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Netzökonom

Internet-Fernsehen Joost kommt nach Deutschland

18. März 2009, 18:00 Uhr

Joost, das Projekt der Kazaa- und Skype-Gründer Niklas Zennström und Janus Friis, startet in Deutschland. 13 Inhaltelieferanten wie Diva, Euronews, Turner Entertainment oder Süddeutsche Zeitung TV liefern zum Start mehrere 100 Stunden deutschsprachige Inhalte. Filme wie „Rush Hour", „American History X", „Blade", „Mr. Nice Guy" können kostenlos angeschaut werden. In aller Welt seien 57.000 Videos abrufbar.

Dass das nicht reicht, weiß auch Mike Volpi, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens (Foto). "Wir sprechen mit allen großen Medienunternehmen in der Welt. Deutschland ist da keine Ausnahme. Wir starten mit den kleinen Anbietern und müssen dabei den großen beweisen, dass wir ein wertvoller Partner sind. Ich hoffe, dass wir dann auch deren Inhalte bekommen", sagte Volpi der FAZ.  

Joost hatte zunächst eine Software entwickelt, die von den Nutzern heruntergeladen werden musste. Doch die Strategie ging nicht auf. Im vergangenen Jahr wechselte das Unternehmen auf einen Flash-Player, mit dem die Videos im Browser angeschaut werden können. Die Inhalte aber sind gleich geblieben: Professionelle Filme von den Fernsehstationen oder Medienhäusern, verbunden mit Web-2.0-Funktionen, damit sich die Nutzer untereinander austauschen können.

Das Geschäftsmodell ist Werbung in den Videos. "Wir schalten 15 und 30 Sekunden Werbung vor den Videos. Das bedeutet, dass wir 5 bis 8 Werbeminuten je Stunde zeigen. Ein Teil des Umsatzes erhält der Inhaltebesitzer; einen Teil behalten wir", sagte Volpi. Der Werbemarkt für Online-Videos betrug im vergangenen Jahr in Deutschland rund 30 Millionen Euro. "Der Markt für Online-Videowerbung ist zwar noch klein, wächst aber schneller als alle anderen Werbeformen. Wenn nur ein kleiner Teil der Fernsehwerbung ins Internet wandert, ist viel Geld da", sagte Volpi, der sich dankder  milliardenschweren Gründer Zennström und Friis, die Skype erfolgreich an Ebay verkauft haben, keine Sorgen ums Geld machen muss. "Unser Geschäft ist nicht profitabel. Die nächsten zwei Jahre sehen wir auch als Investitionsphase an, in der wir unsere Reichweite ausbauen wollen. Dafür haben wir genug Geld. Wenn wir zu früh den Schwerpunkt auf Profitabilität legen, würden wir die Markenbildung und den Reichweitenaufbau vernachlässigen. Das wäre falsch", sagte Volpi. 

Um die Reichweite zu erhöhen, setzt Joost auf eine Kooperation mit den sozialen Netzwerk Netlog. Dessen Nutzer können Filme, Shows und Musikvideos von ihrem Netlog-Account ansehen. Zudem lässt sich der Video-Player in andere Internetseiten oder Blogs einbauen, damit die Filme auch dort angeschaut werden können. 

Tägliche Unique User global

Dass Anbieter wie Youtube oder Hulu den Markt bereits unter sich aufgeteilt haben, sieht Volpi nicht so. "Der Markt steht noch ganz am Anfang. In den kommenden zehn Jahren wird viel passieren. Zum Beispiel werden sich die Geräte ändern, auf denen die Menschen ihre Filme anschauen, und die Art und Weise, wie die Menschen über die Filme diskutieren", sagte Volpi. 

 

Veröffentlicht 18. März 2009, 18:00 von Holger Schmidt
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