Burda und Axel Springer sind die größten Google-Profiteure unter den Verlagen
15. September 2009, 07:00
Uhr
Hubert Burda hat der Suchmaschine Google eine „schleichende
Enteignung" der Verlage vorgeworfen und der Axel-Springer-Verlag gehört zu den
Unterzeichnern der „Hamburger Erklärung", die den Suchmaschinen vorwirft, den
Verlagshäusern einen fairen Anteil an ihren Umsätzen vorzuenthalten. Gerade
Burda und Springer haben ihre Internetseiten aber besonders gut an Google
angepasst; keine anderen Verlage füttern die Suchmaschine so gut mit Inhalten. Nach
einer Untersuchung der Suchmaschinenoptimierer The Reach Group stammen 56
Prozent der Inhalte, die von den 148 deutschen Unterzeichnern der „Hamburger
Erklärung" im Google-Suchindex positioniert wurden, von Burda und Springer: 45
Prozent entfallen auf Burda, 11 Prozent auf Springer. Während Gruner + Jahr,
Handelsblatt und Heise noch einen jeweils einstelligen Prozentanteil auf sich
vereinen, teilen sich die anderen 143 Unterzeichnerverlage der „Hamburger
Erklärung" die restlichen 27 Prozent der von Google erfassten Artikel.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen die
Suchmaschinenoptimierer von Searchmetrics, die neben der Zahl der von Google
News indexierten Artikel auch die Dauer und Art der Plazierung berücksichtigen.
Ihr Ergebnis: Burdas Flaggschiff Focus Online und die Springer-Seite Welt
Online sind seit Beginn der Messung Anfang April mit Abstand auf den Rängen
eins und zwei, haben also die größte Präsenz in Google News. Bild.de liegt in
der Halbjahresbetrachtung auf Rang fünf, holt aber stark auf in jüngster Zeit. Entsprechend
hoch dürfte die Zahl der Leser sein, die Google diesen Seiten zuführt. Über den
Anteil der von Google kommenden Leser reden die Verlage öffentlich nicht. Aber:
„Jede halbwegs gut optimierte Verlagsseite bekommt 30 Prozent ihrer Leser von
Google. Wer es besser macht, kann auch 60 Prozent erreichen", sagte Eric Kubitz
vom Suchmaschinenoptimierer Contentmanufaktur. Computerzeitschriften oder
Modemagazine, deren Inhalte nicht von der Tagesaktualität geprägt sind,
beziehen leicht 60 bis 65 Prozent ihrer Leser von Google, sagt Kubitz.

Alle großen Verlage haben in den vergangenen Jahren kräftig
in die Optimierung ihrer Seiten für die Suchmaschinen investiert. „Burda und
Springer haben in den vergangenen Jahren viel Mühe darin gesteckt, Archive
aufzubohren und in Suchmaschinen zu pumpen", sagt Christoph Burseg von The
Reach Group. Der Aufstieg der zu Burda gehörenden Computerzeitschrift „Chip"
gilt in der Branche sogar als Paradebeispiel, welche Erfolge mit
Google-Optimierung erreicht werden können.
Doch allein aktuelle Nachrichten, die nur kurzfristig von
Interesse sind, reichen heute nicht mehr aus, um dauerhaft von Google zu
profitieren. „Viele Verlage bemühen sich, haltbare Inhalte wie Testberichte ins
Netz zu stellen, die auch in einem halben Jahr noch interessant sind. Ein
Beispiel dafür ist auch Spiegel Wissen. Wenn diese Artikel viele Links bekommen
haben, tauchen sie unter den ersten zehn Suchtreffern auf und bringen dauerhaft
Leser", sagt Kubitz.
Doch trotz der Anstrengungen spielen Verlagsinhalte in
Googles Suchergebnissen nur eine geringe Rolle. „Nur gut fünf Prozent der
Top-10-Ergebnisse gehören zu den Verlags-Angeboten. Anders formuliert: 95
Prozent aller deutschen Suchabfragen enthalten keine Ergebnisse von
Verlagsseiten auf Seite eins. Die wirtschaftliche Bedeutung der Verlagsinhalte
für Google scheint also sehr gering zu sein", sagt Burseg, der Googles Websuche
mit - allerdings ungewichteten - Suchanfragen gefüttert hat und die Ergebnisse
mit und ohne Verlagsinhalte verglichen hat. Die 5 Prozent umfassen alle
Verlagsangebote, also nicht allein die Nachrichtenangebote. „Zum Beispiel
zählen bei Burda auch die Inhalte der Seiten wie holidaycheck.de oder
guter-rat.de mit hinein. Würden wirklich nur Nachrichten-Seiten betrachtet,
würde es noch viel magerer für die Verlage aussehen", sagt Burseg.
In seiner Analyse sind die Verlagsinhalte, die auf Google
News gezeigt werden, allerdings nicht enthalten. „Der Anteil der Google-Nutzer,
die auch Google News nutzen, ist mit etwa 5 Prozent der Google-Nutzer extrem
klein. Entscheidend ist die Websuche", sagte Burseg. Tatsächlich nutzen etwa 35
Millionen Menschen in Deutschland die allgemeine Google-Suche, aber nur etwa
2,4 Millionen Google News. Burseg bestätigt mit seinen Berechnungen eine
Aussage des Google-Nordeuropachefs Philipp Schindler, der jüngst in einem
Interview gesagt hat: „Ich will keinem zu nahe treten, aber Verlags-Content hat
nur einen verschwindend geringen Anteil." Tatsächlich zeigt ein Blick auf die
Rangliste der Suchbegriffe in Google Insights, die von den Google-Nutzern in Deutschland jeden Tag
mehr als 100 Millionen Mal in den Suchschlitz getippt werden, auf den ersten 30
Plätzen allein 15 andere Internetunternehmen wie Youtube, Ebay oder GMX.
Weitere häufig gesuchte Begriffe wie Wetter, TV, Spiele, Telefonbuch oder
Routenplaner sind eher allgemeiner Art.
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Lesetipp: Google Chefökonom Hal Varian
„Früher hatte eine Zeitung in ihrer Region eine Monopolstellung. Heute
konkurrieren aber viele Medien miteinander. Wenn der Artikel im
Wall Street Journal über den Iran dem Artikel in der New York Times
oder der Washington Post sehr ähnlich ist, sinkt der Preis für die
Nachricht wegen des Wettbewerbs auf seine Grenzkosten. Und diese Kosten
für die Bereitstellung einer weiteren Einheit dieser Standard-Nachricht
betragen im Internet eben null. FAZ.NET
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Lesetipp: Chris Andersons "Free"
„Nach einigen Jahren mit
Online-Experimenten, bei denen immer wieder versucht wurde, die Nutzer für
Inhalte zahlen zu lassen, wurde es fast jedem klar, dass der Kampf gegen die
digitalen Gesetzmäßigkeiten einen aussichtsloses Unterfangen war. Free hat
gewonnen". Lediglich spezialisierte Informationen, die den Lesern einen hohen
Nutzwert bringen und konkurrenzlos sind, seien verkäuflich. „Die Zeitungsbranche muss sich wie die
Musikbranche neu erfinden" FAZ.NET
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Links:
Wie Google News zu seinen Nachrichten kommt:
Google News durchsucht 700 deutschsprachige
Nachrichtenquellen und ordnet den gefundenen Artikeln Rubriken zu. Über Erfolg
oder Misserfolg vieler Nachrichtenseiten entscheidet dann die Art und Weise,
wie Google die gefundenen Nachrichten in der Rangliste sortiert. Denn nur auf
die Nachricht, die möglichst weit oben angezeigt wird, klicken die Nutzer auch.
„Wichtig ist dabei, wie neu die Nachricht ist, ob es sich um die
Originalnachricht handelt und ob sie von einer vertrauenswürdigen Quelle
stammt", sagte Maile Ohye, Leiterin des Google Entwicklerprogramms, in einem
Video (siehe unten). Dazu fließen weitere sogenannte Signale wie ein möglichst enger lokaler
Bezug in die Bewertung ein. Google bemühe sich, die Originalquelle einer
Nachricht zu finden und weit oben zu plazieren. Weiter oben in der Rangliste
stehen auch vertrauenswürdige Quellen, die Google über das Klickverhalten
seiner Nutzer identifiziert. „Wenn bei einer Auswahl von 5 Quellen sehr viele
Nutzer auf den dritten Artikel klicken, ist dies offenbar eine Quelle, der
viele Menschen vertrauen", sagte Ohye. Entsprechend hoch wird die Quelle
künftig in den Ranglisten einsortiert. Über die Funktion „Local" können sich
die Nutzer inzwischen auch Berichte von lokalen Quellen und über die Region aus
dem Nachrichtenstrom herausfiltern lassen. Google
streut Suchergebnisse aus seiner Nachrichtenseiten in die normale Suche sein,
hat aber hier - anders als in Amerika - keine Werbung auf Google News. „Es gibt
auch keinerlei Pläne, in Deutschland Werbung auf Google News zu schalten",
sagte ein Google-Sprecher.