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Netzökonom

Interneteinfluss aufs Marketing wird stark unterschätzt

16. Juni 2008, 09:54 Uhr

Der Kauf eines Fernsehgerätes, die Wahl eines Arztes, des Wechsel des Stromlieferanten - kein anderes Medium beeinflusst die Entscheidungen europäischer Konsumenten so stark wie das Internet. Das hat die Marktforschungsgesellschaft Harris Interactive mit einer Befragung von 5000 Europäern im Auftrag der PR-Agentur Fleishman Hillard herausgefunden. "Der Internet-Einfluss ist viel größer als erwartet - und auch viel größer als die Marketing-Budgets, die ins Netz fließen. Ich erwarte, dass die Budgets schon sehr bald in Richtung Internet umgeschichtet werden", sagte David Senay, der Vorstandsvorsitzende von Fleishman Hillard, der FAZ. Die Ausreden, zu wenig über die Wirkung des Internet zu wissen, gelten nicht mehr, sagte Senay. "Werbung ist das Modell von gestern. Online-Konversationen, Suchmaschinenoptimierung und eine starke Internetseite werden immer wichtiger", sagte Saney. (-> Weiterführende Ergebnisse der Studie zu den Sektoren Finanzen, Elektronik, Gesundheit, Reise, Freizeit und Dienstleister/Versorger)

    Die Marktforscher haben in der Studie einen digitalen Entscheidungsindex ermittelt, der sich aus der Zeit, die Menschen mit einem Medium verbringen, und der Einschätzung der Befragten über die Einfluss des Mediums auf ihre Entscheidungen zusammensetzt. Danach liegt das Internet in Deutschland mit einem Anteil von 40 Prozent klar vor dem Fernsehen (22 Prozent), Zeitungen (14 Prozent), Radio (13 Prozent) und Magazinen (11 Prozent).

    Die Aufschlüsselung des Internet-Einflusses zeigt, dass beim Kauf eines Fernsehgerätes die Suchmaschinen und die Produkt- oder Preisvergleichsseiten einen hohen Einfluss haben. Die Kommentare anderer Nutzer und die Internetseite des Herstellers haben einen mittleren Einfluss, während die Online-Werbung quasi bedeutungslos für die Kaufentscheidung ist. Ähnlich liegen die Schwerpunkte beim Kauf eines Flugtickets: Hierbei spielen die Unternehmensseite und die Suchmaschine eine wichtige Rolle, während die Online-Werbung und die Kommentare anderer Nutzer die Entscheidung kaum beeinflussen. "Je komplexer ein Produkt, desto stärker wird der Rat anderer Internetnutzer gesucht", sagte Thomas Rodenhausen von Harris Interactive. Zum Beispiel suchen Konsumenten beim Kauf eines Fernsehgerätes, bei der Wahl eines neuen Mobilfunkanbieters oder dem Kauf eines Medikamentes häufig Rat bei anderen Internetnutzern, während der Kauf eines Flugtickets ohne fremde Hilfe getätigt wird. Die Befragung hat ergeben, dass der Internet-Einfluss beim Kauf technischer Produkte am höchsten ist. Danach folgen Finanzprodukte und Dienstleistungen wie die Wahl des günstigsten Strom- und Gaslieferanten.

Veröffentlicht 16. Juni 2008, 09:54 von Holger Schmidt
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