Facebooks Attacke auf Twitter
29. Juni 2009, 14:07
Uhr
Der Mikroblogging-Dienst Twitter hat den Trend zum
Echtzeit-Internet ausgelöst; nun ziehen andere Web-2.0-Dienste nach. Vor allem
das soziale Netzwerk Facebook, das als Reaktion auf Twitter schon die
Statusmeldungen seiner Nutzer in Echtzeit aktualisiert. Facebook-Chef Mark
Zuckerberg geht aber weiter: Bald können die mehr als 225 Millionen Nutzer ihre
Statusmeldungen auch außerhalb der Facebook-Seite veröffentlichen - ein
einfacher Klick auf den „Everyone Button" soll genügen, um die Reichweite außerhalb Facebooks zu
erhöhen. Damit verabschiedet sich Facebook allerdings von seinem Ursprung, ein
soziales Netzwerk für seine Mitglieder zu sein, sondern wird zu einer Art
Publikationsdienst, die den Nutzern eine größtmögliche Reichweite für ihre
Mitteilungen ermöglicht. Facebook wäre dann eine direkte Konkurrenz zu Twitter.
Wie ernst Facebook Twitter als Konkurrenten sieht, zeigen
auch schon die geplante Live-Suche in den Statusaktualisierungen und auch der
Dienst „Live Stream Box", den Facebook gerade ins Leben gerufen hat. Wer die
Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten Barack Obama auf der
Internetseite des Fernsehsenders CNN verfolgt hat, kennt das Prinzip schon:
Während auf dem linken Teil des Bildschirms das Livebild zu sehen war, haben
sich die Facebook-Nutzer im rechten Teil live mit ihren Freunden über das
Ereignis ausgetauscht. Mehr als eine Million Statusmeldungen sind in den zwei
Stunden der Amtseinführung geschrieben worden. Bei Tests während eines Konzerts
der Jonas Brothers wurden 23000 Statusupdates je Minute geschrieben; knapp eine
Million Facebook-Nutzer haben die Liveübertragung des Konzerts verfolgt.

Mit diesem Dienst, der in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen
Ustream entwickelt wurde, will Facebook die Dominanz von Twitter bei Liveveranstaltungen
treffen. Ob Konferenzen oder der „Tatort" am Sonntag - immer häufiger wird das
Gesehene heute auf Twitter kommentiert und diskutiert. Facebook geht mit seinem
neuen Dienst sogar einen Schritt weiter und bietet den Betreibern anderer Internetseiten
an, die Facebook-Box auf ihren eigenen Seiten einzubauen. Auch in diesem Fall
verlassen die Statusmeldungen die Facebook-Seite und können überall im Netz zu
sehen sein.
Ob Facebook mit dieser Strategie Erfolg hat, hängt
allerdings von der Akzeptanz der Nutzer ab. Eine breite Diskussion, ob die
Nutzer den Abschied vom Charakter des sozialen Netzwerks überhaupt wollen, ist
bisher noch nicht in Gang gekommen.
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