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"Jeden Tag registrieren sich 2000 Unternehmen bei Google"
13. Januar 2009, 10:41
Uhr
Cloud Computing hat das Zeug, die traditionelle Computerwelt umzukrempeln. Einer der Protagonisten der Bewegung ist Matt Glotzbach, der bei Google für die Enterprise-Produkte verantwortlich ist. Im FAZ-Interview erzählt Glotzbach, warum Google der Konkurrenz ein bis zwei Generationen voraus ist, warum Cloud Computing nicht nur Kostensenkung bedeutet und dass die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen der eigentliche Treiber der Entwicklung ist.
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Wie wichtig ist Cloud Computing als Geschäftsmodell für Google?
Cloud Computing ist definitiv ein wichtiges
Geschäftsmodell für Google,
das wir auch aggressiv verfolgen. Sicher bringen die Gebühren, die Unternehmen
für die Nutzung unserer Computerkapazitäten zahlen, bisher noch keine großen
Umsätze. Aber Cloud Computing ist ein strategisches, schnell wachsendes
Geschäftsfeld für Google, in
das wir kräftig investieren. In den kommenden fünf Jahren wird die große Masse
des Computings den Wandel vom Desktop- oder Client-Server-Computing zum Cloud
Computing vollziehen. Da Google quasi seine Wurzeln im Cloud
Computing hat, besitzen wir einen Vorteil vor den meisten anderen Anbietern in
diesem Geschäftszweig.
Wie wird Cloud Computing die IT-Welt verändern?
Wenn man sich anschaut, wohin der Großteil der
IT-Ausgaben fließt, dann ist dies die Aufrechterhaltung der bestehenden Systeme.
80 Prozent der Ausgaben gehen nach einer Gartner-Studie dafür drauf. Cloud
Computing wird diese Kosten senken und damit zu einer enormen Reallokation der
IT-Ausgaben führen. Das heißt aber nicht notwendigerweise, dass die Ausgaben
sinken. Aber die Unternehmen können ihre IT-Ausgaben von Standardfunktionen wie
E-Mail auf ihre Kernfunktionen verlagern, wo sie wirklich wertschöpfend sind.
Der andere große Trend ist die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen. In der alten
Welt, in der jedes Unternehmen sein eigenes privates Netzwerk betrieben hat, war
es extrem kompliziert, auf elektronische Art und Weise mit einem anderen
Unternehmen zu kooperieren. Die Kooperation über Unternehmensgrenzen hinweg wird
nun viel einfacher - zumal dies die Realität abbildet. Unternehmen kooperieren
heute viel häufiger miteinander.
Viele sagen Cloud Computing für 2009 den Durchbruch
voraus, weil der ökonomische Druck die Unternehmen zwingt, die Kosten ihrer
Informationstechnik zu senken. Erwarten Sie das auch?
In vielen Gesprächen mit großen Unternehmen sehen wir,
dass die Kosten am Anfang ein wichtiger Treiber sind. Die Nutzung unserer
Programme kostet die Unternehmen im Jahr nur 50 Dollar je Nutzer. Das ist schon
sehr günstig im Vergleich zum alten Modell. Aber je länger wir mit den Kunden
darüber sprechen, desto eher schätzen sie die neuen Möglichkeiten, collaborative
Techniken zu nutzen. Es geht am Ende weniger darum, die Kosten zu senken. Das
Unternehmen sollte seine Ressourcen auf das eigentliche Kerngeschäft lenken,
nicht auf Standardanwendungen wie E-Mail.
Welche Unternehmen nutzen Ihre Cloud bevorzugt? Kleine
Unternehmen, die auf der Suche nach sehr billiger, aber mitwachsender Technik
sind?
Die Bandbreite der Unternehmen ist groß. Wir sind sehr
populär bei den kleinen Unternehmen. Jeden Tag sind es 2000 bis 3000 kleine
Unternehmen, die sich neu bei Google registrieren, um unsere
Dienste nutzen zu können. Aber es kommen auch mehr und mehr mittlere und große
Unternehmen, die bis zu 100 000 Mitarbeiter haben. Wir haben inzwischen mehr als
zehn Millionen Geschäftskunden, die unsere Anwendungen nutzen.
Wie sieht eigentlich das Geschäftsmodell aus?
Wir lassen uns je nach Nutzerzahl für diese Dienste
bezahlen, also ein Paid- Service-Modell.
Viele Kritiker sagen, mangelnder Schutz der Privatsphäre
und der Daten sowie eine zu geringe Ausfallsicherheit seien die Nachteile des
Cloud Computings.
Natürlich, das sind große Themen in unseren Gesprächen
mit den IT-Vorständen. Gerade weil Cloud Computing so neu ist und sich so stark
vom bisherigen Modell unterscheidet, gibt es viel Unsicherheit. In den
Gesprächen können wir aber die IT- und Sicherheitsbeauftragten überzeugen, dass
unser System mindestens so sicher ist wie ihr eigenes.
Wer ist Googles schärfster Konkurrent? Amazon?
Amazon ist in einem ähnlichen Feld unterwegs, aber wir
sehen Amazons Angebot als komplementär. Amazons Web Services geben dem Nutzer
reine Speicherkapazität. Wir geben den Nutzern mit unserer App Engine die
Möglichkeit, eigene Anwendungen zu bauen. Wir kennen viele Kunden, die beide
Dienste kombinieren. Das ist überhaupt ein Trend in diesem Jahr. Wir werden viel
Integration zwischen der Google Cloud, der Amazon Cloud, der
Microsoft Cloud oder der Salesforce Cloud sehen. Die Kunden werden sich die
Dienste, die sie haben wollen, aussuchen und zusammenstellen.
Erwarten Sie wirklich eine Integration zwischen der Google Cloud und der Microsoft
Cloud? Das ist kaum vorstellbar.
Sicher nicht als Kooperation zwischen den Unternehmen.
Aber es hält die Kunden nicht davon ab, die beiden Clouds kooperativ zu
nutzen.
Microsoft hat angekündigt, bis zu 20 Milliarden Dollar in
neue Datencenter überall auf der Welt zu investieren, um die Kapazität für das
Cloud Computing zu schaffen. Plant Google ähnlich hohe
Investitionen?
Ich kann keine Zahlen nennen, aber Google hat in den vergangenen
Jahren schon viel Geld in den Aufbau leistungsfähiger Datencenter gesteckt, und
das werden wir weiterhin tun. Unsere Datencenter-Technik ist ein bis zwei
Generationen weiter als das, was heute Stand der Technik ist.
Microsoft hat mit Live Mesh einen sehr komfortablen
Cloud-Computing-Dienst geschaffen, der es ermöglicht, Daten in jeglichem Format
auf eine Online-Festplatte zu laden. Warum hat Google ein solches Angebot
nicht?
Oh, wir werden unseren Nutzern alle
Cloud-Computing-Angebote für PC und Macintosh-Computer machen, die sie
benötigen. Und wird haben erkannt, dass ein solches Angebot hilfreich ist. Die
Office-Formate sind natürlich De-facto-Standards.
Ein Kernelement ist die Google App Engine, wo sich die
Nutzer ihre eigenen Anwendungen selbst zusammenstellen können. Wie lange ist das
Angebot noch beschränkt?
Das Angebot ist noch in einer Beta-Phase. Jeder kann es
nutzen, allerdings noch mit Größenbeschränkungen versehen. Wir wollen die
Beta-Phase allerdings schon sehr bald verlassen.
Links:
-> Wo Microsoft besser als Google ist
-> Microsoft investiert weitere Milliarden in das Internet
-> Internetgiganten kämpfen um die Wolke
-> Interview mit Google-Chef Eric Schmidt: "Mobile Internet is the next big wave"
-> Deutsche Google Apps
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