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Netzökonom

Der "Netzökonom" Holger Schmidt beschreibt und analysiert die Internet-Wirtschaft, in der es spannend wie nie zugeht. Die Werbung im Netz funktioniert, der Online-Handel wächst stetig und die Web-2.0-Communities bringen frischen Wind. Nach den Pionieren wie Ebay und Amazon sorgen nun Google oder Myspace für die großen Schlagzeilen, Joost oder Twitter für die kleinen.

Das Internet gleicht Verluste der Medien im Stammgeschäft nicht aus
Bürgerjournalisten, Blogger, News-Aggregatoren - die Demokratisierung und der technische Fortschritt im Internet bergen viele Gefahren für den traditionellen Journalismus. Aber diese Gefahren sind nichts im Vergleich zum wirtschaftlichen Problem: „Mehr und mehr kommt zum Vorschein, dass das größte Problem für die traditionellen Medien nichts damit zu tun hat, wo sich die Menschen ihre Nachrichten herholen. Die immer bedrohlicher werdende Realität ist, dass die Werbung nicht so schnell ins Internet wandert wie die Konsumenten. Die Krise des Journalismus ist nicht der Verlust des Publikums. Es ist das Ende der Verbindung zwischen Nachrichten und Werbung", lautet das Fazit des aktuellen Jahresberichts zur Lage der amerikanischen Medien, der von dem „Projekt für Exzellenz im Journalismus" (PEJ) des PEW-Forschungsinstituts in Washington vorgelegt wurde. Print-Verluste im Internet zu kompensieren gelinge selbst der „New York Times" nicht, die im Internet jeden Monat 14,7 Millionen Lesern habe. „Es wird immer deutlicher, dass die Nachrichten-Branche sehr viel aggressiver als bisher neue Geschäftsmodelle entwickeln muss", heißt es in der Studie.

Zwar ist die Online-Werbung in Amerika im vergangenen Jahr um 25 Prozent auf 21 Milliarden Dollar gestiegen, doch das Wachstum wird maßgeblich von den Suchmaschinen bestimmt. Die Werbeeinnahmen der Medien können nicht mithalten, wachsen nur etwa 10 Prozent im Jahr, haben die Pew-Forscher herausgefunden. Soziale Netzwerke wie Facebook, deren Plattformgeschäft ein höheres Wachstumspotential hat als die traditionellen Medien, ziehen zusätzlich Werbeeinnahmen ab.

Damit stelle sich die zentrale Frage: Wie werden die traditionellen Medien reagieren, wenn sich herausstellt, dass die Online-Werbung die rückläufigen Einnahmen aus dem Stammgeschäft nicht kompensieren kann? Den Verlegern sei klar, dass sie die Abwanderung ihrer Leser ins Internet nicht aufhalten können. Ob das Netz künftig allerdings in der Lage ist, für ähnlich hohe Umsätze wie das klassische Printgeschäft heute zu sorgen, wird angezweifelt. Klar sei aber auch: Eine Alternative zur Geschäft im Internet gibt es nicht, weil die Verlage nur dort Geschäfte machen können, wo ihre Leser sind.

Eine Antwort auf diese Fragen sei bis heute nicht gefunden. Nachdem die Versuche, die Nutzer für Inhalte zahlen zu lassen, weitgehend gescheitert sind, erhöhen die meisten traditionellen amerikanischen Medien ihre Investitionen in ihre Internetauftritte, um die Werbeeinnahmen zu erhöhen. „Das Jahr 2007 brachte eine Refokussierung der Ressourcen aus dem traditionellen Medium ins Internet", schreiben die Pew-Forscher. Das Jahr 2008 bringe einen höheren wirtschaftlichen Druck, aber auch weitere Anstrengungen in diese Richtung:

  • Traditionelle Medien gehen Partnerschaften mit großen Internetunternehmen ein, um ihr Werbepotential zu erhöhen.
  • Traditionelle Journalisten eignen sich New-Media-Fähigkeiten an, um für den Journalismus der Zukunft gerüstet zu sein. Blogs sind als journalistische Stilform und Kommunikationsinstrument etabliert. Nach Schätzungen von Marktforschern werden die Werbung in Blogs von 36 Millionen Dollar im Jahr 2006 auf 300 Millionen Dollar im Jahr 2010 steigen, schreiben die Pew-Forscher.
  • Medienunternehmen erweitern die Definition des Journalismus. Es geht nicht mehr nur allein um originäre Markeninhalte. Nachrichtenseiten nehmen immer mehr die Rolle des Navigators ein, der ihre Nutzer durch Inhalte navigieren, die auch aus anderen Quellen stammen.
  • Verbindungen mit E-Commerce-Angeboten sollen die Umsätze erhöhen.

Eine Idee, die Online-Werbeeinnahmen zu erhöhen, schlägt das Beratungsunternehmen Ernst & Young vor: Die Verlage sollten ihr Werbemodell umstellen. Statt ihre Reichweite in Form der Bezahlung je 1000 Kontakte zu vermarkten, sollten sie das Google-Modell der Bezahlung je Klick oder je generiertem Kundenkontakt einsetzen. „Der Wechsel könnte die Online-Werbeeinnahmen der großen Nachrichtenseiten in Großbritannien von heute jeweils etwa 15 bis 20 Millionen Pfund verfünffachen", erwartet Luca Mastrodonato von Ernst & Young. Egal, ob Verleger ihre Zukunft mit Bezahlinhalten oder kostenlosen Inhalten sehen - „das Internet spielt eine zentrale Rolle in allen künftigen Geschäftsmodellen der Zeitungen", sagte Mastrodonato und empfiehlt den Verlagen Kooperationen mit anderen Internetunternehmen. „Organisches Wachstum könnte zu langsam sein".

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Veröffentlicht Mittwoch, 19. März 2008 22:35 von FAZ-ht
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Kommentare

 

sarosiek sagte:

Klickbasierte Werbung kann leider nicht die Lösung sein, da sie nicht auf alle Branchen anwendbar ist. Nehmen wir z.B. die FMCG Branche: Wer würde schon auf einen Zahnpasta- oder auf einen Joghurt-Banner klicken? Hier kann die Bezahlung nur über TKP oder ähnliche Modelle erfolgen.

Problem ist allerdings die unterschiedliche Qualität des Traffics. Einige Webseiten haben eine hohe Anzahl an Pageviews im Vergleich zu deren Unique User die AGOF mist (s. die großen Studentencommunities). Hier macht man 20 Pageviews pro Minute und nimmt u.U. gar keine Werbung wahr.

Vielleicht sollte man einen UU-TKP (Unique-User-Tausend-Kontakt-Preis) mit maximaler Penetrationsrate einführen. ;-)

Gruss,

Martin S.

März 20, 2008 10:42
 

Muffi sagte:

Das Geschrei kommt hier, wie eigentlich die ganze Zeit, von den etablierten Print-Verlagen. Dabei haben sie die eigentlichen Möglichkeiten zum Zeitenwechsel selbst in der Hand und die Erfahrung dazu. "Navigator" durch die Onlinewelten werden nicht die sein, die sich ganz fleissig mit allen News verknüpfen und auf Inhalts-Qualität keinen Wert mehr legen.

Die Welt des Journalismus ist so breit gefächert, verfügt über so beeindruckende Mittel, wie Glossen, Satire, Tiefen- und Umfeldrecherchen (diese werden zB. zur das Internet gerade immer leichter), Interviews, Kommentare, Kultureinschätzungen und Boulevard (der gute) usw., dass einem das Geheul der Wölfe ein wenig vorkommt, wie das Plärren auf dem Wanderpfad zurück gebliebener Drittklässler eines Schulausfluges.

Bei der Suche nach Lösungen werden diesmal zum Glück keine Patentrezepte von Mr. Schlau-Schlau von Ernst & Young helfen, welche am täglichen Prozess gar nicht teilnehmen, aber in gewohnter Manier die Berater spielen - sie haben keine Patentrezepte für den einfachen Faktor Kompetenz und Image daraufhin.

Völlig vergessen wird hier auch, wie stark die Geschäftsführungen der etablierten Printmarken nach dem Motto "Ich will hier auch noch mitverdienen, aber das andere nicht neu denken" in den vergangenen Jahren auf die Bremse getreten haben, wenn es darum ging, ihren Onlineredaktionen die gleichen Mittel an die Hand zu geben, wie den Print-Kollegen - von der Bezahlung ganz zu schweigen. Ja, der Beruf des Journalisten wird gerade schwerer - aber auch um so vieles reicher, da man in unglaublicher Breite Leser ansprechen kann.

Die Einnahmen im Online - Bereich Werbung werden steigen – weil es immer mehr um zersplitterte Zielgruppen geht.

Auf der einen Seite der dumpfe Comunity-User und auf der anderen Seite der interessierte Leser, der schnell und kompetent vermittelt Informationen haben will, am besten ohne belogen zu werden.

Für die Zeitungen und vorhergehenden Nachrichtenformen ist wenig Bedauern angebracht – die guten Journalisten fangen schon an zu wechseln, die Unternehmen werden einfach andere Namen haben und vielleicht sogar wieder stärker Journalisten - geführt sein.

März 21, 2008 00:35

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