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Freenets letztes Stündlein

22. September 2007, 23:07 Uhr
Nun kommt es, wie es kommen musste: United Internet und Drillisch haben sich zusammengetan, um Freenet zu übernehmen, anschließend zu zerschlagen und aufzuteilen: United Internet bekäme in diesem Fall das DSL-Geschäft, das Internetportal und wohl auch den Web-Hoster Strato. Drillisch bekäme das Mobilfunkgeschäft. Für beide Unternehmen wäre der Schritt strategisch sinnvoll:

  • United Internet könnte sich mit Freenets 1,2 Million DSL-Kunden von den Konkurrenten Hansenet und Arcor absetzen, die zuletzt stark aufgeholt hatten. Außerdem passen die Geschäftsmodelle: UI und Freenet sind als DSL-Wiederverkäufer groß geworden und bieten jetzt Komplettpakete aus Telefon und Internet an, beide in Zusammenarbeit mit Telefónica.
  • United Internet als reichweitenstärkster Werbevermarkter in Deutschland könnte sich mit dem Freenet-Portal weit von der Konkurrenz absetzen. Potentielle andere Interessenten wie Hansenet, Arcor oder Telefónica sind in der Online-Vermarktung nicht präsent und könnten mit dem Portal wenig anfangen.
  • United Internet ist auch größter Web-Hoster Deutschlands. Freenets Tochtergesellschaft Strato ist die Nummer 2 im Markt. UI hatte schon an Strato Interesse, als die Gesellschaft von Teles an Freenet verkauft wurde. Die UI-Finanzexperten waren damals gerade in Berlin, um Stratos Finanzen unter die Lupe zu nehmen, als Freenet überraschend die Übernahme von Strato verkündete. Allerdings könnte das Kartellamt etwas dagegen haben, wenn die Nummer 1 die Nummer 2 übernimmt.
  • Drillisch könnte mit den Mobilcom-Kunden endlich eine überlebensfähige Größe im hart umkämpften Mobilfunkmarkt erreichen und sich gegen Debitel/Talkline behaupten.
  • Und gemeinsam könnten UI und Drillisch die drei Milliarden Euro Verlustvorträge aus dem UMTS-Abenteuer von Mobilcom nutzen.

Also nur Gewinner? Nicht ganz. Freenet-Chef Eckhard Spoerr, der zuletzt selber einen Käufer gesucht hatte, um einer feindlichen Übernahme durch Drillisch zu entgehen, ist um eine Hoffnung ärmer. Er hatte vor allem auf Telefónica oder United Internet als Partner gesetzt. Nun hat sich UI-Chef Ralph Dommermuth mit Spoerrs ärgstem Feind, dem Drillisch-Vorstandsvorsitzenden Paschalis Choulidis, verbündet. Für Spoerr wird es nun sehr eng. Ferrari-Fahrer Dommermuth und Porsche-Fahrer Spoerr  - das passt wohl nicht zusammen. Für Dommermuth kann jetzt nur noch etwas schiefgehen, wenn Telefónica mitbieten sollte. Für Dommermuth wäre die Übernahme ein finanzieller Kraftakt, für Telefónica eine Kleinigkeit.

Veröffentlicht 22. September 2007, 23:07 von Holger Schmidt
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Kommentare

jochen ehlert

24. September 2007, 10:27

http://-,-

Ist das der Begin einer modernen Sklaverei?

Was ist mit den Freenets 1,2 Million DSL-Kunden, haben die ein Sonderkündigungsrecht?

Ist es sichergestellt, daß die neuen Betreiber sich an bestehende Verträge halten?

Oder ist dies vielleicht garnicht wichtig, hauptsache die dann ehemaligen Freenet Million DSL-Kunden zahlen einfach weiter?

Tobias Jourgens

24. September 2007, 16:21

http://www.spar-dsl.de

Hallo Jochen,

man kann davon ausgehen, dass die Verträge so bestehen bleiben,

wie sie sind. Ich könnte mir Vorstellen, dass es dem Kunden freigestellt

wird zu bisherigen freenet-Konditionen weiterzusurfen oder ein neues

Angebot anzunehmen. Aber noch kann man nur vermuten.

Viele Grüße

Tobias Jourgens

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