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Zerstrittene Online-Branche teilt ihre Messe
22. April 2008, 15:46
Uhr
Gerade hatte sich die OMD, die Messe für Online-Marketing in
Düsseldorf, nach harten Jahren wieder als ernstzunehmender Branchentreff
etabliert, da folgt die Trennung im Streit: Der Bundesverband Digitale
Wirtschaft (BVDW) hat entschieden, seine eigene Online-Messe vom Jahr 2009 an in
Köln zu veranstalten. Getrieben wurde die Entscheidung vom mächtigen Online-Vermarkterkreis
(OVK) des Verbandes. Die OMD soll unter dem neuen Chef Alexander Felsenberg, Mitgründer des BVDW, trotzdem
wie gewohnt in Düsseldorf stattfinden. Wahrscheinlich als
Parallelveranstaltung, so dass sich die Unternehmen der Branche entscheiden
müssen, an welcher Messe sie teilnehmen.
Drahtzieher im Hintergrund ist wohl Frank Schneider, der lange
Zeit die OMD in Düsseldorf organisiert hat, sich aber im Streit von der
Messegesellschaft IGEDO getrennt hat. Seide Ideen will er nun in Köln umsetzen und paktiert nun mit der Koelnmesse. Dafür hat er offenbar genügend Unterstützer im OVK gefunden.
Der BVDW geht davon aus, dass die im Online-Vermarkterkreis (OVK)
vertretenen Unternehmen natürlich geschlossen mit nach Köln umziehen. Ob aber
alle BVDW-Unternehmen mit nach Köln gehen, ist ungewiss. Die Unternehmen, die auf
Werbung auf Handys oder im interaktiven Fernsehen setzen, fühlen sich vom OVK benachteiligt
und könnten sich daher für Düsseldorf entscheiden. In Düsseldorf könnte dann auch
die Suchmaschinenindustrie ihre Zelte aufschlagen, was angesichts der
Verquickung zwischen den beiden Teilen der Online-Werbewirtschaft wenig Sinn
macht.
Überhaupt wird die Branche nur ungern Abschied vom liebgewonnenen
„Klassentreffen" in Düsseldorf nehmen. Die Trennung ist aus Sicht der Branche
unnötig und schädlich. Verbandsinterne Querelen haben gerade eine erfolgreiche
Messe kaputt gemacht, ohne ein Konzept vorzuweisen, dass die neue Messe besser
ist. Der BVDW sollte sich überlegen, ob er in dieser Form noch die Vertretung der digitalen Wirtschaft ist.
UPDATE: Die neue Messe soll wohl DMEX heißen. Während weite Teile der Branche die Trennung unsinnig findet, beharrt der BVDW auf seiner Position, wie er in einer eilig gestrickten Pressemitteilung verkündet: "In einem dreistufigen Auswahlverfahren konnte das vorgelegte
Gesamtkonzept der Koelnmesse letztlich am stärksten überzeugen.
Ausschlaggebend für die Entscheidung waren verschiedene qualitative
Kriterien von der Infrastruktur über das Messeteam bis hin zum
Gestaltungsspielraum des Verbands. ... Entgegen anderslautender Gerüchte haben das Präsidium,
in dem Vertreter nahezu aller Fachgruppen repräsentiert sind und die
Mitglieder des OVK die Entscheidung gemeinsam getragen. Finanzielle
Aspektewaren bei dieser Entscheidung, die allen Beteiligten
Planungssicherheit bis zum Jahr 2011 garantiert, nicht ausschlaggebend.
Zu gegebener Zeit werden Vertreter des BVDW und des OVK sowie das Team
der Koelnmesse, bestehend aus Kai Schmude, Frank Schneider und
Christian Muche sowie Gerald Böse dem Vorsitzenden der Geschäftsführung
der Koelnmesse gemeinsam ein neues Messe- und Kongressformat als
zentralen Branchenevent für digitales Marketing entwickeln. Das
komplette Format soll noch im Laufe des Jahres vorgestellt werden", lautet es in der Pressemitteilung.
Christian Muche, langjähriger OVK-Vorsitzender und zwischenzeitlich nach Neuseeland ausgewandert, gehört als Mitglied des Teams der Koelnmesse ebenfalls zu den Drahtziehern hinter dem Geschäft.
Was die Branche von der Geschichte hält, hat die W&V zusammengetragen. Rückhalt sieht anders aus.