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Das Fernsehblog

Elmar Theveßen und der "saubere Journalismus" der Terrorismusexperten

25. Juli 2011, 15:32 Uhr

Elmar Theveßen, der vom ZDF ernannte "Terrorismusexperte", hat sich in einem ZDF-Blog über "selbsternannte Fernsehkritiker" beschwert, die von seinen Auftritten am Freitag nach den Anschlägen in Norwegen nicht beeindruckt waren. Sie würden sich "Gesagtes für einen flockigen Artikel gern ein wenig zurechtbiegen", meint Theveßen. Da ich in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" einen Artikel geschrieben habe, in dem Theveßen eine prominente negative Rolle einnimmt, fühle ich mich einfach mal angesprochen.

Theveßen widerspricht der Kritik, sich vorschnell auf einen islamistischen Hintergrund festgelegt zu haben. Er schreibt:

Tatsächlich waren die norwegischen Sicherheitsbehörden am Freitag ziemlich überzeugt, dass Islamisten hinter den Anschlägen steckten (...).

Deshalb war die Arbeitshypothese der Behörden in Norwegen - Islamismus - eindeutig, ohne andere Möglichkeiten auszuschließen: Organisiertes Verbrechen, Rechtsxtremismus, Amokläufer. Genauso haben wir am Freitag berichtet und dabei Quellen genannt, Fakten von Vermutungen getrennt und auch die anderen möglichen Tätergruppen besprochen.

Schön wär's gewesen. Im Gespräch mit Theveßen in der "heute"-Sendung um 19 Uhr kam die Möglichkeit, dass es sich nicht um Islamisten handelt, mit keinem Wort vor:

Petra Gerster: Bei mir im Studio ist jetzt Elmar Theveßen, unser Terrorismus-Experte. Elmar, wer könnte denn überhaupt als Urheber für diese Tat in Frage kommen?

Theveßen: Wir hatten heute am Nachmittag Kontakt mit norwegischen Sicherheitsbehörden. Und diese Behörden gehen davon aus, dass Al-Qaida oder islamistische Terroristen hinter diesen Anschlägen stecken. (...) Das sieht auch nach Sicht der Behörden nach einer organisierten Terrorwelle in Norwegen aus. (...) Wir wissen, dass ein führender Hassprediger in Norwegen seit vielen Jahren residiert. Und wir wissen auch, dass in der islamistischen Szene in Norwegen die Beteiligung an den Angriffen in Libyen in den vergangenen Monaten sehr viel Hass und Ärger und Wut verursacht haben.

Auch das "heute journal", das um 22 Uhr begann, ging von einem islamistischen Hintergrund aus. Daran ließen schon die einleitenden Worte von Moderatorin Maybrit Illner keinen Zweifel:

Illner: Das ist ein bitterer Tag für Norwegen, und ein bitterer Tag für Europa. Der Terror ist zurück.

Das Gespräch mit Theveßen verlief dann so:

Illner: Und bei uns im Studio ist jetzt Elmar Theveßen, der ZDF-Terrorismusexperte. Elmar, die Polizei hat gerade bestätigt, dass diese beiden Taten in einem Zusammenhang stehen. Macht das die Suche nach dem Täter oder den Tätern leichter?

Theveßen: (...) Insofern [ist es] völlig möglich, dass ein einzelner Täter beide Taten verübt hat. Das heißt noch nicht, dass er nicht Helfer und Unterstützer hatte. Die Polizei sagte auch, dass man davon ausgeht, dass es sich bei diesem Mann um einen Norweger handelt, einen Mann nordischen Aussehens auch, und das nährt natürlich den Verdacht, dass es sich um eine lokale, örtliche Gruppe handeln könnte. Das hat auch die Polizei gesagt, ohne aber detailliert dann zu sagen, ob es auch islamistische Kreise innerhalb des Landes sein können oder politisch orientierte Gruppierungen - international organisierter Terrorismus scheint zunehmend unwahrscheinlich.

Illner: Und dennoch gibt es ja ein Bekennerschreiben.

Theveßen: Ja. Es gibt ein Bekennerschreiben. Das ist eine Gruppe, die sich auf den einschlägigen Foren im Internet zu Wort gemeldet hat, eine islamistische Gruppe, deren Namen man bisher nicht kannte. Und die bekennt sich zu diesen Anschlägen. Sie behauptet, dass sie zu tun hätten mit den norwegischen Soldaten, die in Afghanistan Dienst leisten, und auch mit Beleidigungen gegen den Propheten. Das heißt, es wurde zumindest der Eindruck erweckt, dass ein islamistischer Hintergrund da ist. Das ist auch nach wie vor nicht ausgeschlossen. Die Polizei gibt keine weiteren Details zum Täter derzeit bekannt, und insofern muss man die Ermittlungen abwarten.

Illner: In beiden Fällen erscheint es ein gezielter Angriff auf die norwegische Regierung zu sein, also muss man politische Gründe vermuten?

Theveßen: Davon geht die Polizei auch nach jetzigem Stand aus, dass es eher politische Gründe hat. Das könnte einerseits natürlich Islamismus sein, der Einsatz in Afghanistan beispielsweise, die massive Beteiligung Norwegens an den Luftangriffen in Libyen beispielsweise, im Rahmen der Nato-Einsätze, das alles hat in Islamisten-Kreisen für jede Menge Hass und Ärger gesorgt. Einer der führenden Hassprediger der Islamisten in Norwegen selber ist vor zwei Wochen angeklagt worden, hat wüste Drohungen gegen die Regierung ausgestoßen. Aber es gibt offenbar auch andere Bereiche in der Gesellschaft, die wegen einer Politik in der Welt auch massiv Wut und Ärger empfindet über die Politik dieser Regierung, auch da aus diesem Umfeld. Man will es nicht genauer qualifizieren, Rechtsextremismus möglicherweise, da ist die Polizei sehr vorsichtig, aber auch aus diesem Umfeld wären solche Angriffe vorstellbar.

Illner: Die letzte große Terrorwelle hat es in Schweden im letzten Jahr gegeben. Nun Norwegen. Warum konzentriert sich das auf Skandinavien, wenigstens möchte man den Eindruck haben?

Theveßen: Naja, momentan sagt die europäische Polizeibehörde, konzentriert es sich in der Tat auf Skandinavien. Wir hatten einen Anschlagsversuch in Stockholm, wir hatten Festnahmen in Norwegen. Wir hatten eine Festnahme auch in Kopenhagen. Islamisten gerade in diesen Ländern sind sehr stark, finden fruchtbaren Boden, um junge Leute zu rekrutieren. Aber, und hier liegt das große Fragezeichen, es ist eben nicht klar, ob es Islamistenkreise waren, die hinter diesen schrecklichen Attacken heute stecken.

Theveßens Thema an diesem Tag ist: Islamismus. Jedesmal, wenn das Gespräch für einen Moment auf eine der anderen Möglichkeiten schwenkt, bringt er es zum Islamismus zurück. Wenn die Polizei sagt, die Taten hätten wohl einen norwegischen Hintergrund, sagt Theveßen, das könnten ja auch islamistische Norweger sein. Wenn die Polizei sagt, man müsse die Ermittlungen abwarten, deutet Theveßen das als Aufforderung, solange weiter über einen islamistischen Hintergrund zu spekulieren. Nach der winzigen Andeutung, es könnten auch rechtsradikale Motive hinter den Anschlägen stecken, folgt erneut ein Ausflug in Häufung islamistischer Aktivitäten in Skandinavien. Das "große Fragezeichen", das Theveßen ausmacht, ist bei ihm ein winziger Satzzeichenkrümel. 

Das setzt sich auch am Ende der Sendung fort, als eigentlich Zeit genug vergangen wäre, um sich als Terrorismusexperte zu fragen, wie plausibel es ist, dass Islamisten ausgerechnet ein Massaker unter sozialdemokratischen Jugendlichen anrichten sollten.

Illner: Elmar, nochmal die Frage, wenn es sich dann eher um regionale oder gegebenenfalls eben nationale Täter handelt, ist damit die Spekulation um einen islamistischen Hintergrund perdü? Eher nein.

Theveßen: Die Polizei ist da sehr vorsichtig. Man muss noch den Hintergrund dieses Mannes erkunden, es gibt tatsächlich Hinweise darauf, dass derselbe Mann, der auf der Insel so viele Jugendliche getötet hat, auch derjenige ist, der in Oslo selber für das Bombenattentat heute verantwortlich ist. (...) Also, ganz ausgeschlossen ist nicht, dass er in Netzwerke eingeschlossen ist. Welcher Art diese Netzwerke sind, Islamisten oder nicht, das können nur die Ermittlungen der nächsten Tage zeigen.

Illner: Und insofern kann dieses Bekennerschreiben auch schlicht ein Fake gewesen sein?

Theveßen: Absolut möglich, dass es Trittbrettfahrer waren. Schon einmal haben wir ja eben gesagt, dass diese Gruppe bisher unbekannt war. Man weiß, dass Islamisten Skandinavien im Visier haben, insofern passt das alles zusammen. Auch die Sicherheitsbehörden, mit denen wir heute am Tag geredet haben, gingen erstmal deutlich von einem Al-Qaida-Hintergrund aus, weil alles zusammenpasste. Aber wir merken, dass jetzt im Internet beispielsweise in den Chat-Rooms, gerade Islamisten sich sehr freuen über diese schreckliche Tat, sie nutzen das für ihre eigene Propaganda und spornen momentan im Internet ihre Mitglieder an, selber auch aktiv zu werden. Wenn es denn am Ende sich herausstellt, dass dieses dann doch ein Islamist wäre, dann würde das umso mehr obendrein auch noch ein Propaganda-Erfolg für die Islamisten sein.

Illner: Wie groß ist, alles in allem, die Gefahr, dass Teile dieser Bewegung, Teile dieser Anschlagsserie auch Deutschland erreichen in irgendeiner Form?

Theveßen: Es hängt wirklich von diesem Hintergrund ab. Ist es ein Einzeltäter, der in der Lage war, all das vorzubereiten und durchzuführen, dann ist die Bedrohung für Deutschland natürlich gering. (...) Aber das Szenario, was wir heute gesehen haben, eine Bombenattacke mit einer Autobombe und dann einer Schießerei, das entspricht den Szenarien, die in den vergangenen Monaten Gegenstand von Terrorwarnungen in Europa, auch in Deutschland, gewesen sind, und die Sicherheitsbehörden sind überzeugt, dass ähnliche Planungen auch in Deutschland in Gange sind, aber ganz offenbar bisher nicht ausgeführt werden konnten. Also erhöhte Wachsamkeit, aber nicht notwendigerweise aus dem, was heute in Norwegen passiert ist, rückfolgern, dass auch in Deutschland Anschläge geschehen.

Illner: (...) Glauben Sie, dass das jetzt auch [in Skandinavien] zu einer zusätzlichen Alarmsituation führen wird?

Theveßen: Also, wir wissen, das die skandinavischen Behörden gerade im vergangenen Jahr sehr wachsam geworden sind. Weil sie gemerkt haben, Skandinavien steht im Visier islamischer Terroristen. Es gab mehrere Anschlagsversuche, nicht erfolgreich, Gott sei dank. Es gab eine Menge von Festnahmen. Aber man hat vielleicht auch zu sehr in diese Richtung geguckt - genau so wie man heute Nachmittag vermutete, aha, islamistischer Hintergrund. Und deswegen werden die Sicherheitsbehören in Skandinavien jetzt sehr genau hingucken, wer vielleicht noch in einer solchen Gesellschaft in Frage kommt, solche schrecklichen Angriffe durchzuführen.

Man hört es im Nachhinein förmlich Knirschen im Gebälk der Islamistenthese, die sich Theveßen zusammengezimmert hat. Sicher, sagt er, das Bekennerschreiben könnte falsch sein, aber es würde schon alles gut zusammen passen. Und ob es sich nun bei diesen Anschlägen um islamistischen Terror handelt oder nicht, ist fast egal, denn der islamistische Terror plant genau solche Anschläge wie diese.

Ganz am Schluss, im Zusammenhang mit der Tatsache, dass Skandinavien besonders im Visier von Islamisten stehe, kriegt Theveßen die Kurve und deutet an, was im Kontext seiner völligen Fixierung auf Islamismus paradox wirken muss: Dass "man vielleicht auch zu sehr in diese Richtung geguckt" habe. In seinem Blogeintrag erklärt er, wie er diesen winzigen Schlenker verstanden wissen will:

Schon im heute journal redeten wir über die Möglichkeit, dass die Sicherheitsbehörden und wir alle - nicht nur an diesem Tag, sondern auch längst vorher - zu sehr in nur eine Richtung geschaut hätten.

Und hier, als Vergleich zu dem oben dokumentierten Ablauf der Gespräche in "heute" und "heute journal" noch einmal, wie der Terrorismusexperte den Abend und seine Auftritte im ZDF-Blog erinnert:

Deshalb war die Arbeitshypothese der Behörden in Norwegen - Islamismus - eindeutig, ohne andere Möglichkeiten auszuschließen: Organisiertes Verbrechen, Rechtsxtremismus, Amokläufer. Genauso haben wir am Freitag berichtet und dabei Quellen genannt, Fakten von Vermutungen getrennt und auch die anderen möglichen Tätergruppen besprochen. Thema war auch das faktisch vorliegende Bekennerschreiben einer "unbekannten" Gruppierung, die wir im ZDF aber als "mögliche Trittbrettfahrer" qualifiziert haben. Dass wir dennoch am Ende nicht richtig lagen, ist ärgerlich - zumal auch bei früheren Anschlägen manchmal schnell falsche Annahmen die Runde machten: Nach den Anschlägen von Oklahoma City in Richtung Islamismus und nach denen von Madrid in Richtung ETA. In beiden Fällen aber geschah dies auf Basis der Informationen von Regierungs- und Sicherheitsbehörden. Solange diese Quellen genannt werden - wie bei uns geschehen - und auch ansonsten vorsichtig formuliert wird, war die journalistische Arbeit sauber.

Theveßen hat hier offenbar seinen Terrorismusexperten-Hut gegen seinen Stellvertretender-Chefredakteur-Hut ausgetauscht und bescheinigt sich selbst, "journalistisch sauber" gearbeitet zu haben. Das heißt wohl soviel wie: Wir haben uns zwar komplett verfahren, aber immer die Geschwindigkeitsbegrenzung eingehalten. 

Außerdem, fügt er hinzu, habe das ZDF schon 2007 über die Gefahr der Islamhasser-Szene berichtet; zumindest bei Theveßen scheint das aber ja keinen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. 

Theveßens Blogeintrag ist ein pampiges "Wohl!" oder "Selber!" ohne eine Spur von Selbstkritik. Und vielleicht der beunruhigendste Gedanke ist der, den er gleich am Anfang formuliert:

Kreuzzügler oder Islamisten - wenn wir am Freitagnachmittag und -abend diese beiden Möglichkeiten als Hintergrund der brutalen Anschläge in Norwegen diskutiert hätten, dann hätten viele gesagt: "Die sind ja verrückt".

Ich glaube nicht, dass Theveßen am Freitag überhaupt auf die Idee gekommen wäre, diese beiden Möglichkeiten zu diskutieren, dazu war er viel zu fixiert auf eine von beiden. Aber mit seiner Sorge, dann für verrückt gehalten worden zu sein, trifft er einen Kern des Problems: Die Medien sind viel zu sehr darauf bedacht, die (vermeintlichen) Erwartungen des Publikums zu erfüllen, und sie nicht mit Dingen zu konfrontieren, die sie nicht hören wollen. Das Publikum erwartet, dass die Medien (und zumal ihre "Terrorexperten" mit Zugang zu privilegierten Informationen) ihnen unmittelbar nach einem solchen Anschlag sagen, wer dahintersteckt. Und natürlich haben viele Medien-Rezipienten denselben Reflex wie die Medien-Produzenten: Großer Bombenanschlag? Al-Qaida!

Es wäre eine erste gute Konsequenz aus dem kollektiven Medienversagen am Freitag, wenn der Gedanke Raum fände, dass eine wichtige Aufgabe von Journalismus in solchen Situationen wäre, den Wunsch des Publikums nach schnellen und einfachen Antworten zu enttäuschen. Nicht Wissen und Expertentum zu simulieren und nicht unmittelbar mit der Thesenproduktion zu beginnen. Und in Sätzen wie "Die Ermittlungen müssen abgewartet werden" nicht Floskeln, sondern Handlungsaufforderungen zu sehen. Das wäre eine tolle Aufgabe für echte Terrorismusexperten in den Medien: Mit großer Beharrlichkeit dem Drängen der Moderatoren, sofort Antworten und Erklärungen parat zu haben, zu widerstehen, und als retadierendes Moment im Breaking-News-Hysterie zu funktionieren: "Nein, Frau Illner, man kann das wirklich noch nicht sagen / Es ist zu früh dafür / Wir wissen es noch nicht / Seriös lässt sich das nicht beantworten / Lassen Sie uns da nicht spekulieren." 

Ich bin kein Terrorismusexperte. Ich weiß nicht, was die norwegischen Sicherheitsbehörden, die am Freitagnachmittag Zeit fanden, mit der Terrorismusexpertenredaktion des ZDF zu sprechen, zu diesem Zeitpunkt wirklich annahmen. Offiziell haben sie sich nicht geäußert. Es liegt in der Natur des Journalismus, gerade auch Dinge herausfinden zu wollen, die (noch) nicht öffentlich und offiziell gemacht wurden. Aber Theveßen scheint auch im Nachhinein nicht auf die Idee zu kommen, dass es Situationen gibt, in denen es gute Gründe für Behörden gibt, unbestätigte Annahmen noch nicht öffentlich zu machen, und es dann auch gute Gründe für Journalisten geben könnte, solche Spekulationen zumindest nicht zur Grundlage für ihre Berichterstattung zu machen.

Es muss eine schmerzhafte Erkenntnis für die Theveßens der Welt sein, dass die Menschen am Freitag besser informiert gewesen wären, wenn es sie nicht gegeben hätte. "Expertise oder Spekulation?" hat Theveßen seinen Blogeintrag überschrieben. Ich fürchte, er hält das für eine rhetorische Frage.

In der ZDF-Mediathek: "heute" vom 22. Juli, "heute journal" vom 22. Juli.

Veröffentlicht 25. Juli 2011, 15:32 von Stefan Niggemeier
Kommentare

ThorHa

25. Juli 2011, 14:49

Kreml-Astrologen, Terorismus-Experten - immer sind es Aussenstehende, die aus den wenigen bekannten und gesicherten Informationen Rückschlüsse auf abgeschottete Systeme versuchen. Und dabei auch nicht besser sind, als ich im Kaffeesatzlesen. Das eigentliche Geheimnis von Medien hat noch kein Experte aufgedeckt - warum werden "Experten" zu einem Zeitpunkt befragt, an dem jeder normale Mensch weiss, dass er nichts weiss? Ich übergebe an die Moderatorin eines Nachrichten (!) Magazins. Frau Illner, übernehmen Sie ...

Mythmaker

25. Juli 2011, 16:16

Ist doch alles nichts Neues mehr - leider. In Presse, Funk und Fernsehen wird ständig "rumvermutet", ideologisch verzerrt und bessergewusst. Kenntnisse der Materie oder eine echte, von Meinungen möglichst ungefärbte Berichterstattung sind doch nur Wunschdenken. Die Hysterie muss möglichst schnell hochgezogen werden, damit das Publikum nicht zur nächsten Reality-Show zappt. Die ganzen Experten, die trotz mangelnder Fachstudien alles wissen, kann man zudem sowieso nicht mehr ernstnehmen. Das kann man schon an simplen Presseerklärunge sehen, die man mal rausgibt. In den späteren Artikeln wird dann oft sogar offen wahrheitsungemäß eine Meinung des Journalisten verbreitet - nur damit es zu seiner "Spur" passt, der er nachgegangen ist.

Im Fall Norwegen ist doch auch schon klar wie es weitergeht. Nachdem der Täter ja wohl kein Islamist ist, war er jetzt eben Rechtsextrem, Templerritter und hat WOW gespielt. Ach ja - Kafka und Biobauernhöfe sollte man ab jetzt auch verbieten. In drei Wochen, nachdem jeder Depp gefragt wurde, der auch nichts weiß, ist das Thema durch und wir unterhalten uns wieder über die PKW-Maut...

Lupus

25. Juli 2011, 16:30

alles d'accord.....aber die Stelle

"...um sich als Terrorismusexperte zu fragen, wie plausibel es ist, dass Islamisten ausgerechnet ein Massaker unter sozialdemokratischen Jugendlichen anrichten sollten" wird auch nach 3maligem Lesen immer ärgerlicher. Warum denn nicht? Warum ist es plausibler Pendlerzüge in Madrid anzugreifen oder Busse im (multikulturellen)London. Hinter diesem Satz steckt doch irgendwie der Gedanke das man als verständnisvoller, weltoffener, linksstehender Mensch nicht zum Ziel islamischer Terroristen werden kann. Soviel Differnenzierung beim Bombenlegen sollte man aber nicht ewarten.

Winfried Hühn

25. Juli 2011, 17:03

großartig. Und danke, dass wir das im Internet (noch) kostenfrei mitverfolgen können. Wie gerne würde ich meine GEZ-Gebühren kündigen und dafür die FAZ abonnieren!!!

jeeves

25. Juli 2011, 17:11

http://jeeves.blogger.de

Nun, der Elmar macht's wie die Politiker, er sagt einfach die Unwahrheit. Immer wieder. Bis die Wahrheit aufgibt und/oder bis es neue "Aufreger" gibt; hinterher heißt es dann: eben zwei verschiedene Meinungen.  Wieviele lesen schon hier oben den Text? Wieviele sehen ihn im TV?

jungmatthias

25. Juli 2011, 17:15

Grandiose "Experten" führen uns für viel Geld oft in die Irre. Aber vielleicht wollen wir das auch so?

Philipp

25. Juli 2011, 17:26

Kompliment Herr Niggemeyer, auch wir saßen vor dem Bildschirm und waren sehr erstaunt über die voreiligen Erklärungen Herrn Theveßens.

Fix & Foxi

25. Juli 2011, 17:33

Was für ein selbstgefälliges, rechthaberisches, nicht enden wollendes Geseire über irgendeine Fehleinschätzung eines so genannten ZDF-"Experten". All das hätte man auch in 30 Zeilen sagen können.

nona

25. Juli 2011, 17:41

"Terrorismus-Wünschelrutengänger" würden sie in die Bauchbinde ja leider nicht reinschreiben...

ekpah

25. Juli 2011, 18:11

Was will Herr Niggemeier? Berichterstattung, wenn alles feststeht? Am Freitagabend schon zu erfahren, dass Norwegen Zielland für Islamisten war, ist ja für sich genommen nicht uninteressant - wenn deutlich gemacht wird, dass für den konkreten Fall noch viel zu wenig bekannt ist - aber das hat Thevessen nach meiner Ansicht mindestens im Heute-Journal, das ich gesehen haben, getan. Und er hat deutlich gemacht, dass für die Ermittler dies ein Ermittlungsansatz ist, dass es für diese These Indizien gibt, dass es aber auch andere denkbare Szenarien gibt. Anders kann zu diesem Zeitpunkt die Zuschauerfrage "Warum?" nicht beantwortet werden. Gar nicht den Versuch zu unternehmen, erste Anhaltspunkte zur Beantwortung dieser Frage zu liefern, wäre journalistisch falsch. Die Formulierung Thevessens in der Heute-Sendung ist allerdings falsch, das muss er einsehen. Aber die Niggemann-Forderung, das einordnende Gespräch zu denkbaren Täter-Motivationen einfach zu streichen, ist unjournalistisch.

Gerhard Holst

25. Juli 2011, 18:36

Ich hab mich am Freitagabend schon sehr gewundert über die heute-Sendung. Aber bluffen, Kompetenz vortäuschen, irgendwas raushauen, Hauptsache raushauen - das ist doch die Medienwelt von heute. Auch im ARDZDF-System ist das immer häufiger zu beobachten. Lieber mal die Schnauze halten, bis man was weiß und was zu sagen hat -  diese Zeiten eines HaJo Friedrichs sind im ZDF schon lange vorbei!

Wie wird man eigentlich Terrorismus-Experte und wer macht einen dazu? Und gibt es da auch noch richtige Recherche-Experten?

colorcraze

25. Juli 2011, 18:58

"warum werden "Experten" zu einem Zeitpunkt befragt, an dem jeder normale Mensch weiss, dass er nichts weiss?" Genau!! Meine Güte, er hat sich 3 Stunden zu sehr auf die eine Spekulationsrichtung eingeschossen. Und da man praktisch noch nichts wußte, konnte auch nur spekuliert werden. Wenig später kamen relevantere Meldungen, und das Bild sah komplett anders aus. Ich finde diesen "heilige Glaskugel gib sofort Antwort"-Anspruch, es solle bei so einem Vorfall von jetzt auf gleich schon Klarheit herrschen, reichlich verzogen.

Peter Müller

25. Juli 2011, 21:10

@fix & foxi: für texte in 30 zeichen länge empfehle ich ihnen www.bild.de . da gibt es meines wissens auch kommentarmöglichkeiten.

niels

25. Juli 2011, 22:34

http://www.zeineku.de

Manchen Terrorismus-Experten scheint übrigens ihre eigene Obsession nicht gut zu bekommen. Kann mich noch erinnern, wie Udo Ulfkotte in den 1990iger Jahren als FAZ-Journalist ernstgenommen wurde.

Inzwischen ist er ja weit ins neocon- bis rechtspopulistische Spektrum abgedriftet.

High noon(nun)

26. Juli 2011, 07:41

http://rniepalla@aol.com

Ob Elmar Thevessen zusammen mit den Kollegn von Aktenzeichen XY-ungelöst ein Studio oder eine Redaktion bildet. Sportexperte kann man sein, wenn man diesen selbst ausgeübt oder Sport studiert, wie auch lange Zeit begleitet und beobachtet hat. Wie wird man denn weltweiter Terrorismusexperte? Entweder durch eine ständiges aktualisieren mit einer eigenen Redaktion, weil  ja ständig irgendwo was passieren könnte. Aber Elmar Thevessen hat auch immer wieder schnell Kontakt zu den lokalen Sicherheitsorganisationen, die leider nicht benannt oder zitiert auch eine lokale Securityfirma sein kann, für Gebäudeabsicherung, Festivitäten etc. . So wie der Terrorismus selbst im anonymen arbeitet und hinter verborgenen Türen agiert, so gibt sich auch der Terrorismusexperte geheimnisumwittert, sich "schlagartig" in Szene setzend, quasi aus der Tiefe des Raumes kommend und allwissend warnend und in guter Absicht die Welt warnend oder auch noch vor dem Bösen schützen wollend.

Oliver Göbel

26. Juli 2011, 09:06

Ich weiss nicht ob es jemand gesehen hat, zumindest ist es hier noch nicht erwähnt worden...aber ich meine auf n-tv war im Laufe des frühen Abends Georg Uecker als "Experte" zu hören und zwar...man glaubt es kaum...weil er Halb-Norweger ist...ist er dann nicht nur "Halb-Experte"? Und auch dieser Beitrag voll von hypothetischem Geschwätz.

Carott

26. Juli 2011, 09:08

mediensalat.info/wordpress

Gibt auch andere Schlüsse aus dem Interview .. und ehrlich gesagt finde ich das er sich noch zurückhält, im Gegensatz zu Frau Illner, die das Thema immer wieder auf islamistischen Hintergrund bringen will.

Jürgen

26. Juli 2011, 09:16

http://www.digilotta.de

Da ich am Freitag heute und Theveßens Beitrag gesehen habe, kann ich bestätigen was hier Stefan Niggemeier schreibt. Kein Wort davon, dass es Islamistenhasser. Was Theveßen in seinem Blog schreibt entspricht nicht den Tatsachen, die am Freitag zu sehen waren.

Hegewisch

26. Juli 2011, 09:27

http://bergmannstrasse.wordpress.com

Schlimm finde ich, dass der so genannte ZDF-Terrorexperte [wann kam das eigentlich auf?] immer wieder das Wort 'natürlich' [Beispiel siehe hier bzw. oben: Das könnte einerseits natürlich Islamismus sein [...]. Ich bin Historiker und auf exkate Quellen geeicht - das Wort natürlich taucht in keinem quellenkritischen Zusammenhang auf, der Terrorexperte sollte wissen, dass es eine Natürlichkeit von Urhebern des Terrorismus schlicht nicht gibt, alles, aber auch wirklich alles andere ist was es ist: sensationsmachende Spekulation. Unseriös & peinlich für das ZDF.

GEZ-Zahler

26. Juli 2011, 09:32

Erinnert an die diversen (wohl meist spontan ernannten) Atomexperten, die nach dem Unglück in Japan auftraten. Sobald jemand sich erdreistete ehrlich zu sagen, dass es viel zu früh sei um aus der Entfernung irgendwelche Diagnosen über den Reaktorzustand zu treffen, war in der nächsten Sendung ein neuer Atomexperte gefunden, der fleissig spekulierte. Drama verkauft sich halt besser als Realismus.

Blixten

26. Juli 2011, 09:51

Kann es sein, dass Herr Theveßen einfach die Spekulationen von skandinavischen "(T)errorexperten" für interne Informationen aus Sicherheitskreisen gehalten hat?

Nach dem Bombenanschlag in Oslo ging auch in Norwegen das Spekulieren Richtung islamistischer Hintergrund los (siehe z.B.: translate.google.com/translate (Google translate, aber man kann den Inhalt noch halbwegs erahnen)).

So weit ich das mitbekommen habe, hat sich von den örtlichen Spekulanten aber niemand auf interne Kreise berufen und es wäre doch sehr erstaunlich, wenn gerade das ZDF da einen Zugang hat, den heimische Medien nicht haben.

David

26. Juli 2011, 10:08

Es gab kein kollektives Medienversagen wie Niggemeier hier behauptet. Es gab hier und da einzelnes Versagen. Kollektiv waren lediglich die Spekulationen über einen islamistischen Hintergrund. Nur kann ich darin kein Versagen erkennen. Das haben sich die Islamisten hart verdient, dass sie die Verdächtigen Nr. 1 sind. Kann ja nicht jeder so schlau wie der Autor sein, der unmittelbar nach Anschlägen sofort Plausibilitäten für diverse Verdachtsgruppen parat hat. Ab welchem Härtegrad dürfen denn Indizien Grundlage bzw. Gegenstand einer Berichterstattung werden? Mir scheint die Kritik daran eher ein Reflex jener zu sein, die ihren Beschützerinstinkt für die Islamisten dieser Welt ausleben müssen.

Daggo

26. Juli 2011, 10:26

Ich habe die Sendung ganz anders gesehen: das beständige Bohren von Fr. Illner nach einem "islamistischen Hintergrund" kontert er höflich mit dem stetigen Hinweis, dass es auch andere (Hinter-)Gründe geben könnte.

Angesichts der globalen Fixierung auf den Al-Quaida-Terror fast schon vorbildlich ...

Brevidict

26. Juli 2011, 10:47

http://brevidict.blogspot.com/

Um 22 Uhr war der Terrorismusexperte immer noch der Auffassung, es handle sich um einen islamistischen Hintergrund? Um 20:42 Uhr hatte ich einem Freund die folgende SMS geschrieben: "Ich gehe jede Wette ein, dass hinter dem Anschlag in Norwegen ein rechtsextremistischer Einzeltäter steckt und kein Islamist."

Das Muster passt nicht zu Islamisten. Islamisten greifen die ganze Bevölkerung an, nicht eine einzelne politsche Gruppe, wie in diesem Fall. Und Islamisten nehmen zwar den Tod von Kindern und Jugendlichen in Kauf, zielen aber nicht direkt auf sie, das wäre nämlich auch in Islamistenkreisen nur schwer begründbar.

Islamisten untermauern ihre Morde mit einer Ideologie - so abstrus sie auch sein mag. Sie sehen sich im Abwehrkampf gegen die westliche Gesellschaft, Erwachsene in Demokratien werden als Kämpfer gesehen, da sie ja die Regierung wählen, die angeblich gegen den Islam vorgehen würde. Der Angriff auf Kinder und Jugendliche wäre dagegen kontraproduktiv und würde auch zu einem negativen Echo unter nicht-militanten Islamisten führen.

Es gibt nichts, das auf einen islamistischen Anschlag hindeuten würde. Dass "Terrorismusexperten" trotzdem lange nur an einen islamistischen Anschlag denken konnten, ist peinlich.

Gast

26. Juli 2011, 10:50

Die Kritik an Theveßens Auftritt in der "heute"-Sendung ist völlig berechtigt - die Art und Weise allerdings, in der der Verfasser sich hieran aufgeilt und mit bekannter Attitüde als unbefleckter Kreuzritter der angeblich so hehren Journalismuswerte (als selbsternannter "Medien-" beziehungsweise "Fernsehexperte", der sich u.a. ernsthaft mit gewissen  Katzen und ähnlichen Belanglosigkeiten auseinandersetzt und das für, Tusch: "relevant" (dem Zauberwort und Totschlagsargument derjenigen, die was mit Medien und so machen) hält) auftritt, ist an Selbstgefälligkeit und Verlogenheit kaum zu überbieten. Schade, dass hier (fast) nur unkritische Claqueure unterwegs sind, denn bei der Lektüre des Artikels kann man spätestens beim dort wiedergegebenen Wortlaut des heute-Journals erkennen, dass Theveßen hier tatsächlich andere Möglichkeiten klar benennt und sich nicht mehr einseitig festlegt. Von ausgewogener Berichterstattung oder gar Qualitätsjournalismus, wie Herr Niggemeier von anderen so überheblich fordert, ist er selbt  jedenfalls genausoweit entfernt wie das stets als Feindbild dienende Blatt mit den großen Buchstaben.  Im übrigen ist, auch wenn Peter Müller dies anders sieht, der bloße Umfang eines Artikels keineswegs ein Indiz für Qualität (und umgekehrt) - Fix&Foxi ist daher völlig zuzustimmen. Was für eine sinnlose Vergeudung von Lebenszeit...

Chris

26. Juli 2011, 10:51

"aus dem Umfeld der norwegischen Behörden hieß es zunächst..." Bla bla bla. Da hat das ZDF dann auf norwegische Sender umgeschaltet, irgendein hastiges Interview von nem armen Polizeihansel halbmitgehört, der natürlich gefragt wurde ob Al-Kaida dahintersteckt und schon hat man seine Aussagen aus Behördenkreisen.  

Egon Zeimers

26. Juli 2011, 11:55

http://info@egonzeimers.de

Herr Theveßen ist nicht nur mutmaßlicher "Terrorismus-Experte" - um den Jahreswechsel herum betätigte er sich auch als Experte für die "Winter-Katastrophe". Ob da ein - inhaltlicher - Zusammenhang besteht? Vielleicht hat ja seinerzeit Osama bin Laden mit Schneekanonen auf den Westen schießen lassen ...

Der Tiger

26. Juli 2011, 12:19

@Fix&Foxi und Gast – sicherlich hätte man es in 30 Zeilen zusammenfassen können. Aber Sie setzten voraus, dass alle Leute fernsehgucken. Wenn man es nicht tut, ist es schon interessant, den Originaltext des ZDF lesen zu können.

Josef Ernst

26. Juli 2011, 12:20

Diese sogenannten Experten haben sich einen Jargon der Bedeutungsschwangerschaft zugelegt, der das Geschwätz verkleistert. Das „Gespräch“ zwischen Frau Illner und Herrn Thevesen nachlesend fällt erst noch einmal richtig auf, das es gar nichts zu sagen gab. Völlig richtig: Besser, die hätten die Klappe gehalten und das Publikum vertröstet.

Dietmar Maiwinkel

26. Juli 2011, 12:21

Liebe FAZ, danke für diesen richtigen und wichtigen Artikel. Mir dreht sich der Magen um, wenn ich die Bildunterschrift "Terrorexperte" bei Herrn Theveßen und Co. lese. Erstmal unabhängig davon, was die Journalisten dann sagen. Denn: Wenn es solche Experten gibt, dann findet man sie im Bereich der Wissenschaft. Dort gibt es Menschen, die sich dezidiert mit Terrorismuss in all seine Facetten auseinander setzen. Und die wissenschaftliche Redlichkeit hätte es unterbunden, hier Spekulationen über irgendwelche konstruierten Hintergründe zu äußern. Die Wissenschaftler leben nicht in ihren Elfenbeintürmen - sie sind auch für die Medien verfügbar. Und die sog. Terrorexperten, die eigentlich Journalisten sind, sollten auf ihre Bezeichnung verzichten.

Lobo1962

26. Juli 2011, 12:23

http://Lobo

Ein echter Niggemeier. Bei dem Aufstand in Ägypten die Medien anpflaumen, dass man nicht sofort das ganze Programm über den Haufen geschmissen hat, .. um die wackligen Handybilder mit Experten zu kommentieren?

Und jetzt die sofortige Berichterstattung mit ebendiesen Experten zu bekritteln.

Mal gespannt, ob im Blogg auch so eine Zensur wie bei den Leserbriefen vorliegt, d.h. kritische Zuschriften, die seine Rolle hinterfragen, zensieren, aber dafür Lobhuddeleien abdrucken, die einem selbst dann peinlich wären, wenn es denn überhaupt von Lesern wäre. "Ein echter Niggemeier".

So weit sind die Öffentlich-Rechtlichen noch nicht.

Günter Blümel

26. Juli 2011, 12:24

Er ist ein Experte und ein ordentlicher Journalist. Jeder macht mal Fehler. Und es ist nicht immer leicht sie sofort einzugestehen, besonders wenn man attackiert wird. Da steht einem der Verteidigungsreflex schon mal im Weg. Wenn alle unterm Strich über Jahre hinweg so gute Arbeit abliefern würden, hätten wir weniger Probleme.

Jeeves

26. Juli 2011, 12:31

@Carott: "Gibt auch andere Schlüsse aus dem Interview .. und ehrlich gesagt finde ich das er sich noch zurückhält, im Gegensatz zu Frau Illner, die das Thema immer wieder auf islamistischen Hintergrund bringen will."

.

Frau Illner darf das, denn sie verkauft sich nicht als "Terrorismus-Expertin" und sie fragt als Laie, quasi für die Zuschauer.  

zawihawass

26. Juli 2011, 12:40

Das ist ein gutes und wichtiges Thema, dass hier von Herrn Niggemeier aufgegriffen wird.

Ich habe mir Herrn Theveßens Plädoyer im ZDF-Blog angesehen. Allerdings war mir auch danach noch immer schleierhaft, was ET jetzt zum "Terrorismusexperten" qualifizieren könnte. Was ihn qualifizieren sollte, ist sicherlich, dass er von seinem Arbeitgeber als solcher verkauft wird.

Ich bin überzeugt, dass Herr Theveßen kein grösserer Experte ist als Hinz & Kunz.

Was ist z.B. schon von einem Experten zu halten, der billige und unzutreffende Vorurteile zu "Arbeitshypothesen" aufbläst? Darf in Zukunft jeder seine Irrtümer und sein dummes Zeug zu "Arbeitshypothesen" veredeln?

Selbst der "Gesundheitsexperte" Hademar Bankhofer wirkt auf mich um ein vielfaches kompetenter. Und der legt die Latte nicht gerade hoch.

makliato

26. Juli 2011, 12:49

http://keine

Ich verzeihe sowohl unseren Experten auch als Moderatoren!

Es war nämlich überhaubt nie klar, dass ein Rechtsextremer in seinem eigenen Land zu so etwas fähig ist. Das ist sogar absolut unwahrscheinlich.

Dafür sind wir viel zu sehr vorgeschädigt (11/9, Sauerland-Gruppe, etc.).

Cindy Noch-Normal

26. Juli 2011, 12:50

Wär doch mal ne Idee für die Arge: tausende Langzeitarbeitslose ließen sich aus der Statistik tricksen, indem man sie als "Terrorismusexperten" der Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten führt.

Mach mir den Theveßen!!!!

RoBoh

26. Juli 2011, 13:01

Noch schlimmer war der "Terrorismusexperte" auf PHOENIX. Eine einzige Katastrophe - der Mann.

Kurt Hugenthaler

26. Juli 2011, 13:09

Ich möchte auch gerne Terrorismus-experte werden.

Vielleicht können Sie da helfen ?

Also dann geht man(n) in den Kindergarten, dann die Grundschule und dann muß schon richtig nachgedacht werden, ob man den Weg der Terrorismus-Hauptschule verfolgt oder das Terrorismus-Gymnasium besucht oder vielleicht eine angewandte Terrorismus-Lehre in Kurmachschan. Bleibt dann noch die Frage den 1. oder 2. Bildungsweg der Terrorismus-Fachoberschule oder der Terrorismus-Universität zu verfolgen. Dann gibt es noch die Wahl eine Terrorismus-Doktorarbeit selber zu fertigen, zu kopieren oder anfertigen zu lassen und dann mit Muße zu entscheiden, ob man(n) dann sofort oder später Terrorismusexperte bei ZDF oder ARD oder irgendwo anders wird .....

hüttenrauch

26. Juli 2011, 13:11

Oft habe ich Elmars Ergüsse am Tag zuvor in der FAZ oder sonst wo gelesen.

Also in dem Fall bin ich auch Experte.

Hüttenrauch

grande liberte

26. Juli 2011, 13:12

http://keine

Herr Theveßen steht für viele Journalisten, die bei den Sicherheitsbehörden auf dem Schoß sitzen, in deren Sinne zu berichten müssen vermeinen, sich selbst sehr gefallen und um Gefälligkeit heischen. Ein kritischer Beitrag und die ach so ergiebigen (häufig steuernden) Quellen sind verisegt ! Das ist ein Katastrophenjournalismus der den Namen "Experte" nicht verdient. Ich bin sehr überrascht und erfreut, dass diese Art von Journalismus, die auch "der Spiegel" z.T.  schön zelebriert, intern kritisiert wird - und werden muss.

Thorsten

26. Juli 2011, 13:13

Auch ich finde, dass Herr Theveßen noch sehr zurückhaltend formulierte im Gegensatz zu anderen Sendern oder Zeitungen. Wenn der Blog-Beitrag ein "Wohl!" und "Selber!" ist, dann sicher auch dieser Beitrag von Herrn Niggemeier.

Michael S.

26. Juli 2011, 13:20

Wenn ich im nächsten Leben als faule Socke auf die Welt komme, werde ich auch Experte. Da muss man nichts machen, immer seine Textbausteine aus den alten Ordnern holen und runterbeten und man kommt im Fernsehen...

Ein weiteres Highlight der ÖR Berichterstattung...heute morgen haben sie tatsächlich im Radio diskutiert (natürlich mit Experten), ob man sein Kind überhaupt noch IN DEUTSCHLAND in ein Zeltlager schicken kann. OHNE WORTE

Heilmeier

26. Juli 2011, 13:21

Experte = Ahnungsloser Wichtigtuer.

petersenbeyer

26. Juli 2011, 13:30

Ihre Kritik ist überzogen. Er gibt doch nur wieder, was nach dem Kenntnisstand auf Grund von Informationen norwegischer Behörden möglich war.

jemand-anders

26. Juli 2011, 13:32

Hinsichtlich der Berichterstattung in diesem Land hat sich wohl kein Medium mit Ruhm übershüttet. Nachrichten sind alles andere als Nachhaltig, sind qualitativ schlecht und oftmals nichtmal eine Nachricht wert. Die Geilheit nach Sensation überwiegt, Demut ist den Medien fremd. Nachhaltiger, meintewegen auch langsamerer Journalismus fänd ich mal nicht verkehrt, wenn er dann nur wirklich zu einer dezidierten Meinungsbildung beitragen könnte.

Roland M.

26. Juli 2011, 13:32

"Islamisten gerade in diesen Ländern sind sehr stark, finden fruchtbaren Boden, um junge Leute zu rekrutieren."

Oha, das finde ich hat eine ausführliche Analyse verdient! Wieso gerade in diesen Ländern, die gemeinhin als Vorreiter in Sachen Sozialstaat, Offenheit, Toleranz und Demokratie gelten und denen wir nacheifern?

Und ja, ich halte mich, auch durch mein Studium und den damaligen Kontakt zu vielen Angehörigen verschiedener Nationen für fähig, dieses Phänomen teilweise zu erklären. So haben ein Libanese und ein Marokkaner unabhängig übereinstimmend von sich aus (!) festgestellt, dass ihnen in Deutschland der Druck fehle, gute Leistungen zu erbringen. Der Libanese ist mathematisch außerordentlich fähig, dennoch war er noch im Grundstudium in einer Zeit, wo ich der ich mir von ihm hab in Mathe helfen lassen und ihm dafür dankbar bin, an meiner Diplomarbeit geschrieben habe. Das war 2006 und ich glaube nicht wirklich, dass er mittlerweile fertig ist, schade!

Fazit: wer die Jugend sich selbst überlässt und dann hofft (eh zuviel Hoffi Hoffi inne Politik), dass nur das Beste dabei herauskommt, ist unglaublich naiv, weltfremd und geschichtsresistent. Das gilt insbesondere für Jugendliche die aus traditionell sehr strengen, intoleranten Umfeldern stammen!

JE

26. Juli 2011, 13:36

@ Herr Blümel: Ja, da ist etwas 'dran. Das eigentliche Problem ist das Kasperletheater mit der Expertenkultur, denn wenn einer als solcher firmiert, kommt er aus der Ecke nicht mehr heraus. Wahrscheinlich wäre es besser, im Falle eines Falles einen externen Experten einzuladen. Der hätte dann auch Stuss erzählt, aber das wäre als eine Annäherung an den Tatbestand abgebucht worden. So kam die Aussage vom öffentlich-rechtlichen Sender direkt, mit allem Wahrheitsgewabere, das eine Nachrichtensendung normalerweise für sich beansprucht.

bertholdIV

26. Juli 2011, 13:36

Danke für diesen Verriss des Herrn Elmar Theveßen. Unerträglich, dass das ZDF so jemanden präsentiert. Und bei vielen Zusehern wird seine Darstellung immer noch als Wahrheit im Kopf rumschwirren. Das geht schon weit in Richtung Desinformation.

Christoph Seufert

26. Juli 2011, 13:40

Für mich beginnt der unsaubere Journalismus immer schon damit, dass - in allen Bereichen - Personen als "Experten" tituliert werden.

Was mich in solchen Fällen viel eher interessiert: Was macht die entsprechende Person beruflich? Woher kommt die angebliche Expertise? Wieso sollte ich diesem "Experten" glauben? Für mich als Medienkonsument macht es für die Bewertung von Aussagen einen grossen Unterschied, ob da nun ein "Atomexperte" von Greenpeace oder ein "Atomexperte" von Vattenfall seine Meinung kund tut.

Meine Aufforderung an die Medien: Verzichtet gänzlich darauf, irgendwen als Experten zu proklamieren. Gebt den Konsumenten genügend Informationen an die Hand, um den sachlich-objektiven Wert von Aussagen einigermassen einschätzen zu können.

Für mich ist Herr Theveßen kein Terrorismusexperte, sondern stellvertrender Chefredakteur des ZDF.

Peter Schnücke

26. Juli 2011, 13:43

http:// keine

Es ist bei den Fernsehleuten üblich geworden, gerne gleich beleidigt zu sein. Etwas abwarten und bessere Recherche täte oft besser.

Wobei der schreibende Journalist (auch der Blogger)im Vorteil ist er muss es niederschreiben und dabei sein Gehirnschmalz anstrengen. Aber ich gebe Herrn

Niggemeier Recht das war schlecht im ZDF. Die ARD mit Herrn Becker war noch

schlimmer.

FAZLeser

26. Juli 2011, 13:51

Ich muss hier einfach Brevidict recht geben. Von einem Experten erwarte ich eher sowas: "Der Anschlag könnte natürlich einen islamistischen Hintergrund haben - aber wir wissen noch nichts. Wenn es aber ein Täter oder eine Tätergruppe war, dem/der beides zuzuschreiben ist, dann ist es eher unwahrscheinlich - ein Amoklauf, bei dem ein einzelner mit nem Gewehr wahllos Leute erschießt, klingt erstmal nicht nach einem islamisten..." Wenn schon spekulieren, dann auf der Grundlage von Fakten die Tat betreffend und nicht, dass es in Norwegen ja eine islamistische Gruppe gibt oder in Afghanistan Norweger sind...

Tharben

26. Juli 2011, 13:51

Man merkt schon, dass die strengen journalistischen Prinzipien eines Nikolaus Brender fehlen.

.

Peter Frey, derzeitiger ZDF-Chefredakteur, wirkt auf mich etwas blass. Anscheinend hat er Elmar Theveßen nicht von wichtigen Prinzipien überzeugen können.

.

Man muss das aber auch verstehen. Ich würde im unionschristlichen Law and Order-TV lieber wilde Spekulation über islamistische Terroristen anstellen, um weiteren staatlichen Überwachungs- und Kontrollbefugnissen zur Mehrheit zu verhelfen, wenn ich ZDF-Terrorspezialist wäre. Gewissenhafte Recherche ist bei diesem Vorhaben hinderlich und kostet nur unnötig Zeit.

Marko Mönch

26. Juli 2011, 13:56

Der Kritik an Theveßen ist nichts hinzuzufügen, kann sie nur unterschreiben.

Mindestens genauso kritisch ist die Rolle der Moderatoren zu betrachten.

Die Illners dieser Welt beschäftigen sich in erster Instanz damit wie sie als Person ankommen.

Zu dem Zweck präsentieren sie mit der Aura der journalistischen Seriosität Brot und Spiele, nur geringfügig besser verpackt als bei der Springer-Liga.

Dabei werden dann vermeintlich seriöse "Experten" wie Theveßen instrumentalisiert.

Im Grunde genommen nichts anders als das Niveau ihres Talkshow-Infotainment, nur mit etwas anderen Mitteln.

Illner ist aber nicht alleine. So mancher Moderator erlaubt sich eine Darstellung seiner persönlichen Ansichten als objektive Fakten oder zumindest in "meinungsbildender" Weise. Sehr treffende Beispiele dafür sind der geschmacklose Sarkasmus von Claus Kleber oder auch von Ingo Zamperoni.

Ich wünsche mir die Nutzung der GEZ-Gebühren wie sie statutair vorgesehen ist.

Zunehmend bekommt man den Eindruck, dass für den Zweck der Einschaltquoten die Mittel geheiligt werden.

Muslim

26. Juli 2011, 14:00

Was selbsternannte "Terrorismusexperten" und "Islamexperten" wie Herr T. tun, passiert schon seit 10 Jahren. Sobald irgendwo auf der Welt eine Bombe hochgeht (oder ein Mädchen mit Kopftuch oder Ähnlichem gesichtet) wird, stehen solche "Fachkräfte" in den TV-Sendungen bereit, um den Islam samt seinen Anhängern als die Ursache des Bösen zu erklären.

Was mich wundert: wollen Sie das bisher nicht bemerkt haben? Wollen Sie mir allen Ernstes alle hier weiß machen, z.B. keinen rechtsextremistischen Hintergrund beim Mordfall Al-Sherbini erkannt zu haben? Wann werden Sie endlich aufhören, von "Einzelfällen" zu reden?

Martin Strokel

26. Juli 2011, 14:05

Vielleicht sollte man das Wort "ZDF-Terrorismusexperte" einmal ein wenig anders lesen, also ein Experte des (Nachrichten-)Terrors, mit dem uns das ZDF immer und immer wieder überzieht.

juergenmeyer

26. Juli 2011, 14:14

Ich erinnere mich an die Zeit als eine Studienkollegin auf ihre Meinung zu einem politischen Ereignis hin angesprochen wurde und sie bemerkte: Dazu kann ich erst morgen was zu sagen, wenn die FAZ berichtet hat.

Das ist 30 Jahre her! Heute ist die FAZ schneller. In welcher Zeit wollen wir leben?

Keinesfalls jedoch in einer Zeit von Dummschwätzern!!!

sziemer2

26. Juli 2011, 14:17

http://@RoBoh

Simmt. Das war doch der, der die Fensterscherben auf den Straßen als untrüglichen Beleg für eine oder mehrere Explosionen IN den Gebäuden heranzog.

Wurde nur noch von n-tv übertroffen- dort darf anscheinend jeder Grundschulabbrecher moderieren. Sprachlich völlig daneben, die Dame. Und der "Anschlagversuch auf den (!) früheren Mininisterpräsidenten Gro Harlem Brundtland" war für mich an diesem Abend die unangefochtene Nummer Eins unter den Expertenenten.

KiwFrankfurt

26. Juli 2011, 14:18

Woher hat der ET seine Qualifikation her? Und seine Bedeutungschwangerschaft ... mein Gott... selbsternannter Experte ...

Seine Auftritte im ZDF sind echt erbärmlich. Genug!

NTV Gucker

26. Juli 2011, 14:27

Also wer den "Experten" Hans-Joachim Schilde auf ntv verfolgt hat, der sich zu 100% sicher war, dass es ein von Gadaffi angeordneter Anschlag war... der war im ZDF noch gut bedient!

Einbauschrank

26. Juli 2011, 14:32

Daß das Fernsehen aufgrund seiner zeitlichen Nähe zu den Ereignissen eher Schnellschüsse liefert als die Zeitungen ist klar. Niggemeier sollte sich aber auch daran erinnern, daß in den Fällen Sebnitz und Ludwigshafen auch sofort die Rede von rechtsextremen Umtrieben war, die sich kurz darauf als irrig herausstellte. Es wird vermutet, was sich mit dem geringsten Aufwand mit dem eigenen Weltbild vereinbaren läßt.

Biti

26. Juli 2011, 14:33

http://keine

Auch wenn ich mir hier Feinde mache, bei all jenen Kommentatoren, die dem Artikel so schnell zustimmen: Ich fand die Berichterstattung seriös und habe immer die Vorbehalte in den Ausführungen von Elmar Theveßen erkannt. Überlicherweise erklärt man in Seminaren den Studierenden, dass sie ans Ende eines Textes oder Interviews schauen sollen. Und hier erkennt man immer wieder die ambivalente Haltung des Experten. Er diskutiert Informationen von seriösen Quellen, gleicht diese mit eigenen Recherchen ab und stellt diese dann aber auch in Frage. Auch ich bin absolut gegen zu frühes Spekulieren ohne genaue Kenntnisse des Sachverhalts. Aber hier verurteilt man einen Mann, der meines Erachtens nach mehrfach deutlich gemacht hat, dass es sich um vorsichtige Thesen handelt! Vielleicht erwartet auch die FAZ inzwischen eine eindeutige Positionierung und verurteilt inzwischen nuanciertes Abwägen. Auch die von mir sehr gern gelesene FAZ muss Informationen verkaufen. Man stelle sich einen Titelseite vor, auf der einfach nur reine Information steht, ohne Hintergründe zu beleuchten!

Nanor

26. Juli 2011, 14:44

Ich habe in der Vergangenheit in zwei afrikanischen Ländern gelebt, in Senegal und Marokko. Jedes mal wenn ich Reportagen dt. Korrespondenten gesehen habe, war ich echt erstaunt, was die berichteten. In der Regel waren es entweder Banalitäten, schlecht recherchierte Unwahrheiten und in den seltensten Fällen real. Heute bin ich in der Windenergie zu Hause. Wenn ich mir die lokale und nationale Debatte in den Medien betrachte, so ist auch hier wieder das gleiche Phänomen zu beobachten. Halbwissen wird rhetorisch und sprachlich pseudo informativ verpackt und unter die Leser oder Zuhörer verteilt. Kritik unerwünscht!

Lukas Becker

26. Juli 2011, 14:44

Sind wir auf der Webseite einer professionellen Zeitung, die zu der meinungsbildenden Zeitung Deutschlands wurde, denn darauf angewiesen, dass Menschen durch ihre Aussagen öffentlich angeprangert werden? Ich finde diesen Artikel im "Konkurrenzgeschäft" herablassend und unter der Gürtellinie.

Schwache Leistung an die FAZ und auch an den Autor!

Bülent Alper

26. Juli 2011, 14:50

Zuerst einmal mein Beileid und Mitgefühl allen Betroffenen.

Es stünde, insbesondere im Hinblick auf die Ereignisse in GBR, allen Leitmedien gut zu Gesicht, wenn sie ihren "Ehrenkodex" bezüglich sauberer journalistischer Arbeit überarbeiten respektive auch anweden würden.

In der Erhöhung der Meinung durch Anheften eines Expertentitels liegt mMn immer die große Gefahr, später ungewollte Reaktionen auszulösen.

Was hätte Herr Theveßen denn gemacht, wenn in der Nähe eines Jugendcamps in BRD ein Dunkelhäutig-Bärtiger ( = Islamist= Terrorist ) nach diesen Berichten zu Schaden gekommen wäre ? Was dann ?

Wer mögliche Folgen seiner Worte nicht ausreichend bedenkt und als "Experte" bereits vor der Faktenerhebung spekulativ statt investigativ arbeitet ( das ist ein Unterschied zwischen wissenschaftlicher und journalistischer Arbeit ), sollte vielleicht erst prüfen , nachdenken und wenn geboten, aufgrund unklarer Faktenlage Spekulationen zurückweisen statt diese zu befeuern.

"Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" gilt auf jeden Fall,

wenn das Gesagte augenscheinlich unwahr ist.

Was mir sehr zu denken gibt, ist, daß sich diese "Meinungen" am Freitag anscheinend ausschließlich auf die Berichte der NYT stützen, obschon bereits Freitag Abend in Norwegen genauere Hintergrundinformationen vorlagen.

Gast

26. Juli 2011, 15:01

Tiger@ Ich gebe Ihnen recht - aber Wortlaut plus konzise Analyse ohne Redundanzen und selbstherrliches Gesabbel hätte in diesem Fall auch gereicht. Kurze Artikel halte ich im übrigen in keinster Weise per se für erstrebenswert, nur stehen Umfang und Inhalt selten in einem dreart krassen Missverhältnis wie hier. Außerdem geht es im obigen Beitrag, wie schon am einleitenden Satz leicht ersichtlich wird, eigentlich gar nicht um Theveßen, sondern um das übersteigerte Ego des Autors, was ich für so ärgerlich wie peinlich halte, da so das durchaus nicht unwichtige Grundanliegen in den Hintergrund tritt; Lobo1962 trifft hier ins Schwarze. Solch streberhafter und bigotter Attitüde, schlecht vorgetragen zudem, ziehe ich dann doch gepflegtes Plaudern vor...

P.S. wäre es nicht so belanglos, könnte man ohne große Mühe den obigen Text hinsichtlich seiner inneren Widersprüche genüßlich zerpflücken - aber eigentlich ist das Original die beste Parodie seiner selbst, was z.B. das folgende kleine Zitat belegt:

"Auch das "heute journal", das um 22 Uhr begann, ging von einem islamistischen Hintergrund aus. Daran ließen schon die einleitenden Worte von Moderatorin Maybrit Illner keinen Zweifel:

Illner: Das ist ein bitterer Tag für Norwegen, und ein bitterer Tag für Europa. Der Terror ist zurück."

Herr Niggemann: Wo erwähnt Frau Illner hier eigentlich etwas von "islamistischem Hintergrund"? Oder setzen Sie hier etwa mit demselben Reflex, den Sie bei Thieveßen et al. anprangern, reflexartig "Terror" mit "islamistisch" gleich? Ist da wer? Mich läßt so etwas jedenfalls sprachlos zurück...

Mickey

26. Juli 2011, 15:01

Mit dem Experten und der Krise  ist es mittlerweile wie mit dem Huhn und dem Ei! Man fragt sich: "Was war zuerst da?"Das Problem für die Sendeanstalten ist, dass 24 Stunden eben immer noch eine lange Zeit sind, wenn man im Abstand von halben oder ganzen Stunden eine Nachrichtensendung zu füllen hat. Da kann man weltweit noch so vernetzt sein, noch so viele Kameras mit achselzuckenden und ratlos dreinblickenden Reportern davor aufstellen, spannende Ereignisse gibt es trotzdem nicht all zu viele.  Das hält die Anstalten allerdings ja nicht davon ab, Sondersendungenauch  für weitaus nichtigere Anlässe zu produzieren als dieses wirkliche furchtbare Attentat in Norwegen. (Man denke hier nur an den Brennpunkt im Vorfeld der WM 2010, als Michael Ballack seine Teilnahme absagen musste). Wenn dann mal was passiert, ist die Situation für die Anstalten auch nicht viel besser. Denn man weiß zwar, dass was passiert ist, aber nicht, was! Und warum und durch wen! Trotzdem ist zu berichten. Allerdings scheint vermeintlich guter Journalismus heute darin zu bestehen, Dinge, von denen man nur weiß, dass sie passiert sind, sofort erklären zu müssen. Und deshalb hat man den Experten erfunden, der vor allem ein Experte darin sein muss, das Unbekannte eines Ereignisses durch Fakten zu erklären, die er selber noch nicht kennt. Für die Zuschauer ist so etwas natürlich unheimlich beeindruckend, denn wer kann das schon? Der kleine Bruder des Experten ist im Übrigen der "Reporter vor Ort". Zu dem wird immer dann geschaltet, wenn durch die Erläuterungen des Experten droht vergessen zu werden, was eigentlich passiert ist. Der so bezeichnete  "Reporter vor Ort" suggeriert natürlich eine besondere Nähe zum Ereignis, fast schon mehr drin statt nur dran und man erwartet sich Informationen aus erster Hand. Tatsächlich aber ist der "Reporter vor Ort" meistens so weit vom Ereignis entfernt wie Michael Ballack von der Nationalmannschaft. Weshalb er immer nur vermelden kann, dass etwas passiert ist. Und bevor man als Zuschauer die Ereignismeldung auswendig mitsprechen kann, schaltet man eben schnell wieder zum Experten, der das Ereignis gekonnt mit faktischem Nichts unterfüttert. Ein toller Kreislauf, eine Art journalistisches Perpetuum Mobile, zwar immer die falsche Richtung unterwegs, das aber so unendlich und konsequent, das es keinem auffällt. Kann man Experte irgendwo lernen?

Rotiboy

26. Juli 2011, 15:05

Da trifft es sich gut, wenn man auch Zugang zu den englischsprachigen Medien hat. Die Moderatoren der BBC World haben natuerlich auch versucht, hier zu spekulieren. Sie konnten allerdings z.B den norwegischen Innenminister interviewen, der aber keinesfalls spekulierte, sondern ganz ruhig und sachlich darlegte, dies sei eine aeusserst komplizierte Situation, Spekulationen seien total unangebracht und erstmal muesse die Polzei ermitteln. Dann koenne er das kommentieren.

Die Pressekonferenzen der Polizei in Oslo wurden mit Simultandolmetscher uebertragen und es war klar, es wurde nicht spekuliert.  Da frage ich mich dann schon, welches Insiderwissen Herr Theveßen woher hatte.

Wie wird man eigentlich "Terrorismusexperte" des ZDF ?

nömix

26. Juli 2011, 15:14

http://noemix.twoday.net/topics/Aufgelesenes

»selbsternannte Fernsehkritiker« – was soll denn das heißen? Muss einer, der Kritik an etwas übt was er im Fernsehen gesehen hat, erst von jemandem ernannt werden, um dafür legitimiert zu sein? Muss einer selber Arzt sein, um feststellen zu dürfen, »Herr Doktor, Sie haben grad das falsche Bein amputiert«? Welch eine Überheblichkeit.

K.-J.Neidhart

26. Juli 2011, 15:22

Die Einlassungen von Herrn Niggemeier zu den qualitativen Fehlgriffen seiner Kollegen sind gleichermaßen bemerkenswert wie notwendig!

Ich bin bei Durchsicht der Kommentare auf die Seite Mediensalat (website leicht zu googlen) gestoßen; vielleicht ist es das Forum, was ich seit langem suche.

Der kritische Medienkonsument braucht eine "zentrale" Plattform, um die gefühlt stark zunehmende Oberflächlichkeit, Fehlerhaftigkeit bis hin zur Verantwortungslosigkeit journalistischer Tätigkeit aufzuzeigen. Die Pressefreiheit ist ein Juwel unserer Staatordnung! Mir geht es nicht um Medien-Bashing... aber auch für diese Zunft bedarf es einer kritischen Auseinandersetzung seitens ihrer "Kunden".

Ich will die Zustände in UK - um Himmels Willen - nicht auf die deutsche Presselandschaft übertragen! Aber ich will gerne dazu beitragen, dass es NIE so weit kommt, weil Journalisten wissen, dass ihre Fehlleistungen in der Öffentlichkeit (kontrovers) diskutiert werden, auch sichtbar für jeden Chefredakteur, der etwa über ihre Bewerbung zu entscheiden hat.

Für Hinweise auf andere medienkritische Foren bin ich sehr dankbar!

Karl-Joachim Neidhart, Düsseldorf, k-j.neidhart@t-online.de

RoBoh

26. Juli 2011, 15:46

Rolf Tophoven: Islamistischer Anschlag in Oslo

Der TV-Sender Phoenix überträgt bis zum frühen Abend ein Oslo-Special mit wechselnden Moderatoren und Experten. Während der ersten Stunden wird vom Studio aus mehrmals mit Rolf Tophoven, dem Leiter des Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik, telefoniert.

Der selbst erklärte Terror-Experte, Gastautor bei Springer und Publizist mit Themen-Schwerpunkt militanter Islamismus erkennt an den ersten Bildern aus Norwegen unverkennbar die Handschrift islamistischer Terroristen.

Jeeves

26. Juli 2011, 16:07

@petersenbeyer

"Ihre Kritik ist überzogen. Er gibt doch nur wieder, was nach dem Kenntnisstand auf Grund von Informationen norwegischer Behörden möglich war."

Haben Sie den Artikel eigentlich gelesen, bevor sie hier sowas hinschreiben?

.

.

@Lobo

@Thorsten

"Ja ja, Niggemeier ist der Schuldige, nicht etwa der sehr zu Recht kritisierte, sogenannte "Experte". Auch hier bitte: erst lesen, versuchen zu verstehen imd dann tippen.  Oder, wenn nicht verstanden: jemand fragen.

.

.

@Gast

Auch ich fand dies etwas an den Haaren herbeigezogen vom Niggemeier:

"Auch das "heute journal", das um 22 Uhr begann, ging von einem islamistischen Hintergrund aus. Daran ließen schon die einleitenden Worte von Moderatorin Maybrit Illner keinen Zweifel:

Illner: Das ist ein bitterer Tag für Norwegen, und ein bitterer Tag für Europa. Der Terror ist zurück."

Herr Niggemann: Wo erwähnt Frau Illner hier eigentlich etwas von "islamistischem Hintergrund"?

.

labär

26. Juli 2011, 16:20

Das Problem ist das wilde Spekulationen oft als Tatsachen verkauft werden.

zawihawass

26. Juli 2011, 16:35

@Jeeves

"Illner: Das ist ein bitterer Tag für Norwegen, und ein bitterer Tag für Europa. Der Terror ist zurück."

Herr Niggemann: Wo erwähnt Frau Illner hier eigentlich etwas von "islamistischem Hintergrund"? "

Das ist ja gerade das perfide. Illners Aussage ergibt ja nur dann einen Sinn, wenn man sie auf die islamistischen Anschläge in der Vergangenheit bezieht.

Denn kein Mensch würde diese Aussage auf die zurückliegenden Anschläge z.B der IRA oder ETA beziehen.

Insofern finde ich Herrn Niggemeiers Argument auf jeden Fall stichhaltig.

Gast

26. Juli 2011, 17:11

@zawihawass Damit findet die Gleichsetzung "Terroranschlag = islamistischer Hintergrund" aber gar nicht bei Theveßen/Illner, sondern beim Zuschauer selbst statt - womit die Argumentation endgültig ins Leere läuft (der Zuschauer kritisiert seine eigene Wertung einer so nicht getroffenen Aussage). Und das Illners Aussage nur so einen Sinn ergibt, erschließt sich mir überhaupt nicht.

Nochmal: Ich fand den ersten Auftritt Theveßens bei "heute" genauso daneben und finde eine kritische Auseinandersetzung hiermit und den tatsächlich auch andernorts (und noch viel stärker) verbreiteten Tendenzen zu hemmungsloser und tendenziöser Spekulation in solchen Fragen unbedingt notwendig und unterstützenswert - wenn dies allerdings in einer solchen Form wie oben passiert, ist es im Ergebnis de facto keinen Deut besser als die beklagten Misstände selbst.

Andreas

26. Juli 2011, 17:53

Ich habe mich schon vor dem Attentat in Oslo regelmäßig gefragt, wer oder was T. eigentlich zum "Terrorismusexperten" ernannt hat. Damit wird dem Zuschauer eine Kompetenz vorgegaukelt, für dies es keinen Beleg gibt. Spekulieren wie T in heute und heute-journal hätte jeder durchschnittlich gebildete Zuschauer ebenso gut (und falsch) können. Er hätte vielleicht darauf verzichtet, sich durch Berufen auf nicht näher genannte norwegische Sicherheitskreise wichtig zu machen.

Wie muss man sich einen solchen Anruf eigentlich vorstellen? "Hallo, hier T. vom deutschen Weltsender ZDF,  ich würde gerne mal wissen, was bei euch in Oslo los ist?" - "Herr T., gut dass Sie anrufen, wir haben gerade jede Menge Zeit zu plaudern. Also es ist so..."

Herr Sachlich

26. Juli 2011, 18:43

Elmar Theveßen ist überhaupt ein ganz großer Schlauberger, denn Doping-Experte ist er ja ebenso. Auch auf diesem Gebiet glänzt er durch Falschaussagen und Kaffeesatzleserei. Schön das sich jetzt Journalistenkollegen dieses Egomanen annehmen und dessen albernes Gerede und Getue anprangern. DANKE!

wattläufer

26. Juli 2011, 19:03

Die Berichterstattung des ZDF habe ich nicht verfolgt. Ist richtig zitiert, kann man Herrn Niggemeier nur zustimmen. Alle, die das anders sehen, frönen der für viele Deutsche mittlerweile wieder typischen Leidenschaft, Ursache und Wirkung zu verkehren. Mehr zufällig bin ich an diesem Abend bei Phoenix gelandet. Ich kann nur Roßoh bestätigen, dass man die -unverhohlen einseitigen- Aussagen des dortigen Experten, Herrn Tophoven, und mit ihm das Auftreten des Moderators als halbwegs inttelligenter Mensch nur mit zunächst vor Entsetzen offenem Mund und schließlich ob ihrer Selbstentlarvung schallendem Gelächter begleiten konnte. Das ging übrigens nicht nur mir so, sondern auch meiner Frau. All das für mich (Jahrgang 1953) ein neuerliches Indiz dafür, dass nach fast 100 Jahren die schon bald nach dem Ende des 2. Weltkrieges angelegte Scheuklappe vor dem rechten Auge stetig größer wird. Der Unterschied ist nur, dass der Schatten, den sie wirft, weniger braun denn in zwielichtigem schwarz erscheint.  

Mike

26. Juli 2011, 21:03

Oh danke für diesen kritischen Beitrag, ich dachte schon ich bin mit meinen Freunden allein auf der Welt und niemand sonst regt sich über diese Experten und Herrn T. auf. Ist leider klar, dass jemand wie er auf absolut berechtigte Kritik so selbstgerecht und arrogant handelt.

zawihawass

26. Juli 2011, 21:11

@Gast

"Damit findet die Gleichsetzung "Terroranschlag = islamistischer Hintergrund" aber gar nicht bei Theveßen/Illner, sondern beim Zuschauer selbst statt - womit die Argumentation endgültig ins Leere läuft (der Zuschauer kritisiert seine eigene Wertung einer so nicht getroffenen Aussage)".

Auch hier gilt diesselbe Antwort: Das ist ja gerade das perfide. Frau Illner SUGGERIERT dem Zuschauer etwas mit ihrer Aussage. Man könnte auch sagen, dass sie dem Zuschauer eine Falle stellt, in die dieser hineintappen soll.

Mit Ihrer Einschätzung, dass auch durchaus etwas anderes als "islamistischer Hintergrund" gemeint sein kann, stehen Sie ziemlich alleine da.

Genau darum geht es doch bei der breiten Kritik, auf welche die Berichterstattung von ZDF-Theveßen und anderen gestossen ist. Es geht doch EBEN NICHT darum, dass irgendwie ins Unbestimmte spekuliert wurde.

R.Weinert

26. Juli 2011, 23:08

http://under construction

Vielleicht hättn die Terrorismus-Experten nur einfach mal das norwegische TV schauen sollen. Als Theveßen um 19.00 Uhr seine Islamisten-Spekulation auftischte, sagten norwegische Exptern zur gleichen Zeit auf dem norwegischen Sender NRK1, das man "breit denken" müsse und wiesen ausdrücklich auf das Attentat gegen das Regierungsgebäude in Oklahoma hin und auf den Mord an Olof Palme.

Kritiker aus China

27. Juli 2011, 05:35

Ich finde es unmoeglich, wie es sich ein deutsch Journalist herausnimmt, eine AKritik ueber eine Analyse eines anderen "Journalisten" zu verfassen, waehrend der ganze Schrecken, die Angst und vor allem die Trauer noch mitten unter den Menschen sind. Es sei dabei voellig ausser Acht gelassen, ob die Fehleinschaetzung des sogenannten ZDF-Terrorismusexperten richtig, falsch, fahrlaessig oder einfach uebereilig war. Meiner Meinung nach ist dieser Artikel im Zusammenhang mit einem solchen Attentat auf Jugendliche, oder viel mehr auf eine ganze Gesellschaft, zu dieser Zeit mindestens genauso unpassend wie die "Islamismus"-Prognosen Theveßens.

hiro

27. Juli 2011, 09:42

Was ist jetzt eigentlich das Problem?

Daß sich jemand als "Experte" bezeichnet ohne erkennbare Qualifikation? Da bin ich bei der Kritik dabei. Die Expertenschwemme nimmt in der Tat Überhand. Andererseits kann ich mir gut vorstellen, daß das Publikum "Experten" zu allem und jedem sehen will, also liefert man sie ihnen. You get what you pay for, sozusagen.

Oder geht es um das, was der "Experte" gesagt hat? Sorry, da kann ich die Kritik nicht verstehen. Er hat mehrfach deutlich darauf hingewiesen, daß es keine Fakten gibt, dann mögliche Szenarien aufgezählt. Er hat deutlich gemacht, aus welchen Quellen die Vermutungen stammen und sie dann eingeordnet. Was will man mehr?

Ob Herr Theveßen "Experte" ist, kann ich nicht beurteilen. Als Journalist macht er zumindest nicht die schlechteste Figur.

Gast

27. Juli 2011, 09:45

zawihawass@: Dass die Kritik grundsätzlich völlig richtig ist, vor allem bezüglich des Auftritts bei "heute", habe ich bereits mehrfach betont - allerdings kann ich angesichts Ihrer Wertung der Illner-Aussagen zu Beginn des heute-journals (bitte nochmals den oben angedruckten Wortlaut lesen, auch die Einlassungen Theveßens, die sich hier schon anders ausnehmen) nur konstatieren, dass hier sowieso nichts mehr zu retten scheint, da sich das Islamisten-Feindbild bereits bei Leuten wie Ihnen fest eingefressen hat. Eine selbstständig denkende, kritische Person kann jedenfalls meiner Meinung nach die Illner-Einleitung durchaus auch anders verstehen - oder bestreiten Sie, dass es sich um Terror schlimmsten Ausmaßes gehandelt hat und es ein bitterer Tag war? Ich versuche ja hier nur darauf hinzuweisen, dass der Autor neben der berechtigten Kritik eben letztlich genauso undifferenziert vorgeht wie sein kritisiertes Gegenüber und in seinem selbstverliebten Furor weit über das Ziel hinausschießt, was jede vernünftige Diskussionskultur unterminiert und bei den meisten Lesern bloß ein "Hä, hä, endlich wird der Theveßen mal gründlich durch den Kakao gezogen" hervorruft, anstatt die fragwürdige Rolle der Medien bei dieser Berichterstattung mit den eigenen Wertungen und Erwartungen kritisch abzugleichen. Einseitige, voreilige Spekulation, wie sie allerorts (nicht nur im ZDF!!!) stattgefunden hat, finde ich schon abstoßend genug, aber Ihrer Meinung nach rennen die Medien damit ja offenbar eh nur offene Türen ein (Ihre und anderer Leute Vorurteile bedienend), also worüber regen Sie sich eigentlich auf...

Querdenk

27. Juli 2011, 12:13

Insbesondere ein Terrorismus-Experte hält erst mal seinen Mund – das macht erst einen

Experten aus -  krempelt die Ärmel hoch und ermittelt akribisch, bevor er sich ein Urteil bildet (das kommt von sachlicher Fortbildung).  Statt sich im Fernsehen nar(r)zistisch (selbstbefriedigend) ein Vorurteil zu bilden und dies heraus zu blablablaen.

Terrorismus-Experten gehören nicht in die Fernsehanstalten zum Vorzeigen, sondern in die Kriminal-Verfassungsschutz-Bundesanwaltschafts-Behörden

zum akribischen Ermitteln im Terror-Dunkeln nach allen Seiten.

Ihnen im Fernsehen durch die Fernsehanstalten einen neunmalklugen Fernseh-Terrorismus-Experten vor die Schnüffel-Nase zu setzen, das kommt auf

eine Amtsanmaßung der öffentlichen Besserwisser-Fernsehanstalten hinaus.

Was die Besserwissererei-FAZ anbelangt :

Die Kreuzritter-Schlagzeile mit dem polemischen Suggestions-Effekt,

den durchgeknallten Massenmörder zum vom Internet fehlgeleiteten christlichen Kreuzritter zu schlagen, ist ein Schlag ins Gesicht der Christenheit.

Den Massenmord hierzulande als Anlass für politische "Correctness"-Abrechnungen gegen fundamental-islam-kritische Bevölkerungs-Gruppen zu nehmen, ist ein Akt der weiteren Volksaufspaltung  in 2 Feindbildlager.    

Diese deutschtümlich-dümmliche Volksaufspaltung  in 2 unversöhnliche Feindbildlager wollen deutsche Presse/Medien offenbar völlig pietätlos noch am offenen Opfergrab als Exportschlager in die "offene" Solidaritäts-Gesellschaft von Norwegen einführen.

M. Balser  

Horst Müller

27. Juli 2011, 13:53

http://www.blogmedien.de

Allein Theveßens Behauptung "Wir hatten heute [Freitag] am Nachmittag Kontakt mit norwegischen Sicherheitsbehörden", stinkt gewaltig. Meiner Meinung nach hat Theveßen das schlichtweg erfunden. Denn - wenn norwegische Sicherheitsbehörden (wer/was ist das überhaupt?) am Nachmittag des schlimmen Anschlags von Oslo wirklich nichts wichtigeres zu tun hatten, als sich mit Herrn Theveßen über die mögliche Herkunft der Attentäter auszutauschen, müsste das in Norwegen ein "Nachspiel" wg. grober Pflichtverletzung haben. Theveßen ist mir schon wiederholt als "Dampfplauderer" aufgefallen, ganz besonders nach den Anschlägen auf Mallorca im August 2009: www.blogmedien.de - Nur "Dampfplauderer" haben bei solchen ernsten Themen nichts zu suchen, schon gar nicht im gebührenfinanzierten Fernsehen.

Torsten

27. Juli 2011, 14:01

Alos der handwerklichen Kritik, dass trotz besseren Wissens in Richtung islamistischer Hintergrund spekulirt wird, kann man ja noch zustimmen, aber leider hat dieser Artikel in der Tat einen unangenehmen, moralisierenden Beigeschmack, als ob es das Absurdeste der Welt wäre, dass es sich um einen islamistischen Anschlag handeln könnte. Fakt ist: Der Bombenanschlag in Olso trug eindeutlich die Handschrift von Al Quaida, und da Oslo schon lange im Visier von Islamisten war, war ein solcher Hintergrund naheliegend, da ist es mMn schon oakzeptabel, dann erst mal in dese Richtung zu spekulieren (und da der Täter Islam-Hasser ist, wollte er die Öffentlichkeit vielleicht auch auf genau diese falsche Fährte locken).

Dass das jetzt so negativ ausgelegt wird, deutet wirklich darauf hin, dass dies zum Anlass genommen wird, dass ein paar politisch korrekte Gutmenschen Islam-kritischen Bevölkerungsruppen die Moralkeule überziehen und sagen wollen: "Seht ihr, habt ihr daneben gelegen mit eurer Islamophobie, ätschbätsch". Wie gesagt, die handwerkliche Kritik an den sogenannten "Experten" teile ich durchaus, aber dass das mit dem islamistischen Hintergrund zunächst so unwahrscheinlich nicht schien, dafür kann man schon etwas mehr Verständnis zeigen, anstatt gleich unnötig moralisierend zu werden.

Stefan Niggemeier

27. Juli 2011, 14:08

@Torsten: Sie meinen, jede größere Explosion in einem Regierungsviertel trage "eindeutig die Handschrift von Al Qaida"?

Ben-99

27. Juli 2011, 18:25

... ich hatte mich schon geschämt, ausgerechnet die BILD-Redaktion dafür zu loben, daß sie den “selbsternannten Terrorismusexperten” an diesem schwarzen ZDF-Freitag in die “Verlierer”-Rubrik einsortiert haben. Doch arbeitete BILD mal wieder schlampig und verwechselte die “heute”-Sendung um 19.00 Uhr, in der er diesen peinlichen Mist verzapft hatte, mit dem später gesendeten “heute-journal”, so daß sich dann gleich einige Blogger zur Ehrenrettung des Herrn Theveßen aufschwingen konnten.

Dank an Stefan Niggemeier, daß er sich hier noch einmal detailliert mit diesem Herrn befaßt. Und die “heute”-Verantwortlichen sollten sich mal Gedanken darüber machen, ob die Bezeichnung “ZDF-Terrorismusrexperte” bei den politisch etwas besser gebildeten Zuschauern nicht schon von vornherein beinahe zwangsläufig immer wieder Hohn und Spott auslöst.

zawihawass

27. Juli 2011, 23:38

@Gast

Also, wenn Sie mich persönlich ansprechen, dann kann ich Ihnen versichern, dass Berichterstattung wie im vorliegenden Beispiel von meiner Firewall gleich geblockt werden.

Ganz im Gegenteil, versuche ich zu durchschauen, was die Berichterstatter über sich selber aussagen. Das ist ziemlich genau das, was auch von Herrn Niggemeier in seinem Beitrag thematisiert und von vielen Lesern hier reflektiert wird.

Insofern fühle ich mich von Ihrer Kritik echt überhaupt nicht angesprochen. Ich wundere mich eher über Ihre Probleme beim Textverständnis und darüber, dass Sie jemanden suchen, um diesen Frust rauszulassen.

Frl.Cernatzke

28. Juli 2011, 00:59

http://-

Meiner Meinung nach hätte das ZDF ruhig einräumen können, dass man zunächst einer falschen Spur gefolgt war. Für mich wäre das glaubwürdiger als der dann folgende Gelehrtenstreit. Es ist doch durchaus möglich, dass auch zuverlässigste Informanten von den Ereignissen überholt werden.

Niggemeier oder Hanfels wissen zwar meist alles besser, aber eben immer nur hinterher, im Rückspiegel betrachtet. Zurecht oder nicht, eitel oder polemisch, jedenfalls ist ihre Kritik doch eher nebensächlich, wenn es nur um die Frage der allerersten Einschätzung geht.

ZDF-Thevessen hat einige vernünftige Bücher zum Thema geschrieben und seine Sachkenntnis hinreichend bewiesen. Warum also nicht einfach offenlegen, wie die ersten Fehlinformationen zustande kamen? Mein Vertrauen gerade in öffentlichen Fernsehnachrichten würde dadurch eher steigen.

Balser

28. Juli 2011, 11:21

Am 27.7. nach 22 Uhr hat ZDF offenbar über den Hintergrundsprecher Theveßen, der flexibel wie ein Presse-Medien-Wiesel sein Terrorismus-Experten-Fähnchen mit dem Gegenwind jetzt flattern lässt, einen 180-Grad-Hasenhaken geschlagen.

Und die Aufmerksamkeit der ZDF-Kamera auf die islamischen Migranten in den Kreuz-Berg-Vierteln gelenkt.

Unter deren islamistischen Zirkeln der Terrorismus-Experte des ZDF im blitzgescheitschnellen Vorurteil zunächst die massenmordmotivierenden fundamentalreligiösen Brandstifter "witterte".

Nach dem Experten-Flop - heißt der ZDF-Ente -  werden jetzt die islamischen Migranten als Laienschauspieler hofiert, um nach dem Drehbuch einer "Krimi-Schriftstellerin in verquast-verschlüsselten Redewendungen die Brandstifter-Fackel den einem ausufernden fundamentalen Islam kritisch gegenüberstehenden "konservativen" deutschen Bevölkerungsteil für die Erleuchtung des Massenmörders in die "rechte" Faust zu drücken.

ZDF-medialer Terrorismus-Experten-Wendehals-Journalismus vom feinsten subtil Unterschwelligen zur beliebigen Volks-Meinungs-Aufpuschung mittels "selbstgerechter" Lenkung der Volks-Meinungsbildung durch öffentliche Fernsehanstalten als völkische Umerziehungs-Maßnahme.

Schnitzler als Chef-Umerzieher und Volks-Oberlehrer des DDR-Staats-Monopol-Fernsehens müsste seine helle Freude daran haben, dass seine Meinungsdiktat-Fernseh-Vorstellungen nach der Wende bei den "Öffentlichen" auf solch fruchtbaren Boden des Meinungs-Terrorismus-Expertentum-Gartens gefallen sind.

In dem der Terrorismus-Experte Theveßen und sonstige wendige Meinungs-Akrobaten-Experten allenthalben als Gärtner ausgehalten werden von den öffentlich-bockigen Fernsehanstalten.              

GuGJanssen

28. Juli 2011, 13:08

http://Guenther M. Janssen, Estepona

Hier ist doch die Verantwortung des ZDF Chefredakteurs Dr. Peter Frey maßgebend. In dieser Sache geht nichts ohne sein ausdrückliches Einverständnis. Aber wie fast immer sendet das Zweite Deutsche Fernsehen Meinungen, Einschätzungen und Ideologien anstelle von Fakten. Nun hat das ZDF sogar mit hohen Gebührenzahlerbeträgen den privaten Programmen die Fußball Champions Liga Wettbewerbe weggekauft, damit vorher und in der Halbzeitpause höhere Einschaltquoten der unbeliebten Heute Sendungen erzielt werden.

Sigmund

28. Juli 2011, 16:34

Was mich interessieren würde: Was macht den Experten eigentlich zum Experten. Also nicht grundsätzlich, sondern ganz konkret und situativ. Welche, anderen unzugängliche Quellen haben E.T. und seine Kollegen eigentlich?

Oder lesen die auch nur die Laufbänder von n-tv und n24?

Ich höre von denen meistens nur Allgemeinplätze, die ich mir auch selber zusammenstricken könnte.

Es erinnert mich an die -ebenfalls selbsternannten- Hofberichterstatter (der mit der wirren Frisur, Worlitz hieß der glaube ich), die zwar irgenwelche jüngeren Skandälchen oder auch nur Gerüchte rekapitulieren können, aber von den historischen und verfassungsrechtlichen Grundlagen keinen Dunst haben.

Gast2

29. Juli 2011, 09:06

Keiner will als Infotainment verklausulierte "Nachrichten" wie im Privatfernsehen. Deswegen gehört Thevesen kräftig und deutlich aufs Maul gehauen. Wehret den Anfängen.

Trotzdem gilt uneingeschränkt, was Günter Blümel sagt:  "Er ist ein Experte und ein ordentlicher Journalist. Jeder macht mal Fehler."

Sandrine

30. Juli 2011, 02:36

Theveßen ist ein Journalist, kein Terrorismusexperte. Ein Journalist, der zwar etwas mehr über Terrorismus weiß als andere Journalisten, aber dadurch noch lange kein Experte ist. Ich kann der Kritik Nieggemeiers voll zustimmen. Ich finde, dass T. deutlich zum islamistischen Anschlag tendierte und zwar stärker, als die Fakten hergaben. Auch seine Quellen scheinen mir mehr als zweifelhaft.

Beim Tod von A. Winehouse war es ähnlich. Ich will beide Ereignisse nicht vergleichen, lediglich die Berichterstattung folgte dem gleichen Muster. Drogen-süchtige Sängerin tot=Überdosis (und das lange vor den Autopsieergebnissen). Anschlag= islamistischer Hintergrund.  Und nicht nur das ZDF sondern auch die anderen Sender setzten auf diese Gleichung. Obwohl schon früh Zweifel daran aufkamen.

Ein "Zu den Ursachen und den Drahtziehern können wir noch überhaupt nichts sagen" hätte ich jedenfalls besser gefunden als das Gerede von Journalisten, die sich fälschlicherweise für große Experten halten.

Freier Journalist

14. März 2012, 17:11

Dank an Herr Niggemeier, dass er an einem einzelnen Beispiel mal aufzeigt, wie der "Meinungs-mache-Journalismus in unseren öffentlich rechtlichen Medien funktioniert. Aber wie gesagt, nur ein Beispiel für tägliche Fehlleistungen vieler Journalisten bei ARD und ZDF. Warum gibt es eigentlich keinen "Ehrenkodex" für unsere deutschen TV und Radio-Medien, ähnlich der Print-Presse? Die Aufsichtsgremien der öffentlich rechtlichen Anstalten haben derzeit zu verantworten, dass inhaltlich (k)eine "saubere journalistische Arbeit getan wird.

Aber mit der kommenden Zwangsabgabe der Gebühren wird sicher alles besser. Gibt es bei ARD oder ZDF doch noch "freie Jounalisten" die aufstehen, ähnlich wie bei unserem Nachbarn ORF ?

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