United Internet hat kein Interesse mehr an Freenet-DSL - angeblich
19. November 2008, 11:02
Uhr
Per Pressemitteilung hat United Internet angekündigt, nicht mehr
für die DSL-Sparte von Freenet zu bieten und bereits im Oktober aus dem
Bieterprozess ausgestiegen zu sein. United Internet bezieht sich auf einen
Artikel in der Börsenzeitung, der bereits am vergangenen Samstag erschienen ist
und folgende Passage enthält:
„Es werde verhandelt,
und zwar "mit mehr als einem Interessenten", betonte der Konzernchef
und trat damit Spekulationen entgegen, dass ihm die Käufer ausgehen. Spoerr signalisierte, dass United Internet, die
zugleich Großaktionär von Freenet ist - ein Angebot abgegeben hat, ließ jedoch
durchblicken, dass darüber hinaus mit Vodafone, die möglicherweise Verstärkung
für ihre deutsche Festnetztochter Arcor sucht, verhandelt wird" (Börsenzeitung
vom 15. November).


Ist der Ruf erst ruiniert, streitet es sich ganz ungeniert: Ralph Dommermuth (links) und Eckhard Spoerr.
Die heute, vier Tage später veröffentlichte Pressemitteilung von
United Internet lautet wie folgt:
„Der
Vorstandsvorsitzende der freenet AG, Herr Eckhard Spoerr, hat ausweislich eines
Artikels der Börsen-Zeitung vom 15. November 2008 dieser gegenüber geäußert,
United Internet habe in dem von freenet betriebenen Verfahren zum Verkauf des
freenet DSL-Geschäftes ein Angebot abgegeben. Soweit damit der Eindruck erweckt
wird, United Internet nehme an diesem Verkaufsverfahren noch teil, trifft dies
nicht zu. United Internet ist vielmehr bereits im Oktober mit einem an die
Vertreter von freenet gerichteten Schreiben aus diesem Verfahren ausgeschieden".
Was ist nun davon zu halten? Tatsache ist, dass United Internet
ein verbindliches Angebot abgegeben hatte, das aber wohl unter 300 Millionen
Euro lag und von Spoerr abgelehnt wurde. Freenet teilte aber schon in der
vergangenen Woche mit, der Verkauf des Breitbandgeschäfts könne wegen der
Finanzkrise voraussichtlich "nur zu deutlich schlechteren Konditionen als
ursprünglich angenommen durchgeführt werden". (-> Spoerr hat zu lange gepokert)
United Internet lässt auch verlauten, seine Freenet-Beteiligung verkaufen zu wollen, wenn der Preis stimmt. „Wir haben für unsere Freenet-Aktien 16 Euro gezahlt. Die
möchte ich gerne einmal wiedersehen. Daher werden wir unseren Freenet-Anteil
sicher nicht mitten in der Finanzkrise verkaufen. Faktisch hat Freenet jetzt
noch Verluste erzielt. Ich wünsche mir, dass Freenet bald richtig Geld
verdient. Dann steigt auch der Aktienkurs wieder“, sagte Dommermuth der FAZ. Im Moment fällt der Kurs aber weiter: Weniger als 4 Euro ist die Aktie zurzeit wert; der Kurs der United Internet Aktie ist unter 5 Euro gefallen.
Was passiert nun?
Szenario 1: United Internet will auf lange Sicht im DSL-Markt bleiben. Dann wird das Unternehmen verhindern wollen, dass Vodafone den Zuschlag erhält, da das
Telekommunikationsunternehmen dann mit Abstand die Nummer zwei auf dem
deutschen Breitband-Markt wäre. Die Pressemitteilung hat wohl allein den Zweck,
den Druck auf Spoerr zu erhöhen, den Preis weiter zu senken. Die Spiel zwischen UI-Chef Ralph Dommermuth und Freenet-Chef Eckhard Spoerr ist damit nicht zu Ende. "Dommermuth und Spoerr machen den Eindruck zweier Kinder im Sandkasten, die sich um die Förmchen streiten. Alle Beobachter sind inzwischen von dieser Auseinandersetzung genervt. Das Spiel wird keinen Gewinner haben, sondern nur Verlierer", sagte Analyst Marcus Sander von Sal. Oppenheim. (-> Der Ehrliche ist wieder der Dumme; -> -> Dommermuth und Spoerr: Eine Brieffreundschaft unter Männern)
Szenario 2: Der Ausstieg aus dem Freenet-Prozess ist der Anfang vom Abschied aus dem margenschwachen DSL-Markt. United Internet könnte sein DSL-Geschäft an Vodafone/Arcor oder Hansenet/Telefónica verkaufen, so dass am Ende nur drei große Anbieter auf dem DSL-Markt übrig bleiben. (-> DSL-Markt hat seinen Zenit überschritten)

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