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Wo Microsoft besser als Google ist

10. Dezember 2008, 10:58 Uhr

„Sieht Microsoft nun jung und hipp aus oder wie eine Schauspielerin, die zu oft geliftet wurde", fragt sich Ina Fried vom amerikanischen IT-Branchendienst Cnet. Gerade hat Microsoft sein Internetangebot Windows Live generalüberholt. Wieder einmal. Bastelt der Softwarekonzern doch quasi permanent an seiner Online-Strategie. Doch dieses Mal ist Microsoft ein echter Fortschritt geglückt. „Cloud Computing" heißt das Zauberwort, das über allem schwebt: Daten werden nicht mehr auf der heimischen Festplatte, sondern in riesigen Rechenzentren gespeichert. Die Nutzer können über das Internet von überall her auf die Daten zugreifen - vom heimischen Rechner, aus dem Büro oder vom Handy aus. „Sky Drive" heißt die Online-Festplatte bei Microsoft, ist 25 Gigabyte groß und kann von E-Mails über Dokumente bis zu Fotos alles speichern. Zusammen mit Microsofts Dienst „Live Mesh", der eine direkte Synchronisierung der Daten zwischen Computer und Cloud (und bald hoffentlich auch dem Handy) ermöglicht, liegt Microsoft damit sogar vor Google.

Der Suchmaschinenkonzern setzt zwar seit Jahren auf Anwendungen wie den E-Mail-Dienst Gmail oder die Textverarbeitung Docs, die Daten nur noch in Rechenzentren ablegen, doch Fremdformate mag Google nicht. Eine Online-Festplatte für alle Formate ist für Menschen, die an verschiedenen Orten arbeiten, aber ungemein praktisch. Wenn Microsoft dann noch die Online-Versionen seiner Büroanwendungen wie Word oder Excel ins Netz stellt, könnte es mit der Aufholjagd im Internet doch noch klappen - zumal Konkurrent Yahoo gerade in sich zusammenfällt und Marktführer Google mit keiner Onlineanwendung bisher annähernd die Nutzerzahlen erreicht hat, wie sie Microsoft in der alten Offline-Welt hat. Microsoft hat es nun selbst in der Hand, mit guten Online-Versionen seiner Bürosoftware zu punkten. Dabei wird sich sehr schnell zeigen, wie ernst es Microsoft mit seinem Weg ins Internet meint. Mit wirklich guten Online-Versionen könnte das Unternehmen im Netz viele Punkte sammeln, aber auch sein Stammgeschäft gefährden. Noch verdient Microsoft sein Geld nämlich in der alten Welt.  

Leicht wird der Weg auch bei populären Anwendungen wie Fotodiensten oder sozialen Netzwerken nicht, denn Microsoft gilt trotz guter Technik weder als jung noch als hipp, wie Ina Fried zurecht kritisiert. Dass sich Microsoft mit seinen kaum etablierten Diensten Photo Gallery oder Spaces, einer Art soziales Netzwerk, gegen Flickr oder Facebook durchsetzen kann, ist kaum zu erwarten. Nur etwas besser sieht es in der Kommunikation aus: Microsofts Dienste Hotmail (E-Mail) und der Messenger (Echtzeitnachrichten) haben viel mehr Nutzer als die Google-Produkte Gmail und Talk, doch das Wachstum in der Kommunikation findet weder bei Microsoft noch bei Google statt. Statt dessen sind soziale Netzwerke wie Facebook oder der Micro-Blogging-Dienst Twitter die zurzeit angesagten Kommunikationsplattformen im Netz. Überhaupt graben die sozialen Netzwerke den etablierten Web-Unternehmen an vielen Stellen das Wasser ab. Ein Beispiel sind die Anbieter von Internet-Speicherplatz. Dass die Nutzer heute lieber eine Profilseite in einem sozialen Netzwerk statt einer eigenen Homepage einrichten, spürt zum Beispiel der Branchenprimus United Internet in Deutschland schon sehr deutlich.

 

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Veröffentlicht 10. Dezember 2008, 10:58 von Holger Schmidt
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