Nur große Netzbetreiber können auf dem Breitbandmarkt bestehen
01. Juni 2009, 11:22
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Trotz der Wirtschaftskrise sind die Geschäfte für die
Anbieter schneller Internetanschlüsse im ersten Quartal gut gelaufen: Mehr als
750.000 Haushalte in Deutschland haben zwischen Januar und März einen
breitbandigen Internetanschluss bestellt. Das sind zwar 20 Prozent weniger als
noch vor einem Jahr, aber deutlich mehr als in den drei Quartalen zuvor. „Das
Wachstum wird auch im Verlauf des Jahres der Rezession trotzen. Der
Breitbandmarkt geht in eine Art Endspurt um Kunden und Marktanteile", sagte
Jens Waltermann, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Solon. Das Wachstum
wird wesentlich von den Anbietern mit eigenen Netzen getrieben, vor allem der
Deutschen Telekom, Vodafone/Arcor und den Betreibern der Fernsehkabelnetze. Etwa
jeder dritte Haushalt entscheidet sich zurzeit für ein Internetangebot eines
der drei großen Fernsehkabelnetzbetreiber Kabel Deutschland, Kabel
Baden-Württemberg und Unitymedia, wie die Analyse der Quartalsergebnisse zeigt.
„Im starken Wachstum der Kabelbranche zeigen sich die Kosten und
Bandbreitenvorteile des Kabels." Der Anteil des Kabels an allen Breitbandanschlüssen in
Deutschland liegt aber erst bei rund 8 Prozent. Daher will die Kabelbranche in
diesem Jahr auch weiter angreifen: „Der Infrastrukturwettbewerb zwischen Kabel
und DSL steht noch am Anfang; Deutschland hat im Vergleich zu anderen
Industrienationen noch sehr viel aufzuholen", sagte Thomas Braun, der Präsident
des Verbandes Deutscher Kabelnetzbetreiber (Anga). Rund 700 Millionen Euro
wollen die Kabelnetzbetreiber in diesem Jahr in die Aufrüstung ihrer Netze
investieren, um mehr Haushalten neben dem Fernsehen auch schnelles Internet,
Telefon und inzwischen sogar Mobilfunk aus einer Hand anbieten zu können. Bis
Ende des Jahres geht der Verband von 2,6 bis 2,8 Millionen Internetkunden aus.
Und das, obwohl es um den ursprünglichen Grund für die Expansion der
Kabelgesellschaften in das Telekommunikationsgeschäft, nämlich die
Internet-Fernsehangebote der Telefongesellschaften, heute sehr still geworden
ist. Die ersten Versuche der Telefongesellschaften, das normale Fernsehprogramm
per DSL zu übertragen, fanden mangels Mehrwert zum klassischen Fernsehen per
Satellit oder DVB-T nur wenig Anklang bei den Kunden. Da zudem die Kosten für
die Datenübertragung hoch und die Rechte teuer sind, wird über eine geeignete
Strategie in den Telekommunikationsunternehmen zurzeit noch einmal neu
nachgedacht.

Während die Deutsche Telekom, Vodafone/Arcor und die
Kabelnetzbetreiber das Wachstum zurzeit fast allein unter sich aufteilen,
treten die anderen Unternehmen auf der Stelle. „Für die alternativen
DSL-Anbieter ist die Kundengewinnung so teuer und die Kosten der von der
Telekom kontrollierten letzten Meile im Verhältnis zum Umsatz je Kunde so hoch,
dass sich viele Anbieter aus dem Rennen um Neukunden weitgehend zurückgezogen
haben", sagte Waltermann. Bestes Beispiel ist United Internet: Das Unternehmen
hat im ersten Quartal aus eigener Kraft keine neuen DSL-Kunden gewinnen können.
„Uns ist wichtig, im DSL-Geschäft weiter Geld zu verdienen. Deshalb verzichten
wir weiterhin auf zu teure Vertriebskanäle und nehmen notfalls in Kauf, ein
wenig Marktanteile zu verlieren", sagte der Vorstandsvorsitzende Ralph
Dommermuth dieser Zeitung schon im April. In diesem Jahr scheint er eine andere
Lösung für sein Wachstumsproblem gefunden zu haben. Die geplante Übernahme der
DSL-Sparte des Konkurrenten Freenet soll United Internet bis Jahresende etwa
700.000 zusätzliche Kunden bringen. Die zudem vereinbarte Präsenz in den 1000
Läden von Freenet soll ebenfalls neue Kunden bringen. Halten United Internet
und Vodafone ihr Wachstumstempo bei, wären die Unternehmen bis Jahresende
wieder auf Augenhöhe. Vorausgesetzt, Vodafone greift nicht beim zum Verkauf
stehenden Wettbewerber Hansenet zu. Doch danach sieht es zurzeit nicht aus.
Offenbar sind die Preisvorstellungen der Hansenet-Muttergesellschaft Telecom
Italia weit höher als die Zahlungsbereitschaft von Telefónica und Vodafone, die
nach dem Freenet-Verkauf eher noch geringer werden könnte. Ein schneller
Verkauf wird in der Branche nun nicht mehr erwartet. „Die Zeit spielt aber für
den Käufer", sagte Sal. Oppenheim-Analyst Frank Rothauge.
