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Netzökonom

Facebook verpatzt den Deutschland-Start

27. April 2008, 18:45 Uhr

Das soziale Netzwerk Facebook hat den erhofften Katapultstart in Deutschland mit der Einführung einer deutschen Sprachversion Anfang März nicht geschafft. Für das gesamte erste Quartal weist das Marktforschungsunternehmen Nielsen Online für Facebook lediglich 1,2 Millionen Besucher und damit 26 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum aus, als Facebook nur mit einer englischen Version vertreten war und außerhalb der Internet-Szene noch weitgehend unbekannt war. Der Zuwachs ist deutlich geringer als in den anderen Ländern wie den Vereinigten Staaten, Großbritannien oder Frankreich, wo das Unternehmen regelmäßig dreistellige Wachstumsraten erreicht hat. Für den Monat März gibt Nielsen keine konkreten Zahlen heraus, da die Nutzerzahlen zu gering sind, um statistisch saubere Hochrechnungen zu ermöglichen. Offenbar hat auch die Hilfe der Samwer-Brüder nichts gebracht.


Das Wachstum reicht vor allen nicht aus, um den Rückstand gegenüber den deutschen Marktführern StudiVZ, MySpace und SchülerVZ aufzuholen. Die Daten sprechen somit für die These, dass es Facebook trotz seiner technischen Überlegenheit nicht gelingen wird, gegen die Netzwerkeffekte der etablierten Anbieter anzukommen. Netzwerkeffekte bewirken, dass der Nutzen der Zugehörigkeit zu einem Netzwerk mit jeden neuen Mitglied überproportional steigt. Der Wechsel zu einem anderen Netzwerk macht nur dann Sinn, wenn auch alle Freunde gleichzeitig mitwechseln.

Zudem erlaubt sich Facebook wiederholt Fehler im Umgang mit seinen Mitgliedern. Zuletzt hatte das Unternehmen ungefragt mit den Namen bekannter Blogger auf Google geworben, die ein Facebook-Profil eingerichtet haben. Erst nach kräftigen Protesten der Blogger hat Facebook das Programm gestoppt, will an dieser Werbeform aber festhalten.

Die Nielsen-Daten zeigen aber auch, dass fast alle sozialen Netzwerke in den vergangenen zwölf Monaten nicht mehr so rasant an Reichweite zugelegt haben wie im Jahr zuvor. Lediglich das Netzwerk Wer-kennt-wen.de, an dem sich inzwischen der Fernsehsender RTL beteiligt hat, ist mit 84 Prozent Reichweitenzuwachs noch klar auf Wachstumskurs. Dagegen haben StudiVZ, SchülerVZ, Xing oder die Lokalisten nur noch moderat zugelegt, während MySpace und Knuddels nach den Nielsen-Daten sogar an Reichweite eingebüßt haben.

Unter der nachlassenden Begeisterung für die sozialen Netzwerke leidet auch MeinVZ, das dritte Netzwerk von StudiVZ. MeinVZ wurde Ende Februar gestartet, liegt bei Nielsen aber noch weit unter der Ausweisungsgrenze. Mitgliederzahlen für MeinVZ will das Unternehmen noch nicht nennen.

Veröffentlicht 27. April 2008, 18:45 von Holger Schmidt
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