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Twitters Popularität steigt rasant
21. Januar 2009, 10:29
Uhr
Die Popularität des Micro-Bloggingdienstes Twitter steigt ungebremst an. Heather Dougerty, Researchdirektorin beim amerikanischen Marktforschungsunternehmen Hitwise, hat einige neue Zahlen über Twitter veröffentlicht. Demnach hat Twitter in der Visit-Rangliste in den Vereinigten Staaten gerade Digg.com überholt und sich auf Platz 84 geschoben. Der Anteil an allen Visits liegt aber bisher erst bei 0,021 Prozent. Gemessen wurde aber nur der Traffic auf der Website twitter.com. Andere Twitter-Applikationen wurden nicht erfasst, so dass Twitters Popularität wohl noch deutlich größer ist, als es diese Zahlen zeigen.

Twitter ist inzwischen besonders beliebt in der Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahren; was Anfang 2008 noch ganz anders aussah.

Während zum Beispiel Digg.com in der vergangenen Woche 38 Prozent seines Traffics von Google bekommen hat, erhält Twitter weit mehr Zugriffe von sozialen Netzwerken wie Facebook und MySpace.

Auch in Großbritannien ist Twitter auf Wachstumskurs. "Twitter war eine der am schnellsten wachsenden Internetseiten in Großbritannien im vergangenen Jahr und es gibt keine Anzeichen für eine Abschwächung des Wachstums", sagte Robin Goad, Director of Research bei Hitwise UK. Der Traffic hat sich innerhalb eines Jahres verzehnfacht."Der Dienst ist wahrscheinlich noch populärer als unsere Zahlen zeigen, weil wir nur den Traffic auf der Internetseite messen können. Da die Menschen auf Twitter auch über ihre Mobiltelefone oder Applikationen von Drittentwicklern wie Twitterrific, Twitterfeed oder Tweetdeck zugreifen, ist die Nutzung noch höher. Die durchschnittliche Zeit, die Menschen auf Twitter.com verbringen, hat sich im vergangenen Jahr verdreifacht", sagte Goad.
Erklärung: Was ist Twitter ? (für Nicht-Twitterer)
Die Online-Gemeinde hat einen neuen Megatrend: Der heißt Twitter und besteht aus 140 Zeichen
langen Kurzmitteilungen. Schreiben kann jeder; empfangen werden diese
Mitteilungen, kurz "Tweets" genannt, von den Menschen, die sie als sogenannte
Follower zuvor abonniert haben. Das können mehr als 100 000 Menschen sein, die dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama in seinem Wahlkampf gefolgt sind. Oder gut 1000 Menschen, die den SPD-Kandidaten Torsten Schäfer-Gümbel auf seiner Tour durch Hessen auf diese Weise begleitet haben; oder
eben nur eine Handvoll Menschen, die immer genau wissen wollen, was ihre Freunde
gerade tun. Auf jeden Fall bildet Twitter eine Infrastruktur für eine
neuartige Kommunikation, die nicht nur zwischen zwei Menschen erfolgt wie bei
der E-Mail, sondern sich direkt an ein Freundenetzwerk beliebiger Größe wendet.
Die Web-Gemeinde hat natürlich auch gleich einen Namen dafür gefunden:
Micro-Blogging steht für die Möglichkeit, sich mit nur 140 Zeichen auszudrücken.
Zurzeit nutzen etwa sechs Millionen Menschen Twitter. Die Nutzerzahl des 2006
gegründeten amerikanischen Unternehmens wächst aber mit einer Rate von 600
Prozent im Jahr; jeden Tag kommen zwischen 5000 und 10 000 Twitterer hinzu, hat
das Marktforschungsunternehmen Hubspot in seinem ersten "State of the
Twittersphere" ermittelt.


Twitter ist zuerst von den
internetaffinen Bloggern als schnelles Kommunikationsinstrument entdeckt worden.
Per Twitter lassen sich
nämlich nicht nur Mitteilungen, sondern auch elektronische Verweise (Links) auf
andere Quellen im Internet versenden. Seit einigen Monaten hat sich Twitter aber aus der Blogosphäre
herausentwickelt und viele Anhänger außerhalb der Netzgemeinde gewonnen. Sogar Projektteams in Unternehmen nutzen Twitter für die schnelle interne
Kommunikation.
Inzwischen twittern auch viele Medien, um Nachrichten entweder
sehr schnell zu verbreiten oder um auf ihre neuen Online-Artikel aufmerksam zu
machen. Seitdem Twitterer vor den Nachrichtenagenturen über Ereignisse wie die
Anschläge in Bombay berichteten, gibt es eine Diskussion, ob diese
Augenzeugenberichte eine eigene Nachrichtenquelle sind. Berühmt wurde der Tweet von Janis Krums, der als erster Augenzeuge das notgelandete Flugzeug im Hudson fotografierte. "There's a plane in the Hudson. I'm on the ferry going to pick up the people.
Crazy". Dieser Kommentar und sein Foto gingen dank Twitter um die Welt. Denn die Twitterer liefern mit ihren authentischen
Augenzeugenberichten erste Eindrücke, meist lange bevor die klassischen Medien
berichten. Die Idee des Bürgerjournalismus hat mit Twitter neuen Schwung bekommen. Allerdings müssen sich die Leser dieser Tweets die
Mühe machen, aus den vielen höchstens 140 Zeichen langen Aussagen ein eigenes
Bild zusammenzustellen. Daher ist die Diskussion, ob Twitter ein eigenes neues Medium
ist, gerade erst in Bewegung gekommen.
Das größte Problem für Twitter ist aber das Fehlen eines
Geschäftsmodells. Die Nutzung der Kommunikationsplattform ist für die Twitterer
kostenlos. Die drei Gründer Jack Dorsay, Biz Stone und Evan Williams behaupten
auf ihrer Internetseite zwar, einige Monetarisierungsmöglichkeiten zu kennen,
aber sich im Moment auf den Aufbau des Dienstes zu konzentrieren. Im Internet
werden kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaften, die den Zahlern besondere
Funktionen vorbehalten, als wahrscheinlichste Möglichkeit diskutiert, um Geld zu
verdienen. Noch müssen sich die drei Gründer darüber aber nicht den Kopf
zerbrechen, denn Twitter wird
neben Facebook als das zurzeit interessante Internetunternehmen im Silicon
Valley gehandelt und erhält daher ausreichend Risikokapital. Twitter hat längst
Nachahmerprodukte wie Identi.ca und ist für viele Softwareentwickler Ansporn
gewesen, Zusatzprogramme wie Twhirl oder Twitterfeed ins Netz zu stellen. Auch
Handy-Anwendungen gibt es schon reichlich.
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