Klimaschutz bringt Deutschland 5 Milliarden Euro
01. November 2007, 11:50
Uhr
Das
Klimaprogramm der Bundesregierung wird Wirtschaft und private Haushalte
zwar finanziell belasten, doch diese Investitionen rechnen sich
mittelfristig nach einem Gutachten des Umweltministeriums, weil die
Energiekosten stärker sinken. Die Einsparungen im Jahre 2020 für die
Volkswirtschaft bezifferte Minister Sigmar Gabriel (SPD) am Mittwoch in
Berlin auf 5 Milliarden Euro. "Da wir kein Geld zu verschenken haben,
sollten wir die Projekte umsetzen", sagte der Umweltminister.
Gabriel
zeigte sich überzeugt, dass trotz einiger strittiger Punkte mit
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ein wesentlicher Teil des
Programms bis Anfang Dezember und damit kurz vor der Klimakonferenz der
Vereinten Nationen in Bali vom Bundeskabinett verabschiedet werden
könne. Die Regierung will, wie bei der Kabinettsklausur in Meseberg
beschlossen, die Energieeffizienz von Gebäuden, Elektrogeräten und
Autos verbessern und den Anteil erneuerbarer Energie steigern, um den
Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um weitere 18 Prozent zu
verringern. Sie lägen damit 36 Prozent unter dem Niveau des Jahres
1990. Die Regierung peilt eine Senkung von 40 Prozent an, doch dazu
bedürfte es weiterer staatlicher Förderprogramme, die 2008 auf 2,6
Milliarden Euro steigen.
Gabriel
legte den Zwischenbericht eines Gutachtens vor, in dem die Regierung
erstmals Kosten und Nutzen des Energie- und Klimaprogramms beziffert.
Danach führen die 17 wichtigsten von den insgesamt 29 Maßnahmen zu
Einsparungen bei Kohle, Öl und Gas von jährlich 36 Milliarden Euro
zwischen 2008 und 2012. Die Investitionen (einschließlich staatlicher
Förderung) werden auf jährlich 31 Milliarden Euro geschätzt. Dabei
werden allerdings nicht die gesamten Ausgaben erfasst, sondern
lediglich die Zusatzkosten, die etwa für eine bessere Dämmung von
Häusern, für mehr erneuerbare Energie oder für effizientere
Elektrogeräte erforderlich sind. Für die Berechnung wurde ein Ölpreis
von 65 Dollar je Fass unterstellt, also ein Wert, der unter dem
jetzigen Marktpreis von etwa 90 Dollar liegt.
Der
Zwischenbericht, dem im Dezember die Endfassung folgen soll, fällt
etwas positiver aus als die Analyse des Bundesverbandes der Deutschen
Industrie (BDI), die im September vorgelegt wurde. Auch hier war der
Großteil der Maßnahmen als rentabel bezeichnet worden, weil die
Energieeinsparung mittelfristig die Investitionskosten deckt. Die
Studie kam indes zum Ergebnis, dass für einige Projekte die Kosten zur
Vermeidung einer Tonne Kohlendioxid bei etwa 20 Euro lägen, das
Umweltbundesamt errechnete jedoch im Durchschnitt einen günstigeren
Wert. BDI-Präsident Jürgen Thumann sagte, die Diskussion um den
Klimaschutz könne jetzt viel sachlicher geführt werden. Gabriel
sicherte zu, dass er beim Emissionshandel vom Jahre 2013 an die
Industrie im Wettbewerb nicht benachteiligen werde. Nur die
Stromversorger müssten dann hundert Prozent der Zertifikate ersteigern.
Die
Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung
ergab, dass die beste Klimaschutzrendite und damit die größte
Energieeinsparung effiziente Elektrogeräte in Industrie und Haushalten
erbringen. Mit geringen Zusatzkosten lassen sich jährlich 4 Milliarden
Euro einsparen. Bei der Gebäudesanierung ist das Resultat ebenfalls
positiv. Auch sind die Kosten zur Vermeidung einer Tonne Kohlendioxid
hier viel geringer als bei Kraftwerken, bei denen zurzeit der
Terminpreis für ein Emissionszertifikate bei 20 Euro liegt. Nur beim
Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, die bis 2020 ihren Anteil an der
Stromerzeugung auf 25 Prozent verdoppeln soll, fallen höhere
Kohlendioxidkosten an. Ähnliches gilt für die Pflicht zum Einbau von
Öko-Wärme, die die Regierung einführen will, sowie für Biokraftstoffe.
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