Wie Verlage über das Internet an die Fernsehwerbung kommen
27. Oktober 2008, 14:40
Uhr
Die Samwer-Brüder, bekannt für ihren guten Riecher für
Geschäftsmodelle, finden die Idee gut und haben schon investiert: Das New
Yorker Unternehmen Tremor Media überträgt Fernsehwerbespots ins Internet. Das klingt simpel, hat aber einen sehr angenehmen Effekt:
"Wir werden als Fernsehstation gebucht und erzielen sogar höhere Preise
als die TV-Werbung", sagt Christian Baudis,
ehemaliger Googler und Fernsehfachmann, der jetzt das Geschäft von Tremor Media
in Europa aufbauen soll. Die Idee dahinter: Die Fernsehwerbung wird
"veredelt", also um interaktive Elemente ergänzt, und nur in
hochwertigen Umfeldern wie Verlags-Websites gezeigt. Auf diesem Umweg lässt
sich mit Fernsehwerbung doch noch die Zielgruppe der jungen Menschen erreichen,
die für die Fernsehwerbung bereits verloren schien, sagt Baudis. Denn Online-Videos werden immer häufiger angeschaut, allerdings bevorzugt im Web 2.0 Umfeld, vor allem auf Youtube.

Die Markenartikler freuen sich, wenn ihre Werbung auch im Netz funktioniert, nicht zwingend aber die Sender. Denn die Werbung kann natürlich
auf allen Internetseiten laufen, egal, ob dort überhaupt Videos gezeigt werden.
Auf diesem Weg können die Fernsehwerbegelder plötzlich den Verlagen zufallen,
die sich über einen schnell wachsenden, wenn auch noch kleinen Markt Markt freuen können.
"In den
kommenden Jahren wird sehr viel Geld vom Fernsehen ins Internet
abwandern", ist sich Baudis sicher. Mit der
steigenden Zahl der Breitbandverbindungen gewinnen Bewegtbilder an Bedeutung;
zudem ist die junge Zielgruppe inzwischen im Netz besser zu erreichen als im
Fernsehen. Auf eine Milliarde Euro schätzt Jupiter-Analyst Nate Elliott den
europäischen Markt für Videowerbung im Jahr 2012. In seiner Umfrage gaben die Nutzer
werbefinanzierten Videoangeboten einen deutlichen Vorzug vor kostenpflichtigen
Videos. Besonders hoch war das Interesse an einem werbefinanzierten Videoangebot
in Spanien und Deutschland. In den Vereinigten Staaten schätzt E-Marketer den Markt der Videowerbung in diesem Jahr auf 505 Millionen Dollar, der bis zum Jahr 2012 auf 3,4 Milliarden Dollar wachsen könnten.
Die Werbegelder fließen natürlich nur, wenn der gewünschte Erfolg
eintritt. Dafür gibt es die interaktiven Elemente, zum Beispiel das Vereinbaren
von Testfahrten in einer Autowerbung oder der Kauf eines Kinotickets in einer
Filmwerbung. Da die Technik heute so weit ist, über die IP-Adresse des Nutzers
dessen Standort zu ermitteln, werden auch nur passende Autohäuser oder Kinos in
der Umgebung angezeigt.
Tremor
Media hat in Amerika ein Netzwerk mit 1400 Seiten wie der New York Times oder
dem Wall Street Journal aufgebaut und hat sich dort sehr schnell unter den größten
Werbenetzen etabliert. "Wir starten noch in diesem Jahr in Deutschland. Zum Start
werden viele Seiten mitmachen", sagte Baudis.
Denn erst wenn die Reichweiten im Internet ähnlich hoch sind wie im Fernsehen,
lohnt sich für die Werbetreibenden der Gang ins Web. In Amerika scheint die
Idee zu funktionieren. "Wir spüren keine Krise, sondern wachsen dort
ungebremst weiter", sagte Baudis. Allerdings kommen in Amerika auch die Werbepreise unter Druck, wie der Tremor-Media-Chef Jason Glickman gegenüber Business Week zugab.