Ebay will Online-Kleinanzeigenmarkt in Deutschland aufrollen
08. September 2009, 18:00
Uhr
Der Internet-Marktplatz Ebay baut sein Kleinanzeigengeschäft
in Deutschland um. „Die neue Seite heißt Ebay-Kleinanzeigen.de. Wir nutzen die
Marke Ebay damit erstmals für das Kleinanzeigengeschäft, bleiben aber auf einer
anderen Plattform als der Ebay-Marktplatz", sagte Jacob Aqraou (Foto), Chef des
internationalen Kleinanzeigengeschäfts, der FAZ. Die bisherige
Ebay-Kleinanzeigenseite Kijiji hatte nach Angaben von Nielsen rund 2,7
Millionen Besucher im Juli und gehört damit zu den größten Kleinanzeigenseiten
in Deutschland. Nutzer können dort Anzeigen für Produkte, aber auch
Nachbarschaftshilfe, Stellen oder Immobilien inserieren. Kijiji soll künftig
nur noch für Kontaktanzeigen und Ferienwohnungen genutzt werden.
Deutschland habe im Online-Kleinanzeigengeschäft großen
Nachholbedarf, sagte Aqraou: „Wenn wir den deutschen Markt mit anderen
westeuropäischen Ländern vergleichen, ist Deutschland stark unterentwickelt. In
Ländern wie den Vereinigten Staaten oder Frankreich verbringen die Menschen
20-mal mehr Zeit auf Kleinanzeigenseiten als in Deutschland."
Auf Ebay-Kleinanzeigen.de können die Konsumenten ihre
Anzeigen kostenlos aufgeben. Aqraou will dabei auch von der Nähe zum großen
Ebay-Marktplatz profitieren. „Es ist unser Ziel, die Kategorien, die es auf
Ebay nicht gibt, zu einer Kleinanzeigenkategorie zu machen. Dabei ist es auch
möglich, dass Anzeigen vom Ebay-Marktplatz zu Ebay-Kleinanzeigen wandern. Das
ist mit der gleichen Marke leichter zu machen als vorher", sagte Tim Hilpert,
der Deutschland-Chef der Ebay-Kleinanzeigensparte. Zusätzlich soll eine
Kooperation mit dem Springer-Immobilienportal Immonet für Bewegung auf dem
Marktplatz sorgen.
Das Geschäftsmodell bleibe auch nach dem Seitenwechsel
gleich: genug Nutzer auf die Seite zu ziehen, um später Werbung zu verkaufen
und Gebühren für Zusatzfunktionen zu nehmen. „Auf lange Sicht denken wir auch
an Einstellgebühren für Anzeigen in Kategorien, in denen viel Geld steckt. Zum
Beispiel Stellenanzeigen. Zum Start sind wir für alle Nutzer kostenfrei", sagte
Aqraou.
Parallel zum Umbau des Kleinanzeigengeschäfts plant Aqraou
die Internationalisierung seines Autoanzeigenportals Mobile.de und sucht dafür
einen neuen Geschäftsführer. Der langjährige Chef Peter Schmid ist zur
Holtzbrinck-Partnervermittlung Parship abgewandert. „Wir sind mit Mobile.de
bereits in einigen anderen Ländern aktiv. Ich möchte aber, dass wir die
Internationalisierung in mehr und größere Länder vorantreiben. Ich möchte jetzt
in Ruhe schauen, ob wir richtig aufgestellt sind, um Mobiles Internationalität
voranzutreiben. Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen - ebenso wie die Suche
nach einem neuen Geschäftsführer", sagte Aqraou.
Links: Aqraou: "Die Nummer 3 oder 4 im Markt hat keinen Spaß"
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