Hunziker und Gottschalk bei "Wetten dass..?": Hirn und Herz
04. Dezember 2011, 09:44
Uhr
Als Thomas Gottschalk Mitte Juni in der Stierkampfarena von Palma de Mallorca stand, war ihm fast nicht anzumerken, dass es sein letztes Sommer-"Wetten dass..?" sein würde: Er scherzte wie immer mit seinen prominenten Gästen, versuchte die aufgekratzten Zuschauer in der Arena zu bändigen und war ziemlich beschäftigt damit, das geplante Programm in drei Stunden über die Bühne zu kriegen. Um die Details der Wetten oder gar die Namen seiner Kandidaten konnte sich Gottschalk an diesem Abend nun wirklich keinen Kopf machen.
Brauchte er auch nicht. Er hatte ja den von Michelle Hunziker.
"Wie war die Zeit nochmal, Michelle", fragte Gottschalk seine Co-Moderatorin, als schon ein Haufen Wettkandidaten neben ihm stand, um sich zu fünft in eine handelsübliche Badekappe zu quetschen. Hunziker wusste wie aus der Pistole geschossen: "Vier Minuten!" Und Gottschalk: "Top! Die Wette gilt."

Zweieinhalb Jahre ist es her, dass das ZDF die Schweizerin verpflichtete, um an Gottschalks Seite durch "Wetten dass..?" zu führen und ihm den Rücken freizuhalten, indem sie sich um die Vorbereitung der Wetten kümmert. Gottschalk sollte sich ganz auf den Showteil konzentrieren können. Das klang anfangs nach einer gewagten Idee. Inzwischen ist Hunziker, auch wenn die Aufteilung nicht ganz geklappt hat, aus "Wetten dass..?" kaum noch wegzudenken. Weil sie ihre Aufgabe ernst nimmt und hart dafür arbeitet.
Als Gottschalk im Ablauf der Mallorca-Sendung im Juni kurz durcheinander kam und bereits den nächsten Wettkandidaten hereinrufen wollte, wurde er erinnert: "Erst die Wette vorlesen!" Als er die Badekappen-Wette am Pool kommentierte, nahm Hunziker sich Wettpatin Cameron Diaz zur Seite und erklärte ihr flugs auf Englisch und ohne lästige Übersetzung, was da gerade passiert. Und als nachher das Mikrofon einer Kandidatin ausfiel, drückte Hunziker sie an sich, damit sie in ihr Headset-Mikro reden konnte.
Vor allem aber hat Hunziker – auf eine andere Art als Gottschalk, aber genauso ehrlich – einen direkten Draht zum Publikum. Sie merkt sich nicht nur die Namen der Kandidaten und kennt deren Wetten in- und auswendig. Sondern auch ihre Lebensgeschichten. Und wie sie auf die Idee gekommen sind. An welcher Stelle sie in der Probe besonders aufgeregt waren. Und wen sie grüßen wollen. Wahrscheinlich auch ihre Schuhgröße.
Sie sitzt im Publikum neben den Angehörigen der Kandidaten und entlockt den Kindern einen Gruß an den Papi auf der Bühne. Am Samstag, in Gottschalks Finalsendung, hat sie sich zwei Minuten vor Showbeginn noch schnell mit einem neunjährigen Fan fotografieren lassen und gestrahlt als sei sie die Mama.
Das Tollste ist aber: Man nimmt ihr ab, dass sie all das nicht spielen muss.
Auf den ersten Blick sind es vielleicht nur Kleinigkeiten, die die 34-Jährige zum Gelingen der Show beigetragen hat. Und nicht erst seit Samuel Kochs schlimmem Unfall in der Dezember-Sendung vor einem Jahr bereitete sich Gottschalk ja auch wieder selbst ausführlicher auf die Wetten vor.
Aber die Doppelmoderation hat trotzdem funktioniert: Gottschalk war stets unbestritten der Gastgeber, der "Wetten dass..?" sechs bis siebenmal im Jahr für viele Millionen Zuschauer zu einem Erlebnis machte. Einer, der mit dem Filmstar aus Hollywood genauso locker ins Gespräch kam wie mit dem Wettkandidaten aus dem kleinsten bayerischen Dorf. Und Hunziker war seine Absicherung.
Gottschalk weiß sehr genau, wie wichtig die zuletzt für ihn war. Im Warm-up zur Show am Samstag holte er einen Teenager aus dem Publikum, nahm ihn mit auf die Couch und fragte, ob er die Sendung vielleicht übernehmen wolle. Eigentlich sei es ja ganz einfach: "Links die Wetten, rechts die Showstars. Und wenn du nicht weiterweißt, suchst du Tante Michelle." Stimmt genau.
Gottschalk und Hunziker mögen sich in vielerlei Hinsicht unterscheiden: Sie ist gut vorbereitet, er lieber spontan; sie denkt an den Ablauf, er lieber an den nächsten Gag. In einem allerdings sind sich beide durchaus ähnlich: Sie sind bereit, auch mit körperlichem Einsatz, alles zu geben, um ihr Publikum zu unterhalten.
Dass die Arbeitsteilung, die sich im Laufe der vergangenen beiden Jahre entwickelt hat, mit Gottschalks letzter Sendung nun wieder vorbei sein muss, ist bedauerlich.
Screenshot: ZDF
Das gefällt Ihnen? Das Fernsehblog gibt's auch bei Facebook und Google+.