Xing setzt auf Technik statt Akquisitionen
13. Mai 2009, 17:15
Uhr
Das Geschäftsnetzwerk Xing hat eine neue Funktion eingeführt, die prominent auf der Homepage "Mitglieder, die Sie kennen könnten" vorschlägt. Das Ziel ist natürlich, die Vernetzung der Mitglieder anzuregen.

Dabei taucht die Frage auf, wie die Vorschläge ausgewählt werden. Insbesondere, ob Xing auch Verlinkungen der Mitglieder auf anderen Netzwerken mit auswertet. Doch das verneint Xing. Die offizielle Antwort auf die Frage, ob auch externe Daten verwertet werden, lautet:
„Mitglieder, die Sie kennen könnten“ analysiert derzeitige
und ehemalige Arbeitskollegen, Mitglieder, welche die gleiche Hochschule
besuchten und solche, die besonders viele der eigenen Kontakte kennen. Der
Algorithmus verwendet ausschließlich die internen Profildaten bei Xing, es
werden natürlich keinerlei Daten nach außen gegeben und auch keine Informationen
von außerhalb der Plattform aggregiert. Darüber hinaus arbeitet das Team derzeit
an weiteren Möglichkeiten, die Anzahl der relevanten Vorschläge zu erhöhen –
aber auch dabei wird sich nichts daran ändern, dass ausschließlich auf
Profildaten auf unserer Plattform zurückgegriffen wird".
Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Stefan Groß-Selbeck sollen diese und weitere neue Funktionen das Wachstum in Deutschland erhöhen. Xing
gehört zu den Gründungsmitgliedern der Brancheninitiative Open Social, die
externen Softwareentwicklern erlaubt, Applikationen über eine
Standardschnittstelle einzubinden. Ende Mai werden die ersten neuen Funktionen
offiziell eingeführt; ein Beta-Test läuft seit Montag mit einer
Nachrichtenapplikation des akquirierten Unternehmens Socialmedian (Xing News).
"Die Idee von Socialmedian lautet, dass die Inhalte, die meine Kontakte
für lesenswert erachten, vielleicht auch für mich relevant sind. Damit kann ich
mein Netzwerk als Filter für die Vielzahl an Informationen nutzen", sagte
Groß-Selbeck. Mit Verlagen, die Inhalte zuliefern sollen, verhandelt Xing aber
offenbar nicht mehr. "Socialmedian funktioniert auch ohne
Inhaltepartner", sagte er.

Daneben
testet Xing eine Anwendung, in der sich die Nutzer gegenseitig um Rat fragen
können (Xing-Mitglieder fragen). Die beiden Funktionen sollen erst der Anfang
der dringend benötigten Technologieoffensive sein. "Wir haben schon in den
vergangenen Wochen mehr neue Funktionen live geschaltet als in den Quartalen
zuvor, und dieses Innovationstempo wollen wir mindestens beibehalten",
sagte Groß-Selbeck. "Mit Open Social werden wir unser Innovationstempo
weiter beschleunigen. Wir wollen Xing aber nicht wie andere soziale Netzwerke
für möglichst viele Applikationen öffnen. Neue Applikationen sollen auch für möglichst
viele Nutzer beruflich Sinn machen", sagte Groß-Selbeck. Vorstellbar sei
auch eine Anbindung an den Mikro-Bloggingdienst Twitter. "Diese Funktion
liegt natürlich nahe in diesen Tagen", sagte Groß-Selbeck. Dann können
sich Nutzer die Informationsflut auf Twitter nach Stichworten filtern.

Tägliche Besucher auf der Xing-Seite in Deutschland
Die
weitere Expansion im Ausland in Form von Akquisitionen ist vorerst kein Thema.
"Aus meiner Ebay-Zeit weiß ich, dass es schwierig ist, Communitys oder
Netzwerke zu akquirieren. Mit Xing haben wir in der Türkei bewiesen, dass es
geht. Unsere Mitgliederzahlen wachsen auch in Spanien, die Aktivitätsraten sind
aber nicht dort, wo ich sie gerne hätte", sagte Groß-Selbeck. Viele Nutzer
der beiden übernommenen spanischen Netzwerke sind nach der Übernahme
abgewandert. Weitere Akquisitionen machen daher in Europa für Groß-Selbeck
wenig Sinn: "Das steht nicht mehr in unserem Fokus. Wir konzentrieren uns
auf Europa - und neben Deutschland, Österreich und der Schweiz - auf die drei
Länder, in denen wir bereits Niederlassungen haben. Wir wollen in Spanien, der
Türkei und Italien schneller als bisher wachsen", sagte er. Dafür sollen
die Länderchefs auch die bisherige strikte Trennung zwischen zahlenden
Premiummitgliedern und nichtzahlenden Basismitgliedern aufweichen dürfen.
"Das gilt aber nicht für Deutschland."
Die
Wirtschaftskrise trifft auch Xing. "Natürlich geht die Gesamtmarktlage
nicht spurlos an uns vorbei, aber wir gewinnen im Stellenmarkt definitiv
Marktanteile. In der Online-Werbung sind wir auch nicht vom Markt abgekoppelt.
Aber rund 80 Prozent unseres Umsatzes machen wir dank unserer zahlenden
Mitglieder, und dieser Bereich wächst weiter", sagte Groß-Selbeck. Weitere
Erlösströme sollen das schwache Werbegeschäft auffangen. "Wir denken sehr
intensiv darüber nach, den mehr als 40 000 Headhuntern oder
Personalentscheidern auf Xing einen höheren Komfort anzubieten", sagte
Groß-Selbeck. Die neuen Geschäfte werden auch die bisherigen Umsatzanteile verändern.
"Wir können unser Abonnementgeschäft sicher noch einmal verdoppeln, aber
auch neue Erlösströme hinzufügen, die im Laufe der Zeit größer werden können
als das Abo-Geschäft", sagte Groß-Selbeck. Werbung werde bei Xing auch in
Zukunft keine dominante Rolle spielen. "Im vergangenen Jahr betrug der
Werbeanteil rund 8 Prozent. Ich glaube nicht, dass dieser Anteil steigt.
Online-Werbung ist und bleibt ein Zubrot, aber wird nie der Kern unseres
Geschäftsmodells", sagte Groß-Selbeck