Google kauft Nachrichten
01. September 2007, 23:45
Uhr
Google hat mit vier Nachrichtenagenturen vereinbart, ihre
Meldungen auf seiner Seite Google News zu veröffentlichen. Der
Internetkonzern gab entsprechende Lizenzverträge mit AFP, AP, der britischen
Press Association und der Canadian Press bekannt. Da die Agenturen die
Meldungen nicht auf ihren Internetseiten veröffentlichen, speichert Google die
Meldungen auf seinen eigenen Rechnern.
Damit ändert Google News seinen Charakter: Bisher aggregierte
die Seite lediglich die Nachrichten, die auf den Seiten der Medien stehen und
führte den Medienseiten auf diese Weise viele Nutzer zu. Nun tritt Google über
die Abkommen mit den Agenturen erstmals als Nachrichtenanbieter auf.
Google hat zwar zugesagt, die zugekauften Agenturnachrichten
nicht gegenüber den Nachrichten auf anderen Medienseiten zu bevorzugen. Aber der
Google-Algorithmus bevorzugt Meldungen, die im gleichen Wortlaut auf möglichst
vielen Seiten vorkommen - und das sind meist die Artikel der
Nachrichtenagenturen. Individuelle, selbst recherchierte Originalartikel, die
oft von den großen Medienhäusern ins Netz gestellt werden, haben es meist schwer
bei Google News.
Wenn Google nun einen Teil des Traffics nicht mehr zu den
Agenturmeldungen auf den Medienseiten, sondern zu seinen eigenen Agenturmeldungen
leitet, gehen den Medien, die in ihren Web-Auftritten stark auf
Agenturmeldungen zurückgreifen, Leser verloren. Kleine Redaktionen geraten
unter Druck; große Redaktionen mit vielen eigenen Geschichten könnten im
Vorteil sein.
Eine weitere
Folge könnte auch sein, dass die Internetseiten der Medien künftig auf
Meldungen der vier Agenturen verzichten und lieber das Material der
Konkurrenzanbieter wie der dpa oder Reuters nutzen. Auf diese Weise erhöhen sie
ihre Chance, bei Google News weiterhin prominent platziert zu werden. Für die
vier Agenturen könnte das Geschäft mit Google nach hinten losgehen.