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Netzökonom

Microsofts Suchmaschine Bing löst nur Strohfeuer aus

06. Juni 2009, 21:54 Uhr

Eines lässt sich Microsoft nicht vorwerfen: schnell aufzugeben. Obwohl der Konzern im Suchmaschinenmarkt seit Jahren viele Millionen investiert, aber trotzdem stetig Marktanteile verliert, ist jetzt der nächste Google-Herausforderer aus dem Hause Microsoft an den Start gegangen. Bing heißt die neue Suchmaschine, die eine zentrale Änderung bringt: Als Vorgeschmack für den nächsten großen Schritt in der Suchtechnik, dem semantischen Web, werden die Ergebnisse inhaltlich strukturiert und zu Kategorien zusammengefasst. Die Eingabe „Tiger" fasst die Suchergebnisse zum Beispiel in einer Kategorie zum Golfer Tiger Woods zusammen, stellt die Treffer zur Eishockeymannschaft Straubing Tigers ebenso auf einer Seite zusammen wie die gefundenen Informationen zum sibirischen Tiger. Die Zeiten, in denen Suchmaschinen nur lange Listen voller Links ausspucken, gehen zu Ende. Zudem hat Bing das Bewertungsportal Ciao.de für eine leichtere Orienterung im Online-Shopping integriert. Zudem sollen spezialisierte Suchseiten wie Bing Travel den Unterschied ausmachen.

Anteile der Suchmaschinen in den Vereinigten Staaten

Anteile der Suchmaschinen in Deutschland

Aber Bing scheint nur ein Strohfeuer ausgelöst zu haben. Nach Daten von Statcounter hat Bing (blaue Linie) kurz nach dem Start in den Vereinigten Staaten zwar Yahoo (gelbe Linie) überholt - aber nur für einen Tag, nämlich am 4. Juni. An diesem Tag ist sogar der Marktanteil von Google (rote Linie) gefallen. Doch schon am Tag danach hat Bing wieder verloren und liegt schon am 6. Juni wieder klar hinter Yahoo auf dem dritten Platz, ungefähr auf der Höhe der Vorgängerversion Windows Live. In Deutschland hat sich der Marktanteil von Bing in dieser Woche nur marginal erhöht. Genau das hatte die neue Yahoo-Vorstandschefin Carol Bartz schon in der vergangenen Woche auf einer Investorenkonferenz vorhergesagt. Bing verschaffe Microsoft lediglich temporär mehr Aufmerksamkeit: „Bing wird Microsofts Marktanteil aber nicht erhöhen". Zudem erteilte Bartz einer Kooperation mit Microsoft erstmals eine klare Absage. Yahoos Zukunft werde ohne Microsoft „sauberer" sein.

Dabei sind die Suchmaschinen von Yahoo und Microsoft gar nicht einmal viel schlechter. Doch gegen die Marke Google und den Nimbus als Suchmaschinenprimus können Microsoft und Yahoo wohl selbst dann nicht bestehen, wenn sie sich zusammenschließen - was zudem im Moment eher unwahrscheinlich ist. 

Wie Bartz sind sich die meisten Fachleute einig, dass Google den Wettbewerb auf dem Suchmaschinenmarkt gewonnen hat. Denn auch die nächste Stufe der Suche, das semantische Internet, wird auch von einem noch so innovativen Start-Up nicht erklommen werden können. Die semantische Suche wird für den Massenmarkt nämlich erst dann interessant, wenn die Menge der strukturierten, aufbereiteten Daten groß genug ist. Diese Aufgabe wird aufgrund der notwendigen Infrastruktur nach Ansicht von Harald Sack, Fachman für das semantische Internet am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, kein Start-up leisten können. „Wenn, dann wird Google die nächste Generation der Suchmaschine selbst herausbringen", sagte Sack. Denn die benötigte Rechenkraft, um aus dem vorhanden Wissen im Internet neues Wissen zu generieren, ist gewaltig. Microsoft hat zwar schon die semantische Suchmaschine Powerset zu diesen Zweck erworben und investiert auch kräftig in die Infrastruktur, aber bisher keinen Vorteil gegenüber Google herausarbeiten können.

Veröffentlicht 06. Juni 2009, 21:54 von Holger Schmidt
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