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Netzökonom

Der "Netzökonom" Holger Schmidt beschreibt und analysiert die Internet-Wirtschaft, in der es spannend wie nie zugeht. Die Werbung im Netz funktioniert, der Online-Handel wächst stetig und die Web-2.0-Communities bringen frischen Wind. Nach den Pionieren wie Ebay und Amazon sorgen nun Google oder Myspace für die großen Schlagzeilen, Joost oder Twitter für die kleinen.

Games Convention zieht nach Köln

Die Games Convention (GC), Europas größte Messe für Video- und Computerspiele, wird im kommenden Jahr nach Köln umziehen. Wie mein Kollege Christian Geinitz aus Leipzig berichtet, haben sich die wichtigsten Spielehersteller in Deutschland mehrheitlich verständigt, den Vertrag mit der Leipziger Messe nicht über das laufende Jahr hinaus zu verlängern. Stattdessen solle die Leistungsschau von 2009 an in Köln stattfinden, dem Sitz des deutschen Marktführers Electronic Arts. Die Messestandorte München und Frankfurt, die ebenfalls Interesse an der Spielemesse gezeigt hatten, hätten sich nicht durchgesetzt, hieß es.

 

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt testet ein Rennspiel auf der GC. Bald darf wohl Jürgen Rüttgers daddeln. (Foto: Games Convention)

Als Gründe für die Verlagerung wurden unter anderem die schlechte Anbindung Leipzigs und das begrenzte Einzugsgebiet genannt. Die Vertragspartner der GC, die Leipziger Messe und der Bundesverband Interaktive Unterhaltungselektronik (BIU), wollten die Entscheidung nicht bestätigen. Man führe weiter Gespräche und äußere sich frühestens Ende Februar, hieß es.

Unklar ist, ob der Markenname Games Convention, der der Leipziger Messe gehört, in Köln weitergeführt werden kann. Bisher sind die Sachsen nicht bereit, ihn zu veräußern. Im Gespräch ist allerdings eine Nutzungsgebühr von 450000 Euro für drei Jahre, was den Leipzigern aber zu gering erscheint. Allein die Markenentwicklung habe mehr als 6 Millionen Euro gekostet. Die GC, die 2007 etwa 185000 Besucher anzog, findet in diesem Jahr vom 20. bis zum 24. August statt. Noch in Leipzig.

UPDATE 1: Wie zu hören ist, geht es der Spielebranche auch um einen späteren Termin im September, um besser die Neuheiten für das Weihnachtsgeschäft präsentieren zu können.

UPDATE 2: Der neue Name der Messe wird Games Com sein.

 

Fit mit Nintendo Wii (Foto dpa)

Veröffentlicht Dienstag, 12. Februar 2008 17:04 von FAZ-ht
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Kommentare

 

Max sagte:

Woher weiß das denn der Kollege? Es gibt Quellen, die besagen, der BIU tage erst am Freitag.

Februar 13, 2008 07:29
 

Enttäuscht sagte:

Was soll sowas? Da hat Leipzig investiert und Marketing betrieben, hat was auf die Beine gestellt und dann kommt Köln dahergelaufen und will den dicken Fisch selber an Land ziehen. Bevor es die Messe gab, hatte niemand genug Mut, um es selber in die Hand zu nehmen. Das tat Leipzig und so wird es gedankt.

Der Osten wird mal wieder dargestellt, als wäre es nicht dem Stand der Zeit entsprechend. Totaler Müll, denn wer sich die Verkehrsanbindung zur Leipziger Messe mal genauer anschaut wird sehen, dass die hier vorgebrachten Argumente ein Witz sind und davon zeugen, dass echte Gründe nicht genannt werden können. Es wird jetzt versucht, billig an eine etablierte Marke zu kommen.

Trauriges Deutschland.....

Februar 13, 2008 15:55
 

Verärgert sagte:

Da wird der Kunde mal wieder von der deutschen Wirtschaft verarscht. Wem nutzt der Umzug außer EA Deutschland ? Die Argumente sind dünn für den Umzug, die Habgier der deutschen Wirtschaft mal wieder grenzenlos.

Februar 13, 2008 16:12
 

gar-nicht-wahr sagte:

Man sollte nicht außer Acht lassen, dass Leipzig einige Jahre ziemlich gut an den Ausstellern und Besuchern verdient hat. Außerdem geht es nicht um Ost oder West, sondern um ganz normale marktwirtschaftliche Aspekte. Köln hat ein gutes Konzept vorgelegt und hat obendrein das wesentlich größere Einzugsgebiet.

Die Aussteller geben viel Geld für ihren Messeauftritt aus - wenn dann die Option besteht ein Vielfaches an Besuchern erreichen zu können, dann zählen logischerweise ökonomische Aspekte.

Februar 13, 2008 16:16
 

Kai sagte:

Nun, das mit den Verkehrsverbindungen liegt im Auge des Betrachters. Viele dieser Argumente sind Schnee von gestern. Wer hat die eigentlich ausgegraben? Leipzig hat nicht erst ab dem Bahnhof otimale Shuttle-Services bis vors Messetor, sondern man kommt auch bis Leipzig hinne.

Was soll das für ein tolles Konzept sein am Rhein? Marketing? Anbindung? Infrastruktur?    Ich steh dort auch im Stau, aber richtig.

Februar 13, 2008 17:36
 

stimmt auch nicht sagte:

Köln hat mitnichten ein größeres Einzugsgebiet und ist auch nicht besser angebunden an das Verkehrsnetz. Leipzig liegt um Längen zentraler als Köln. Mit dieser Wahl würde der komplette Süden und Osten außer Acht gelassen. Für mich ein absolutes KO-Kriterium. Zieht die Messe um (und bewahrheitet sich die Wahl offiziell), ist sie für mich sowohl aus historischen (Aufbau ist Verdienst Leipzigs) als auch gesellschaftlichen und örtlichen Gründen gestorben!

Februar 13, 2008 17:41
 

that's business sagte:

Leipzig hat sehr viel für die Messe getan - das steht außer Frage. Aber das Einzugsgebiet ist wohl der entscheidende Faktor (diesen Blödsinn mit Verkehrsanbindung glaubt eh keiner). Gerade spontane Messebesuche sind stark vom Einzugsgebiet abhängig. Das sogenannte Sachsendreieck (Region um Leipzig, Dresden, Halle, Zwickau, Chemnitz) hat ca. 3,5 Mio Einwohner. Das Rhein-Ruhr-Gebiet steht dem mit 11,6 Mio Einwohnern gegenüber. Gerade mal durchschnittlich etwas mehr als 1 Stunde Fahrzeit entfernt ist das Rhein-Main-Gebiet mit ca. 5,4 Mio Einwohnern. In Summe in relativer Nähe zur Kölner Messe die fast 5fache Personenzahl. Die Spielehersteller sind nun mal nicht die Caritas, sondern gewinnorientierte Unternehmen, die natürlich bei gleichem Aufwand die Standort-Variante wählen, die ihnen mehr potentielle Kunden bringt. Der Sinn und Zweck einer jeden Messe ist nun mal die Anbahnung von Geschäften.

Februar 13, 2008 18:27
 

lol sagte:

Bis jetzt war ich auf jeder GC... aber nach Köln? Das ist am anderen Ende... hoffentlich ist das nicht entgültig... weil dann wäre die Messe für mich gestorben :(

In Leipzig war gerade in den letzten beiden Jahren so viel abgestimmt und geplant... alles war prima durchorganisiert... und jetzt soll's in den Westen... na super :(

Februar 14, 2008 00:16
 

Walter Schönmeier sagte:

Eine Frechheit. Da will sich der Westen wieder mal an den gemachten (Ost)Tisch setzen.  Kein Wunder, daß die Ossis so schlecht auf Wessis zu sprechen sind! Die Leipziger entwickeln was, was keiner wollte - läufts dann, kommen alle lechzend angerannt!

BTW: jeder, der beide Messen, Köln und Leipzig, kennt, weiß, daß Leipzig die bessere modernere Messe besitzt. Und in Köln von einer besseren Verkehrsanbindung zu sprechen, ist ja wohl ein schlechter Scherz! Die Messe Leipzig befindet sich 15 Autominuten vom Flughafen entfernt, direkt an der Autobahn. Nur mal so am Rande bemerkt.

Februar 14, 2008 01:19
 

LeiderLeider sagte:

So wie es aussieht ist es wohl wahr und nur noch die Namensfrage steht im Raum.

Sieht man sich den Kalender der Messe Leipzig an

http://www.leipziger-messe.de/LeMMon%5CLMGWeb_G.NSF/start/frames?OpenDocument&Code=0x00x1x

mit der GCDC ANFANG NOVEMBER 2009 angesetzt, spricht es dafür, dass man die eigentliche Messe (die immer Ende August stattgefunden hat gemeinsam mit der GCDC) bereits verloren hat :( ...

Februar 14, 2008 06:35
 

Holger Schmidt sagte:

Beim Thema Verkehrsanbindung geht es den Initiatoren des Umzugs wohl weniger um die Anbindung für die privaten Besucher per Bahn oder Auto, sondern um die Flugverbindungen der Aussteller und Fachbesucher aus dem Ausland. Besonders die Amerikaner haben in den vergangenen Jahren keinen Hehl daraus gemacht, dass sie sich einen leichter erreichbaren Messestandort wünschen. Das gilt natürlich umso mehr, je größer und wichtiger die GC geworden ist. Denn nun kommen Amerikaner und Japaner in Mannschaftsstärke nach Deutschland.

Februar 14, 2008 09:35
 

Holger Schmidt sagte:

@ Max: Die Quellen legen wir natürlich nicht offen, aber gehen Sie mal davon aus, dass Leipzig die GC definitiv nicht halten kann.  

Februar 14, 2008 12:49
 

Ein Leipziger sagte:

Noch hat sich der BIU noch gar nicht dazu geäußert. Es ist natürlich klar, dass sich die westdeutschen Messen sich um dieses Event reißen, weil es ja auf einmal lukrativ geworden ist. 2002 wurde diese Regionalmesse belächelt und keiner wollte sie haben. Aber jetzt soll angeblich wegen fehlenden  Luxushotelbetten und Infrastruktur diese Messe von Leipzig gehen.

Die 185000 Besucher 2007 schliefen sicher nicht in Luxushotels. Die Gamer bevorzugen am liebsten Zeltplätze und billige Location, weil sie ihr Geld lieber in Spiele, als in teure Unterkünfte investieren. Und  außerdem wollen sie unter Ihresgleichen sein. Ich kann nur sagen: Schade und Applaus
an den evtl. gelungenen Schachzug der großen Game-Schmieden.

Die haben halt ein stärkere Lobby für "Ihre" Standorte, als irgendwo im Osten. Danke. Vielleicht findet sich auch noch eine Messe, die auch noch gleich die Buchmesse nimmt, ach ja, nicht zu vergessen die IAA, denn die rechnet sich auch. Das wäre doch was?

Ein engagierter Leipziger

Februar 15, 2008 08:49
 

xyz sagte:

unter dem von Leiderleider angegeben Link zum Messekalender ist nun auch die GC für anfang September nächstes Jahr zu sehen und nicht nur die GCDC

Februar 15, 2008 16:10
 

Slawa Weis sagte:

Hallo. Das sollen also die groß versprochenen "Blühende Landschaften" sein. Kaum blüht im Osten was richtig, schon will man es abtragen und in den Westen verpflanzen. Das Einzugsgebiet oder die Verkehrsanbindung sind nur fadenscheinige Argumente. Jeder weis, dass man mit der Herausforderung mitwächst. Kein anderes Messegebiet wäre groß geworden oder würde große international bekannte Messen ausrichten, wenn man diese Veranstaltungen sofort nach dem Erfolg an andere abtreten würde, nur weil die anderen sagen, bei denen wäre es besser. Will man groß werden, muss man für seine Veranstaltungen kämpfen. Leipzig wächst, auch wenn es einige nicht wahrnehmen können/wollen. Es ist besser, eine Messe an der Grenze des Machbaren zu machen, als eine halbausgelastete. So weis man, was einem wirklich fehlt und es wird zum nächsten Mal verbessert. Wenn Hotels fehlen, werden diese gebaut, wenn Luxushotels fehlen, auch. Die Verkehrsanbindung wird auch erweitert. Das Einzugsgebiet hängt davon ab, wie man die Wege zu der Messe organisiert. Das letzte mal fanden jedenfalls viele den Weg zu der Messe. Falls es doch dazu kommen sollte, dass der BIU und die Big-Player aus Leipzig wegziehen, könnte man die Messe auch weiterhin ausrichten. Man muss nur viele andere neue Spielehersteller zu sich holen, die viele frische neue Ideen haben. Von Innovation lebt schließlich die Computerspielebranche und das könnte kein Publisher auf die Dauer ignorieren. Leipzig kann nicht verlieren, auch wenn die die Messe zum zweiten Mal aufbauen müssen, mit den Namensrechten wäre das jedenfalls einfacher. Noch was zu dem Leipziger Messe Veranstaltungskalender: da steht die GCDC vom 07.09. bis 09.09.2009 und die GC vom 09.09. bis 13.09.2009 :D

Februar 15, 2008 16:13
 

Fotomann sagte:

übrigens: die GC 2009 steht sehr wohl auf dem Messeplan! 09.09.2009 - 13.09.2009

Februar 15, 2008 16:34
 

Holger Schmidt sagte:

@ xyz, @ Fotomann: Gestern stand definitiv nur die GCDC in der Liste. Interessant.

Februar 15, 2008 16:37
 

noch ein engagierter Leipziger sagte:

Mhhh - leider muß ich informierter Maßen Herrn Schmidt zustimmen, wenn es um die "Gründe" für den eventuellen Umzug geht (noch spielen wir hier Gerüchteküche).

Logischerweise folgt jetzt noch eine kleine Anmerkung zu dieser und einer anderen Frage: Herr Schmidt, bitte finden Sie doch noch die Summen heraus, welche Köln direkt und indirekt (Mietsubventionen um in ein im Vergleich zu Leipzig veraltetes Messeglände zu locken und direkte Zahlungen) geboten hat, um die Messe abzuwerben. Dann haben Sie meinen Respekt als Journalist - bis dahin, geben Sie nur die Argumente der Wirtschaft wieder, welche bereits all zu oft scheinheilig bis deutlich verlogen waren.

Waren Sie z.B. mal in London auf einer Messe? Dort sind die Bedingungen noch schlechter, also wird sich ja vielleicht 2012 London um die Messe bemühen und die sprichwörtliche Karawane zieht weiter, weil die Mieten dort noch geringer und der Name London gegenüber Köln eindeutig klangvoller ist. Was so ein Verhalten seitens der Spielindustrie bei Verbrauchern für einen Eindruck hinterläßt, kann man ja hier lesen.

Und die Argumente mit den 5-Sterne-Hotels und der Flughafenanbindung zeigen einem Ostdeutschen nur, wie verkommen und dekadent mittlerweile scheinbar Geschäftsleute in dieser Branche geworden sind. Der Reichtum hat sie scheinbar hochmütig werden lassen - Reichtum, welchen Sie den unzähligen Gamern und Spielsüchtigen verdankt. Und was nach dem Hochmut folgt sagt schon ein altes Sprichwort: der Fall.

Ich denke eben die Sache reicht viel tiefer - und wir Leipziger haben das gleiche Spiel der Wirtschaft mitgemacht, als bei uns BMW ein Werk ansiedelte - wir haben BMW für die versprochenen Arbeitsplätze mit direktem und indirektem Geld bestochen - aus Steuergelder, also mein Geld ging an BMW (ich warte immer noch auf das entsprechende Fahrzeug als Gegenwert).

Wer sich für diese Art des Spiels interessiert, kann es gerade live bei Nokia verfolgen.

Also - an alle Kölner, die jetzt vielleicht schon jubeln - schaut genau hin und fragt mal nach, wer hier wem was und wann bezahlen soll. Wir Steuerzahler in Leipzig haben nämlich den Aufbau unseres Teils in Kommunalbesitz befindlichen Messegeländes mit unserem Geld aufgebaut, in der Hoffnung auch (jetzt) die Früchte ernten zu können.

Ich denke, wenigstens die Nutzungsrechte am Namen Games Convention sollten im Falle eines Umzugs gesalzen sein - eine, wie sie, Herr Schmidt richtig schreiben, weltweit bekannte Marke (Amerikaner/Japaner), welche der Leipziger Messe gehört ....

Die Wut hier von einigen kann ich gut verstehen - es riecht wieder mal für eine Ostnase nach Nachwendebetrügereien.

Februar 15, 2008 16:40
 

fotomann sagte:

ja - das ist interessant...

Mich würde trotzdem viel mehr interessieren, warum sich Herr Geinitz so sicher ist. Die Meldung hier hat ja ein echtes Erdbeben ausgelöst. Und der BIU sagt immer noch nix.

Na - ich tippe, dass die Messe in Köln stattfindet, aber von der LeipzigMesse veranstaltet wird.

Februar 15, 2008 16:48
 

Holger Schmidt sagte:

@ Fotomann: Wie immer im seriösen Journalismus: Mehrere, voneinander unabhängige Quellen haben die Geschichte bestätigt. Die genauen Quellen legen wir natürlich nicht offen.

Februar 15, 2008 16:59
 

noch ein engagierter Leipziger sagte:

@thats business:

Gute Freunde der Zahlenakrobatik – hier mal was zum Mitrechnen für die Westdeutschen unter den „Diskutanten“: Sachsen hat ca. 4.228.006 (Stand 31. August 2007) Einwohner und ist flächenmäßig so aufgebaut, dass bis auf wenige Randstädte mit einem vernünftigen PKW oder Zug die Stadt Leipzig in ca. einer Stunde erreichbar ist (siehe auch gut ausgebaute Autobahnen ohne Tempolimits). Ziehen wir doch mal für die „Randstädte“ des Freistaates 228.000 Bewohner ab (alles hinter Dresden) – dann haben wir eine runde Zahl und die lautet: 4 Millionen allein aus Sachsen.

Nun liegt aber Leipzig im oberen, linken Zipfel von Sachsen, was bei dem vorgeschlagenen Anreisekreis von 1 Stunde und der tatsächlichen Umgebungslage mit Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und der entschieden höheren Entfernung Berlin – Köln contra Berlin Leipzig ein anderes Bild ergibt: Leipzigs Umgebung (ohne ehemalige Ostblockstaaten, wo die Einkünfte gerade steigen!) hat ca. 13 Millionen und Köln die ermittelten 17 Millionen, also NICHT das 5-fache, wie hier behauptet, sondern nicht mal mehr als das Doppelte. Berlin wurde von mir Leipzig „zugeschlagen“, weil, wenn man diese Spiele hier spielt, dann vernünftig – die Anreise nach Köln ist mit über 400 km schon ein anderes Hindernis als die 151 km nach Leipzig (von Zentrum zu Zentrum … ).

Kommen wir zur Einnahmen- und Gehaltsgefüge der jeweiligen Regionen (hier alles im Interesse der Spieleindustrie!) – hier kommt die Region um Köln deutlich besser weg – überhaupt keine Frage. Aber wie lange noch? Während der Osten der EU stetig gefördert wird und Zuwächse produziert, ist die westliche EU in Nöten. Während im Osten durchschnittlich länger gearbeitet wird, kämpft man im Westen wieder um kürzere Arbeitszeiten.

Naja – ökonomische Entscheidungen der heutigen Zeit sind wohl eher von kurzfristigen Einsparpotentialen und schnellen Erfolgen und nicht von langfristiger Denkweise geprägt – thats business. Für mich sind es eben Scheindebatten, wenn wir hier über Einzugsgebiete und ähnliches reden - am Ende hat Leipzig jedes Jahr - bis heute - ungeheure Zuwachsraten bei der GC erarbeitet, alle Gäste haben den Weg und die Stadt gefunden und waren glücklich in Leipzig. Wie kamen die Leipziger nur auf die irrige Idee, es handele sich bei der GC um eine BESUCHERmesse ;-)? Die Besucher sind den Spielhersteller doch relativ egal - oder hat irgendjemand 2007 Besucherumfragen der Spielindustrie nach der Zufriedenheit erlebt oder jemand eine Besucherklage vernommen?

Februar 15, 2008 17:49
 

noch ein engagierter Leipziger sagte:

NACHTRAG: ein artikel, welcher heute auf der l-iz.de erschien und ein differenzierteres Bild gibt:

Artikel Ralf Julke // l-iz.de am 16. Februar 2008

Die Games Convention künftig in Köln? Da fassten sich nicht nur die Leipziger an den Kopf, als die Meldung vor drei Tagen durch die Kanäle rauschte: Wieder einmal wurde über das erfolgreichste Leipziger Messeprojekt der letzten Jahre diskutiert. Ernsthafter diesmal noch als in den Vorjahren. Der Branchenverband der Spielehersteller BIU hatte Köln als neuen Veranstaltungsort ins Spiel gebracht.

Der Hintergrund: In diesem Jahr läuft der Vertrag zwischen dem Veranstalter und "Erfinder" der GC, der Leipziger Messe, und dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU) aus, in dem alle großen Spielehersteller versammelt sind. Ohne BIU ist eine solche europäische Leitmesse mit über 180.000 Besuchern nicht machbar.

Doch der Wunsch der Unternehmen, das Messeereignis ab 2009 nach Köln zu verlegen, ist sehr real. Als wichtigste Gründe wurden in verschiedensten Medien die schlechte Anbindung Leipzigs mit internationalen Fluglinien und die begrenzte Kapazität von First-Class-Hotelplätzen genannt. Schlechte Gründe. In etlichen Foren gehen mittlerweile gerade jene Spiel-Vernarrten an die Decke, für die Leipzig seit dem Start der GC im Jahr 2002 zum Tummelplatz geworden ist.

Gerd Blank schildert auf stern.de, warum gerade die jungen Spieler die Fahrt nach Leipzig so lieben: "Die Messe Leipzig zeigt, wie man eine Party schmeißt. Perfekt organisiert gibt es nicht nur bunte Schaubuden für Spieleinteressierte zu bestaunen. Jugendliche freuen sich genauso über das umfangreiche Beiprogramm mit Musikfestival und Camping." Das Wichtigste dabei: Es sind nicht die Hardcore-Spieler, die in den Augusttagen die Messehallen füllen. Es sind Väter, ganze Familien und so genannte "Volks-Gamer", Leute aller Altersstufen, die in Leipzig einfach die Chance finden, die Welt der elektronischen Spiele zu entdecken.

Das Ergebnis kann jeder im nächste Spiele-Laden sehen: Die Zahl der gut gemachten, anspruchsvollen "Volks"-Games hat spürbar zugenommen.

Und die Argumentation, die da augenscheinlich aus den Gesprächen von Messe und BIU nach außen sickert, finden gerade junge PC-Helden wenig nachvollziehbar. Mit First-Class-Hotels können sie nichts anfangen. Für sie rechnet sich der Messetrip nur, wenn sie vor Ort bezahlbare Hotelbetten vorfinden. Sie wollen nicht renommieren, sie wollen einfach "pennen", wenn sie abends - schlagalle - aus dem Computer-Dschungel kommen, danach noch das Nachtleben, die GC Freestyle oder diverse Tanzetablissements erkundet haben. Der Vorteil Leipzigs schlägt hier genauso durch wie bei der Buchmesse: Hier schrauben die Hoteliers zu Messezeiten die Bettenpreise nicht nach oben.

"Köln, nein danke", ist da der Grundtenor in den meisten Foren. Und selbst das Anspruchsdenken der Spielechefs trifft bei den jungen Leuten auf Ablehnung: Sie landen in Leipzig nicht mit dem Flieger. Leipzig liegt für sie nicht am Ende der Welt. Eher tatsächlich in der Mitte Europas, die aus Kölner Sicht zwar am Rhein liegt. Aber das war einmal - vor einer ganzen Serie von EU-Osterweiterungen. Business-Flieger aus London interessieren Messebesucher aus Polen oder Tschechien nicht die Bohne.

Die Leipziger Messe teilt mit, man stecke noch mitten in den Verhandlungen mit der BIU. Aber man kämpft. Mit den Mitteln, die Leipzig zur Verfügung stehen. Neue Fluglinien kann auch der Flughafen Leipzig/Halle nicht aus dem Boden stampfen. Wenn von 100 deutschen Top-Unternehmen nur ein einziges in Ostdeutschland zu Hause ist, kann sich jeder selbst ausrechnen, wie sich eine Fluglinie von Leipzig in die Geschäftsmetropolen der Welt rechnet.

Dass Fluggesellschaften am Schkeuditzer Airport immer wieder ins Rechnen kommen, hat auch dutzendweise hausgemachte Gründe. Der wichtigste sind die gepflegten Eitelkeiten dreier Zwerg-Bundesländer, die es nicht fertigbekommen, ihre Kräfte für einen einzigen interkontinentalen Flughafen für Mitteldeutschland zu bündeln. Nicht einmal der Freistaat Sachsen bekommt dieses kleine Stück Logik gebacken, hat mit dem Regierungs-Flughafen Dresden wichtige Kapazitäten vom Konkurrenzflughafen Leipzig abgezogen. Mit dem Ergebnis, dass beide Flughäfen noch auf Jahrzehnte in den roten Zahlen fliegen. Ganz zu schweigen von den Subventionswundern in Altenburg, Erfurt oder Kochstedt. So rechnen sich milliardenschwere Infrastrukturinvestitionen nie.

Und: Es wird das ganze ursprünglich im Leipziger Norden geplanten Konzept der Verflechtung aus Messe, Logistik und Wirtschaft unterlaufen. Nachhaltig. Mit jetzt sichtbaren Folgen.

Kommen die Flieger also nicht zwangsläufig, muss man sie chartern.

Zur Games Convention 2008 wird Leipzig erstmals über zahlreiche Charterflüge an das internationale Flugnetz angebunden sein. Zusätzlich zum Linienflugplan der Airlines peilen diese Maschinen die europäischen Drehkreuze in London, Amsterdam, Wien, Helsinki und München an. Top-Managern der Spiele-Szene sollte es damit eigentlich ein Leichtes sein, der Einladung nach Leipzig zu folgen. Und nicht nur diesen Teppich rollt Leipzigs Messegesellschaft den Unternehmen aus.

Mit den Leipziger Hotels wurden jetzt schon im Vorfeld der Games Convention Kooperationsvereinbarungen getroffen, um ausreichend Kapazitäten für die Kunden und Gäste der Messe bereit zu halten.

"Schon jetzt ist sichtbar, dass die Games Convention ihre überaus erfolgreiche Entwicklung fortsetzen wird", sagt Messechef Wolfgang Marzin, der natürlich auch über das Jahr 2008 hinaus die europäische Leitmesse zusammen mit der Branche weiterentwickeln möchte. Dazu liefen die Verhandlungen mit dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU) weiter. Und Ziel der Leipziger Messe sei es natürlich, die Games Convention auch in den kommenden Jahren gemeinsam durchzuführen. Marzin erklärte zum wiederholten Male, dass die Leipziger Messe die Games Convention immer zur Verfügung der gesamten nationalen und internationalen Branche halten werde.

Die Leipziger Messe ist Eigentümerin und Veranstalterin der Games Convention. Und die wächst auch weiter.

Eine sehr hohe Nachfrage bestehe mittlerweile nach Ausstellungsflächen im GC Business Center, das sich erstmals über das gesamte Congress Center Leipzig (CCL), die Messehalle 1 und einen Teil der Messehalle 2 erstreckt, teilt die Messe mit.

Das Business Center umfasst diesmal 35.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche brutto (2007: 30.000 Quadratmeter). Ein halbes Jahr vor Messebeginn wurden schon über 80 Prozent mehr Fläche gebucht als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

"Alles deutet auf ein neues Rekordjahr der Games Convention hin", sagt Messechef Marzin. Und augenscheinlich sehen das auch die kleinen und mittleren Unternehmen der Branche so, die zunehmend den Weg nach Sachsen finden. Nicht unbedingt, weil hier die eh schon Weltberühmten allesamt vertreten sind. Sondern weil sie hier - ganz wie die Verlage zur Buchmesse - das Publikum finden, das ihre Spiele mag.

"Auch die internationale Nachfrage ist weiter gestiegen“, erklärt Projektdirektorin Peggy Schönbeck. Die Buchungen laufen aus aller Welt ein, darunter aus Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Schweden, Schweiz, Tschechien und den USA. Früher organisierte die Reichsbahn bis zu 80 Sonderzüge pro Tag, die das Publikum zu den Leipziger Messen schafften. Logistik sollte eigentlich kein Problem sein.

Das Problem ist wohl eher der Glaube, man könne den Leipziger Erfolg in Köln vielleicht toppen. Erst recht aus Sicht einiger Player, die in Köln und Umgebung zu Hause sind. Die auch nicht wirklich wissen wollen, was da ab 2002 durch Leipzigs Games Convention erst in Bewegung geraten ist. Denn gerade die GC hat die öffentliche Diskussion in der Gesellschaft angefacht, zu deren Kulturkanon Computer- und Videospiele immer selbstverständlicher gehören. Jugendkultur stand von Anfang an im Mittelpunkt des Messekonzeptes, Edutainment entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem neuen Schwerpunktthema.

Vom 21. bis 24. August 2008 findet die Games Convention zum siebten Mal in Leipzig statt. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Schon jetzt haben sich viele marktführende Unternehmen zu Europas Leitmesse für interaktive Unterhaltung, Infotainment, Edutainment und Hardware angemeldet, darunter Electronic Arts, Konami, Ubisoft, Disney und Take 2. "Wir freuen uns sehr über dieses Engagement der Branche", so Wolfgang Marzin.

Den Auftakt zum Games-Convention-Jahr 2008 bildet die Verleihung der GAME STARS 2007 in Leipzig. Am 27. März kürt die IDG Entertainment Media GmbH zusammen mit der Stadt Leipzig die besten Computer- und Videospiele des vergangenen Jahres.

Februar 16, 2008 12:45

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