100 Millionen Dollar für ein neues Yahoo - das Video
29. September 2009, 16:47
Uhr
Yahoo will es noch einmal wissen. Der Internet-Pionier gibt 100 Millionen Dollar
für eine Werbekampagne aus, die das neue Yahoo zeigen soll. "Yahoo will künftig
im Zentrum des Internet-Lebens der Menschen sein. Unsere neue Homepage ist sehr
offen, erlaubt den Nutzern, zum Beispiel ihre Applikationen von Facebook oder
Ebay dort einzubinden", sagte der Europachef Rich Riley der FAZ. Die neue
Yahoo-Startseite, die in den Vereinigten Staaten und Großbritannien bereits
freigeschaltet ist, soll in Deutschland in einigen Monaten kommen. Dort können
die Nutzer andere Internetanwendungen einbinden und jederzeit sehen, ob neue
Nachrichten in ihrem Postfach (von Konkurrenten wie Google oder Microsoft)
eingetroffen sind oder was sich in ihrem Facebook-Account getan hat, ohne die
Yahoo-Seite verlassen zu müssen. "Früher hat Yahoo diese Seiten als Konkurrenten
angesehen, heute als Partner. Das ist erst der Anfang. Die Integration wird noch
viel tiefer werden", sagte Riley. Die Strategie: Yahoo soll
der Einstiegspunkt für den Gang ins Internet werden. Eine Position, die heute
meist noch Google innehat. "600 Millionen Menschen nutzen Yahoo jeden Monat. Das
ist jeder zweite Internetnutzer auf der Welt. Wir sind also in der einzigartigen
Position, im Zentrum zu stehen", sagte Riley.
Die neue Strategie wurde
aus der Not geboren, denn nach
dem Scheitern der Microsoft-Übernahme stand Yahoo eher verloren da. Dann kam die
neue Vorstandschefin Carol Bartz vor neun Monaten ans Ruder, die für hartes
Durchgreifen bekannt ist. "Carol Bartz ist eine sehr starke
Führungspersönlichkeit. Sie hat Yahoo eine klare Richtung vorgegeben. Ich bin
seit elf Jahren bei Yahoo. Ich habe nie ein Unternehmen gesehen, das so stark
auf ein Ziel ausgerichtet war", sagte Riley. Ein Ergebnis der neuen
Strategie ist mehr Eigenständigkeit für die Gesellschaften außerhalb Amerikas,
die früher wenig Freiraum hatten, sich schnell an die lokalen Bedingungen
anzupassen. "Yahoo war mehr auf Amerika konzentriert, als es gut war. Nun sind
die Regionen selbst verantwortlich für ihre Produkte und die Vermarktung", sagte
Riley.
Im Fokus des Geschäftsmodells steht weiterhin die
Online-Werbung, allerdings mit neuer Aufgabenteilung. "Als Teil der Kooperation
mit Microsoft konzentrieren wir uns jetzt stärker auf Agenturen und große
Unternehmen, weniger auf kleine Unternehmen. Dafür ist Microsoft nun zuständig",
sagte Riley. Für die neue
Strategie werden auch mehr Leute gebraucht: "Wir stellen dafür auch neue
Mitarbeiter ein, auch in Deutschland", sagte Riley.
Der Markt für graphische Online-Werbung in Europa
stagniere 2009 oder gehe leicht zurück. "Im kommenden Jahr erwarten wir wieder
ein leichtes Wachstum, aber noch keine Rückkehr zu den hohen Wachstumsraten der
vergangenen Jahre. Aber wir haben den Boden erreicht und werden mehr positive
als negative Überraschungen erleben", sagte Riley.