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Myfab.com - der Angriff auf die Intermediäre

15. Juni 2009, 20:49 Uhr

Eine Welt ohne Großhändler, ohne Zwischenlager, ohne Warenhäuser. So oder so ähnlich lautet die Vision von myfab.com, was "meine Fabrik" bedeutet: Die Nutzer bestellen ein Produkt, das direkt von der Fabrik nach Hause geliefert wird. Ergebnis: 70 Prozent Ersparnis gegenüber dem vergleichbaren Ladenpreis. "Ein Designersofa, das im Laden 4000 Euro kostet, wird für 200 Euro produziert. Der Rest geht für Zwischenhandel, Transport, Lagerung und natürlich die Margen drauf. Myfab.com schaltet diese Zwischenstufen aus", sagt Jesper Wahrendorf, der zuletzt beim Versandhändler Otto war und nun Deutschland-Chef des französischen Start-ups Myfab.com wird.

Mit dem Rückenwind von 5 Millionen Euro der Risikokapitalgesellschaften BV Capital und Alven Capital will Myfab in Deutschland spätestens Anfang September an den Start gehen und "verkrustete Strukturen aufbrechen", wie Wahrendorf sagt. "Design on demand" heißt das Konzept. Designer machen auf der Internetseite Vorschläge für die Produkte. Anfangen will Myfab mit Möbeln, weil hier der Unterschied zwischen Produktionskosten und Verkaufspreis am größten ist. Die Nutzer stimmen ab, welche Produkte dann produziert werden sollen. "Sobald das Produkt in die Herstellung geht, nehmen wir Bestellungen an. Ein Sofa kostet statt der 4000 Euro im Laden bei uns etwa 700 Euro", sagt Wahrendorf, denn der Transport von Asien nach Deutschland muss auch in diesem Modell bezahlt werden.Zwischen Bestellung und Lieferung ins Haus sollen dann rund zehn Wochen Zeit liegen.

Myfab wurde 2008 von den vier Franzosen Stéphane Setbon, Patrick Bohbot, Miguel Gomard und Adrien Dassault gegründet. Seit dem Start im April 2008 hat Myfab rund 80.000 Produkte verkauft; jeden Monat werden nach Angaben des Unternehmens 25 Container nach Europa verschifft. Die Produzenten haben ihren Sitz überwiegend in China, wo auch die meisten der 80 Angestellen von Myfab arbeiten. Ihre Aufgabe sind die Verhandlungen mit den lokalen Herstellern.

Das Unternehmen hat mit Möbeln begonnen, auch weil der elektronische Handel mit Einrichtungsgegenständen im vergangenen Jahr mit rund 20 Prozent Zuwachs auf rund 1,3 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland zu den dynamischen Sparten gehörte. Doch weitere Produkte sollen folgen. "In Frankreich werden auch schon Textilien angeboten. Auch Schmuck ist denkbar. Generell sind alle Produkte interessant, die eine hohe Differenz zwischen Herstellkosten und Verkaufspreis ausweisen. Hier können wir einen deutlichen Preisvorteil verschaffen", sagt Wahrendorf. 

Veröffentlicht 15. Juni 2009, 20:49 von Holger Schmidt
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Kommentare

Tommy_M3

16. Juni 2009, 09:52

Danke Holger für diesen Eintrag,

ich muss zugeben dass ich bisher noch nichts von myfab.com in Deutschland gehört habe.

Aber das Konzept ist überzeugend und durchaus einleuchtend. Warum mehr bezahlen wenn man die Zwischenstationen auslassen kann? Einfach aber zeitgemäß, vor allem in der heutigen Zeit wohl ein Erfolgsgeheimnis.

Klasse!

Ich persönlich kann es kaum erwarten bei der Abstimmung mitzumachen und hab mich auch schon bereits auf www.myfab.com angemeldet und mein Auge schon auf das ein oder andere Produkt geworfen :-)

Frank

16. Juni 2009, 17:04

http://-

Hallo Holger, ich habe mich wieder sehr über Deinen Eintrag gefreut! Super intressante Seite hast du dir da ausgesucht. War mir bisher auch noch kein Begriff. Nach www.vente-privee.com nun die Zweite mir bekannte klasse Made in France Seite die in Germany auf jeden Fall Fuß fassen wird.

Schnuppe von Gwinner

17. Juni 2009, 11:13

http://www.craft2eu.net

Was für eine verlockende Idee! Und was für ein cooles Konzept! Chapeau! Die Jungs sind wirklich sehr clever und haben ihre Hersteller und Kapitäne hoffentlich gut im Griff.

Welche Vision?

Alle sitzen auf ihren myfab-Sofas und Fauteuils unter ihrer myfab-Lampe zuhause, schauen ab und zu nachdenklich auf ihre myfab-Graphik.Dann wieder der Blick auf den Computer-Bildschirm: Was suchen wir uns dieses Mal aus?

Draussen fegt der Wind kalt durch die ausgestorbenen Innenstädte, vorbei an leeren Schaufenstern und bröckelnden Fassaden.

Da war doch mal was?

Peter

17. Juni 2009, 18:32

@ Schnuppe

genau das waren auch meine Gedanken. Ich stimme vollkommen zu.  

Dabei geht es mir aber weniger darum das heutige zu zementieren anstatt die Vielfalt zu beschwören. Nicht umsonst richtet sich der individuell ein und differenziert sich um spannend und "im Gespräch" zu bleiben.

Oder sich einfach wohl zu fühlen. :-)

Emanuel

19. Juni 2009, 10:12

...  Nicht umsonst richtet sich der MENSCH individuell ein und differenziert sich um spannend und "im Gespräch" zu bleiben. ...

Oder? Ich sehe das genauso. Aus lauter Geiz ist geil Mentalität auf myfab zu setzen ist genauso billig wie sich total trendy irgendwelche Editionen von Lumas in das Wohnzimmer zu hängen.

Gerhard

25. Juni 2009, 13:05

Hallo, finde die Sache auch sehr spannend und die Produkte zum größten Teil mindestens innovativ, wenn nicht gar richtig gut gelungen. Werde jetzt mal zur Tat schreiten.  Das ist - da stimme ich Emanuel zu - nichts für "Schnäppchenjäger". Es soll dem Käufer schlicht "gefallen" und nicht nur "billig" sein. Daher auch "Abstimmung" pp. Über "fair-trade" (China und dessen teilweise Arbeitsbedingungen) kann man ja zumindest mal reden. Aber da auch die "großen" Designer dort produzieren lassen....

Ah, by the way, habe durch Franks Beitrag erstmals von "vente-privee.com" gehört.

Gleich ebenfalls mal angesehen, kenne aber niemand der dort kauft und "Pate" sein kann. Ist ja fast wie bei den "Lions". Alsdann, schönen Arbeitstag oder Abend noch....

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