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Investitionstätigkeit im Internet hat sich abgekühlt
22. Januar 2009, 21:33
Uhr
Die Wirtschaftskrise hat die Übernahmephantasie auch im
Online-Markt in der zweiten Jahreshälfte 2008 spürbar abgekühlt. Die Preise für
Unternehmen sind ebenso wie die Zahl großer Transaktionen gesunken. Investiert
wurde 2008 aber trotzdem, vor allem in Online-Publikationen, den Internethandel
und soziale Netzwerke. Vergleichsweise wenig Geld wurde dagegen in Übernahmen
in den Geschäftsfeldern Online-Stellenmärkte, Internetsuche,
Suchmaschinenoptimierung und Blogs investiert, hat die New Yorker
Investmentbank Peachtree Media Advisors (PDF) für die Vereinigten Staaten errechnet.
In Deutschland standen soziale Netzwerke, Frauenseiten und
Online-Spieleanbieter ganz oben auf den Einkaufslisten.

In Amerika haben die Banker im vergangenen Jahr 707
Übernahmen, Fusionen oder Kapitalerhöhungen mit einem Volumen von 16,9
Milliarden Dollar im Online-Markt gezählt. Das meiste Geld floss in
Internetseiten, die sich direkt an Endkonsumenten richten. Herausragende
Investition in dieser Kategorie war der Kauf des IT-Branchendienstes Cnet, der
für 1,8 Milliarden Dollar an den Fernsehsender CBS ging. Unter den
Investitionen in soziale Netzwerke stachen die 850 Millionen Dollar heraus, die
AOL für das britische Netzwerk Bebo gezahlt hat, aber heute wohl nicht mehr
zahlen würde. Auch Microsoft war nicht untätig: 524 Millionen Dollar blätterte
der Softwareriese für Greenfield Online hin, einen Anbieter vom
Konsumentenbewertungen, zu dem auch die deutsche Seite Ciao.com gehört. Weitere
100 Millionen Dollar zahlte Microsoft kurz nach der geplatzten Yahoo-Übernahme
für den Suchmaschinenanbieter Powerset, der die Internetsuche mit Hilfe
semantischer Verfahren verbessern will. Unter den Investitionen in
Geschäftsanwendungen stachen 2,1 Milliarden Dollar heraus, die von der
Private-Equity-Gesellschaft Hellman & Friedman für die Fotoagentur Getty
Images gezahlt haben.

Eine besonders rege Übernahmetätigkeit verzeichneten die
Banker im Markt der sozialen Netzwerke. 102 Übernahmen, Zusammenschlüsse oder
Kapitalerhöhungen mit einem Gesamtvolumen von 1,8 Milliarden Dollar fanden 2008
statt. Neben AOL investierten vor allem die Beteiligungsgesellschaften gerne in
soziale Netzwerke, weshalb die Zahl der Transaktionen um 20 Prozent gegenüber
2007 kletterte, obwohl die Aktivität in der zweiten Jahreshälfte fast zum
Erliegen kam. Interessant für Investoren waren im vergangenen Jahr auch
Online-Videoangebote, in die 88 mal investiert wurde. Die Zahl der
Transaktionen in Anbieter, die sich auf das mobile Internet spezialisiert haben,
hat sich 2008 sogar verdoppelt.

In Deutschland waren die Investitionen in
Internetunternehmen im vergangenen Jahr schon vor dem Ausbruch der Finanzkrise
eher gering. Der Coup des Jahres gelang dem Fernsehsender RTL, der sich für
kleines Geld 49 Prozent des sozialen Netzwerkes Wer-kennt-wen gekauft hat, das
inzwischen dabei ist, dem Marktführer StudiVZ den Rang abzulaufen. Als Reaktion
darauf hat Pro Sieben Sat.1 im Mai seinen Anteil am - allerdings kaum noch
wachsenden - Münchner Netzwerk Lokalisten auf 90 Prozent ausgebaut. Interessant
erschienen wohl auch Frauenseiten: Burda investierte einen zweistelligen
Millionenbetrag in das amerikanische Netzwerk Glam, während Springer seine
Beteiligung am französischen Portal Aufeminin aufstockte. Springer sicherte
sich kurz vor Jahresende auch einen Anteil am norwegischen Online-Stellenmarkt
Stepstone, an deren deutscher Tochtergesellschaft der Verlag schon seit 2004
zur Hälfte beteiligt ist.
Vergleichsweise viel Geld floss auch in die Spiele. Für 100
Millionen Dollar hat der amerikanische Fernsehsender NBC das deutsche Portal
Bigpoint erworben. Über Geld durften sich auch die Hamburger Marius Follert und
Niels Wildung freuen, die mit „Pennergame" den Aufsteiger des Jahres in der
Spielebranche entwickelt hatten.
Burda investierte auch in Scienceblogs und das
Online-Möbelhaus Mydeco; über Tomorrow Focus stieg das Medienhaus zudem in den
Werbemarktplatz Adjug, das Finanzportal Findocs und die Ärzteseite Jameda ein.
Das Geld dafür kam auch aus dem Verkauf des Online-Antiquariats Abebooks an
Amazon. Auch United Internet kaufte mit United Domains (aus der
Lycos-Auflösung) und dem Werbedienstleister Virtual Minds gezielt zu, verpasste
allerdings 2008 den geplanten Erwerb der DSL-Sparte von Freenet, kann dies aber
2009 noch nachholen. Den Abschluss setzte das Internet-Geschäftsnetzwerk Xing,
das für einen einstelligen Millionenbetrag das amerikanische Unternehmen
Socialmedian erwarb. Zuvor hatte Xing schon einige Geschäftsnetzwerke in Spanien und der Türkei übernommen.
In diesem Jahr werden große Akquisitionen wohl kaum zu erwarten sein, dafür allerdings viele kleine Übernahmen, mit denen sich finanzstarke Unternehmen fürwenig Geld gezielt verstärken. Investtiert wird wohl vor allem in Technik.
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