Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Das Fernsehblog

Der NDR als Taufkumpan: Und wieder eine Werbearie für AIDA

11. April 2011, 17:29 Uhr

Es sind wieder AIDA-Festwochen im NDR-Fernsehen. 

Die Rostocker Reederei hat am vergangenen Wochenende in Kiel mit dem üblichen Tamtam ein neues Kreuzfahrtschiff taufen lassen, und für den Haus- und Werbesender der Flotte ist das natürlich Pflicht zu flächendeckender Berichterstattung.

Der NDR-Fernseh-Chefredakteur Andreas Cichowicz hatte zwar im vergangenen Jahr gegenüber diesem Blog gesagt: "Wir zeigen nicht jedes neue Schiff". Aber entweder meinte er das nicht so. Oder zu den "besonderen Kriterien", die nach seinen Worten erfüllt sein müssen, damit der NDR berichtet ("wenn es etwa das größte ist, das bisher gebaut wurde, wenn es um eine völlig neue Präsentation geht oder es für ein bestimmtes Klientel gemacht ist") gehört auch der Superlativ, den die neue AIDAsol erfüllt: Sie hat angeblich den größten Wellnessbereich aller Kreuzfahrtschiffe an Bord. Sagt die AIDA. Und der NDR.  

Dass das achte AIDA-Schiff, das im übrigen baugleich mit dem siebten ist, in Kiel getauft wurde, war ganz praktisch für den Vier-Länder-Sender NDR. Das Landesfunkhaus Niedersachsen kann immer schon die Ems-Überführungen der Schiffe von der Meyer-Werft in Papenburg begleiten, die Kollegen aus Mecklenburg-Vorpommern sind schon wegen des Sitzes der Reederei in Rostock zuständig, und die Hamburger NDR-Leute durften im vergangenen Jahr groß über die Taufe der AIDAblu berichten. Das Landesfunkhaus Schleswig-Holstein hatte, so gesehen, deutlichen Nachholbedarf in Sachen öffentlicher AIDA-Begeisterung.

Alle Screenshots: NDR

Entsprechend früh begann es seine Aufholjagd. Schon am 3. April, fast eine Woche vor der Taufe, berichtete das "Schleswig-Holstein Magazin" darüber, dass sich "die nagelneue AIDAsol" bereits mit den ersten Passagieren gefüllt habe, die in Betten schliefen, in denen noch nie zuvor ein Mensch geschlafen habe. 

Am nächsten Tag besuchte das Magazin "Schleswig-Holstein 18:00 Uhr" das Schiff und ließ sich mal ausführlich erklären, wie toll das Ding ist. Die Reporter begleiteten den Club-Direktor bei seiner Arbeit, fragten den Kapitän, ob eigentlich oft Kinder auf die Brücke wollen, und interviewten den Mann, der im bordeigenen Brauhaus Bier herstellen darf. Und der Moderator sagte, nachdem er eine Gesprächspartnerin als "Spa-Supervisor" vorstellte: "Aber gespart wurde auf dem Schiff auch nicht im Wellness-Bereich."

Am Tag der Taufe schaltete das "Schleswig-Holstein Magazin" dann live zu einer Reporterin vor Ort, zeigte Aufnahmen von den Proben und sprach mit Besuchern, die Sätze sagten wie: "Das Wetter ist einmalig. Direkt für die AIDA bestimmt." Eine Frau war eigens 500 Kilometer vom Niederrhein angereist. Die Taufpatin hat sich in Hamburg ein tolles Abendkleid gekauft für den Anlass. Und Stargast Kim Wilde sagt, sie sei noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff mitgefahren, sie habe ein bisschen Angst, aber bei diesem Exemplar hier könne sie glatt in Versuchung kommen, "denn es sieht wunderschön aus".

Am Tag danach informierte das NDR-Mischmagazin "DAS!" dann die überregionale Öffentlichkeit über den Rekord mit dem größten Wellnessbereich. Der Filmbericht begann mit Aufnahmen, wie jemand das Schiff fotografiert, und dem Satz: "So einen properen Täufling fotografiert man doch gern." Im Anschluss schwelgte aber natürlich auch das "Schleswig-Holstein Magazin" noch einmal ausführlich von der Show, die nach Veranstalter- und NDR-Angaben 50.000 Besucher anlockte.  

Chefredakteur Cichowicz hatte vergangenes Jahr noch gesagt, er sei sich des Problems bewusst, dass durch die Berichte, die der Sender mit jedem neuen Schiff vom Stapel lässt, "werbliche Effekte" entstehen können. Er hätte sich aber mit mit den verantwortlichen Kameraleuten und Regisseuren abgesprochen "und festgelegt, wie man Einstellungen so aufnimmt, dass werbliche Effekte möglichst vermieden werden. Seitdem achten wir in dem Bereich, den ich für die Programmdirektion Fernsehen verantworte, darauf besonders." 

Die Tauffeierlichkeiten wurden praktischerweise vom Landesfunkhaus Schleswig-Holstein verantwortet. 

Ob bereits ein NDR-Kamerateam an Bord ist für die obligatorische dreiviertelstündige Werbereportage, ist dem Fernsehblog nicht bekannt.

Veröffentlicht 11. April 2011, 17:29 von Stefan Niggemeier
Kommentare

viewer

11. April 2011, 17:54

Gibt es eigtentlich nicht Landesrundfunkanstalten oder andere Gremien, die ein Auge auf so etwas haben sollten? Sind die informiert und was sagen sie dazu? Die regelmäßige Berichterstattung über die AIDA-Werbung bei den Öffentlich-Rechtlichen ist ja sehr unterhaltsam, aber es ist schon erschreckend, wenn der NDR einfach immer weiter machen kann, ohne dass etwas passiert!

Klaus

11. April 2011, 19:55

http://jeeves.blogger.de

Mal ganz ernsthaft gefragt: Schauen Sie sich all den Quatsch wirklich an? Und machen sich dabei Notizen? Und/oder suchen Sie gezielt in Pressemitteiilungen oder Google, sehen dann in einige der (von Mitarbeitern/Freunden?) mitgeschnittenen Sendungen und stricken dann den Artikel? (der natürlich richtig und notwendig ist. Aber wird er was ändern? Ändern tut sich wohl nur was, wenn sich das Publikum strikt verweigert; deshalb ja wohl der politische Plan der Pflichtabgabe zugunsten dieser Sender).

Jan

12. April 2011, 01:32

Man möchte bisweilen laut WAARRUUUUUUM?! schreien.

Die Antwort ist? Bestechung? Keine besseren Themen? Der Wunsch der Redakteure nach Gute-Laune-Journalismus bei all den Naturkatastrophen und Auto(bahn)unfällen? Ich weiß es nicht.

Benno

12. April 2011, 05:54

http://benno-bom@gmx.de

Same procedure as avery Ship.

Dafür zahl ich gerne!

Laus im Pelz

12. April 2011, 08:17

Wurde das Ding eigentlich als Dauerwerbesendung deklariert?

Jörn

12. April 2011, 09:32

Jo, dass ist nicht nur eine Schweinerei, es nervt auch ganz gewaltig.

Oft genug wird ein ganzes Nachmittagsprogramm nur damit gefüllt, das gezeigt wird, wie sich so eine blöde AIDA durch die aufgestaute Ems quetscht.

- Es ist übrigens nicht nur die AIDA. Gern genommen auch die Ankunft eines Potts der nach britischen Königinnen benannt ist.

Schietegol das die Teile des Öfteren im Jahr in Hamburg vorbeischauen.

- Ach, nicht nur das sie im NDR so etwas übertragen, sie können auch wunderbar die Namen von Sponsoren aufsagen in ihren piefigen Quizzen.

- Seit Christian Wulff mit der Aufkündigung des Staatsvertrages kündigte, weil "wir" Niedersachsen unterrepräsentiert seien, ist der fast der komplette Sender zu dem verkommen, was der Bauer (vermeintlich) möchte: flach.....

- Ausnahmen bestätigen die Regel: Zapp/ Extra 3/ Panorama, die Reporter- Feigenblätter, will ich meinen.

Medea

12. April 2011, 09:33

Die familiäre Pension Schmidt, das Fitness- und Wellnesshotel am Hofgarten, und Ernies Krabbenbude in Ulstersum bieten auch unvergleichlichen Comfort, deutsche Wertarbeit und raffinierte kulinarische Köstlichkeiten. Unsere netten Angestellten sind immer für Sie da und möchten Sie gerne verwöhnen.

Ich verlange, das ich auch darüber von den Öffentlich-Rechtlichen substantiell und umfassend informiert werde! Es ist mir ein Grundbedürfnis. Und ich habe ein Recht darauf!

Auch was bei Medimarkt jetzt neu ist, welche pfiffigen Kosmetik-Produkte Rudni momentan im Angebot hat, und was sich bei Beckermann Reisen so alles tut, sollte doch mal gesendet werden. Bei P&M gibt es jetzt tolle Cordhosen - wo bleibt der Sendewagen? Suer Frühlingsangebote bei Fritz Bahr, Blumenzwiebeln reduziert - das wäre eigentlich ein Fall für eine Live-Reportage! Die Harpa-Bank bietet günstige Zinsen, und nimmt sich immer Zeit für ein umfassendes Beratungsgespräch, und auch darüber könnte man doch mal berichten. Uschis Bräunungsstudio hat derzeit Sonderkonditionen im Angebot. Vom NDR wird das leider "ausgeblendet" - warum? Die neue Pflegeserie von Chantal Larife enthält wertvolle Vitamine und Primelextrakt, da ist es doch nicht zuviel verlangt, dass man das auch mal im Vorabendprogramm sieht.  Meyers Spielbank hat neu eröffnet und bescherte ihren prominenten Gästen einen wundervollen Abend voller Überraschungen. Wer fehlte? Der NDR. Den man auch bei der großen Sonderaktion der Bäckereikette Crossi nicht antraf, als es 3 Croissants zum Preis vom 2 gab. In Wilderstedt-Hinterrück eröffnete eine neue Fantasy-World für die ganze Familie - der NDR verliert keine Silbe darüber. Und dass das creative Startup OneTwoThree seit 2011 Wohnberater aus ganz Norddeutschland vernetzt und im Internet präsentiert, ist dem NDR wohl scheinbar auch "entgangen"!

Liebe Leute, so geht das nicht. Dafür zahl ich doch keine Gebühren. Regionale Premiumunternehmen bieten ihren Kunden außergewöhnliche Leistungen - der NDR schweigt! Aber vielleicht muss man dafür ja auch nur irgendwelche Extra-Gebühren an den NDR zahlen. Damit er über da auch berichtet. Dann sollte er das besser kommunizieren!

N.

12. April 2011, 09:37

Toll! Ich liebe Reportagen über Kreuzfahrtschiffe. Genau wie die Schmucksendungen auf QVC. Dabei kann man herrlich entspannen.

Johannes

12. April 2011, 10:52

Mal ganz davon abgesehen, dass das eine totale Zweckentfremdung eines öffentlich rechtlichen Rundfunkhauses ist, stößt mir eine Sache ganz besonders dabei auf: Hab ich mal was von einem Bildungsauftrag der öffentlich Rechtlichen Sender gehört? Oder war das in einem Paralleluniversum? Was dem Gebührenzahler hier geboten wird ist schlicht unverschämt, da es sich nicht nur hintergründig sondern ganz offensichtlich um Schleichwerbung handelt (Bei sieben Taufen darf das wohl angenommen werden).

Man mag Schiffstaufen oder andere Großereignisse wie die Landung des A380 mögen oder nicht, aber warum berichten darüber vier Landesanstalten, die meines Erachtens wohl weitaus intelligentere Berichterstattungen und Sendungen zeigen könnten.

Aber es ist wie es ist: In Norddeutschland ist wohl einfach zu wenig los...

Jochen Jürgens

12. April 2011, 10:55

Der NDR macht sogar 4 1/2 Stunden Dauerwerbung für die M/S Astor: 6 Folgen lang das tolle Leben an Bord: www.ndr.de/.../epg1157_sid-917982.html

SvenR

12. April 2011, 11:10

»Cui bono?« würde der Lateiner fragen. Ja, wem nutzt es bloß?

Hannes M.

12. April 2011, 11:15

Für mich ist der Bau eines neuen, großen Kreuzfahrtschiffs - und insbesondere die Fertigstellung - in einer heimischen Werft eine durchaus sendenwerte Nachricht.

Wenn für einen hohen dreistelligen Millionenbetrag eine neue Chipfabrik bei Frankfurt gebaut werden würde, würde dies völlig zurecht nicht nur in der lokalen Presse, sondern überregional Beachtung finden und auch mit Hintergrundberichterstattung bedacht werden.

Der NDR bedient auch die immer noch vorhandene norddeutsche Identifikation und Faszination für Maritimes und für die lokale Bevölkerung ist das auch durchaus ein Ereignis. Man kann zwar über Umfang und Stil streiten, aber sorry: ich halte die Kritik für überzogen und den Vorwurf der "Werbung für die Kreuzfahrtindustrie" für völlig daneben.

Jörn

12. April 2011, 11:27

"Seit Christian Wulff mit der Aufkündigung des Staatsvertrages kündigte"

muss natürlich "Seit Christian Wulff mit der Aufkündigung des Staatsvertrages drohte" heißen

Sebastian Winkelmann

12. April 2011, 11:29

http://www.facebook.com/Kreuzfahrtinspektor

Und wann folgt hier die feste Rubrik, der eigene, regelmäßige Überwachungs-Blog zu den "AIDA-Werbearien"?

lupe

12. April 2011, 12:35

http://www.ostsee-zeitung-blog.blogspot.com

@ Hannes M.

"ich halte die Kritik für überzogen und den Vorwurf der "Werbung für die Kreuzfahrtindustrie" für völlig daneben."

Es ist keineswegs so, dass auf die AIDA-Schiffe nur Loblieder gesungen werden. In der sog. Weblounge des Unternehmens, Reiseberichte, finden Sie kritische Wortmeldungen Reisender, die Anknüpfungspunkte für eine journalistische Berichterstattung böten - nur eben nicht in den Medien im Norden. Auch die Ostsee-Zeitung huldigt dem Unternehmen Aida cruises häufig, ausdauernd und ausschließlich mit Schönschriften, die Werbeartikeln sehr nahe kommen. Das hat mit Journalismus nichts zu tun.

sven

12. April 2011, 12:50

Man muss auch mal festhalten, dass die schleswig-holsteine Presse geschlossen über die Taufe berichtete und ein 50.000-Mann-Event auch für eine gewisse Relevanz spricht.

Das mag den meisten hier nicht verständlich sein (mir auch nicht), aber es gibt offenbar eine Faszination für diese Schiffe - und wenn sich jährlich 50.000 Mann treffen, um laute Musik zu hören, gibt es eine noch deutlich höhere Medienaufmerksamkeit, ohne dass sich jemand aufregt, selbst wenn die Berichte jedes Jahr dieselben sind und im Rahmenprogramm immer dieselben Dokus gesendet werden.

Captain Iglo

12. April 2011, 12:55

http://www.iglo.de

Kann ich ganz gut nachvollziehen, dass man darüber berichtet. Persönlich interessiert es mich nicht die Bohne, aber wenn man Nachrichtenkriterien (aus dem Kopf, kein Anspruch auf Vollständigkeit) anlegt, passiert folgendes:

Ist es ein aktuelles Ereignis? - Check.

Ist es ein lokales Ereignis? - Check.

Ist Prominenz involviert? - Na ja. Kim Wilde war da.

Ist es kurios? - Nö.

Ist es eine Human Interest Story? - Nö.

Ist es tragisch, hat Leid und Elend zur Folge? Naja. Die Berichterstattung vielleicht, aber das Ereignis nicht.

Hat es Auswirkungen im Leben der Zuschauer? - Check (Wirtschaftsfaktor für die Region. Angeblich 50.000 Menschen haben zugeschaut)

Um eine Meldung zu sein, bedarf es mindestens zwei der Kriterien zu erfüllen. Das ist wohl grade so gegeben. Bleibt natürlich die Frage in welchem Umfang man darüber berichten muss. Eine Nachrichtenmeldung und zwei, drei Magazinbeiträge sind da IMHO auch nicht übertrieben. Das würde ich als CvD auch einfordern, wenn die Kollegen schon vor Ort sind. Also rein vom journalistischen her kann man dem NDR da keinen Strick draus drehen. Und auch wenn mich ein Beitrag über die AIDA zu Tode langweilt, die Zielgruppe der ÖRs sind immer noch die etwas älteren Damen und Herren, und die schauen auch Musikantenstadl und das versteh ich auch nicht. Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.

Die entscheidende Frage ist, ob es Absprachen zwischen dem NDR und AIDA Cruises gibt. Und wenn ja, dann gibt's da auch Papier auf dem sowas draufsteht.  Also müsste mal ein Investigativreporter tätig werden und das Papier finden. Oder ein NDR-Mitarbeiter schmeisst das Ding freundlicherweise in die dropbox von wikileaks. Und wer meint so ein Papier existiere nicht, weil es zu heikel wäre so etwas schriftlich zu fixieren: ich habe solche Verträge in der Hand gehalten. Und sie auch gelesen. Es gibt sie. Die Buchhaltung schert sich nämlich einen feuchten Kehricht um den Rundfunkstaatsvertrag.

Eine letzt Anmerkung zu AIDA: ich habe die Berichte zwar nicht gesehen, aber was ich hier in diesem Artikel lesen konnte, hat mich überzeugt. Scheiss auf den Wellnessbereich. Die haben eine BRAUEREI an Bord!? Ich habe ein neues zuhause gefunden. Ahoi!

Stefan Niggemeier

12. April 2011, 13:08

@sven: Natürlich darf und soll der NDR darüber berichten. Die Frage ist: In welcher Form und in welchem Umfang? (Und die andere Frage ist: War all das, was Herr Cichowicz uns erzählt hat, gelogen?)

Tim Wählen

12. April 2011, 13:55

http://www.webdesignberatung.com

Die Frage ist nicht, ob diese Berichterstattung eine Berechtigung erhält, beispielsweise durch journalistische Kriterien oder Relevanz, sondern wie diese umgesetzt wird.

Beschönigende, überzogen euphemistische und (nahezu) kritiklose Darstellung eines Schiffes und dessen Taufe lassen den Eindruck von schleichender Werbeabsicht aufkommen. Es wird ja nicht um den maritimen Kulturanspruch oder die 50.000 Leute berichtet, sondern über eine Werft, ihr Produkt und dessen Vermarktung.

Wenn in NRW zigtausende Studenten vor dem Landtag für bessere Bildungschancen demonstrieren, sendet der Lokalsender WDR nicht oder durchweg überkritisch, bei einem solchen Schiff, welches gar noch baugleich mit dem Vorgänger ist, mutet die vermeintliche Berichterstattung wie ein langer Werbeclip an.

RaoulLuebeck

12. April 2011, 14:35

http://www.goodnewstoday.de

Als Lübecker halte ich die Berichterstattung über die Aida-Schiffe für angebracht. Zum einen, weil für einen Sender mit maritimen Umfeld dazugehört un dzum anderen ist das für ein vergleichsweise nachrichtenarmes Bundesland wie SH eine große Sache. Über den geschilderten Umfang kann man sicherlich debattieren und er ist auch für mich zu viel des Guten.

Wolfgang

12. April 2011, 15:18

http://fastvoice.net

@Medea und @Lupe: Der NDR kann eigentlich auch anders, wenn er nur will. Siehe: www.ndr.de/.../kaffee189.html

Warum er bei AIDA nicht will, kann ich nur vermuten.

wrana

12. April 2011, 15:56

was mich an den ndr berichten stört ist daß niemals über die subventionen berichtet wird . wer zahlt das emssperrwerk? wie tot ist die ems jetzt schon? wer zahlt den brücken ab.- und wiederaufbau? u.s.w.

immer nur wie schön- wie toll...

"und festgelegt, wie man Einstellungen so aufnimmt, dass werbliche Effekte möglichst vermieden werden."

ja, wie macht man das denn???????????festgelegt???

Kenny

12. April 2011, 18:49

http://www.wacken.com

@Sven:

Wir sind mitunter über 60.000 Leute und die berichten jedesmal darüber, weil es für so ein Groß-Spektakel untypisch ruhig abläuft (von der Musik mal abgesehen):

Keine Prügeleien oder Schwerverletzte (wie in Roskilde), keine Pöbeleien (wie bei Punks z.Bsp. üblich) etc.

Ich persönlich vermute allerdings, daß die Medienmeute auf genau so etwas wartet:

Wie kann man besser über eine Katastrophe berichten, als wenn man schon vor Ort ist?

Man muß den Medien immer auf die Finger gucken, sich immer aus mehreren "Töpfen" bedienen, sich auch anderswo informieren.

Wie sagte Schröder so schön:

"zum regieren brauch ich nur BILD BamS und Glotze"

Warum sollte der NDR da anders funktionieren als RTL ?

Andreas Cichowicz/Norbert Lorentzen

12. April 2011, 19:32

http://www.ndr.de

"Traumschiffe beflügeln die Phantasie - das gilt auch ein bisschen für Ihren blog-Artikel. Die Zitate, die Sie von mir verwenden, bezogen sich auf die Live-Übertragung einer Schiffstaufe bzw. einer halbstündigen Zusammenfassung. Im Fall der AIDAsol hat es weder eine Live-Sendung noch eine längere Programmstrecke im NDR Fernsehen gegeben. Daran, dass ich besonders darauf achte, dass werbliche Effekte möglichst vermieden werden, hat sich nichts geändert. Ebenso wenig geändert hat sich auch an der Tatsache, dass ich ausschließlich die Sendungen der Zentrale in Hamburg verantworte, die Landesmagazine aber in der Verantwortung der jeweiligen Fernsehchefs in den entsprechenden Landesfunkhäusern stehen. Für das Schleswig-Holstein-Magazin ist dies Norbert Lorentzen in Kiel.

Im Norden erfreuen wir uns an Kreuzfahrtschiffen. Sie sind nicht nur schön anzuschauen, sie sind auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor an der Küste, insbesondere für die Landeshauptstadt Kiel. 300.000 Menschen aus aller Welt kommen auf diese Weise in jedem Jahr nach Schleswig-Holstein. Eine Zahl, die sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt hat. Mit 14 Mio. € profitiert das Land von dieser Entwicklung. Auch das war Gegenstand und Anlass für unsere Regionalberichterstattung. Wenn mehrere zehntausend Besucher zu einer Schiffstaufe kommen, dafür zum Teil lange Anfahrtswege in Kauf nehmen und vollauf begeistert sind, dann können wir ein solches Ereignis nicht schlichtweg ignorieren. Wir haben deshalb über die Taufe der AIDAsol angemessen, professionell und in großer Unabhängigkeit berichtet – und zwar aus der Perspektive der Besucher, nicht aus der des Veranstalters.  

Wie heißt es dazu in einem der Kommentare Ihres Blogs: ‚Also rein vom Journalistischen her kann man dem NDR da keinen Strick draus drehen.‘

Den Vorwurf der Schleichwerbung, wie er im Blog vereinzelt geäußert wird, und andere Unterstellungen weisen wir mit aller Entschiedenheit zurück. Und im Übrigen ist Ihre Behauptung, dass nicht bekannt ist, ob ein NDR Kamerateam für eine Reportage an Bord ist, falsch. Eine solche Sendung ist nicht geplant. Hätten Sie gründlich recherchiert und uns gefragt, wäre es auch Ihnen bekannt gewesen.

Und im Übrigen: Dass auf der faznet-Seite u.a. auch ein Artikel über Traumyachten, tollen Luxus und die Nobiskrug-Werft in Rendsburg (Schleswig-Holstein), die diesen Luxus produziert, zu finden ist, zeigt, dass wir mit unserer Berichterstattung im NDR fernsehen über maritime Themen nicht völlig falsch liegen ...

Andreas Cichowicz, Chefredakteur Fernsehen / Norbert Lorentzen, Fernsehchef Kiel"

Peer Schader

13. April 2011, 09:43

@Andreas Cichowicz: Danke für die Reaktion. Und auch wenn es nicht in Ihren Zuständigkeitsbereich fällt: Mich würde noch sehr interessieren, ob eine Reportage wie die an dieser Stelle bereits ausführlich beschriebene Reportage "Vom Dock auf's Meer", in der nachweislich AIDA-Werbeformulierungen übernommen wurden, für Sie journalistisch ebenfalls in Ordnung ist bzw. ob es eine Abstimmung mit den Landesfunkhäusern über die von Ihnen angestoßenen Regeln gibt. Zumindest würde ich davon ausgehen, dass es einen NDR-Chefredakteur durchaus kümmert, wie sein Sender als Ganzes wahrgenommen wird.

hobbitfreund

13. April 2011, 10:19

Wann ist es zu viel des Guten? Wenn eine Otto- Normalzuschauerin schon das Gefühl hat, an mehreren Kreuzfahrten teilgenommen zu haben, obwohl sie ein Kreuzfahrtschiff in der Realität noch nie von innen oder außen geshen hat (vom Fernsehen mal abgesehen)!

Und als ich dachte, ja,so eine Kreuzfahrt, die wär toll, da musste ich feststellen, dass die ganz schön teuer ist. Vorschlag: Alle Gebührenzahler, die jetzt eine Kreuzfahrt bei AIDA cruises buchen, brauchen ein Jahr keine Rundfunkgebühren zahlen. Ich schließe mich nämlich der Meinung an, dass es nicht viel mit Journalismus zu tun hat, wenn man in diversen Reportagen Werbeformulierungen des Anbieters übernimmt und völlig unkritisch berichtet. Aber für die Kritik gits beim NDR ja gottseidank extra 3.

Philipp Kuhn

13. April 2011, 11:16

http://www.zeitvergolder.de

Wie so oft: Nicht schwarz, nicht weiß, irgendwas dazwischen. Die erfreulichen Zahlen, die Herr Cichowicz nennt (mehr Urlauber in Schleswig-Holsteinn, volle Rundgänge auf der Meyer-Werft...) sollten keinen Einfluss auf die Frage haben, ob der NDR über eine Schiffstaufe berichten soll. Denn er soll nicht Motor des (Kreuzfahrt)-Tourismus in Norddeutschland sein. Allein das Interesse des Zuschauers sollte für die Wahl von solch "bunten" Themen ausschlaggebend sein. Wenn zigtausend Leute sich auf den Weg machen, um einer Schiffstaufe beizuwohnen und das als "Großevent" in Schleswig-Holstein bezeichnet werden kann, dann besteht eine Verpflichtung des NDR, darüber in einer gewissen Ausführlichkeit zu berichten. Wie lange und wie oft der Kussmund oder der Schriftzug oder die Chefstewardess im Bild ist, ist da für mich vollkommen unerheblich. Es weiss doch eh jeder, um welche Reederei es geht.  Es ist wenig hilfreich, den NDR stets und ständig zu kritisieren, weil er es als öffentlich-rechtlicher Sender wagt, über ein Thema zu berichten, mit dem Geld verdient wird. Denn fast alle Themen von öffentlichem Interesse sind in irgendeiner Weise mit wirtschaftlichen Gesichtspunkten verbunden: Wo gibt´s das beste Eis? Wer zeigt die Ausstellung von Weltruhm in Hamburg? Seit wann lebt dieser südafrikanische Autor hier? Bücher schreiben, Eis herstellen, Bilder zeigen, ... Kreuzfahrten veranstalten. Es geht nun einmal oft (auch) ums Geld verdienen. Diesem Dogma, dem sich der NDR teilweise selbst unterwirft, ist wenig hilfreich und sollte von offensichtlicher Schleichwerbung unterschieden werden (z.B. von Gottschalks Gummibärchen). Aber darf nicht mehr über Fussball berichtet werden, weil auch Vereine mittlerweile wirtschaftende Unternehmen sind, die Geld - viel Geld - verdienen? Wenn man diese Konsequenz durchdenkt, würde die Antwort nur "ja" heißen können. Übrig bliebe dann für den NDR nicht viel mehr als: Schaut, liebe Zuschauer, es ist wieder Frühling in Norddeutschland. Reicht das?

Zahnwart

13. April 2011, 15:37

http://bandschublade.wordpress.com

Moment mal, Herr Kuhn: "Wo gibt's das beste Eis? Wer zeigt die Ausstellung von Weltruhm in Hamburg? Seit wann lebt dieser südafrikanische Autor hier?", das ist eine Reihe, die in sich stimmig wirkt, genauer betrachtet aber nicht funktioniert. Wo es das beste Eis gibt, ist eine Geschmacksfrage, bei der es natürlich auch um Marktfragen geht, und die entsprechend skeptisch betrachtet werden muss (allerdings bezweifle ich, dass die Eisdiele um die Ecke die Preise fürs Product Placement im NDR, ach was, selbst im Altonaer Wochenblatt zu zahlen bereit wäre). Genauso beim südafrikanischen Autor, hinter dem in der Regel ein Verlag steht, der privatwirtschaftlich organsisiert sein dürfte. Anders sieht es mit dem Thema "Wer zeigt die Ausstellung von Weltruhm in Hamburg?" aus. Das wird nämlich eine Institution der öffentlichen Hand sein, die gar keinen Gewinn machen darf und so auch gar nicht in Konkurrenz zu anderen Institutionen stehen dürfte. Indem Sie hier eine Gleichwertigkeit zu irgendwelchen Schiffstaufen internationaler Touristikkonzerne suggerieren, handeln Sie unverantwortlich.

Werwilldasdennwissen

25. Oktober 2011, 15:41

Einem schleswig-holsteinischen Filmemacher wurde jegliche weitere Zusammenarbeit mit dem NDR von Herrn Lorentzen aufgekündigt, weil er in einer Premiere des Films "Schnee von gestern" während einer Live-Reportage die DVD des Films ins Bild gehalten hatte.

Wenn einer also nicht gerade mit seinem Schiff vorbeikommt, wird das Thema vom NDR sehr ernst genommen.

Ihr Kommentar

 
Hinzufügen
Blogsuche
in
Blog abonnieren
per Email an folgende Adresse
Themenfinder
A B C D E F G H I J K L M
N O P Q R S T U V W X Y Z