geplanten Film aus dem Programm genommen. Darin wäre es nämlich um ein ähnliches Szenario gegangen. Sie haben dann was ganz Harmloses gesendet und in dem durchlaufenden Sprachband auf die aktuellen Ereignisse hingewiesen. Und auf das Mitgefühl mit den Angehörigen glaube ich auch.

Garnjost

30. März 2011, 12:07

http://www.shendo.de

Ranga Yogeshwar kann nichts dafür, dass ihm so lächerliche Fragen gestellt worden sind. Ich halte ihn immer noch für weit seriöser als manche anderen Menschen im TV. Allerdings hilft so eine Sendung nicht wirklich zur Aufklärung.

Mit freundlichen Grüßen,

J. Garnjost

Willi Cohrs

05. April 2011, 19:18

Seit Tagen fließt ungehindert radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer, in Fischen werden erhöhte Cäsiumwerte gemessen, japanische Fischer sorgen sich um ihre Zukunft und die EU beraten über Grenzwerte für Import-Lebensmittel aus Japan...

Nun ist eingetreten, was manche schon vor 3 Wochen ahnten.

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16. März 2011, 19:17

Sushi!

16. März 2011, 22:02

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