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Spoerr attackiert Dommermuth
21. Dezember 2007, 00:27
Uhr
Freenet-Chef Eckhard Spoerr geht nach dem Ende der Verkaufsverhandlungen auf seinen Kontrahenten Ralph Dommermuth los. "Es ist interessant und bedenklich, dass United Internet eine sehr intensive Buchprüfung bei Freenet macht und bei einem Aktienkurs von rund 17 Euro die Gespräche absagt, angeblich aus Enttäuschung, damit den Kurs ganz klar beeinflusst und dann, ohne irgendetwas mitzuteilen, bei exakt diesem Kursniveau Aktien für weit mehr als 100 Millionen Euro an unserem Unternehmen erwirbt und dann im gleichen Atemzug erzählt, dass die Firma überbewertet ist, und damit wieder versucht, den Aktienkurs bewusst nach unten zu beeinflussen. Das ist etwas, was ich als hoch bedenklich empfinde und weswegen ich von Herrn Dommermuth enttäuscht bin. Ich bin davon ausgegangen, dass er das nicht nötig hat", sagte Spoerr der FAZ.


Sorgen, dass United Internet nun einen Versuch unternehmen wird, Freenet feindlich zu übernehmen, macht sich Spoerr nicht. "Ich glaube, dass United Internet heute nicht in der Lage ist, eine Übernahme zu finanzieren. Deshalb sehe ich das Risiko einer feindlichen Übernahme nicht", sagte Spoerr.
Nun will Freenet die ursprüngliche Strategie umsetzen. "Freenet wird zum integrierten Telekommunikationskonzern". Angst, dass Freenet in den vergangenen zwei Jahren zu weit im Markt zurückgefallen ist, hat Spoerr nicht. "Wir werden unsere Strategie jetzt offensiv und mit großer Motivation umsetzen. Die ganze Belegschaft hat sich über die Entscheidung gestern sehr gefreut. Wir werden jetzt durchstarten. Wir sind weiterhin sehr wettbewerbsfähig, da wir weder im Mobilfunk noch im DSL-Markt Anteile verloren haben. Wir werden in diesem Jahr deutlich mehr als 300 000 DSL-Kunden dazugewinnen."
Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, sich in einer Holding-Struktur neu aufzustellen. "Der Aufbau einer Holding-Struktur und die Ausgliederung des DSL- und Portalgeschäftes in Tochtergesellschaften haben den Hintergrund, mehr Transparenz zu schaffen und die Steuerungsfähigkeit des Unternehmens zu erhöhen, weil wir immer größer werden", sagte Spoerr. "Nach der Fusion ist die Struktur nicht mehr optimal für die Steuerung des Unternehmens. Die Transparenz ist wichtig, weil unsere Geschäftsfelder in unterschiedlichen Lebenszyklen sind. Wenn Ralph Dommermuth (der Chef von United Internet) denkt, Freenet sei überbewertet, was wir nicht glauben, dann müssen wir die unterschiedlichen Geschäftsfelder mit ihrer Wertentwicklung auch getrennt zeigen. Das DSL-Geschäft ist defizitär; das kostet uns richtig Geld, weil wir stark in Wachstum investieren. Wenn man aber dann das Gesamtunternehmen nach einem Vielfachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Multiple) bewertet, ist das eine sehr vereinfachte Sicht", sagte Spoerr.
Die Auslagerung in Tochtergesellschaften sei keine Vorbereitung für einen möglichen Verkauf. "Klar ist: Der Aufsichtsrat hat mit 12:0 Stimmen beschlossen, dass es jetzt keinen Verkauf oder Teilverkauf geben wird. Aufsichtsrat und Vorstand können natürlich irgendwann einmal etwas anders beschließen. Aber heute ist das nicht geplant und nicht die Strategie", sagte Spoerr.
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