United Internet lässt Freenet zappeln
09. November 2007, 20:02
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United
Internet hat es mit der Übernahme des Konkurrenten Freenet nicht mehr
eilig. "Freenet ist für uns keine kurzfristige Geschichte, höchstens
eine mittel- bis langfristige. Ehrlich gesagt: Ich beschäftige mich im
Moment gar nicht damit", sagte Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender
von United Internet, der F.A.Z. Offenbar hat Dommermuth an den
rund drei Milliarden Euro hohen Verlustvorträgen, die ein Käufer nur
bei einer Freenet-Übernahme in diesem Jahr steuerlich nutzen könnte,
kein Interesse.
Denn
auch ohne Freenet läuft das Geschäft von United Internet wieder rund.
Nach einer Delle im wichtigen Geschäft mit schnellen
DSL-Internetanschlüssen im zweiten Quartal hat das Unternehmen zwischen
Juli und September 120 000 neue DSL-Anschlüsse verkauft, doppelt so
viel wie im Quartal zuvor. "Wir mussten erst unsere Vertriebskanäle
wieder hochfahren. Jetzt läuft das DSL-Geschäft von Monat zu Monat
besser. Das geht auch im vierten Quartal so weiter: Der Oktober war
besser als der September. Und der November ist nochmal stärker. Daher
bin ich zuversichtlich, dass wir in diesem Quartal 230 000 DSL-Kunden
gewinnen können und unser Jahresziel von 500 000 Neukunden erreichen",
sagte Dommermuth, dessen Unternehmen an der Börse mit 4,1 Milliarden
Euro bewertet wird.
Im
zweiten Quartal war das DSL-Geschäft von United Internet in den
Ballungszentren eingebrochen, da die Haushalte vor allem Komplettpakete
für Telefon und Internet aus einer Hand nachgefragt haben. Diese Pakete
konnte United Internet nicht liefern, da die geplante Kooperation mit
der Deutschen Telekom geplatzt war. "Die Telekom hatte plötzlich
mitgeteilt, dass sie uns das geplante Vorleistungsprodukt in Jahr 2007
nicht mehr liefern könne. Daraufhin sind wir die Kooperationen mit
Telefónica und QSC eingegangen. Das hat etwas gedauert", sagte
Dommermuth. Seit Anfang Juli ist United Internet aber zurück im
Geschäft, muss allerdings mit Telekom-Angeboten konkurrieren, die
ebenfalls preislich konkurrenzfähig geworden sind. Das sieht Dommermuth
gelassen.
"Die
Telekom versucht, allen Bestandskunden ihre Pakete zu verkaufen. Das
ist im Moment ein extremer Effekt, aber das wird sich irgendwann wieder
beruhigen", vermutet Dommermuth. Die Telekom hatte im dritten Quartal
zwar 480 000 ihrer Kunden DSL-Pakete verkauft, trotzdem aber wiederum
eine halbe Million Kunden verloren.
Ein
weiterer Wachstumstreiber für United Internet war die Vermietung von
Speicherplatz im Internet, vor allem im Ausland. "Dort haben wir die
Zahl der kostenpflichtigen Kundenverträge im Vergleich zum
Vorjahresstichtag um 390 000 auf 1,55 Millionen gesteigert", sagte
Dommermuth.
Seit
kurzem ist das Unternehmen in Spanien aktiv; weitere Auslandsmärkte
sollen im kommenden Jahr hinzukommen. "Im Ausland müssen wir in den
ersten Jahren aber mit Anlaufverlusten rechnen. Auch Spanien ist jetzt
natürlich defizitär", sagte Dommermuth. In den ersten neuen Monaten hat
das Unternehmen seinen Umsatz um 27 Prozent auf 1,07 Milliarden Euro
erhöht. Das Ergebnis vor Steuern legte knapp 30 Prozent auf 182
Millionen Euro zu.