Die vernetzten Alten
19. Januar 2009, 13:38
Uhr
Waren soziale Netzwerke in ihrer Anfangszeit nur etwas für
die Jugend, entdecken nun auch die Erwachsenen Facebook, MySpace und Co.
Zumindest in Amerika, wo inzwischen jeder dritte Erwachsene über 18 Jahre ein
Profil in einem sozialen Netzwerk eingerichtet hat. Das entspricht einer
Vervierfachung seit 2005, hat eine Studie des Pew Internet & American Life
Project (PDF) ergeben. Dagegen ist der Anteil der jungen Menschen etwa gleichbleibend
hoch geblieben.
Auch we
nn die älteren Generationen aufholen, nimmt die
Nutzung der Netzwerke mit dem Alter weiterhin rapide ab. Sind in der
Altersgruppe der 18 bis 24 Jahre alten Menschen noch 75 Prozent auf diese Weise
vernetzt, sinkt der Anteil auf 57 Prozent bei den Menschen zwischen 25 und 34
und auf 30 Prozent in der Gruppe bis 44 Jahre. Aber schon jeder fünfte um die
50, jeder zehnte um die 60 und immerhin 7 Prozent der Menschen über 65 Jahre
sind in den Vereinigten Staaten in einem sozialen Netzwerk aktiv.
Diese Aktivitätsrate übertrifft die deutschen Werte
deutlich. Nach Ergebnissen der ARD-ZDF-Onlinestudie (PDF) aus dem vergangenen Jahr
sind zwar die jungen Menschen hierzulande ähnlich stark vernetzt wie in
Amerika, aber zum Beispiel nutzt nur jeder fünfte Mittdreißiger und gar nur
jeder zehnte Mittvierziger soziale Netzwerke. Und nur 1Prozent der Deutschen
über 50 Jahre ist in einem privaten sozialen Netzwerk aktiv, hat die Umfrage
ergeben.
Mit dem Aufkommen des Netzwerkes Wer-kennt-wen könnten diese
Werte allerdings schnell steigen, denn dort sind alle Altersschichten bis zu
95-Jährigen vertreten. In der Anfangsphase hatten sich Netzwerke wie StudiVZ
oder SchülerVZ ausdrücklich an eine jüngere Zielgruppe gewandt. Nun versuchen
alle Anbieter, auch die Menschen jenseits dieser Altersgruppe anzusprechen.
StudiVZ hat dafür MeinVZ gegründet, um die Menschen aufzufangen, die ihr
Studium beendet haben. Auch Facebook hat seine Wurzeln unter den Studenten
längst verlassen und versucht, alle Menschen anzusprechen.
Hauptgrund für die Nutzung sozialer Netzwerke ist in Amerika
der Kontakt zu Freunden. 90 Prozent wollen mit Freunden in Kontakt bleiben; 50
Prozent wollen neue Freunde kennenlernen. Dafür sind immerhin 37 Prozent der
Erwachsenen täglich auf den Netzwerkseiten unterwegs; weitere 38 Prozent sind
mindestens einmal in der Woche dort online. Geschäftliche Zwecke verfolgen
dagegen weniger als ein Drittel der Nutzer.
Aufgrund der Vielfalt der Netzwerklandschaft ist die Mehrheit
der amerikanischen Nutzer in mehreren Gemeinschaften aktiv. Zwar sagen 20
Prozent der Nutzer, zwischen einem privaten und einem geschäftlichen Profil
trennen zu wollen, aber die Mehrheit unterhält mehrere Netzwerke, um möglichst
viele Freunde erreichen zu können.
Für den deutschen Markt haben 150 Studenten der Cologne
Business School zusammen mit der Unternehmensberatung Brain Injection 400 Gemeinschaften in Deutschland und 200 Gruppen innerhalb
großer Netzwerke untersucht. Ergebnis: Fast 58 Prozent der Netzwerke oder
Gruppen beschäftigen sich mit den Themen Flirt und Liebe. Musik bringt es auf
48 Prozent, 41 Prozent beschäftigen sich mit Urlaub und Reisen, 36 Prozent mit
dem Beruf, 27 Prozent mit Auto und Motor und immerhin 16 Prozent mit
Wissenschaft.
Das Geschäftsmodell der meisten untersuchten Gemeinschaften
basiert auf Online-Werbung. Allerdings hat schon jede vierte untersuchte
Plattform Online-Shops integriert, und immerhin 15 Prozent versuchen, mit
Premium-Mitgliedschaften eine zahlungswillige Klientel anzusprechen.
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