Verlage wollen mehr Geld von Google
26. Januar 2009, 08:20
Uhr
Ähnlich wie in Deutschland wollen
auch die britischen Medien mehr Geld von Google für ihre Inhalte. „Die Rolle der
Media-Aggregatoren wie Google News muss überdacht werden. Unter dem Stichwort
„Digital Britain" sind wir in Gesprächen mit der Regierung und der
Regulierungsbehörde. Dabei geht es um die Tatsache, dass Google alle Inhalte
kostenlos bekommt. Google sagt, dass die Medienunternehmen im Gegenzug sehr
viele Nutzer von Google bekommen. Das ist richtig, aber die Werbepreise für
Display-Werbung sind eingebrochen. Der Traffic, der von Google kommt, ist also
lange nicht mehr so wertvoll wie er einmal war. Und darüber muss man reden. Wir
wollen Geld von Google für unsere Inhalte", sagte Carolyn McCall,
Vorstandsvorsitzende des britischen „Guardian", der FAZ am Rande der Burda Digitalkonferenz DLD in München.
Google
aggregiert sehr viele Online-Nachrichtenquellen in seinen „Google-News" und
inzwischen auch in der normalen Suche. Viele Medien bekommen etwa ein Drittel
der Besucher auf ihren Internetseiten von Google. Allerdings sind die Erlöse
dieser Zusammenarbeit ungleich verteilt. Google erzielt in Deutschland fünf Mal
mehr Umsatz mit Online-Werbung als alle Verlage zusammen. Trotzdem will McCall
kein Feindbild aufbauen. „Google ist kein Feind. Wir arbeiten mit Google
zusammen, zum Beispiel bei der Suchmaschinenoptimierung und haben dafür auch
ehemalige Googler eingestellt. Schließlich kann Google den Unterschied zwischen
Erfolg und Misserfolg im Internet ausmachen", sagte McCall. Trotzdem solle nun
der Staat einschreiten. Die Medienindustrie in Großbritannien sei stark
reglementiert. „Hier können nicht einmal zwei Lokalzeitungen in einer Region
fusionen, während Google 50 Prozent des gesamten Online-Werbemarktes innehat,
aber überhaupt nicht reglementiert ist. Google ist wahrscheinlich das größte
Medienunternehmen der Welt ist, auch wenn sie immer behaupten, ein
Technologieunternehmen zu sein", sagte McCall.
Ziel sei es, überhaupt erst
einmal mit Google und auch Yahoo zu sprechen, was die beiden Unternehmen bisher
ablehnen. „Aber ich denke, unsere Regierung und die Regulierungsbehörde haben
jetzt erkannt, dass Google zu mächtig ist. Diese Diskussion wird in Gang
kommen, denn in den nächsten 12 bis 18 Monaten werden viele Medienunternehmen
sterben". Um Geld von Google zu bekommen, müssten alle Inhalteanbieter
zusammenarbeiten. „Die Krise wird uns zusammenführen, denn die aktuelle Krise
ist die unvorhersehbarste Situation, die wir jemals in der Medienindustrie
hatten. Eine tiefe Strukturkrise, die jetzt von der Konjunkturkrise verschärft
wird. Das gab es noch nie". Das belgische Modell, dass die Verlage Google ihre
Inhalte nicht mehr geben, hält McCall für falsch. „Das funktioniert nicht".
Mehr zum Thema: Turi2-Interview mit Google-Sprecher Kay Oberbeck zum Thema Google und Verlage
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