United Internet bekommt Freenet-DSL-Sparte doch noch
26. Mai 2009, 16:11
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Nach jahrelangen zähen Verhandlungen hat United Internet nun doch
die DSL-Sparte des Konkurrenten Freenet übernommen. Der Kaufpreis für die rund
700.000 Kundenverträge, die bis zum Jahresende zu United Internet verlagert werden
sollen, beträgt 123 Millionen Euro und liegt damit weit unter 400 Millionen
Euro, die vor einem Jahr im Gespräch waren. Die Vereinbarung schließt zudem eine
Vertriebspartnerschaft mit ein: United Internet lässt seine Produkte in den
kommenden fünf Jahren auch in den rund 1000 Freenet-Läden mit verkaufen. Wird das
Vertriebsziel von 500.000 DSL-Kunden erreicht, erhält Freenet zusätzlich eine
Prämie von 6,55 Millionen United-Internet-Aktien, die heute umgerechnet rund 50
Millionen Euro wert sind. Werden diese Ziele erreicht, steigt der Wert je Kunde
von 175 Euro auf 245 Euro und liegt damit auf Marktniveau.
Die Reaktion an der Börse zeigt aber, wer hier das bessere Geschäft
gemacht hat: Der Kurs von United Internet stieg im Tagesverlauf um rund 7,5
Prozent auf 8,10 Euro, während die Freenet-Aktie nur kurz Rückenwind hatte,
dann aber unter das Niveau des Vortages zurückfiel. „Der Verkaufspreis ist
niedriger als gedacht. United Internet hat seine Ziele voll erreicht: Alle
Risiken - vor allem die Migration der Kunden - sind im Vertrag berücksichtigt. Trotzdem
hat United Internet keinerlei Prämie gezahlt", sagte Frank Rothauge, Analyst
bei Sal. Oppenheim. Offenbar habe der neue Freenet-Vorstandschef Christoph
Vilanek schnell seine Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen wollen, denn
Freenet habe die Kundenabwanderung in der DSL-Sparte gestoppt. Damit sei ein
schneller Verkauf nicht mehr notwendig gewesen.
Der genaue Kaufpreis hängt letztlich davon ab, wie viele Kunden
tatsächlich den Wechsel zu United Internet mitmachen. Von den aktuell rund 910.000
DSL-Kunden verbleiben 60.000 Kunden, die beim Partner Kiel-Net unter Vertrag
sind, bei Freenet. Von den verbleibenden 850.000 Kunden sollen 700000 Kunden
bis Jahresende migriert sein, hoffen die Unternehmen. 150.000 Kunden werden
sich einen anderen Anbieter suchen, lautet das Kalkül. Machen weniger Kunden
den Wechsel mit, verringert sich auch der Kaufpreis. United Internet hatte auf
diese Vereinbarung bestanden, da Konkurrent Hansenet, der vor zwei Jahren für
675 Millionen Euro die Zugangssparte von AOL gekauft hat, mit einer starken Abwanderung
der AOL-Kunden zu kämpfen hat.
Die Übernahme ist Teil der Bereinigung auf dem deutschen DSL-Markt
nach Jahren kräftigen Wachstums. United Internet hat zurzeit 2,82 Millionen
DSL-Kunden, hat diese Zahl zuletzt aber nicht mehr steigern können und erwartet
in diesem Jahr auch kein nennenswertes organisches Wachstum mehr. Die Übernahme
wird United Internet mit dann 3,5 Millionen Kunden an die zweite Stelle im
Markt katapultieren - hinter Marktführer Deutsche Telekom, der rund 11
Millionen DSL-Kunden unter Vertrag hat. Der bisherige Zweitplazierte
Vadafone/Arcor hat rund 3,2 Millionen DSL-Kunden, befindet sich aber in
Gesprächen zur Übernahme des viertplazierten Anbieters Hansenet, der wiederum
2,3 Millionen Kunden unter Vertrag hat. Allerdings scheinen die Verhandlungen
wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen ins Stocken geraten zu sein, zumal
der spanische Wettbewerber Telefónica als zahlungskräftiger Widersacher am
Verhandlungsprozess teilnimmt. Für Telefónica wäre der Hansenet-Kauf die letzte
Chance, groß in das DSL-Endkundengeschäft in Deutschland einzusteigen - was das
Unternehmen zum Favoriten auf die Übernahme macht.
Auch United Internet ist an weiteren Übernahmen interessiert.
"Wir schauen uns alles an, was im Markt ist", sagte der
Vorstandsvorsitzende Ralph Dommermuth, der sich wegen der Freenet-Übernahme
einen monatelangen, öffentlich ausgetragenen Streit mit dem inzwischen
zurückgetretenen Freenet-Chef Eckhard Spoerr geleistet hatte. Besonderes
Interesse wird Dommermuth an einem weiteren Freenet-Unternehmen nachgesagt, dem
Webhoster Strato. Strato vermietet Speicherplatz im Internet und ist die Nummer
2 im Markt hinter United Internet. Zusammen beherrschen die Unternehmen gut drei
Viertel des Marktes, so dass eine Zustimmung des Kartellamts zu diesem Geschäft
allerdings fraglich ist. Auch das Privatkundengeschäft des Düsseldorfer
Anbieters Versatel, an dem United Internet mit 25 Prozent beteiligt ist, kann
sich Dommermuth gut vorstellen: „Meine Wunschvariante ist, dass sich Versatel
von seinem Konsumergeschäft trennt und wir das dann übernehmen können",
sagte Dommermuth. Die Finanzierungsmöglichkeiten seien vorhanden. „Wir haben
noch Cash übrig, 22 Millionen eigene Aktien, unausgeschöpfte Kreditlinien, und
notfalls könnten wir auch eine Kapitalerhöhung machen", sagte Dommermuth.