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Suchmaschinen und Vergleichsseiten bestimmen Kaufentscheidungen
24. Juni 2008, 11:30
Uhr
Wer den billigsten Stromlieferanten sucht, eine Kamera kaufen möchte oder wissen will, ob ein Hotel auch wirklich so gut ist, wie die Werbung verspricht, schaut heute meist im Internet nach. Obwohl nur knapp 10 Prozent der Werbebudgets ins Internet fließen, haben Suchmaschinen, Anbieterseiten, Kommentare anderer Nutzer, Produktvergleichsseiten und die Online-Werbung für deutsche Konsumenten inzwischen eine doppelt so hohe Relevanz für Kaufentscheidungen wie das zweitplazierte Medium Fernsehen, hat die Studie "Digital Influence Index Study" von Harris Interactive im Auftrag von Fleishman Hillard ergeben.
Kaufentscheidungen, die sehr häufig mit Hilfe des Internet getroffen werden, betreffen erwartungsgemäß Reisen und den Kauf technischer Produkte. Aber 65 Prozent der deutschen Konsumenten gaben auch an, die Entscheidung für eine Autoversicherung mit Hilfe des Internet getroffen zu haben. 63 Prozent nahmen für die Wahl eines Stromversorgers das Internet zu Hilfe, und 47 Prozent haben einen Kreditgeber im Netz gefunden, hat Harris Interactive mit der Befragung von 5000 Internetnutzern herausgefunden.
Die Relevanz der verschiedenen Online-Informationsquellen schwankt
allerdings stark mit dem gesuchten Produkt. Generell gilt: Je
etablierter eine Marke und ihre Internetseite sind, desto geringer ist
die Bedeutung der Suchmaschinen für die Informationsbeschaffung und
Kaufentscheidung. Neueinsteiger in einen Markt müssen also mehr Wert
darauf legen, in den Suchmaschinen weit oben aufzutauchen, als bekannte
Anbieter. Je komplexer ein Produkt und je weniger die Nutzer ein Produkt
beurteilen können, desto häufiger werden die Kommentare anderer
Konsumenten gelesen. Das gilt vor allem für technische Produkte wie den
Kauf eines Fernsehers oder für Hotels, die sich aus der Ferne kaum
bewerten lassen. Erst das Internet hat es ermöglicht, die Erfahrungen
der Menschen, die dort bereits einmal gewohnt haben, in die eigene
Entscheidung einfließen zu lassen.
Den höchsten Wert, den eine Informationsquelle in der Befragung
überhaupt erreicht hat, sind die 86 Prozent der Nutzer, die
Vergleichsseiten wie Verivox oder Toptarif für die Wahl eines neuen
Stromlieferanten ansteuern. Dagegen sind die Kommentare anderer Nutzer
weitgehend und die Online-Werbung sogar völlig bedeutungslos für die
Kaufentscheidung, hat die Befragung ergeben. Anders sieht die Wahl der
Informationsquellen bei der Suche eines Telefonanbieters aus. 46
Prozent der Nutzer haben eine Online-Werbung gelesen und 75 Prozent
eine Suchmaschine genutzt, hat die Umfrage ergeben.

Für die Wahl eines Elektronikproduktes lesen die Konsumenten häufig die
Kommentare anderer Nutzer, besonders dann, wenn das Produkt technisch
komplex ist. Für Fernseher, Spielekonsolen und Digitalkameras wird der
Rat anderer Nutzer ebenfalls häufig in Anspruch genommen.

Neben den generellen Zusammenhängen unterscheidet sich die Wahl
der Online-Informationsquellen je nach gesuchtem Produkt relativ stark.
Hinweise für den Aktienkauf suchen die deutschen Verbraucher
vergleichsweise häufig auf den Seiten der Unternehmen, achten aber
wenig auf die Kommentare anderer Nutzer und missachten Online-Werbung
völlig. Lediglich für den Abschluss eines Kredits spielt Online-Werbung
in der Finanzbranche eine gewisse Rolle. Ansonsten sind eine gute
Plazierung in den Suchmaschinen, die eigene Internetseite und ein gutes
Abschneiden auf den Vergleichsseiten wichtiger für die Kaufentscheidung
der Konsumenten.


Für die Wahl eines geeigneten Arztes sind Suchmaschinen wie Google die
eindeutig dominierende Informationsquelle. 86 Prozent der Nutzer gehen
diesen Weg, während Nutzerkommentare oder Werbung irrelevant sind.

Für Flug- und Bahntickets spielt die Internetseite des Anbieters
eine vergleichsweise große Rolle als Informationsquelle, da die
Anbieter meist eine starke Marke haben und daher direkt angesteuert
werden. Da die Konsumenten genau wissen, was sie wollen, spielen
Suchmaschinen für diese Produkte nur eine geringe Rolle.
Ganz
anders sieht die Situation bei Hotelreservierungen aus: Fast 70 Prozent
der Konsumenten nutzen eine Suchmaschine für den Einstieg.
Außergewöhnlich häufig werden auch die Kommentare anderer Nutzer
gelesen, die schon einmal in diesem Hotel gewohnt haben: 48 Prozent der
Nutzer suchen auf Seiten wie Holidaycheck.de nach den passenden
Bewertungen für ihr Hotel. 28 Prozent der Nutzer haben eine
Vergleichsseite besucht, und 16 Prozent haben eine Online-Werbung
abgeschaut, hat die Umfrage ergeben.

Link: Consline-Studie über den Web 2.0 Einfluss auf Kaufentscheidungen