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Das Fernsehblog

Rückblog 2011: Überdosis Castingshow – und was dieses Jahr im Fernsehen sonst noch wichtig war

05. Dezember 2011, 15:54 Uhr

Nachdem die Jahresrückblicksaison seit Sonntagabend als eröffnet gelten darf, braucht die gute Nachricht ja nicht länger geheim gehalten zu werden: In diesem Jahr beteiligt sich – endlich! – auch das Fernsehblog am allgemeinen Rückblicksrausch! Völlig ziellos und ohne Plan geht es im Laufe des Monats an dieser Stelle also um Programmtrends, die 2011 im und für das Fernsehen wichtig waren. Wenn Ihnen auch noch einer einfällt: nur her damit! (Am besten unten in die Kommentare.)

Und wir starten natürlich – mit: Castingshows.

Kann das wirklich sein? Dass die Leute noch mehr Shows sehen wollen, in denen ganz normale Menschen ihr vermeintliches Talent präsentieren, um sich gegen sämtliche Konkurrenten durchzusetzen und anschließend mit einem Titel geschmückt werden, der erst einmal nicht mehr bedeutet als – vorübergehende Bekanntheit.

Ganz offensichtlich: ja. Zumindest sprechen fast fünf Millionen Menschen dafür, die am vergangenen Freitag bei Sat.1 die vierte Folge der neuen Castingshow "The Voice of Germany" gesehen haben.

Wie nachhaltig dieser Erfolg wirklich ist, wird sich spätestens im Januar herausstellen, wenn die Castingphase abgeschlossen ist und "The Voice of Germany" in die Liveshows startet. Aber eines haben Pro Sieben und Sat.1 schon mal geschafft: zu beweisen, dass in dem Genre, in dem bisher vor allem RTL den Ton angegeben hat, doch noch erhebliches Potenzial steckt. Es scheint tatsächlich Zuschauer zu geben, die sich Castingshows ansehen wollen, in denen es nicht vorrangig darum geht, die eine Hälfte der Bewerber möglichst kreativ hinauszubeleidigen und mit der anderen Skandalgeschichten aus ihrem Privatleben zu drechseln.

Dass die Juroren bei "The Voice of Germany" die Bewerber zunächst nicht sehen und nur anhand ihrer Stimme beurteilen müssen, scheint ein ungeheuer wichtiges Element zu sein. (Vermutlich ist die Mainstream-Lastigkeit der Jury, in der Nena und Xavier Naidoo sitzen, auch nicht ganz unwichtig.)

Denn die Show an sich ist alles andere als eine Revolution. "The Voice of Germany" bedient sich vieler Elemente, die auch die "Deutschland sucht den Superstar" groß gemacht haben. Dazu gehört das Versprechen, dem Sieger stünde eine "phänomenale Karriere" bevor, was zumindest in Deutschland bisher noch von keinem anderen Format eingelöst werden konnte; und natürlich die konsequente Überhöhung des Geschehens. Auch "TVoG"-Teilnehmer kämpfen "um Sieg oder Niederlage", müssen sich gegen "absolute Topfavoriten" durchsetzen; sollen einen "exklusiven Plattenvertrag" kriegen und "Deutschlands neue Stars" werden.

Dass es in der Sendung einzig und allein um die Stimme geht, ist eine Illusion. Auf die Auswahlprodzedur in den momentan laifenden "Live Auditions" bezogen, mag das noch zutreffen. Aber auch die Macher von "TVoG" wissen, wie wichtig es ist, Protagonisten anhand ihrer Geschichten zu erzählen.

Es gibt den Kandidaten, der vor dem Auftritt über den Krebstod der Mutter redet; die junge Frau, deren Vater die Familie im Stich gelassen hat, und die ihm jetzt übers Fernsehen ihre Eigenständigkeit beweisen will; und unheimlich viele Leute, die mit ihrer Erstkarriere gescheitert sind, aber noch einmal einen neuen Anlauf wagen wollen.

Dieses Geschichtenerzählen hat "Deutschland sucht den Superstar" in den vergangenen Jahren konsequent weiterentwickelt – und so stark übertrieben, dass es die ursprüngliche Idee des Talentwettbewerbs längst überstrahlt. Kein Mensch schaltet "DSDS" mehr ein, um die Kandidaten singen zu sehen, der Krawall ist längst wichtiger. (Insofern hat RTL quasi mitgeholfen, den Erfolg von "The Voice of Germany" vorzubereiten.)

Einen Automatismus, dass Castingshows per se erfolgreich sind, gibt es allerdings nicht. Das hat RTL 2 in diesem Jahr mit "My Name is" (siehe Fernsehblog) erfahren müssen. Nach einem relativ starken Start stieß das Finale des Doppelgänger-Castings Anfang Juli nur noch auf mittelmäßiges Interesse beim Publikum. "X Factor" bei Vox geht es derzeit ganz ähnlich. Die Quoten für die hochprofessionell gemachte Show liegen zwar über dem Senderschnitt, aber für den Aufwand, der mit der Inszenierung getrieben wird, ist das Publikum zu klein. Das ist besonders deshalb ärgerlich, weil "X Factor" als erste Castingshow im Privatfernsehen den Mut hatte, tatsächlich das musikalische Können der Teilnehmer in den Mittelpunkt zu rücken und damit einen Kontrast zum Kuriositätenkabinett von RTL zu setzen. Falls Vox die Show im kommenden Jahr fortsetzt, wird es schwierig, aus dem Konzept noch mehr herauszuholen. Vor allem, wenn das Publikum sich gerade an "The Voice of Germany" als Alternative gewöhnt.

Hochinteressant wird auch, wie sich im Januar "Unser Star für Baku" schlägt – weil die Sendung, nachdem sie in diesem Jahr den offiziellen Lena-Festspielen geopfert wurde, dann im Ernsthaftigkeitswettbewerb der TV-Castings nicht mehr alleine dasteht.

Um gleich einen neuen Fairnesstrend fürs Castingfernsehen auszurufen, ist es aber vermutlich noch ein bisschen früh: Im Januar geht "DSDS" in die nächste Runde, und "Das Supertalent" läuft trotz kleiner Rückschläge für RTL immer noch überragend. (Wobei die Show kaum noch dem Genre Casting zuzurechnen ist: sie bedient sich zwar dessen Stilmitteln, entscheidend ist aber der durchinszenierte Jahrmarktcharakter.)

Und auch wenn Pro-Sieben-Sat.1-Chef Andreas Bartl sein Programm gerade für die "Qualität" und den "anderen Zugang zum Genre Casting" lobt: die nächste "Popstars"-Staffel mit dem schreienden Tanzlehrer ist schon angekündigt und dreht das "The Voice of Germany"-Prinzip vermutlich wieder komplett auf links, ebenso wie Heidi Klum bei "Germany's Next Topmodel", wo weiterhin angehende Laufstegprinzessinnen zum Kuschelmobbing antreten. Und dann will sich ja auch noch Vox mit "Das perfekte Model" enimischen.

Eines immerhin hat sich im Laufe der vergangenen Monate im deutschen Castingfernsehen verändert: Die Chance, ernst genommen zu werden, ist inzwischen fast genauso hoch wie als totaler Trottel dazustehen.

Zumindest, wenn man sich für die richtige Sendung entscheidet und bereit ist, seine Privatheit eine Zeitlang ans Fernsehen abzutreten.

Der Rückblog zu den Programmtrends 2011 geht weiter. Bald an dieser Stelle. Vorschläge?

Screenshots: Sat.1, RTL, Vox, Pro Sieben

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Kommentare

viewer

05. Dezember 2011, 16:24

http://viewer

Grundsätzliche Zustimmung, ein paar wenige Einsprüche:

a) Dass noch kein Gewinner einer deutschen Casting-Show länger anhaltenden Erfolg hatte, seh ich zumindest bei den "No Angles" (1. Staffel Popstars, damals noch bei RTL2) anders. Die waren schon sehr lange und über mehrere Alben gut im Geschäft.

b) Popstars mit DSDS und Supertalent auf eine Stufe zu stellen ("das dreht das TVoG-Konzept auf links") finde ich falsch. Im Gegensatz zu Bohlen hat D! größten Respekt vor seinen Kandidaten. Man zeigt zwar auch Deppen in der ersten Runde, aber unterlegt ihre Darbietung nicht mit comichaften Geräuschen oder über das Bild gezeichnete Gags und vor allem: lässt sie nicht 10 Minuten lang zuvor über ihr Leben und ihr Schicksal sprechen, bevor man sie dann mit den genannten Effekten lächerlich macht.

c) Du hast in Deinem Ausblick am Ende die neue Sat.1-Castingshow "The winner is" unteschlagen, für die schon eifrig geworben wird.

d) Was ich bei TVoG noch erwähnenswert finde: so gut sie gemacht ist, das Klatschen der Zuschauer ist so was von willkürlich und manipulativ in Szene gesetzt (kaum singt ein Kandidat halbwegs gerade aus, gibts frenetische Standing Ovations) wie bei dem Supertalent. Das trübt meinen sonst sehr positiven Eindruck erheblich.

hobbitfreund

05. Dezember 2011, 16:25

Bei "momentan laifenden "Live Auditions"ist ein kleiner Tippfehler drin;-)

Hab eher zufällig (und sehr voreingenommen) ein bisschen TVoG gesehen und war aber positiv überrascht. Trotzdem gibts mehr als genug Castingshows. Aber DSDS oder Popstars werden  ja wegen des Erfolgs von TVoG wohl kaum abgesetzt werden. Bleibt nur zu hoffen, dass sie den Quotentod sterben.

bruno violento

05. Dezember 2011, 17:47

" Im Gegensatz zu Bohlen hat D! größten Respekt vor seinen Kandidaten. "

Ich erinnere mich an Szenen bei popstars, in denen die Nachricht vom Tod einer Kandidatin genüsslich über mehrere Minuten und in ständiger Wiederholung als besonders dramatischer Moment ausgekostet wurde. "Größten Respekt" kann ich darin nicht erkennen. Auch D!'s ex-Jury-Kollege Sido war von ihm nicht begeistert: >>"Er ist ein Vollidiot, so des Rappers Urteil über Soost. "Privat genauso abgebrüht wie in der Sendung. Er muss das nicht mal spielen. Gut, er verdient damit sein Geld und kriegt dadurch auch noch Werbung für seine Tanzschulen. Nur, menschlich ist das nicht."<< (http://www.laut.de/Sido/D!-Soost-ist-ein-Vollidiot/15-10-2009)

Morph

05. Dezember 2011, 18:06

Vorschlag: Der Niedergang des Call-In-TVs? Wobei, das wäre schon fast schon wieder zu belanglos ;-)

plumtree

05. Dezember 2011, 20:54

http://blometrik.blogspot.com/

Gerade die sich gegenseitig anfrotzelnde Jury ist vielleicht noch ein Grund, weshalb TVoG so erfolgreich läuft .

Bisher wurden alle Kandidaten extrem höflich, manchmal zu höflich, behandelt, während die vier (fünf) Juroren sich gegenseitig fröhlich anpöbeln - aber eben auch immer so, dass man den Respekt voreinander merkt.

Uns gefällt die Sendung ausnehmend gut. Die Qualität der Kandidaten ist bisher überragend. Und die Herz/Schmerz Sachen halten sich in Grenzen.

Auch wenn das Supertalent keine echte Casting Show ist, so nervt uns dort der Mitleidfaktor gewaltig. Manche Darbietungen sind ja spannend, also haben wir alle Sendungen aufgezeichnet und brauchen für die zwei Stunden Sendung i.d.R 45 Minuten reale Sehzeit.

Jeeves

05. Dezember 2011, 20:56

Wenn das hier oben das wichtigste im deutschen TV anno 2011 war - dann hab ich wirklich nix versäumt, denn nichts davon ist vor irgendeinem Interesse oder wichtig.

Oder ist der Beitrag Satire?

Uli

05. Dezember 2011, 21:28

Vorschlag: Die Explosion des Polit-Talks.

Wie bei Casting Shows sehe ich hier eine gnadenlose Übersättigung, alte Formate werden bis zum erbrechen fortgeführt und neue kopieren nur altbekanntes. Klar kuckt man sich so was mal gern an, aber doch nicht ständig und jeden Tag kaum noch unterscheidbare Formate.

Horst Pinscher

05. Dezember 2011, 23:26

The Voice of wayne interessiert ist für mich genauso grottig wie der Rest. Ich verstehe den aktuellen hype um diese Sendung nicht. Denke die Zuschauer sie wären nicht "assi" wenn die The Voice of Germany schauen? Besser als die DSDS, Supertalent oder Popstars Zuschauer? Ein Xavier Dingeskirchen der die Mimik eines Stummfilm Darstellers an den tag legt und wer war da noch dabei? Auf mich wirkt das genauso inzeniert wie die anderen "Talent Shows" Es ist egal wie man es nennt gequirlte Sche... aber alle die (wie kürzt man es cool ab?) TVoG schauen sind ja so viel intellektueller als DSDS schauer. ja ja ;)

Petra

05. Dezember 2011, 23:55

http://nachbarsgarten.blogspot.com/

Mein Vorschlag - Die neue "Ästhetik" in den deutschen Krimis. Nach der Seekrank-Wackel-Kamera, die wir aus den amerikanischen Serien importiert haben, kommt jetzt durch die Hintertür das Schwarz-Weiß-Fernsehen zurück. Die Serie SoKo 5113 regt geradezu dazu an, mal wieder nach München zu fahren, um zu sehen, ob es dort wirklich so trist aussieht.

Ulrich

06. Dezember 2011, 10:26

DEr Rückgang des Erfolges der US-SErien im Privatfernsehen ist mein Trend 2011

Peer Schader

06. Dezember 2011, 11:56

Danke für die Vorschläge, gerne mehr davon. Ich sammele. Wenn genug zusammenkommt, ließe sich vielleicht ein Leser-Special schreiben.

TOPCTEH

06. Dezember 2011, 14:05

Sehr ausgeprägt ist der Trend, Jahresrückblicke immer schon Anfang Dezember zu senden (das gilt auch für Jahresrückblick-Blogeinträge *mit Zaunpfahl wink*). Eigentlich erwarte ich Jahresrückblicke Anfang Januar und nicht früher.

Dann gibt es noch das völlige zu-Tode-Senden von Preisverleihungen mit lustlosen Moderatoren/Preisträgern/Publikum.

Auch 2011 wieder festzustellen war die Diskrepanz zwischen im Voraus hochgelobten TV-Krimis (Tatort/Polizeiruf/whatever) und den tatsächlich Gesendeten, das sich dann doch wieder nur als das übliche Sozialpädagogen-Hörspiel entpuppte.

Der allerneueste Trend ist dann das Senden von Erstausstrahlungen nachts ab 1:00 Uhr.

SvenR

06. Dezember 2011, 14:45

Das Zeigen, besser, Verramschen von hervorragen amerikanischen Serien auf Spartenkanälen und zur Unzeit, z. B. Breaking-Bad-Doppel- und Trippelfolgen auf Arte dienstags Abend ist mein bedausernswerter Trend 2011.

doriscully

06. Dezember 2011, 16:33

http://-

Nachdem ganz Deutschland über die Privatsender einmal aus- und wieder zurückgewandert ist, ist ein neuer, trauriger Trend das zunehmende Ausstrahlen von Dauerwerbesendungs-Formaten - hin und wieder erlebt man sogar, dass Jamba-Klingeltonabende oder Galoppstars.de-Rennen von Filmen/Serien/"Dokumentationen" unterbrochen werden

Marcel Pohlig

06. Dezember 2011, 19:00

http://www.fernsehlounge.de

"X Factor" hatte als erste Sendung im Privatfernsehen den Mut, die Musik in den Mittelpunkt zu stellen? Und gleich danach geht es um "Unser Star für Baku", dessen Vorläufer vor fast zwei Jahren eine seeeehr auf Musik bezogene (sogar selbst geschriebene Titel!) Show war? Das finde ich etwas vermurkst.

Mir ist "X Factor" in der zweiten Staffel auch zu sehr ins Privatleben der Kandidaten getaucht und allgemein ist die Sendung viel zu aufgeblasen, dauert ja länger als das Original ...

Peer Schader

06. Dezember 2011, 20:57

@Marcel Pohlig: "Unser Star..." gab's aber nur wegen der Zusammenarbeit mit der ARD. Alleine hat sich Pro Sieben damals sowas als Primetime-Show noch nicht getraut. Insofern: nö, finde ich nachvollziehbar, so wie's da steht.

Gernot

07. Dezember 2011, 10:02

Fernsehköche, Peer, Fernsehköche!!!

Nimmt denn ausser mir niemand war, dass man nun schon seit Jahren nicht mehr durch die Programme schalten kann, ohne dass man in der (gefühlten) Hälfte davon auf diese immer gleichen weiss oder schwarz bedressten Nervensägen trifft? In Kochshows, Talkshows, allein oder auch im ganzen Rudel.

Ich versuche manchmal, mich daran zu erinnern, was so im Fernsehen lief, als

diese Menschen noch in ihrem Restaurant standen, um da vielleicht den einen oder anderen Menschen glücklich zu machen. Ich weiss es nicht mehr.

Uli

07. Dezember 2011, 10:21

"Der Rückgang des Erfolges der US-Serien im Privatfernsehen ist mein Trend 2011"

Stimmt, bzw. die Verdrängung in's Pay TV, auf Spartensender oder gleich in's Nachtprogramm. Beispiele:

- True Blood (Nachtprogramm RTL2)

- The Walking Dead (Pay TV)

- Game of Thrones (Pay TV)

- Dexter (Nachtprogramm RTL2)

- Mad Men (Pay TV und ZDFneo)

- Breaking Bad (Pay TV und Arte)

- Good Wife (erst Pro7, dann Kabel Eins)

- Royal Pains (RTL 22 Uhr, tat sich schwer)

- White Collar (RTL 22 Uhr, tut sich schwer)

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen mit guten, teils preisgekrönten Serien,  die in Deutschland aber keinen Fuß (mehr) auf den Boden bekommen. Die Sender tragen dazu natürlich bei, indem sie beispielsweise den Dienstag 22 Uhr Sendeplatz mit überhohen Erwartungen angehen. Werden die von einer neuen Serie nicht erfüllt, zeigt man lieber Wiederholungen alter Serien.

Christian A.

07. Dezember 2011, 11:09

Meine Themen des Fernsehjahres 2011:

- Talkshowflut im Ersten / Wie ist die Bilanz der ersten Wochen des neuen Programmschemas? / Diskutieren alle über dieselben Themen?

- Harald Schmidt: Neuer Arbeitgeber, neuer Elan? / Die Late-Night-Wüste Deutschland

- EinsFestival / ZDFneo: Zwischenbilanz - weiter auf der Suche nach jungen

Zuschauern? Wie solls weitergehen? Wo bleiben weitere neue Formate? Junges Ghetto der ÖR, weil Modernisierung der Hauptprogramme hoffnungslos?

- Wiederholungsrate von Filmen und Serien: ProSiebenSAT.1 und die immer effizientere Nutzung des Programmvermögens (wie oft läuft jetzt auf den P7S1-Sendern die Sendung "Two and a half men")? / Immer mehr Serien mit Doppel- und Vierfachfolgen am Stück (auch bei RTL2 und Co.)

- Retrokult: Neuauflage von alten Formaten wie "Dalli dalli" / im Kontrast dazu: ZDFneo und ZDF.Kultur wiederholen alte Serien + Shows (auch das Original von "Dalli Dalli") - aber warum meist tagsüber und warum auch oft mit mehrere-Folgen-am-Stück-Programmierungen? Geht man so mit Klassikern um?)

- Wie geht´s weiter mit deutschen Serien? Die "Schmunzelkrimis" im ARD-Vorabendprogramm / Nur noch Krimis im ZDF?

- ARD und ZDF verheizen ihre wenigen US-Lizenzen oft in Randstunden oder nur auf Digitalkanälen

- ARD/ZDF auf großer Einkaufstour (ARD: Jauch, Opdenhövel,... - ZDF: Champions League,...)

- Die ewige Abschiedstour von "Wetten dass...?" (letzte reguläre Show, letzte Sommerausgabe, Rückblickausgaben)

- Das Ende von 9live

- Das Phänomen "Das Vierte" (wie fülle ich mit wenig Programm einen ganzen Kanal?)

- Der Serienwettbewerb der Odeon-Film (www.serienwettbewerb.de): Gute Idee, was ist daraus geworden? Könnte dieser Wettbewerb ein Vorbild für die Zukunft sein?

T.H.

07. Dezember 2011, 13:03

Mein Thema 2011 (wie auch 2010/2009/2008 und 2007): Die IQ-Ödnis des Vorabends. Ich komme von der Arbeit zurück wünsche mir über die wichtigen Ereignisse informiert zu werden und pralle auf die geballte Sinn- und Zwecklosigkeit des Vorabends. Ein wenig Kurzberichterstattung gibt's dann und der Rest? "Boulevard"-Magazine (Bildzeitungs TV) gerne auch zeitgleich auf allen Dritten der ARD und der ZDF (tät's da nicht eins für alle?) und billige Krimis in allen Formen und Farben. Ich ertappe mich regelmässig dabei wie ich als erwachsener Mann bei den Simpsons lande, weil dort noch die meisten Gehirnzellen in Anspruch genommen werden.

Mein Trend für 2011: Die Vernachlässigung einer ganz kleinen Minderheit: Durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligente Menschen mit durchschnittlicher bis überdurchschnittlicher Bildung im Alter zwischen 16 und 75 mit geregelter Arbeit. Für die gibt's nämlich wirklich recht wenig im deutschen Fernsehen und wenn's etwas gibt, muss man es sich an den unerreichbarsten Stellen (sowohl was Sender als auch Sendezeit angeht) mühsam zusammensuchen.

Petra

07. Dezember 2011, 13:30

http://nachbarsgarten.blogspot.com/

@Peer Schader

Was ist mit SSDSDSSWEMUGABRTLAD von Stefan Raab, Vorläufer der Wir-haben-Lena-gefunden-Show, aus der eine recht erfolgreiche Stefanie Heinzmann hervorgegangen ist?

Und der Vorvorläufer SSDSGPS, dem wir Max Mutzke und seine Teilnahme am Eurovision Song Contest, verdanken.

Das waren doch tolle Castings zur Prime Time.

Uli

07. Dezember 2011, 14:27

"EinsFestival / ZDFneo: Zwischenbilanz - weiter auf der Suche nach jungen

Zuschauern? Wie solls weitergehen? Wo bleiben weitere neue Formate?"

Oh da dürfen die zwei Pappnasen Joko und Klaas natürlich nicht fehlen, die hatten 2011 ja gefühlte 10 Sendungen und kann inzwischen niemand mehr sehen. Auch das ein klarer Fall von Überdosis.

Peer Schader

07. Dezember 2011, 14:33

@Petra: Sie haben aber eine lange Primetime.

Petra

07. Dezember 2011, 18:09

http://nachbarsgarten.blogspot.com/

@Peer Schader

Jepp - Prime Time reicht bis Verdict Revised und Zapp. Hat schon Truck Stop gesungen "Fang Deinen Tag doch später an, dann bleibst Du länger dran."

Alex

07. Dezember 2011, 19:38

@Peer Schader: und Sie erwähnten im ursprünglichen Eintrag nirgendwo etwas von Primetime, weshalb es eben nicht nachvollziehbar ist (wie ja auch manche Beiträge hier entsprechend zeigen) ;)

Peer Schader

07. Dezember 2011, 20:39

@Alex: Ja, wahrscheinlich war es zu unspezifisch formuliert.

Möwe in Grau

12. Dezember 2011, 01:20

Am liebsten schaue ich mir inzwischen etwas an, das klar strukturiert ist und mir etwas Unbekanntes stringent erklärt oder fremde Welten nahebringt. Gerne in bestechend klarer Optik. Da müßten die technischen Möglichkeiten heute besser als jemals zuvor sein. Bei den Highlights wird man visuell zum Begreifen gebracht und taucht mit ins Wasser ein. Oder ins Sinnen über das Thema. Und in ganz andere Welten. In den dritten wie hier im NDR läuft das manchmal.

Es gibt heute in Architektur und Design einen langanhaltenden Trend zu einer neuen Einfachheit, es wird reduziert und aufs wertvolle Substrat eingedampft - wo spiegelt sich das groß in den Sendungen? Dieser Einheitswirbel aus kleinen Erklär-Clips hier und Bonbonfarben und Musikeinsprengseln ist ermüdend, dazu Text, Text, Text als ununterbrochenes Geplapper. Bei der Beisetzung von Lady Di durfte man noch über Minuten langsam gesetzte Huftritte auf sich wirken lassen und dadurch das ganz andere eines solchen Events erfahren. So wie die dort anwesenden Zuschauer auch, konnte also wirklich mitschwingen. Heute wird das von belanglosen Sätzen übertönt. Diese oberlehrerhafte Art, zu wissen, was ich jetzt will...

Wann kommt endlich der Aquarium-Live-Stream, der die Zeiträume füllt, in denen nichts wichtiges gesendet wird? Und bei dem man sich dazwischen mal erholen kann. Eh man erschöpft ganz abschaltet oder einfach noch öfter lieber das Internet an. Vielleicht gibt es dieses attraktive Format bereits - gegen Gebühren für die zahlungsfähigen Leistungseliten, die den Zugang zu ihren Recreationphasen gut organisiert haben? Ich möchte das auch für alle, ein Ort der Aufzeichnung, zu dem dann hingeschaltet wird. Das ist nicht teuer.    

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