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Microsoft investiert weitere Milliarden in das Internet
25. Juli 2008, 12:56
Uhr
Microsoft und das Internet. Zuerst verschlafen, dann falsch reagiert,
dann viel investiert, dann Manager ausgetauscht, wieder investiert, wieder
ausgetauscht und nun: Richtig, Microsoft investiert wieder in das Internet. Das
Unternehmen werde sich den Wettstreit um den Online-Werbemarkt 1,2 Milliarden
Dollar im Jahr kosten lassen, kündigte Microsoft-Chef Steve Ballmer auf einer Konferenz
in Redmond an. Mittelfristig sieht Ballmer in dem Markt nur Platz für zwei
Rivalen: „Ich glaube, dass es nur zwei Unternehmen gibt, die die Fähigkeit und
Standfestigkeit dafür haben - Microsoft und Google", sagte Ballmer. Allerdings verspricht Ballmer abermals nur viel Geld, aber eine echte Strategie ist wieder nicht zu erkennen.
In der Online-Werbung steckten zu große Möglichkeiten, als dass man
sie ignorieren könnte, sagte Ballmer. „Wir erhöhen den Einsatz erheblich, um überhaupt
in diesem Geschäft zu bleiben." Zentraler Bestandteil der Strategie Microsofts
sei es neben der Akquisition anderer Unternehmen, die Ausgaben für Technologie
und Marketing deutlich zu erhöhen. „Die Suche ist einer der Ausgangspunkte im Internet",
sagte Ballmer. „Sie ist der beste Platz, um Kunden neue Internet-Services
anzubieten."
Wenige Stunden zuvor hatte Microsoft einen erneuten Umbau seiner Online-Sparte angekündigt. Die Online-Dienste werden künftig wieder unabhängig vom Geschäft
mit Windows geführt, beide Sparten waren erst vor rund drei Jahren zusammen
gelegt worden. Kevin Johnson, Chef der bisherigen Geschäftseinheit, hat das
Unternehmen verlassen und die Führung des Netzwerk-Ausrüster Juniper Networks übernommen.
Zudem kündigte Microsoft eine erweiterte Zusammenarbeit mit Facebook
an. Für amerikanische Nutzer des Netzwerks werde Microsoft von Herbst an
exklusiv seine Internet-Suche inklusive Anzeigen integrieren.
Von der neuen Struktur erhofft sich Microsoft mehr Agilität und
Konzentration auf zwei sehr wettbewerbsintensive Bereiche. Der
ehemalige Microsoft-Manager Johnson gilt als einer der Architekten von
Microsofts vorerst auf Eis gelegten Plan, Yahoo zu übernehmen.
Schon in den vergangenen Jahren hatte Microsoft Milliarden Dollar in
das Online-Geschäft investiert, war aber auch trotz mehrfachen Umbaus der
Sparte im Anzeigen-Geschäft gegenüber Google und Yahoo weiter ins Hintertreffen
geraten. Der Markt für Online-Werbung wird nach Schätzungen der New-Yorker
Marktforschung EMarketer bis 2012 ein Volumen von 51 Milliarden Dollar
erreichen. Nach Erhebungen von ComScore hatte Microsoft im Mai im amerikanischen
bei der Internet-Suche einen leicht erhöhten Marktanteil von 9,2 Prozent
gegenüber Google mit 61,5 Prozent und Yahoo mit 20,9 Prozent Marktanteil.
Doch die Internet-Welt besteht nicht nur aus Suchmaschinen; das
Spiel um die Herrschaft im Internet ist noch nicht entschieden. Dafür
ist die Geschwindigkeit, mit der Innovationen im Netz neue Märkte
schaffen und etablierte Geschäfte vernichten, viel zu hoch. So wie sich
Werbung in Suchmaschinen innerhalb weniger Jahre aus dem Nichts zu
einem 30-Milliarden-Dollar-Markt entwickelt hat, entstehen zurzeit neue
Geschäftsfelder, auf denen Google wie alle anderen klein anfangen muss.
Soziale Netzwerke, Synonym für das Web 2.0, sind nur ein Beispiel
dafür. Junge Unternehmen wie Facebook, Myspace, Twitter, Ning oder
Friendfeed stehen für die zweite Web-Generation, in der die Giganten
der ersten Generation noch nicht wirklich Fuß gefasst haben. Hart
umkämpft ist auch das mobile Internet,
in das Google, Microsoft und Yahoo große Hoffnungen setzen. Doch auf
diesem Feld ist die Konkurrenz zum ersten Mal genauso groß und stark:
Nokia, Apple, AT&T oder die Deutsche Telekom wollen natürlich auch
das Geschäft mit dem Internet auf dem Handy machen.
Selbst im Entwicklerwettstreit um die beste Suchmaschinentechnik ist
Google nicht für alle Zeiten gesetzt. Unter dem Stichwort „Web 3.0"
arbeiten Dutzende Suchmaschinen wie Twine, Hakia oder die gerade von Microsoft aufgekaufte Firma Powerset am
sogenannten semantischen Internet, das den Inhalt auf Internetseiten
wirklich versteht und nicht nur per Algorithmus sortiert. Dann weiß die
Suchmaschine, ob die Bank zum darauf sitzen oder zum Geld einzahlen
gemeint ist. Noch hat das semantische Internet die Entwicklungslabors
nicht verlassen geschweige denn Geld verdient, doch das Potential, ein
Google-Killer zu werden, hat die Technik zweifellos. Denn in einem
semantischen Internet wäre Googles komplexer Suchalgorithmus nicht mehr
nötig.
Ebenfalls noch am Anfang steht der Wettbewerb um die Frage, wie
Computer künftig genutzt werden. Klar ist: Das lange erfolgreiche
Microsoft-Modell, in dem Unternehmen wie private Nutzer
Softwarelizenzen erwerben und auf ihren eigenen Computern speichern,
steht vor der Ablösung. In Zukunft greifen die Anwender per Internet
auf Programme und Daten zu, die in Rechenzentren gespeichert sind. Da
deren Standort völlig unerheblich ist, wird daher nur noch von der „Wolke"
als Synonym für diese riesigen Rechenzentren mit Hunderttausenden
Computern gesprochen. Die Größenvorteile machen Speicherplatz „in the
cloud" extrem billig; auch der Preis für Software, die nur noch bei
Bedarf genutzt und bezahlt wird, tendiert gegen Null. Die „Cloud"
könnte also alle etablierten Strukturen in der Informationstechnik
zerstören. Wie das gehen könnte, zeigt Google: Das Unternehmen bietet
seinen Nutzern kostenlose Textverarbeitung, Tabellenkalkulation,
Kalender und E-Mail an und bedroht damit das Stammgeschäft von
Microsoft. Nicht zuletzt aus diesem Grund versucht der Softwaregigant
mit seiner Initiative „Live Mesh", das neue Geschäftsfeld schnell zu
besetzen - bevor Konkurrenten wie Google, Amazon oder IBM dort Fuß
gefasst haben.
Ob Web 2.0, Web 3.0, mobiles Marketing, sematisches Internet oder
die Wolke - das Rennen ist offen. Gerade weil das Geschäft von
Microsoft vielfach bedroht ist, darf der Softwarekonzern nicht abgeschrieben werden. Das Unternehmen muss sein
Transformation ins Internet fortsetzen. Immerhin hat das Unternehmen viel Geld übrig, das nun sehr schnell investiert wird.
Die Diskussion über Microsofts nächste Übernahmekandidaten hat schon
begonnen: Facebook oder Myspace sind ebenso möglich wie die
nutzergenerierte Nachrichtenseite Digg.com. Das Geld wird wohl erst
einmal in Web-2.0-Unternehmen fließen, da Microsoft trotz der
Beteiligung an Facebook noch Nachholbedarf hat.
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