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Google Chrome: Große Pläne mit dem kleinen Browser
02. September 2008, 09:42
Uhr

Auf den ersten Blick könnte man Google Chrome für einen einfachen Browser
halten. Neben dem Internet Explorer von Microsoft, Mozilla Firefox, Apple
Safari oder dem Web 2.0 Browser Flock. Doch es geht Google mit Chrome um weit
mehr als einen nächsten Browser-Krieg. Es geht um das Betriebssystem der
Zukunft, das im Internet ("in the Cloud") laufen wird, und das vor allem Microsoft überflüssig
machen soll. Denn Chrome integriert natürlich die anderen Google-Programme wie
Mail für die Kommunikation oder Docs & Spreadsheets für die Textverarbeitung und
Tabellenkalkulation. Die Programme laufen in dem Browser parallel nebeneinander in verschiedenen Reitern.
Chrome bringt also quasi als
trojanisches Pferd alle anderen Google-Programme mit und läuft - dank Google
Gears - online wie offline. Ein Betriebssystem von Microsoft ist auf dem Computer dann nicht mehr
nötig. Selbstverständlich wird Google Chrome wie alle anderen Google-Programme kostenfrei
sein und wohl schon bald als vorinstallierter Browser auf den Rechnern der Hardwarepartner ausgeliefert werden. Dieser Schritt könnte den Google-Programmen wie GMail oder Docs, die bisher keine wesentlichen Marktanteile gegen Microsoft oder Yahoo gewonnen haben, einen ordentlichen Schub geben.
Dass Google mit Chrome weit mehr im Sinn hat als einen Browser, machte Sergey Brin in Mountain View klar (via Reuters):
"Google co-founder Sergey Brin said Chrome was designed to
address the shift to using software from within a Web browser
rather than as locally installed computer applications running
inside Microsoft Windows or some other operating system. "I think operating systems are kind of an old way to think
of the world," Brin told a group of reporters after the news
conference at Google's Mountain View, California headquarters.
"They have become kind of bulky, they have to do lots and lots
of different (legacy) things."Google believes any task done in a standalone desktop
computer application can be delivered via the Web and Chrome is
its bet that software applications can be run via a browser."We (Web users) want a very lightweight, fast engine for
running applications," Brin said."The kind of things you want to have running standalone (on
a computer) are shrinking," he said, adding that he still edits
photos on his computer rather than using a Web program".

Auch die Selbstbeschreibung von Google zeigt den Weg, den die
Suchmaschine einschlagen will:
„All of us at Google spend much of our time working inside a
browser. We search, chat, email and collaborate in a browser. And in our spare
time, we shop, bank, read news and keep in touch with friends -- all using a
browser. Because we spend so much time online, we began seriously thinking
about what kind of browser could exist if we started from scratch and built on
the best elements out there. We realized that the web had evolved from mainly
simple text pages to rich, interactive applications and that we needed to
completely rethink the browser. What we really needed was not just a browser,
but also a modern platform for web pages and applications, and that's what we
set out to build."
Anders als Microsoft wird Google auch keine Schwierigkeiten mit den Kartellbehörden bekommen, seine Suchmaschine als Voreinstellung im Browser zu etablieren. Im Firefox wird die Google-Suche bis mindestens 2011 als Voreinstellung mit ausgeliefert werden. Das haben Google und Mozilla gerade vereinbart.
Google Chrome soll vor allem das Thema Cloud-Computing beflügeln. The
Cloud, die Wolke, gilt als Inbegriff für die kommende technische Revolution im
Netz. Dokumente, Internetseiten, Fotos oder Videos werden künftig nicht mehr
auf dem heimischen Rechner abgelegt, sondern irgendwo "in der Wolke",
womit riesige, über die ganze Welt verteilte Datenzentren gemeint sind. Die
Internetnutzer können dann überall und mit allen Geräten auf ihre Daten
zugreifen und mit anderen Nutzern teilen. Wo die Daten tatsächlich gespeichert
sind, spielt keine Rolle mehr. Irgendwo in der Wolke eben.
Was
zunächst trivial klingt, hat gravierende Konsequenzen. Im ersten Schritt für
die Hard- und Softwarehersteller selbst: Unternehmen brauchen keine teuren
Netzwerkrechner mehr, sondern mieten bei Bedarf entsprechende Kapazitäten
"in der Wolke", um ihre Internetseiten, Programme und Dokumente zu
speichern. Die Softwarehersteller verkaufen keine Lizenzen mehr, sondern
vermieten "Software als Service", wie es heute bereits das amerikanische
Unternehmen Salesforce praktiziert. Weit über die IT-Industrie hinaus ändert
die Wolke aber auch die Internetnutzung grundlegend. Einen Vorgeschmack gibt
Google: Texte, Tabellen, Fotos, der Terminkalender und natürlich die E-Mails
können mit kostenlos nutzbaren Programmen erstellt, verwaltet und gespeichert
werden, die nur noch im Internet laufen. Statt teurer Bürosoftware und
Festplatten ist nur noch ein Internetanschluss notwendig, der die Verbindung zu
den mehreren hunderttausend Netzwerkrechnern der Google-Wolke herstellt.
Zunächst
galt die Wolke nur als neues Modethema. Als aber Ray Ozzie, als Nachfolger von
Bill Gates der oberste Softwarearchitekt von Microsoft, die neue Strategie des
Softwaregiganten vorstellte, war aus dem Modebegriff über Nacht Realität
geworden: Ozzie verkündete nichts weniger als Microsofts Abkehr vom
Personalcomputer und die Zuwendung zur Wolke als verbindendes Element zwischen
allen Computern, Netzwerkrechnern und mobilen Geräten. "Live Mesh"
wird das neue Supernetz heißen, mit dem Microsoft die ganze Computerwelt
überziehen will. "Cloud-Computing wird künftig eine zentrale Rolle in der
Informationstechnologie spielen", sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer in
einem Interview. Auf dem Spiel stehe dabei nichts weniger als "die Art und
Weise, wie Computer benutzt und eingesetzt werden", sagte Ballmer. Nur
wenige ganz große Technologieunternehmen werden aufgrund der Größenvorteile den
Cloud-Computing-Markt beherrschen: Amazon, Google, IBM, möglicherweise Oracle,
ganz sicher aber Microsoft werden nach Ballmers Ansicht dazugehören.
Ozzie zeigte auch, wie Cloud-Computing à la Microsoft aussehen könnte:
Eine Microsoft-Software schaltet alle Geräte eines Nutzers - vom
Personalcomputer bis zum Mobiltelefon - zusammen und koppelt sie mit einem
Speicherplatz in der Wolke. Freigegebene Daten werden automatisch auf die
anderen Geräte in der Microsoft-Wolke kopiert und lassen sich auf allen Geräten
mit Internetanschluss nutzen. In einem ersten Schritt sollen nur Computer und
Mobiltelefone mit einem Betriebssystem von Microsoft mitmachen können; in einem
zweiten Schritt sollen aber auch Apple-Nutzer ihren Platz auf der
Microsoft-Wolke bekommen. Obwohl die Microsoft-Pläne noch ganz frisch sind,
wird "Live Mesh" schon jetzt zu den großen strategischen
Weichenstellungen des Softwarekonzerns gerechnet. "Das war ein sehr
wichtiges öffentliches Statement für Microsoft, nämlich dass die aktuelle
Schlacht die Schlacht um die Wolke ist", sagte Gartner-Analyst Mark
Stahlmann. Das sei nicht mehr der Kampf um die Internetsuche oder um das
Betriebssystem. "Diese Kämpfe sind ausgefochten und gewonnen. Der Kampf um
das Cloud-Computing ist aber völlig offen", sagte Stahlmann. Google hat mit Chrome einen wichtigen Schritt in Richtung Wolke unternommen.
UPDATE: Der erste Eindruck
- - Sehr einfach zu installieren; läuft auf meinem Windows-System ohne Schwierigkeiten. Und ist dazu sehr schnell (Heise: Google Chrome überholt die Konkurrenz)
- - Optisch sehr leicht; die Anzeigefläche für die Web-Seiten bekommt den maximalen Platz.
- - Statt Adresszeile und Suchfeld gibt es nur eine "Omnibox" für beides. Suchergebnisse und Webseiten vermischen sich dann in der Darstellung. Auf den ersten Blick etwas verwirrend, auf den zweiten Blick gelingt der Zugriff auf die gesuchte Seite sehr schnell.
- - Anonymes Surfen: Wer nicht möchte, dass einzelne Seiten im Webverlauf angezeigt werden, kann sie mit der Option "anonymes Surfen" ausblenden.
- - Erstes Fazit: Ganz nett, aber auf den ersten Blick kein großer Fortschritt gegenüber Firefox oder Opera für die Menschen, die nur Webseiten anschauen wollen. Der Fortschritt liegt unter der Motorhaube: Die Anwendungen in den einzelnen Fenstern sollen unabhängig voneinander laufen, dank Google Gears auch offline. Insofern zeigt Chrome seinen Charakter als Web-Arbeitsoberfläche für das "Cloud-Computing".
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