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Vodafone und die Blogger
11. Juli 2009, 23:18
Uhr
Wenn die deutschen Blogger, die sich so gerne beschweren,
dass sie nicht ernst genommen werden, von einem großen Unternehmen wie Vodafone einmal ernst genommen werden, was tun die Blogger dann: Sie prügeln, zum Beispiel Thomas
Knüwer, so vehement auf Vodafone ein, dass sich andere
Unternehmen von nun an erst einmal sehr genau überlegen werden, Social-Media-Kampagnen dieser Größenordnung zu
starten. Dabei wäre diese Kampagne, die viel mehr ist als die verunglückte Pressekonferenz, die Gelegenheit gewesen, Social Media in der Werbung und Kommunikation zu
etablieren. Die Chance ist erst einmal vertan worden.
Doch auch wenn die Kritik überzogen war - Vodafone trägt eine nicht gerade
geringe Mitschuld an dem Desaster. Denn einige Dinge hätten den Verantwortlichen
vorher klar sein müssen:
- Man kann die neue Zielgruppe der „Generation
Upload" nicht mit Old-School-Marketingsprüchen begeistern. Die Versuche wirkten
in der Tat lächerlich (sich daran in unzähligen Blogbeiträgen abzuarbeiten allerdings genauso). Dass die Pressekonferenz aber etwas mehr Inhalt brauchte, war
wohl auch dem Vodafone-Chef Fritz Joussen noch klar geworden. Darum verkündete er zum Beginn der PK den
Abschluss des VDSL-Bitstream-Vertrages mit der Telekom. Sein Pech: Diese Nachricht
interessierte die "Community" rein gar nicht.
- Ein Unternehmen, das ein eher schlechtes Image
in der Zielgruppe hat, muss sich schon mehr als eine Werbekampagne einfallen lassen,
um seinen Ruf zu drehen. Das schlechte Image beruht einerseits in der
Zustimmung zu den umstrittenen Netzsperren („Zensursula"), die von den Bloggern
(aus gutem Grund) abgelehnt werden, andererseits aber auch in den Produkten und
Tarifen: Die „Generation Upload" ist entweder bei T-Mobile unter Vertrag, weil
sie ein iPhone will, oder bei O2, weil die Münchner vernünftige Datentarife
haben. Vodafone ist in der Zielgruppe weder für coole Handys noch für attraktive
Tarife bekannt. Warum also sollte die gut informierte „Generation Upload" zu Vodafone
wechseln? Ein attraktives Angebot hätte die anschließende Diskussion anders
aussehen lassen.
Vielleicht lernen wenigstens andere Unternehmen aus dem Vorgang. Zumindest wissen sie jetzt, dass jede Bewegung auf das Social-Media-Terrain sehr kritisch beäugt wird. Fehlertoleranz gibt es nicht. Doch Social Media braucht auf Dauer Social-Media-Kampagnen. Denn Social Media braucht irgendwann einmal eine Finanzierungsquelle. Also: Bitte über den Tag hinaus denken.
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