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Das Web 2.0 erreicht die Gewinnschwelle
28. September 2009, 17:00
Uhr
Eigentlich ist 2009 für die Online-Werbung ein schwaches Jahr mit
nur einstelligen Zuwächsen. Doch für die sozialen Netzwerke, die sich mit
Online-Werbung finanzieren, reicht das geringe Wachstum, um an die
Gewinnschwelle heranzurücken. Das weltgrößte Netzwerk Facebook hat rund fünf
Jahre nach der Gründung und 700 Millionen Dollar Investition im zweiten Quartal
erstmals einen positiven Mittelzufluss erreicht, teilte der Gründer und
Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg im Unternehmensblog
mit. Eigentlich sei dies erst für 2010 geplant gewesen.
In diesem Jahr werde
Facebook mehr als 500 Millionen Dollar Umsatz erzielen, sagte Marc Andreessen,
Mitglied des Facebook-Aufsichtsrats, in einem Interview.
Wenn sich Facebook mehr angestrengt hätte, wären auch 1 Milliarde Dollar Umsatz
möglich gewesen, sagte Andreessen. Noch gibt Facebook dem Nutzerwachstum den
Vorrang vor dem Umsatz. Jeden Tag registrieren sich 700.000 Menschen bei
Facebook, das inzwischen geschätzte 6 Millionen Nutzer in Deutschland und mehr
als 300 Millionen Nutzer auf der ganzen Welt hat. „Die Nutzerzahl wächst
schnell. Die Werbung auf den Seiten wächst aber noch schneller", sagte der
Europachef Blake Chandlee.
Auch der deutsche Marktführer, die VZ-Gruppe mit StudiVZ,
SchülerVZ und MeinVZ, nähert sich der Gewinnschwelle. "Wir haben in
einigen Monaten schon Gewinne erzielt. Im Gesamtjahr werden wir allerdings noch
einmal rote Zahlen schreiben", sagte der Vorstandsvorsitzende Markus Berger-de
Léon. Auch für Googles Videoseite Youtube schließt sich die
Lücke zwischen Kosten und Umsatz schnell. "Die Kosten für Sp
eicherplatz
und Bandbreite sinken stetig. Gleichzeitig steigt der Werbeumsatz sehr schnell.
Videowerbung in Deutschland wächst in diesem Jahr um 264 Prozent. Youtube
wächst schneller - das gilt für Umsatz und Reichweite. Unser Geschäft hebt jetzt
ab", sagte Henrique de Castro, der bei Google für die Vermarktung graphischer
Werbung und damit auch für die Werbung auf Youtube zuständig ist. Noch Anfang des Jahres hatte der Google-Vorstandschef Eric Schmidt
angekündigt, Youtube müsse auch 2009 nach dem richtigen Modell für die
Monetarisierung suchen. „Jetzt haben wir das Modell gefunden. Die Nachfrage der
Werbekunden verschiebt sich von statischen Werbebannern hin zu bewegten
Bildern", sagte de Castro. In Deutschland wird Youtube jeden Monat von etwa 15
Millionen Menschen aufgesucht und ist damit so populär wie T-Online. In aller
Welt suchen 330 Millionen Menschen im Monat die Videoseite auf.
Dass die
Web-2.0-Angebote langsam aber sicher auch wirtschaftlichen Erfolg haben, liegt
an ihrer großen Popularität unter den Nutzern, die auch die Werbetreibenden
anzieht. Mehr als 80 der größten 100 Unternehmen der Vereinigten Staaten werben
inzwischen auf Facebook; in Großbritannien ist die Quote mit 40 der
Top-50-Unternehmen ähnlich hoch, sagte Chandlee. Die Unternehmen wenden sich
dem Web 2.0 zu, weil immer mehr Nutzer dort immer mehr Zeit verbringen. Nach
Messungen des Marktforschungsunternehmens Nielsen
hat sich die Zeit, die Nutzer auf diesen Seiten verbringen, binnen eines Jahres
auf 17 Prozent der gesamten Internetzeit verdreifacht. "Dieses Wachstum
bedeutet einen grundlegenden Wandel in der Internetnutzung. Der Wunsch nach
Vernetzung, Kommunikation und dem Teilen der Informationen treibt das Wachstum
im Internet immer stärker", sagte Jon Gibs von Nielsen.
Parallel zum
Nutzerwachstum ist das Online-Werbevolumen in den Netzwerken im August um 119
Prozent auf 108 Millionen Dollar gestiegen. Der Anteil an der gesamten Online-Werbung hat sich in diesem Zeitraum auf 15 Prozent mehr als verdoppelt. „In der Vergangenheit hatten Werber schwerwiegende Bedenken gegenüber Werbung in sozialen Medien. Die beachtlichen Zuwächse der Werbeausgaben, die wir in den vergangenen zwölf Monaten gesehen haben, zeigen, dass diese Bedenken nicht mehr bestehen", sagte Gibs. Vor allem Werber, die direkten Kontakt zu ihren Zielgruppen aufbauen wollen,
verlagern immer mehr Werbedollar in soziale Netzwerke, wo sie einen Dialog mit
ihren Zielgruppen führen können, sagte Gibs. Das bestätigt das
Marktforschungsunternehmen Emarketer, das amerikanische Werbern nach ihren
Plänen für das kommende Jahr befragt hat. Danach wollen drei von vier Werber
ihre Ausgaben in den sozialen Netzwerken erhöhen. Mit großem Abstand auf Rang 2
folgen Werbeausgaben in Suchmaschinen, in das etwa jeder zweite Befragte mehr
Geld investieren will. In klassische Online-Werbung wollen 28 Prozent der Werber
mehr Geld investieren.
Während die marktführenden Web-2.0-Angebote ihr Geschäftsmodell
gefunden zu haben scheinen, ist der Kurznachrichtendienst Twitter noch auf der
Suche. Auch die Twitter-Gründer konzentrieren sich in dieser frühen Phase noch
auf das Wachstum, haben aber angekündigt, Premium-Dienste für Unternehmen
einzuführen. Auch Werbung wird früher oder später kommen. Die Erfolgsaussichten
dafür sind nicht schlecht. Nach einer Untersuchung des
Marktforschungsunternehmens Interpret befassen sich 24 Prozent der Nutzer in
ihren Kurznachrichten mit Produkten oder Unternehmen - ein doppelt so hoher
Anteil wie in anderen sozialen Netzwerken. 20 Prozent der Twitter-Nutzer
schauen sich Unternehmensseiten an, doppelt so viel wie Nicht-Nutzer und die
Wahrscheinlichkeit eines Klicks auf eine Werbung ist bei Twitter-Nutzern mit 20
Prozent doppelt so hoch wie bei Nicht-Nutzern, haben die Marktforscher
herausgefunden. Eine Untersuchung an der amerikanischen Pennstate-Universität bestätigt das
Ergebnis: „20 Prozent aller Tweets enthalten Anfragen für Produktinformationen
oder Antworten auf diese Fragen", sagte Jim Jansen, Professor für
Informationswissenschaften und Technologie an der Universität. „Entsprechend
nutzen Unternehmen Twitter immer stärker für Markenaufbau und Pflege der
Kundenbeziehungen", sagte Jansen.
Links:
- Wachablösung: Web 2.0 läuft Web 1.0 den Rang ab
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