China und Indien machen Klimaschutz zunichte
13. November 2007, 02:50
Uhr
Das rasante Wirtschaftswachstum von China und Indien wird den Energieverbrauch
beider Länder bis zum Jahr 2030 mehr als verdoppeln. Selbst wenn alle Länder der
Welt radikal in energiesparende Maßnahmen investierten und ihre Energiepolitik
zugunsten der Umwelt umstellten, würde der Ausstoß des Treibhausgases
Kohlendioxid in 23 Jahren um 25 Prozent über den jetzigen Emissionen liegen, schreibt Bettina Schulz.
Falls die Staaten ihre Umwelt- und Energiepolitik nicht
radikal ändern, wovon auszugehen ist, wird der Ausstoß des umweltschädlichen
Kohlendioxids im Jahr 2030 um 57 Prozent über dem jetzigen Niveau liegen. Davor
warnt die Internationale Energie-Agentur (IEA) in ihrem Weltenergiebericht, der
dieses Mal den Energiebedarf von China und Indien behandelt. "Wenn die
Regierungen dieser Welt ihre Politik nicht ändern, werden Öl- und Gasimporte,
die Nutzung von Kohle als Energieträger und die Emission von Treibhausgasen in
den nächsten 23 Jahren unweigerlich steigen", betonte Nobuo Tanaka, der
Generaldirektor der IEA, bei der Präsentation des Berichtes in London. "Diese
Entwicklung bedroht die Sicherheit der Energieversorgung und beschleunigt den
Klimawandel. Eine neue Politik könnte aber den Weg zu
einer alternativen Energiezukunft ebnen."
Die IEA hat unter der Annahme unveränderter Umwelt- und
Energiepolitik der internationalen Ländergemeinschaft errechnet, dass China die
Vereinigten Staaten schon kurz nach dem Jahr 2010 als weltgrößten
Energieverbraucher ablösen wird. Noch vor 2025 werde Indien Japan als
drittgrößten Nettomineralölimporteur nach den Vereinigten Staaten und China
ablösen. "Die riesigen Herausforderungen, die China und Indien mit Blick auf
ihren Energiebedarf gegenüberstehen, sind eine globale Herausforderung", sagte
Tanaka. "Der Weg zu einer sicheren, wettbewerbsfähigen und energiesparenderen
Politik muss daher die beiden wachsenden Giganten mit einbeziehen."
Nach Berechnungen der IEA wird die Energienachfrage der
Welt im Jahr 2030 um die Hälfte höher liegen als heute. China und Indien werden
allein 45 Prozent der gestiegenen Energienachfrage ausmachen, und noch immer
wird die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen, also Öl, Gas und Kohle, die
Energieerzeugung dominieren. Wegen des Baus zahlreicher neuer Kohlekraftwerke in
China und Indien wird die Nachfrage nach Kohle sogar am stärksten zunehmen.
Schon dieses Jahr wird China wegen seines explodierenden Energieverbrauches die
Vereinigten Staaten als größten Emittenten von Treibhausgasen übertreffen.
Indien wird im Jahr 2015 der drittgrößte Emittent von Kohlendioxyd sein.
Alle energieverbrauchenden Länder werden nach Schätzung
der IEA deutlich abhängiger vom Öl- und Gasimport aus dem Nahen Osten und
Russland werden. Obwohl in größere Kapazitäten investiert werde, sei nicht
sicher, ob zusätzliche Produktionsmengen die hohe Nachfrage decken könnten, sagt
die Agentur. Lieferengpässe bis zum Jahr 2015 könnten zu einer plötzlichen
Explosion des Ölpreises führen. Die Energienachfrage von China und Indien könnte
sich sogar noch deutlich erhöhen, sollten beide Länder bisherige
Wachstumsprognosen um nur 1,5 Prozent jährlich übertreffen.
Würden alle Länder der Welt jedoch die energiesparenden
Maßnahmen einführen, über die derzeit debattiert wird und die in politischen
Kreisen erwogen werden, dann könnte der Ausstoß von Treibhausgasen ab dem Jahr
2020 langsam stagnieren. Allein strengere Auflagen, um den Energieverbrauch von
Klimaanlagen und Eisschränken zu drosseln, könnten zu einer Energieersparnis
führen, die der Energieproduktion der chinesischen Kraftwerke am
Drei-Schluchten-Damms gleichkäme, gibt die IEA zu bedenken.
IEA senkt Prognose für Ölnachfrage
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