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United Internet: "Geld ist jetzt wichtiger als Reichweite"
06. Juli 2009, 17:33
Uhr
Die United-Internet-Tochtergesellschaft Adlink hat ihr
Geschäft mit graphischer Online-Werbung an den französischen Konkurrenten Hi
Media verkauft. Die Franzosen bezahlen 29,4 Millionen Euro für die Sparte;
davon 12,2 Millionen Euro als Kredit und 17,2 Millionen Euro in Form von 10,7
Prozent der Hi-Media-Aktien. Damit wird Adlink größter Aktionär der Franzosen
und hat zudem das Recht, den Anteil an Hi Media weiter zu erhöhen, teilten die
Unternehmen mit. In der Adlink verbleiben die Geschäftssparten Sedo und
Affilinet.
United Internet hatte Adlink bereits Anfang 2008 zum Verkauf
gestellt, aber offenbar keinen Käufer gefunden. Seit Ende des vergangenen
Jahres haben Adlink und die Schwestergesellschaft United Internet Media (UIM) dann
Gespräche über eine mögliche Verschmelzung der beiden Unternehmen geführt. In
der Zwischenzeit hat sich das Marktumfeld für graphische Werbung allerdings
deutlich verschlechtert. Vor allem die Vermarktung fremder Internetseiten ist
unter Druck gekommen, weshalb Adlink inzwischen Verluste schreibt und zu einer
Belastung für United Internet geworden ist.
Die geplante Zusammenführung der Eigenvermarktung (UIM) und
der Fremdvermarktung (Adlink), um die Reichweite im Internet zu erhöhen, sei
jedoch schwieriger gewesen als gedacht. „In der Online-Werbewelt hat sich in
diesem Jahr viel verschoben. Reichweite steht im Moment nicht mehr ganz oben
auf unserer Prioritätenliste. In dieser Krise steht das Ziel, Geld zu
verdienen, oben", sagte UIM-Chef Matthias Ehrlich (Foto). Viele Anbieter, die 2009 stark auf die
Fremdvermarktung gesetzt hätten, haben nach Angaben von Ehrlich jetzt große
wirtschaftliche Schwierigkeiten, weil die Preise stark gefallen sind. „Viele
verlieren jetzt Geld; die erhofften Ergebnisse kommen nicht", sagte Ehrlich. Der
Spagat, eine Vermarktung der eigenen Seite mit der Fremdvermarktung vieler
fremde Seiten im „Long Tail" funktioniere nicht so einfach wie gedacht, sagte
Ehrlich.
Die Zusammenarbeit mit dem Fremdvermarkter Hi Media, der derzeit
370 Mitarbeiter beschäftigt und im vergangenen Jahr 136 Millionen Euro Umsatz
erzielt hat, soll Adlink helfen, aus der Bredouille zu kommen. „United Internet
wird künftig eng mit Hi Media zusammenarbeiten. Die Erhöhung der Beteiligung an
Hi Media ist durchaus denkbar", sagte Ehrlich, der mit der
Vermarktung der unternehmenseigenen Seiten Web.de und GMX der Branchenprimus in
Deutschland ist. Auch Hi Media hat Großes vor: "Wir werden dann in ganz
Europa einen Marktanteil von etwa fünf Prozent haben und sind damit größer als
Yahoo, auch wenn wir noch nicht an MSN oder Google heranreichen", sagte Hi-Media-Chef
Cyril Zimmermann. Er rechnet damit, dass die Integration der rund 200 Adlink-Mitarbeiter
bis Ende des Jahres abgeschlossen sein wird.