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Informationsverhalten: Internet nimmt klassischen Medien rapide Marktanteile ab
15. Juli 2008, 13:11
Uhr
Allensbach hat das Informationsverhalten der Menschen im Zeitablauf untersucht. Wenig überraschend, aber dennoch sehr brisant, ist die Deutlichkeit, mit der das Internet den Printmedien den Rang als Informationsmedium abläuft. Vor allem bei jungen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ist die Entwicklung der vergangenen neun Jahre sehr deutlich abzulesen.

In der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahre ist die Entwicklung hin zum Internet und weg von den klassischen Medien als Informationsmedium zwar weniger stark ausgeprägt, aber tendenziell gleich.

Was das für die Tageszeitungen bedeutet? Auch darauf hat Allensbach eine alarmierende Antwort: Die Reichweite der Tageszeitungen geht vor allem bei jungen Menschen stetig und rapide zurück.

Der Medienwissenschaftler Robin Meyer-Lucht hat die Allensbach-Zahlen einmal fortgeschrieben und gelangt zu folgendem Ergebnis: "In fünf Jahren erreichen Tageszeitungen weniger als die Hälfte der 14- bis 64-jährigen Menschen; im Jahr 2015 sind es nur noch 46,3 Prozent". Wird die Entwicklung des mobilen Internet mit eingerechnet, erwartet Meyer-Lucht bis 2015 nur noch eine Reichweite von 43 Prozent.

Tagesaktuelle Informationen, also wohl vorwiegend Nachrichten, lesen die Menschen aber immer noch weit häufiger in der Zeitung als im Internet.

UND: Intensive Internetnutzer lesen auch überproportional häufig Zeitung, weil sie stark an Informationen interessiert sind.


Dazu passt die Analyse des amerikanischen PEW-Instituts:„Mehr
und mehr kommt zum Vorschein, dass das größte Problem für die
traditionellen Medien nichts damit zu tun hat, wo sich die Menschen
ihre Nachrichten herholen. Die immer bedrohlicher werdende Realität
ist, dass die Werbung nicht so schnell ins Internet wandert wie die
Konsumenten. Die Krise des Journalismus ist nicht der Verlust des
Publikums. Es ist das Ende der Verbindung zwischen Nachrichten und
Werbung", lautet das Fazit des aktuellen Jahresberichts zur Lage der
amerikanischen Medien, der von dem „Projekt
für Exzellenz im Journalismus" (PEJ) des PEW-Forschungsinstituts in
Washington vorgelegt wurde. Print-Verluste im Internet zu kompensieren
gelinge selbst der „New York Times" nicht, die im Internet jeden Monat 14,7 Millionen Lesern habe. „Es
wird immer deutlicher, dass die Nachrichten-Branche sehr viel
aggressiver als bisher neue Geschäftsmodelle entwickeln muss", heißt es
in der Studie.
Zwar ist die Online-Werbung in Amerika
im vergangenen Jahr um 25 Prozent auf 21 Milliarden Dollar gestiegen,
doch das Wachstum wird maßgeblich von den Suchmaschinen bestimmt. Die
Werbeeinnahmen der Medien können nicht mithalten, wachsen nur etwa 10
Prozent im Jahr, haben die Pew-Forscher herausgefunden. Soziale
Netzwerke wie Facebook, deren Plattformgeschäft ein höheres
Wachstumspotential hat als die traditionellen Medien, ziehen zusätzlich
Werbeeinnahmen ab.
Damit stelle sich die zentrale Frage:
Wie werden die traditionellen Medien reagieren, wenn sich herausstellt,
dass die Online-Werbung die rückläufigen Einnahmen aus dem
Stammgeschäft nicht kompensieren kann? Den Verlegern sei klar, dass sie
die Abwanderung ihrer Leser ins Internet nicht aufhalten können. Ob das
Netz künftig allerdings in der Lage ist, für ähnlich hohe Umsätze wie
das klassische Printgeschäft heute zu sorgen, wird angezweifelt. Klar
sei aber auch: Eine Alternative zur Geschäft im Internet gibt es nicht,
weil die Verlage nur dort Geschäfte machen können, wo ihre Leser sind.
Eine Antwort auf diese Fragen sei bis
heute nicht gefunden. Nachdem die Versuche, die Nutzer für Inhalte
zahlen zu lassen, weitgehend gescheitert sind, erhöhen die meisten
traditionellen amerikanischen Medien ihre Investitionen in ihre
Internetauftritte, um die Werbeeinnahmen zu erhöhen. „Das
Jahr 2007 brachte eine Refokussierung der Ressourcen aus dem
traditionellen Medium ins Internet", schreiben die Pew-Forscher. Das
Jahr 2008 bringe einen höheren wirtschaftlichen Druck, aber auch
weitere Anstrengungen in diese Richtung:
- Traditionelle Medien gehen Partnerschaften mit großen Internetunternehmen ein, um ihr Werbepotential zu erhöhen.
- Traditionelle Journalisten eignen
sich New-Media-Fähigkeiten an, um für den Journalismus der Zukunft
gerüstet zu sein. Blogs sind als journalistische Stilform und
Kommunikationsinstrument etabliert. Nach Schätzungen von Marktforschern
werden die Werbung in Blogs von 36 Millionen Dollar im Jahr 2006 auf
300 Millionen Dollar im Jahr 2010 steigen, schreiben die Pew-Forscher.
- Medienunternehmen erweitern die
Definition des Journalismus. Es geht nicht mehr nur allein um originäre
Markeninhalte. Nachrichtenseiten nehmen immer mehr die Rolle des
Navigators ein, der ihre Nutzer durch Inhalte navigieren, die auch aus
anderen Quellen stammen.
- Verbindungen mit E-Commerce-Angeboten sollen die Umsätze erhöhen.
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