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Web.de will Web 2.0-Zentrale werden
26. Oktober 2008, 10:00
Uhr
Jan Oetjen, der neue Chef des Internet-Portals Web.de, will eine
Strategie gegen die Wanderung junger Internetnutzer in die sozialen Netzwerke und die damit verbundene Verlagerung der Kommunikation gefunden haben. Web.de soll der zentrale Kommunikationspunkt im Internet
werden, an dem die Nutzer die Nachrichten aus allen sozialen Netzwerke in einem Postfach verwalten
können. „Wir glauben an die Integration, an einen Kommunikationspunkt im
Internet", sagte Qetjen. Statt sich nacheinander bei StudiVZ, Xing oder
Facebook einzuloggen, um neue Nachrichten abzurufen, sollen die Nutzer künftig
alle Netzwerke und E-Mail-Dienste auf einer Seite zusammenführen. Web.de hat
dafür bereits den „Multi-Messenger" entwickelt; weitere Angebote sollen unter dem Stichwort "Single Communication Point" zur Computermesse Cebit im März folgen.
Web.de und auch GMX, die beide zu United Internet gehören, sind mit
jeweils rund 12 Millionen Nutzern die beiden führenden E-Mail-Dienstleister in
Deutschland. Allerdings kommunizieren vor allem junge Menschen immer häufiger
in sozialen Netzwerken wie Studi VZ oder Schüler VZ mit ihren Freunden. „Bis
2007 stand die E-Mail in der Gruppe der 14 bis 19-Jährigen hoch im Kurs. Ein
Jahr später ist der Anteil derer, die mindestens einmal wöchentlich E-Mails
versenden oder empfangen, von 79 auf 75 Prozent gefallen. Funktionen wie Mailen
oder Chatten verlagern sich in das Web 2.0", heißt es in der jüngsten ARD-ZDF-Online-Studie. Die Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung hatte jüngst erstmals sinkende Reichweiten für die beiden E-Mail-Dienste gemessen.
Oetjen sieht in seinen internen Zahlen allerdings keinen Reichweitenverlust. "Wir können nicht beobachten, dass uns im E-Mail-Bereich etwas wegbricht. Um unser Geschäftsmodell machen wir uns keine Sorgen", sagte Oetjen. Auch glaubt er die Zielgruppe der jungen Menschen für die E-Mail-Anbieter nicht verloren: „Auch die jungen Menschen werden älter und gehen dann zur E-Mail
zurück". Wer zum Beispiel eine Bewerbung abschicke oder Anhänge versende, nutze
dafür lieber eine seriöse E-Mail-Adresse. „Auch wer auf seine Privatsphäre
achtet, bevorzugt die E-Mail", sagte Qetjen.
Den sozialen Netzwerken sagt er eine Bereinigung voraus. „Es wird
eine dramatische Konsolidierung geben. Jede weitere Gemeinschaft hat einfach
einen negativen Zusatznutzen", sagte Oetjen - und schließt dabei die eigene, bisher weitgehend erfolglose Gemeinschaft unddu.de mit ein. „Unddu.de wird es als eigenständiges sozialen
Netzwerk auf Dauer schwer haben", sagte Oetjen. Zu übermächtig ist die
Konkurrenz, zu klein die eigene Nutzerbasis. Die Zukunft von unddu.de liege
daher eher in einem Community-Dienst statt in einer eigenständigen
Gemeinschaft, sagte Oetjen. „Die Öffnung der Gemeinschaften wird die nächste
große Welle. Der Trend geht heraus aus den geschlossenen Nutzergruppen".
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